Waldviertler Schmalspurbahnen

Waldviertler Schmalspurbahnen – Touristische Highlights im Waldviertel

Der Weg ist das Ziel – Aufenthalt im Bahnhof Langschlag der Südstrecke mit dem „Jausenwagerl“ des Mittagszugs Gmünd- Groß Gerungs sowie Denkmal-Dampflok 298.206. Daneben lockt ein kleines Eisenbahnmuseum in einem Güterwagen die Wissbegierigen (Foto 11. August 2021)

Waldviertler Schmalspurbahnen bezeichnet 3 zusammenhängende und aktuell nur mehr im Tourismusverkehr betriebene schmalspurige Eisenbahnstrecken (Bosnische Spur 760 mm) im Niederösterreichischen Waldviertel mit der Stadt Gmünd als Betriebsmittelpunkt.

Die 3 Strecken sind

  • A: Südast Gmünd – Groß Gerungs
  • B: Nordast Gmünd – Litschau
  • C: Nordast Zweigstrecke Alt-Nagelberg – Heidenreichstein

A: Südast Gmünd-Groß Gerungs

Länge 43,1 km, Betreiber NÖVOG, ursprünglich eröffnet 1903, Betreiber NÖLB (Niederösterreichische Landesbahn) bis 1.1.1921, nachfolgend die Staatsbahn BBÖ bzw. ÖBB, Ende des Planverkehrs 2001, nachfolgend touristische Fahrten durch das Land NÖ auf ÖBB-Schienen, ab 2010 ist das Land NÖ Eigentümer der Strecke und Betreiber des touristischen Verkehrs die landeseigene NÖVOG.

Der Zug aus Gmünd hat am 11.8.2021 den Endbahnhof Groß Gerungs erreicht. Zuglok V5 der NÖVOG (ÖBB BR 2095)

Die Stationen Südast Gmünd-Groß Gerungs:

  • Gmünd NÖ, Bahnhof, km 0,0; 500 m.ü.d.M.
  • Ehrendorf, ehem. Hs, km 2,3; 495 m
  • Dietmanns, Hs, km 3,9; 497 m
  • Eichberg bei Weitra, ehem. Hs, km 6,5; 502 m
  • Alt Weitra, Bahnhof, km 9,8; 506 m
  • Weitra, Bahnhof, km 14,1; 574 m
  • Langfeld, ehem. Hs, km 17,0; 615 m
  • Schöllbüchl, ehem. Hs, km 19,4
  • St. Martin bei Weitra, Bahnhof, km 21,4; 630 m
  • Steinbach-Bad Großpertholz, Bahnhof, km 24,1; 626 m
  • Abschlag Fassldorf, Hs, km 26,3; 673 m
  • Bruderndorf Wasserstelle, Betriebsstelle, km 29,6; 749 m
  • Bruderndorf, Hs (seit 1986), km 31,9
  • Langschlag, Bahnhof, km 36,1; 753 m
  • Harruck, ehem. Hs, km 39,5; 757 m
  • Heinrichs, ehem. Hs, km 41,6
  • Groß Gerungs, Bahnhof, km 43,1; 679 m
Gleich gehts los Richtung Groß Gerungs. Aufgrund der Länge des Zuges lugt die Zuglok V5 aus der Abfahrshalle der NÖVOG in Gmünd etwas heraus
Auf der Flachstrecke zwischen Gmünd und Weitra
Kurz vor Weitra
Der bereits gut gefüllte Zug nimmt in Weitra noch 2 Reisegruppen auf – das freut den Veranstalter
Im Jausenwagerl lässt es sich gut reisen – ohne Maske 🙂
Nomen est omen
Bahnhofsgebäude St. Martin bei Weitra
Nach dem Bahnhof Steinbach-Bad Großpertholz beginnt die Steilstrecke („Waldviertler Semmering“)
Durch dichten Wald geht es bergan

Im Gebiet des „Waldviertler Semmerings“ südlich des Bahnhofs Steinbach-Bad Großpertholz weist die Strecke Gebirgscharakter auf mit einer maximalen Steigung von 26 Promille. Hier befinden sich auch die beiden einzigen Tunnel des Waldviertels, nämlich der Kleine Bruderndorfer Tunnel mit einer Länge von 44 m sowie gleich nach der Wasserstelle Bruderndorf der Große Bruderndorfer Tunnel mit einer Länge von 262 m.

Nordportal des Großen Bruderndorfer Tunnels (262 m lang)
Die Wasserstation Bruderndorf ist erreicht
Auch hier wie an vielen Stationen sehr gut ausgearbeitete Infotafeln zur Geschichte der Bahn und Umgebung
Eine hier zu Tage tretende Quelle speist den Wasserkran
Mariefred steht auf dem Haltestellenhütterl in Bruderndorf Wasserstelle – ein Relikt von den Dreharbeiten zum Film Schloß Gripsholm hier im Jahr 2000
Nordportal des Kleinen Bruderndorfer Tunnel

Der Scheitelpunkt der Strecke liegt bei der Wasserstelle Bruderndorf auf eine Höhe von 806 m.

Aufnahmsgebäude Bahnhof Langschlag
Während die Kellnerin vom Jausenwagerl zur örtlichen Bäckerei um Nachschub von Mohntalern gegangen ist nutze ich die Gelegenheit die Zuglok V5 im Bf Langschlag abzulichten
Denkmallok im Bf Langschlag (Dampflok 298.206)
Der Endbahnhof Groß Gerungs ist erreicht. Dort waren schon 3 Reisebusse auf die Reisegruppen – die Rückfahrt verspricht also mehr Platz und Bewegungsfreiheit
Nicht nur im rollenden Jausenwagerl kann man sich laben sondern auch im Dampfbahnstüberl in Groß Gerungs. Welch eine Freude dass es hier noch ein Bahnhofsresti gibt
Bahnhofsresti Groß Gerungs
Für die Rückfahrt muss die Lok umgesetzt werden. Rechts am Streckenende der alte Lokschuppen
Der Zug steht nach dem Umsetzen parat zur Rückfahrt
Ankunft des Zuges am späten Nachmittag in der alten Stadt Weitra. Ich habe hier mein Nachtquartier im Bräugasthof gebucht
Nach Abfahrt des Zuges kehrt Ruhe ein am Bf Weitra
Warteraum
Unter der überdachten Veranda des Aufnahmsgebäudes
Prächtig in Schuss das alte Aufnahmsgebäude – allerdings nur selten saisonal genutzt, denn Planverkehr gibt es keinen mehr

B: Nordast Gmünd-Litschau

Länge 36,5 km, Betreiber NÖVOG, ursprünglich eröffnet 1900, Betreiber NÖLB (Niederösterreichische Landesbahn) bis 1.1.1921, nachfolgend die Staatsbahn BBÖ bzw. ÖBB, Ende des Planverkehrs 1986 (Personenverkehr), daraufhin Sonderfahrten des Waldviertler Schmalspurbahnvereins (WSV). Einstellung Güterverkehr 2001, nachfolgend touristische Fahrten durch das Land NÖ auf ÖBB-Schienen, ab 2010 ist das Land NÖ Eigentümer der Strecke und Betreiber des touristischen Verkehrs die landeseigene NÖVOG.

VT 11 (ÖBB BR 5090) am 12.8.2021 im Endbahnhof Litschau

Die Stationen Nordast Gmünd-Litschau

  • Gmünd NÖ, Bahnhof, km 0,0; 500 m
  • Böhmzeil, ehem. Hs (1922-1950), km 2,5
  • Breitensee, ehem. Hs, km 5,8
  • Breitensee Kinderwerkstatt, Hs, km 6,3
  • Neu-Nagelberg, Bahnhof, km 8,4; 485 m
  • Alt-Nagelberg, Bahnhof, km 11,2; 495 m
  • Brand, Bahnhof, km 15,4; 518 m
  • Gopprechts, ehem. Hs, km 19,3
  • Schönau Dorfwirt, Hs, km 24,1
  • Litschau, Bahnhof, km 25,3; 527 m
VT 11 am 12. August 2021 kurz vor der Abfahrt im Bf Gmünd
Führerstand VT11
Fahrgastraum VT11
Direkt am Grenzübergang zu Tschechien geht es vorbei. Der Bahndamm ist bis zur ehem. Station Gmünd Böhmzeil Staatsgrenze – musste wohl mulmig gewesen sein während der Eiserne Vorhang noch existierte
Aufnahmgsgebäude des ehem. Bahnhofs Gmünd Böhmzeil
Aufnahmsgebäude Neu-Nagelberg
In Alt-Nagelberg legten wir eine kurze Pause ein, Fotohalt also
Hier zweigt die Strecke nach Heidenreichstein ab
Aufnahmsgebäude Bahnhof Brand
Der Endbahnhof Litschau ist erreicht. Im Paketwagen vor dem hölzernen Magazin sowie im Magazin ist ein kleines Eisenbahnmuseum mit interessanten Infos zum Bahnbau und zu den damals geplanten Erweiterungen der Strecke situiert
Der alte Lokschuppen in Litschau
Eisenbahnmuseum im Magazin Litschau
Blick von der mit Weinreben geschmückten Veranda des Aufnahmsgebäude auf den VT 11, der seine verdiente Mittagspause genießt
Auf der Rückfahrt fragte der Triebfahrzeugführer, ob wir noch wo einen Fotohalt einlegen wollen – wir hielten dann in Schönau bei Litschau
Nach einem zünftigen Ausflug geht es heimwärts nach Gmünd

C: Nordast Zweigstrecke Alt Nagelberg-Heidenreichstein

Länge 13,2 km, Betreiber Waldviertler Schmalspurbahnverein (WSV), Züge werden unter der Bezeichnung „Wackelstein-Express“. An gemeinsamen Betriebstage mit der NÖVOG werden in Alt-Nagelberg sogenannte Doppelausfahrten für die Fotographen zelebriert. Die Strecke wurde im Jahr 1900 eröffnet, die Gesamteinstellung erfolgte 1992.

Die Stationen Nordast Zweigstrecke Alt Nagelberg-Heidenreichstein (Wackelstein Express)

  • Alt-Nagelberg, Bahnhof, km 0,0; 495 m
  • Alt-Nagelberg Herrenhaus, Bahnhof, km 0,4
  • Alt-Nagelberg Ergo, Hs, km 1,1
  • Brand Süd, ehem. Hs, km 4,1
  • Langegg, Hs, km 6,5
  • Aalfang, Hs, km 8,2; 537 m
  • Kleinpertholz, Hs, km 12,0
  • Heidenreichstein Moormuseum, Hs (seit 2014), km 12,5
  • Heidenreichstein, Bahnhof, km 13,2; 561 m

Die Züge des Wackelstein-Express sind meist mit Dieselloks der ehem. ÖBB-Baureihe 2091 bespannt.


Ursprünglich angedachte Netzerweiterung

Die ursprünglich angedachte und bereits im Detail geplante Verlängerung des Nordastes von Litschau über Hörmanns und Griesbach nach Neubistritz (Nová Bystřice) zur Schmalspurbahn Neuhaus–Neubistritz, verzögerte sich zuerst aus finanziellen Gründen und kam nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges nicht mehr zustande, auch weil Neubistritz dem neuen Staat Tschechoslowakei zugeschlagen wurde. Aus denselben Gründen blieben auch Pläne, die Südstrecke von Groß Gerungs über Ottenschlag nach Krems oder über Arbesbach und Königswiesen nach Grein an der Donau zu verlängern, sowie eine Verbindung ab Langschlag mit dem Mühlviertel nach Freistadt erfolglos. Denn anstatt das Werk unserer Vorfahren zu vollenden wurden unvollendet gebliebene Strecken durch die Staatsbahn ÖBB abgewirtschaftet und anschließend reihenweise stillgelegt und das unter Duldung der Politik!


Betrieb & Betriebszentrum NÖVOG

Heute wird in die Strecken doch zumindest soviel investiert, dass ein unfallfreier Tourismusbetrieb möglich ist – der Weg ist das Ziel und nicht die schnelle Raumüberwindung von A nach B.

Und die NÖVOG hat für die Errichtung des neuen pippifeinen Betriebszentrums und Schmalspurbahnhofs in Gmünd für ihre „Waldviertelbahn“ tief in die Tasche gegriffen, die 2014 eröffneten Anlagen sollen 8,5 Millionen Euro gekostet haben.

„Räderdenkmal“ vor dem Betriebszentrum der NÖVOG in Gmünd. Dahinter ein „Goldener Triebwagen“ (ÖBB BR 5090)
Das Betriebszentrum der NÖVOG in Gmünd
Eingangshalle mit Info- und Ticketschalter, Infotafeln, Sitzmöglichkeiten, WC-Anlagen und Bistrobereich mit kleinem Garten – Blickrichtung Bahnhofshalle mit den abfahrenden Zügen
Blick in die Werkstatt
Die beiden Bahnsteige in der Abfahrtshalle

Bei der Zügen der NÖVOG kommen lokbespannte Züge zum Einsatz (Diesel BR 2095, Dampf) sowie Triebwagen der ehem. ÖBB-Baureihe 5090 („Goldener Triebwagen“), die bspw. noch im Liniendienst auf der Pinzgauer Lokalbahn im Einsatz sind.

Dampflok Mh1 der NÖVOG am 25. Mai 2019 im Betriebszentrum Gmünd (ex ÖBB 399.01)

Zusätzlich zu den Nostalgie-Planfahrten mit Schwerpunkt im Sommer finden noch ganzjährig Themenfahrten (z.B. im Advent) statt.


Links

Waldviertelbahn Betreiber NÖVOG >>>

Betreiber Waldviertler Schmalspurbahnverein / Wackelstein-Express >>>

DEEF Doku Franz-Josef-Bahn >>>


Literatur

Peter Wegenstein (Hrsg.): Schmalspurbahnen im Waldviertel. Band 52 der Reihe „Bahn im Bild“, Verlag Pospischil Wien.


Alle Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 30. September 2021; Letzte Ergänzung: –