Die Straßenbahn in der Bosnischen Hauptstadt Sarajevo

Allgemeines, Geschichte
Ein buntes Sammelsurium erwartet den Straßenbahnfreund wenn er in die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina reist. Ausschließlich Straßenbahnfahrzeuge, die vorher in anderen Städten Europas unterwegs waren, finden sich in Sarajevo.
Die Straßenbahn gibt es in Sarajevo bereits seit 1885, anfangs jedoch mit Pferdetraktion und schmalspurig mit der Bosnischen Spur von 760 mm als Verlängerung der Bosna-Bahn ins Zentrum der Stadt hinein. Dabei verkehrten bis in die 1920er Jahre auch Gütertrams auf den Straßenbahngleisen.
Bereits 1 Jahr vor der Elektrifizierung der Straßenbahn in der Residenzstadt Wien wurde die Straßenbahn in Sarajevo im Jahr 1895 elektrifiziert, ab dem 9. Oktober 1960 verkehrt die Straba auf Normalspurgleisen.

Linien, Betrieb
26 Haltestellen werden von 6 Linien bedient, wobei alle Linien nahezu die gleiche Strecke befahren. Neben der Haupterstreckung Ost-West gibt es eine Abzweigung von wenigen hundert Meter von 2 Linien zum Hauptbahnhof von Sarajevo. Alle Fahrzeuge sind Einrichtungsfahrzeuge, am östlichen Ende der Strecke in der Innenstadt wird in einer großen Schleife gewendet – die Fahrzeuge fahren dann parallel zur Hinfahrt ein paar Häuserblocks weiter nördlich retour.
Die Streckenlänge beträgt 11,1 km und ist normalspurig ausgeführt. Die Linienlänge beträgt 22,9 km. Der Strom wird aus der Oberleitung zugeführt mit 600 Volt Gleichstrom.
Die nostalgischen Straßenbahnen sind oftmals zum Bersten voll, hier besteht dringender Bedarf, das System auszubauen. Die Fahrscheine können auch beim Fahrer gekauft werden, man bekommt bei ihm oder in den Kiosken ein modernes mit einem Magnetstreifen versehenes Ticket, auf den 1 oder mehrere Fahrten elektronische aufgebucht sind. So modern die Tickets so antiquiert geht es an den Haltestellen zu – kein Fahrplan, kein Netzplan, digitale Anzeigen wann die nächste Tram kommt sowieso nicht. Eine Fahrt kostet ca. 80 cent.
Kuriosum: Seit 1984 gibt es zusätzlich zur Straßenbahn noch einen Obus in Sarajevo, der vom gleichen städtischen Unternehmen geführt wird. Allerdings gibt es unterschiedliche Fahrkarten für beide Verkehrsmittel, die Karten vom Obus sind kleine Streifen, die mechanisch durch einen Locher im Obus entwertet werden müssen.
Einige Fotos













Anm.: Ehemalige Wagen aus Wien und Amsterdam, die auch im Einsatz sind, konnte ich leider nicht ablichten.
Fazit
Die Straßenbahn in Sarajevo wird gut angenommen, das merkt man auch daran, wie bummvoll die Züge meist sind. Da gilt es sicher für die Zukunft Lösungen zu finden, vor allem wird man über längere Gelenkgarnituren mit mehr Fahrgastvolumen nicht umhinkönnen. Im Unterschied zum Obus ist man vom Ticketing her schon auf modernen Pfaden unterwegs (elektronische Aufbuchung und Entwertung), da wäre es doch nur naheliegend, dass diese Karten auch für den Obus Geltung bekommen und man nicht 2 unterschiedliche Fahrkarten für die beiden von einem Unternehmen geführten Verkehrsmittel braucht.
Straßenbahnfreunden macht es aber auch aktuell oder gerade aktuell Spaß, mit diesen Oldtimern durch die Gegend zu düsen.
Update 2026: Vorbei ist es mit dem bunten Wagenpark. Ab September 2023 wurden neue Wagen geliefert und zwar Tango NF3 von Stadler Rail. Die insgesamt 25 Neufahrzeuge ersetzen einen Großteil des historischen Fuhrparks.

Links
Link zum Betreiber JKP GRAS Sarajevo (Javno Komunalno Preduzeće – Gradski Saobraćaj Sarajevo, übersetzt: Öffentliches Kommunales Unternehmen – Städtischer Verkehr Sarajevo): http://www.gras.ba (tw. Probleme beim Laden der Seite)
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Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum
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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF
Erstmals Online publiziert: / page first published 7. Mai 2016; Seiten-Relaunch 17.5.2026; Letzte Ergänzung / page last modified 17.5.2026
