Dietschibergbahn Luzern

Dietschibergbahn, ehemalige Standseilbahn auf die Kleine Rigi, den Dietschiberg, in Luzern

Talstation der ehemaligen Dietschibergbahn („Halde“), heute Wohnhaus (Foto August 2021)

Dort wo einst die Endstation „Halde“ der Luzerner Tram lag und heute die Haltestelle des Luzerner Obus, brachte vom 10. August 1912 bis zum 30. September 1978 eine Standseilbahn, die Dietschibergbahn (abgek. DBB), Fahrgäste hinauf auf die Kleine Rigi, wie der Dietschiberg auch genannt wurde. Besonders beliebt war dabei das Ausflugsrestaurant oben am Dietschiberg. Als dieses aus nach wie vor ungeklärten Umständen am 26. April 1977 durch ein Feuer zerstört wurde und aus ebenso ungeklärten Gründen das Restaurant nicht wieder aufgebaut wurde, war das Ende der so beliebten Dietschibergbahn vorgezeichnet.

Ensemble der ehem. Talstation der Standseilbahn auf den Dietschiberg, Luzern (CH)

Aufgrund geringer Fahrgastfrequenz wurde sie am letzten Tag des Septembers 1978 eingestellt. Auch nachfolgende ehrenamtliche Versuche einer Revitalisierung der Bahn durch die DBB-Betriebs AG und den Verein Pro Dietschibergbahn brachten keine Erfolge, auch weil die Stadt Luzern und der oben beheimatet Golfclub – offenkundig ein Nutznießer der Stilllegung – kein Interesse an einer Wiederinbetriebnahme zeigten. Auch von einer einst viel beachteten Modellbahnanlage oben am Dietschiberg (errichtet von Arthur Oswald jr.) ist nicht mehr viel zu sehen, denn sie musste einer Parkplatzvergrößerung des Golfclubs weichen. Reste dieser Modellbahnanlage finden sich im benachbarten Verkehrshaus Luzern.

Neben den Objekten der Tal- und der Bergstation – beide zu Wohnhäusern umgebaut – finden sich noch vereinzelt Schienenreste und Masten sowie Reste des Trassees, denn die Bahnanlagen gingen 1998 an den Golfclub, der am gleichen Tag mit dem Abbau der Anlagen begann.

Die DBB war 1,243 km lang, meterspurig und hatte eine maximale Neigung von 247 Promille. Die Talstation lag auf einer Seehöhe von 441 m, die Bergstation auf dem Dietschiberg auf 627 m, somit wurde eine Höhendifferenz von 186 m überwunden. 1929 wurde die Zwischenstation Rigistrasse eröffnet, 1964 (Untere Lützelmatt) und 1970 (Obere Lützelmatt) wurden 2 weitere Zwischenstationen eröffnet.

Ehem. Talstation von der Haldenstraße aus

Die DBB wurde von Bell Kriens und der Maschinenfabrik Oerlikon errichtet und hatte in der Mitte eine Ausweiche. Der Antrieb befand sich in der Bergstation. Jeder der beiden silbernen Wagen konnte max. 40 Personen aufnehmen, somit ergibt sich bei einer Vmax von 4,0 m/sek eine stündliche Beförderungsleistung von 450 Personen.

Victor Freiherr von Röll, der Großmeister des österreichischen Eisenbahnwesens, schreibt in seiner Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 3. Berlin, Wien 1912, S. 371 folgendes über die Dietschibergbahn:
„Dietschibergbahn (Luzern-»Kleiner Rigi«, Schweiz) elektrisch angetriebene Seilbahn, von der Trambahnendstation »Halde« an der östlichen Stadtgrenze von Luzern aus auf die 210 m über dem Vierwaldstättersee gelegene Anhöhe Dietschiberg, auch »Kleiner Rigi« genannt.

Die Bahn ist 1240 m lang, beginnt mit 9% Steigung, die sich allmählich auf 24∙7% erhöht. Die Fahrgeschwindigkeit beträgt 2∙1 m/Sek. Die Wagen sind mit der in neuerer Zeit allgemein angewandten Zangenbremse, einer Handbremse und zweier selbstwirkender Bremsen ausgestattet, die sich am keilförmigen Schienenkopf festklemmen. Eine Neuerung ist die Schienenbefestigung auf den eisernen Querschwellen vermittels autogener Schweißung. Die elektrisch beleuchteten Wagen sind vollständig »offen« gebaut, nach der Art von Straßenbahnsommerwagen. Die Bahn wurde am 10. August 1912 dem allgemeinen Verkehr übergeben.“

Obus (Hess Swisstrolley, Nr. 214, Linie 6) in der Haltestelle Dietschiberg direkt vor der ehem. Talstation

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 1. September 2021; Letzte Ergänzung: –