Puch Museum Judenburg

Das Puch-Museum in Judenburg

Im Zentrum der obersteirischen Stadt Judenburg mit 9.853 Einwohnern lädt das Puch-Museum in- und ausländische Gäste ein, sich über eine der bekanntesten und beliebtesten – leider ehemaligen –  Unternehmungen des Landes zu informieren.

Auf der Museumswebseite ist zu lesen: Nach dem Vorbild und nach dem Leben von Johann Puch (27.6.1862 bis 19.07.1914) orientiert sich das Puch Museum Judenburg an seiner Geschichte und an seinem Lebenswerk: Die Puch Zwei- und Vierradfahrzeuge. Auf übersichtlichen Schau- und Zeittafeln finden Sie eine kurze Biografie vom Begründer Johann Puch sowie die Entwicklung der „Marke Puch“ – vom ersten Erzeugnis bis hin zur Museumseröffnung in Judenburg.

In unserem Museum sehen Sie:

  • Die gesamte Palette der PUCH-Autos
  • Meilensteine der PUCH-Motorrad- und Mopedgeschichte
  • Die beliebtesten PUCH-Fahrräder


Zur Geschichte von PUCH (zit. Das Kleine Verkehrslexikon):

Puch, die Puch-Werke waren eine ehem. österr. Unternehmung, gegr. 1899 in Graz von Johann Puch, slowenisch Janez Puh (* 1862 in Sakuschak, Untersteiermark, Österreich-Ungarn, † 1914 in Agram / Zagreb), das Fahrräder, Motorfahrräder, Verbrennungsmotoren, Motorräder und Automobile produzierte. 1928 erfolgte die Fusion mit der >Austro Daimler-Motoren AG und der Oesterreichischen Flugzeugfabrik AG (Oeffag) zur Austro-Daimler-Puchwerke AG. 1934 kam es zur Fusion mit den Steyr-Werken zur >Steyr-Daimler-Puch AG (weitere Firmengeschichte siehe dort). In Graz und in Judenburg gibt es der Öffentlichkeit zugängliche Puch-Museen.

Steyr-Daimler-Puch AG, nach der Fusion 1934 versuchte man sich bis zum 2. WK auch im Autobau. Im 2. WK als Teil der Reichswerke Hermann Göring entstanden neue Werke in Graz-Thondorf (Zweier-Werk) und in St. Valentin (Nibelungenwerk, größtes Panzerwerk des Dt. Reichs). Nach dem 2. WK wurden Nutzfahrzeuge und Traktoren gebaut sowie in Lizenz >Fiat Fahrzeuge mit der Bezeichnung Steyr-Fiat. Mitte der 1960er Jahre umfasste das Produktionssortiment Pkw, Lkw, Geländewagen, Traktoren, Landmaschinen, Wälzlager, Jagdwaffen, Panzer, Motorräder, Fahrräder und Werkzeuge. Etwa ein Drittel der Produktion ging in den Export. Bekannte Fahrzeuge waren der Haflinger und der Pinzgauer, die vor allem beim Österreichischen Bundesheer, aber auch bei zahlreichen ausländischen Armeen jahrelang eingesetzt waren. Der Puch G ist baugleich mit dem Mercedes-Benz G, der auch in Graz gebaut wird. Berühmte Steyr-Panzer, die auch beim Österr. Bundesheer Verwendung fanden, waren der Saurer Schützenpanzer, Jagdpanzer Kürassier, der Radpanzer Pandur sowie der Schützenpanzer Ulan. Ab 1987 wurde St. als drittgrößter Industriekonzern Österreichs filetiert und Produktionszweige verkauft bzw. ausgegliedert. U.a. wurde 1987 die Waffenproduktion in die Steyr Mannlicher GmbH & Co KG. ausgegliedert, die Fahrradproduktion (Marke Puch) an >Bianchi und die Mopedsparte (Marke Puch) an >Piaggio verkauft, 1990 ging die LKW-Sparte (Marke Steyr) an >MAN, die Traktoren-Sparte (Marke Steyr) in die USA und die Bussparte (Marke Steyr) an >Volvo. 1998 ging die Produktion schwerer Waffen ab und ist ab 2003 Teil des us-amerik. Rüstungskonzerns General Dynamics. 1998 Verkauf der Sparten Fahrzeugtechnik und Antriebstechnik an den kanadischen Magna-Konzern des Austro-Kanadiers Frank Stronach. Autobusse von Steyr wurden in Kooperation mit zahlreichen Unternehmen gebaut, u.a. mit >Saurer, >Ikarus, >Mercedes Benz, >Gräf & Stift oder >Volvo. Auch >Obusse wurden gebaut, die auch beim Salzburger Obus zum Einsatz kamen.


Nachfolgend ein kleines Fotokaleidoskop von meinem Besuch im Judenburger Puch-Museum im Mai 2017.


Fazit: Gönnen Sie sich einmal für 2-3 Stunden das Puch-Museum in Judenburg, vielleicht ergeht es Ihnen auch so wie mir, als ich staunend und freudig aber auch traurig und beschämt die Exponate studierte. Staunend und freudig, als mir bewusst wurde, was unser Österreich auch nach der Zerschlagung der großen Monarchie noch als Kleinstaat Alles geleistet hat, welch innovativer Forschergeist und erfolgreiches Unternehmertum es auch in der 2. Republik noch gab. Traurig und beschämt aber darüber, was dann die Politik und „Wirtschaftsexperten“ daraus gemacht haben – „zerschlagen und verscherbeln“ hieß offenbar deren Credo, Aufgabe der Eigenständigkeit, Abhängigkeit von ausländischen Unternehmen und Staaten, anstatt eigenständig in Kooperation einen innovativen Standort Österreich zu sichern!


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Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 20. August 2020; Letzte Ergänzung: –