Eisenbahnmuseum Warschau

Das Eisenbahnmuseum in Warschau (Stacja Muzeum Warszawa)

Wie eigentlich fast jeder Staat in Europa – Österreich ist hier leider ausgenommen – so hat auch Polen ein staatliches Verkehrs- bzw. Eisenbahnmuseum. Es ist im ehem. Bahnhof Warschau „Główna“, ehemals auch der wichtigste Bahnhof der Stadt, untergebracht, welcher zentrumsnah direkt an der West-Ost verlaufenden Hauptstrecke zum heutigen Warschauer Hauptbahnhof (Warszawa Centralna) liegt.

Sicher eines der bekanntesten Exponate im Warschauer Eisenbahnmuseum – die Borsig Stromliniendampflok der ehem. DR, Baujahr 1940

Auch wenn die Wikipedia aktuell anderer Ansicht ist und behauptet, das Eisenbahnmuseum ist seit März 2016 wegen Liquidation geschlossen, so kann ich versichern, dass ich im Mai 2019 bei meinem Besuch in Warschau dort Station machte und für meine Leserschaft auch ordentlich Fotos geschossen habe. Und ein Gespräch vor Ort mit Museumsverantwortlichen brachte auch zum Ausdruck, dass das Museum auch weiterhin an diesem Ort bleiben wird, auch wenn ein Teil des Bahnhofs reaktiviert wird, wovon neu errichtete Bahnsteige bereits künden.

Im Unterschied zu den „geschleckten“ und mit viel Geld errichteten und gestylten Automobilmuseen, bspw. Porsche und Mercedes in Stuttgart – wirken die meisten Eisenbahnmuseen wilder, authentischer, ja rebellischer, weil sie sich aufzulehnen scheinen gegen den einstigen vom Zeitgeist und der Automobillobby im Verein mit der Politik verordneten Niedergang und der seit damals herrschenden Dominanz der Automobile. Aber wie schon Bob Dylan vor Äonen sang: „The Times they are a changin“ – Eisenbahnen und Straßenbahnen kommen zurück und bis dahin gilt es, die Erinnerung an alte Zeiten, an die bis dato goldenen Zeiten der Eisenbahnen wachzuhalten und in Museen zu bewahren.

Neben einem Innenbereich, der vor allem der Geschichte der polnischen Eisenbahn gewidmet ist, hat das Museum einen Außenbereich, wo an 2 langen Bahnsteigen teils einzigartige Exponate ausgestellt und teilweise auch begehbar sind. Da die Bahnsteige teilweise sehr desolat sind, war ein kleiner Teil bei meinem Besuch abgesperrt, was dem Genuss beim Museumsbesuch aber keinen Abbruch tat.


Nachfolgend einige Fotos von meinem Besuch des Warschauer Eisenbahnmuseums im Mai 2019.

Der einst wichtigste Bahnhof der Stadt liegt seit Jahren für den Bahnverkehr brach, aber er beherbergt das Eisenbahnmuseum. Die Kulisse wirkt etwas rustikal aber passt bestens zur Thematik
Eisenbahnmotive zieren die Außenfassade des ehem. Aufnahmsgebäudes
Eines der Bilder macht Werbung für das Schmalspurbahn-Museum Sochaczew, einer Außenstelle des Warschauer Eisenbahnmuseums. Es dürfte das größte Schmalspurbahnmuseum Europas mit 163 ausgestellten Fahrzeugen sein
Der Eingang ins Museum, welches täglich geöffnet ist
Prächtige Modelle im großen Innensaal 1, welche vor allem – aber nicht nur – Kinderaugen zum Glänzen bringen
Die polnische Eisenbahngeschichte steht logischerweise im Mittelpunkt der ausgestellten Relikte
Das Außengelände – die Exponate stehen auf den Schienen des ehem. Bahnhofs. Wie man sieht (Mai 2019), soll der Bahnhof wieder von S-Bahnen bedient werden, wofür im vorderen Bereich auf 2 Gleisen bereits ein neuer Bahnsteig errichtet wurde, der aktuell abgezäunt war
Ein Schneepflug sowie auf der anderen Seite des Fahrzeugs eine Schneeschleuder – das erste Exponat, welches man im Freien zu Sehen bekommt
Salonwagen eines ehem. polnischen Staatspräsidenten aus der kommunistischen Ära der 1950er Jahre
DR BR 03.10, stromlinienverkleidet als ehem. 03.1015, Bezeichnung der polnischen Staatsbahn PKP Pm3-3. Gebaut wurde diese BR bei Borsig, Krupp und Kraus-Maffei in den Jahren 1939-1941, die Dienstmasse mit vollem Tender betrug 181,7 Tonnen, Höchstgeschwindigkeit 140 km/h.

Schnellzug Schlepptender Lok der PKP BR Pt 47 in grüner Stromlinienverkleidung, Baujahr 1947

PKP Ty 43.17, ehem. DR BR 42, Baujahr 1947

Universal E-Lok PKP EU 20, gebaut bei LEW Henningsdorf 1955-1958. Von den im Güterzugverkehr eingesetzten Lokomotiven ist Nr. 24 im Warschauer Museum das letzte verbliebene Exemplar

E-Lok der PKP EP 02-02 gebaut von Pafawag (Państwowa Fabryka Wagonów) in Breslau, Baujahr 1954

Bahnhofsvorfeld, links die Masten der Hauptstrecke Richtung W. Centralna

PKP BR ST 44.001, Baujahr 1965, polnische Variante der BR M62 (sowjetische Lokomotivfabrik Lugansk), dieselelektrische Lok für den schweren Güterzugeinsatz.
Aus der Führerstandsperspektive
Die Ausstellungsstücke sind vom harten Arbeitsleben aber auch von der Abstellung im Freien gezeichnet. Aber auch das hat seinen Charme ….

Der Nachkriegs-Dieseltriebwagen PKP BR SN 52, gebaut beim ungarischen Hersteller Ganz & Co in den Jahren 1954 – 1955. SN52-38 als letzter seiner Art im Warschauer Eisenbahnmuseum
In den ehemaligen Magazinen dürfte noch Platz für das Museum sein – aber es fehlt wohl auch hier am nötigen Kleingeld. Aber der jetzige Zustand hat auch sein besonderes Flair, wie eine Kulisse für einen Film aus den Nachkriegsjahren
Wehrmachts-Panzerzug (Panzertriebwagen und Gefechtswagen), Baujahr 1943

Dort konnte man früher im Bahnhof speisen – das ehem. Bahnhofsrestaurant

Fazit: Ein Besuch im Warschauer Eisenbahnmuseum (Stacja Muzeum Warszawa, dt. Station Museum Warschau) ist für jeden Eisenbahnfreund ein Muss.  Das Museum ist jeden Tag geöffnet, am Montag, wo in vielen Ländern die Museen versperrt sind, gibt es im Stacja Muzeum freien Eintritt. Es ist zu hoffen, dass dem Museum die nötigen Geldmittel für Betrieb und Restaurierung der Exponate in Hinkunft zur Verfügung stehen werden, aber gleichzeitig der Charme des authentischen, rustikalen nicht verloren geht. Aus sollte sich die Teilwiederinbetriebnahme des Bahnhofs „Główna“ nicht negativ auf das Eisenbahnmuseum auswirken.


Link:

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Alle Fotos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 28. Juni 2019; Letzte Ergänzung: