Brennerbahn Wanderung Bozen-Waidbruck Teil 4

Die alte Brennerbahn – Eine eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen nach Waidbruck (Teil 4)

Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Die mächtige „Rötelebrücke“ als imposantestes Relikt auf der letzten Etappe kurz vor Waidbruck (Foto Archiv Dr. Michael Populorum)

Gewidmet meinem Lehrmeister für Geographie an der Universität Salzburg
o.Univ. Prof. Dr. Helmut Heuberger 1923 – 2011
Ein aufrechter Tiroler und wahrer Freund Südtirols


Ein Reader in 4 Teilen 

  • Teil 1: Bozen – Kardaun >>>
  • Teil 2: Kardaun – Blumau >>>
  • Teil 3: Blumau – Atzwang >>>
  • Teil 4: Atzwang – Waidbruck >>>

Teil 4: Atzwang – Waidbruck

Nach erfolgter Labung in der Radstation BIOS zu Atzwang, wo der wandernde Eisenbahnforscher doch länger als geplant geblieben war, ging es weiter dem Etappenziel Waidbruck entgegen, wo ja die Brennerbahn als Verkehrsmittel wieder zur Verfügung steht, sie verläßt dort den Schlerntunnel kurz vor dem Bahnhof. Der nördliche Teil der dem Kuntersweg folgenden alten Brennerbahn ist weiterhin eingezwängt in der Eisackschlucht und teilt sich den engen Weg noch mit der Autobahn an der Hanglehne und der Staatsstraße. Man passiert auf der Wanderung dann noch die ehemalige Haltestelle Kastelruth.

Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Das hölzerne Haltestellengebäude Kastelruth (italienisiert Castelrotto) liegt auf 428 m (vgl. Atzwang 373 m). Eine pflegliche Sanierung und Revitalisierung (bspw. Labungsstelle für die Radler und Wanderer) wäre dringend zu empfehlen.

Einige Fotos von der letzten Etappe

Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Links die Staatsstrasse, in der Mitte die alte Eisenbahntrasse, rechts über dem Eisack an der Hanglehne die Brennerautobahn
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Ein alter Holzunterstand als Relikt der Eisenbahnära. Ein Schild auf der Seite weist auf ein Telefon hin („T“) und dabei ist auch die Kilometrierung angegeben – km 165,0 von Verona (Bozen 150,2)
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Die Staatsstrasse hat sich auch hier tw. auf die alten Gleisanlagen ausgebreitet – ein neuer Tunnel mit 534 m Länge wurde ab September 2006 um knapp 12 Mio. Euro für die steinschlaggefährdete SS 12 errichtet. Am Tunnel oben liegende Erdmassen absorbieren zusätzlich die Steinschlagenergie
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Es gebt stetig bergan – links die neu eingehauste Staatsstraße 12 (fertiggestellt 2009), der Radweg, rechts steile Böschung zum Eisack
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Ein kleines Häuschen direkt südlich des ehemaligen Haltepunktes Kastelruth schlummert einsam und verlassen dem Verfall entgegen
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Die alte Holzbrücke („Torggler Steg“) direkt beim ehem. Haltepunkt Kastelruth kommt in Sicht. Wie das nahezu idente Pendant in Völsersteg ehem. touristische Bedeutung, Zugang zu den Orten Kastelruth und St. Oswald. Darum hieß er Haltepunkt auch seit seiner Eröffnung 1898 bis zur Zwangsitalienisierung der Südtiroler Ortsnamen durch die Italofaschisten „St. Oswald-Kastelruth“.
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Das Wärterhäuschen in Kastelruth nördlich des ehemaligen Haltepunktes auf der anderen Seite der Staatsstrasse ist aktuell dem Verfall preisgegeben

Nach gut einer halben Stunde Wanderung ab Kastelruth kommt das markanteste Bauwerk dieses Abschnitts in Sicht – die sogenannte „Rötelebrücke“, ein Doppeleisenkasten über den Eisack. Auf einem Stahlträger ist auch das Datum der letzten Inspektion noch abzulesen: 28.9.1990. Das enge Tal hat sich geweitet und es geht eben ca. noch eine gute halbe Stunde Wanderszeit bis Waidbruck.

Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Während der eine Kasten für den Radweg asphaltiert wurde ist der zweite Kasten sich selbst überlassen – ein beeindruckendes Relikt! Man wünscht sich, auch an der einen oder anderen Stelle entlang der Strecke Zeugen der ehem. Eisenbahnstrecke zu finden (Signale, Kilometerangaben etc.)
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Der Weg biegt plötzlich über eine neu errichtete Eisenbrücke scharf nach links auf das andere Eisackufer ab. Dort geht es kurz steil bergan auf die Staatsstrasse, der man ca. 1 km nach Waidbruck folgen muß. Die ehem. Trasse ging aber geradeaus weiter
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Deutlich sichtbar durchs Gebüsch der Verlauf der alten Trasse. Diese mündet nach ca. 500 m direkt beim Nordportal des Schlerntunnels vor dem Kraftwerk in die Bestandsstrecke ein
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Von der anderen Seite hat man einen guten Überblick. Markant das Kraftwerk, hinter dem die Brennerbahn (alt und neu) verläuft, dahinter die Autobahn und links oben die über Waidbruck thronende „Trostburg“ aus dem 12. Jahrhundert
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Ein Güterzug in Doppeltraktion verlässt den Schlerntunnel. Direkt rechts vom Tunnelportal mündet die alte Strecke ein. Der Tunnel links ist ein Autotunnel (Abzweig Richtung Grödnertal?)
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Im Zentrum von Waidbruck mit Kirche und Bürgerhaus
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Der Bahnhof von Waidbruck (Ponte Gardena) straßenseitig, rechts im Hintergrund der alte hölzerne Wasserturm. Eine Bahnhofsbar oder gar ein Bahnhofsrestaurant findet sich leider nicht. Der idyllische Gasthof nächst dem Bahnhof fiel den Umbauarbeiten in den 1990er Jahren zum Opfer!
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Die ÖBB Taurus 1216 017 (ital. Bezeichnung E 190 017) als DB ÖBB Eurocity Richtung Süden mit einem gemischten Wagensatz aus DB- und ÖBB-Wagen. Gleich nach dem Bahnhof wird der Zug in die neu errichtete Einhausung eintauchen, dann für ein paar hundert Meter wieder am Tageslicht alsdann im Schlerntunnel für mehr als 13 Kilometer verschwinden
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
DB ÖBB EC bei der Einfahrt in die Einhausung in Waidbruck
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Kaum ist der DB ÖBB EC in der Einhausung verschwunden kommt der Regionale Bozen-Brenner ans Tageslicht. Die Fläche auf der ca. 400 m langen Einhausung wird genutzt (Gehweg, Straße)
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Nördlich des Aufnahmsgebäudes des Bahnhofs Waidbruck steht noch der alte Wasserturm sowie ein Magazin. Aufschrift nur Ponte Gardena, den eigentlichen Namen Waidbruck sucht man vergeblich
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Aus der Zugperspektive: Einfahrt in die Einhausung unmittelbar nach dem Bahnhof Waidbruck Richtung Süden
Eisenbahn Südtirol Alte Brennerbahn Archäologie Lost Place Atzwang Kastelruth Waidbruck
Aus der Zugperspektive: Einfahrt in den 13.307 m langen Schlerntunnel (Galleria Sciliar) von Waidbruck kommend. Man erkennt deutlich den Beginn der festen Fahrbahn der Tunnelstrecke. Rechts erkennt man Gebäude des Kraftwerks sowie die alte Strecke, die am Eisack entlangführte und diesen dann nach ca. 1 km auf der Rötelebrücke überquerte

Schlussbemerkungen

So bequem es sein mag, mit dem Veloziped (Fahrrad) dem Gefälle folgend nach Süden zu brausen, so sehr viel mehr nimmt der Wandersmann auf Schusters Rappen, doch etwas langsamer vorankommend, die Landschaft in ihrer ganzen Vielfalt wahr. Oftmals sah der Wandersmann Menschen auf dem Rad sitzend, entweder verbissen in die Pedale tretend oder auf der Balance liegend, um weniger Luftwiderstand zu haben – in beiden Fällen jedoch quasi mit Scheuklappen, nicht registrierend, was links oder rechts sich darbot. Da lobt sich der Wandersmann die Kontemplation beim Gehen.

Die Wanderzeit von Bozen bis Waidbruck betrug in Summe (inkl. kleinerer Foto-Halte und Einkehr beim Rungger Pius) von 9 Uhr bis 17 Uhr, also 8 Stunden. Wer sich mehr Zeit für die einzelnen Abschnitte gönnen möchte der kann unterwegs entweder übernachten oder die Wanderung „portionieren“, sprich den auf der Staatsstrasse verkehrenden Bus benutzen.

Von großer Dringlichkeit wäre es, die noch vorhandenen und dem Pangermanismus-Vernichtungswahn der Italofaschisten bis dato entronnenen Kulturgüter der österreichisch-tirolerischen Epoche zu schützen, Denkmal- bzw. Ensembleschutz ist ein Muß. Und danach die gedeihliche Sanierung und Revitalisierung, bspw. in Atzwang das Bahnhofsgebäude für ein kleines Museum zur Geschichte der Brennerbahn zu adaptieren, inkl. einer Bar versteht sich. Die Sanierung der Gebäude des alten Umspannwerkes in Atzwang durch Pius Rungger können hier als Vorbild dienen.

Wenn schon beim Abtrag der Strecke nahezu sämtliche Zeichen der Eisenbahn mitverschwunden sind, so wäre es umso wichtiger, entlang der Strecke mittels der einen oder anderen Schautafel auf die Geschichte der Bahn und der Region hinzuweisen.

Diese spannende Eisenbahnhistorische Wanderung als Publikation

Eisenbahn Archäologie Brennerbahn Lost place
Cover E-Book Band 4 der DEEF-Schriftenreihe

Details & bestellen >>>


Links

Eisenbahnarchäologische Wanderung Bozen – Waidbruck (Reader in 4 Teilen)

  • Teil 1: Bozen – Kardaun >>>
  • Teil 2: Kardaun – Blumau >>>
  • Teil 3: Blumau – Atzwang >>>
  • Teil 4: Atzwang – Waidbruck >>>

DEEF-Dokumentation über die Brennerbahn >>>

Betreiber Trenitalia >>>

DEEF Doku Eisenbahnarchäologische Wanderung Brenner – Gossensass (4 Teile) >>>


Besuchen Sie auch unseren Video-Kanal – Join our Video-Channel
https://www.youtube.com/@Railways-Ropeways-of-Europe 


Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

Sollten Sie Anregungen zu den Projekten haben oder eigene Beiträge oder Fotos präsentieren wollen, so freuen wir uns auf eine Kontaktaufnahme. Haben Sie einen Fehler entdeckt? Bitte um Info >

redaktion@dokumentationszentrum-eisenbahnforschung.org


Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: / page first published 27. Dezember 2011; Seiten-Relaunch 6.1.2026; Letzte Ergänzung / page last modified 6.1.2026