Pontafelbahn Kanaltalbahn Pontebbana alte Strecke Teil 1

Die Pontafelbahn, auch Kanaltalbahn oder Pontebbana – die alte Strecke Teil 1 von (Thörl Maglarn-) Tarvisio Centrale – Pontafel (Pontebba)

Die Pontafelbahn, ital. Pontebbana, auch Kanaltalbahn, stellt die südliche Fortsetzung der Rudolfsbahn (Amstetten…..-) Villach – Tarvis dar und verläuft von der heutigen Grenze bei Tarvis (ital. Tarvisio) über die von 1866 bis 1918 bei Pontafel (ital. Pontebba) verlaufende ehem. Staatsgrenze Österreich-Ungarn – Italien nach Udine. Ursprünglich stand für die Verbindung nach Triest auch eine Trassenvariante über/durch den Predilpass und Görz zur Diskussion, die aber nie gebaut wurde, obwohl 1866 große Teile von Friaul und Venetien an Italien abgetreten werden mußten und die neue Grenze eben bei Pontafel verlief.

Ruine im alten Bahnhof von Tarvis

Im Oktober 1879 erfolgte die Eröffnung der 25 km langen Verbindung von Villach nach Pontafel, wo die Verbindung zum italienischen Netz hergestellt wurde. Da man sich auf keine Gemeinschaftsbahnhof in Pontafel / Pontebba einigen konnte, gab es jeweils einen eigenen österr. Grenzbahnhof in Pontafel (heutiger Bahnhof Pontebba) sowie ital. Grenzbahnhof in Pontebba jenseits des Grenzbaches. Seit 1918 verläuft nun die Grenze in Tarvis.

Die alte Strecke von 1879 verlief angelehnt an die Fella, den Fluß im Kanaltal (Val Canale) durch zahlreiche kleinere und mittlere (bis 600 m) Tunnel und Galerien. Bedingt auch durch Erdbeben und Unwetter war die Strecke öfter im Betrieb bedroht und man entschloss sich, eine neue Pontebbana zu errichten, die von Carnia bis Tarvis großteils im Berg verläuft.

Im Herbst 2000 wurde die Neue Pontebbana in Betrieb genommen, die alte Strecke wurde teilweise in einen Radweg umgewandelt (Alpe Adria Radweg).

Im September 2014 unternahm ich eine eisenbahnarchäologische Wanderung entlang der alten Trasse von Tarvis bis Uggowitz (Ugovizza) bzw. Pontafel. Die Fortsetzung der Wanderung in Richtung Carnia ist für 2020 geplant – falls die durch das „Chinesische Grippevirus“ aktuell ausgebrochene kollektive Massenhysterie das zulassen wird (Teil 2).

Nachfolgend eine kleine Dokumentation:

Eingang in den neuen Bahnhof von Tarvis – Tarvis Grünwald bzw. ital. Tarvisio Boscoverde. Seit dem Jahr 2000 übernimmt dieser Bahnhof die Funktionen des ehem. Bahnhofs Tarvisio Centrale (Tarvis Hbf). Das Gebäude wirkt außen und innen überdimensioniert, findet doch seit der Inbetriebnahme kaum nennenswerter Personenverkehr statt
Für Loks der ÖBB wie hier am Bild den Alpenstaubsauger 1144 009-9 und Taurus 1116 131-4 ist hier am Systemwechselbahnhof finito – außer bspw. für eine Taurus 1216, die verträgt den ab hier angebotenen Gleichstrom von 3000 Volt
Vom Bahnhof Grünwald (Boscoverde) geht es auf dem alten Verbindungsgleis (heute Fuß- und Radweg) Richtung Tarvisio C. Hier verkehrten von 1870 bis 1967 Züge auf der Relation Tarvis – Jesenice – Laibach. Wo sich heute der Bf Boscoverde befindet lag damals der von der kkStb errichtete Bahnhof Alt Tarvis (Tarvisio Vecchio).
Die Eisenbrücke über die Gailitzschlucht (ital. Slizza)
Hier beginnt das ehem. Bahnhofsareal von Tarvis Hbf, der Schotter deutet ehem. Gleislagen an
Wegweiser für die wenigen Wanderer und die zahlreichen Radlfahrer

Nachfolgend einige Fotos vom ehem. Bahnhofsgelände in Tarvisio C.

Nachdem ich den Bereich rund um das Aufnahmsgebäude und die Bahnsteige erkundet hatte, marschierte ich entlang der ehem. Schienen Richtung österreichische Grenze, wo u.a. ehem. Tankstelle und Gütermagazin zu sehen sind

Ca. 10 Minuten zu Fuß auf dem hier gut ausgebauten Weg auf den ehem. Schienen entdeckt der gut eingelesene Eisenbahnarchäologe – so kaum mehr erkennbar da zugewachsen – ein Tunnelportal – nichts wie hinein natürlich
Es handelt sich um den großen Goggauer Tunnel, Länge 517 m (ital. Galleria Coccau di sopra, auch Galleria Coccau grande). Der Tunnel ist sehr gut erhalten, fuhren ja bis 2000 noch internationale Züge hindurch

Nach Verlassen des Großen Goggauer Tunnels setzt die ehem. Trasse auf einer Eisenuntergurtbrücke über den tief eingeschnittenen Canale Carri über
Herrliches Panorama Richtung Karawanken

Direkt unter den Häusern der Ortschaft Goggau (Coccau) verläuft die ehem. Trasse durch den Kleinen Goggauer Tunnel, Länge 140 m (Galleria Coccau di Sotto)
Kleiner Goggauer Tunnel Nordportal
Das Kirchlein von Goggau, errichtet um 1100, mit wertvollen alten Fresken. Seit es die neue Pontebbana und die Autobahn gibt, ist der Ort Goggau sehr abgeschieden. Trotz der ab 1922 einsetzenden Italienisierung durch die Italo-Faschisten wird hier immer noch ein alter Kärntner Dialekt gesprochen. Unten am Bild sieht man das Nordportal des Großen Goggauer Tunnels
Die alte Straßenmeisterei
Zurück am Bahnhofsgelände in Tarvis – alter Übergang über die Schienen
Wieder sieht man deutlich, wie viel Flächenverbrauch eine Autobahn im Vergleich zu einer Eisenbahnstrecke hat. Und harmonisch in die Landschaft integriert ist auch kaum eine Autostraße
Altes Wärterhaus bei km 92 zwischen Tarvisio C.le und Tarvis Stadt (Tarvisio Citta)
Man glaubt kaum, dass hier 130 Jahre lang eine internationale Eisenbahn-Hauptstrecke gewesen ist
Tarvis Stadt liegt im Unterschied zu Boscoverde und ehemals C.le unmittelbar im Zentrum

Kirche St. Peter und Paul direkt im Zentrum von Tarvis
Die ehem. Bahntrasse verläuft ab Tarvis zuerst westwärts

Das Bahnhofsareal von Camporosso in Valcanale (Streckenkilometer 88,2 ab Udine) ist erreicht. Linsk im Hintergrund sieht man das Gebäude des ehem. Umspannwerks
Umspannwerk mit Gleisanschluss

Es hatte hier offenbar 2 Aufnahmsgebäude
Der deutsche Name dieser Fraktion von Tarvis lautet Saifnitz .Trotz Italienisierung nach 1918 spricht man in diesem Ort wie auch in Uggowitz einen slowenischen Dialekt. Zum bekannten Marienwallfahrtsort auf den Luschariberg führt eine Gondelbahn. Hier ist das Zentrum des Wintersports im Friaul

Raststation am Radlweg kurz vor Valbruna Lussari
Aufnahmsgebäude Valbruna Lussari, ehem. Haltestelle bei km 85,1
Das ehem. Klohäusl

Das gesamte ehem. Bahnhofsensemble Valbruna (dt. Wolfsbach)
Gleich hinter dem ehem. Bahnhof findet sich die Trasse der neuen Pontebbana mit dem Umspannwerk beim Portal des fast 7 km langen Camporosso-Tunnels und der Einfahrt in den neuen Bahnhof „auf der grünen Wiese“ Ugovizza Valbruna

Portal des neuen Camporosso-Tunnels mit den Einfahrtsweichen in den Bf Ugovizza Valbruna, rechts das Umspannwerk und anschließend der Bahnhof. Der alte Bahnhof direkt im Ortszentrum von Ugovizza (Uggowitz) befindet sich ca. 2 km entfernt im Bildhintergrund
Da der Tag trotz Hochsommer schon weit fortgeschritten war fügte es sich gut, dass im völlig ausgestorbenen neuen Bf von Ugovizza Valrbuna der Regionalzug Tarvis – Udine just bei meinem Eintreffen ankam. Da es an diesem total neuen und sicher nicht billigen Bahnhofsbau nicht einmal einen Fahrkartenautomaten gab hatte ich keine Bedenken, den Zug zu besteigen um nach Pontafel (heute Pontebba) zu fahren. Dabei konnte ich tolle Fotos schiessen, denn man konnte die Fenster öffnen (siehe Beitrag zur Neuen Pontebbana)
Ein nüchterner Bau der Bahnhof von Pontebba. Hier befand sich früher der österr. Grenzbahnhof Pontafel, der ital. Grenzbahnhof Pontebba befand sich nach der ehem. Staatsgrenze ca. 1,5 km entfernt
Auch Grenzsteine waren früher stilvoller gestaltet als heute

Ein Güterzug donnert über die Brücke über den Torrente Pontebbana, den ehem. Grenzfluss
Rathaus von Pontebba
Nach einer Labung in der Pizzeria Pontafel ging es zurück zum Bahnhof und mit dem Mitcotra nach Villach und mit dem letzten IC heim nach Salzburg Hbf

Fortsetzung folgt – geplant 2020, ob der „Chinesischen Grippe“ und dem Chaos rundum aber nicht sicher ob möglich….


Links:

DEEF Beitrag Ausflug Pontebbana nach Cividale >>>


Text / Fotos / Videos copyright DEEF/Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 25. März 2020; Letzte Ergänzung: –