S-Bahnen in Österreich: Teil 2 Die S-Bahn Salzburg
Die Implementierung und der Ausbau von S-Bahnen liegt im Trend, nicht nur in Österreich sondern in vielen Staaten stellen sie ein wichtiges (Marketing-) Tool zum Ausbau des Öffentlichen Verkehrs dar.
In Österreich gibt es nur ein traditionelles S-Bahn-System, nämlich das der Wiener Schnellbahn, aber in den letzten Jahren kamen immer mehr S-Bahn-Systeme in Österreich dazu (Überblick siehe >>>). Diese verwenden zwar den Begriff “S-Bahn”, sind aber meist eher Regionalbahnen als S-Bahnen gemäß Definition.

Das Kleine Verkehrslexikon definiert S-Bahn wie folgt: 1. >Zuggattung des >ÖPNV in D-A-CH; 2. Systembegriff im >SPNV: Der Begriff leitet sich von der neuen Berliner Stadtschnellbahn ab, die in den 1920/1930er Jahren errichtet wurde. In A wird statt Stadtschnellbahn der Begriff Schnellbahn verwendet in Anlehnung an die in den 1960er Jahren adaptierte erste S-Bahn Österreichs, die Wiener S-Bahn. S-Bahnen sind >Eisenbahnen im Bereich von Agglomerationen, welche die City mit den Vororten bzw. die Vororte untereinander verbinden. Kennzeichen einer klassischen S-Bahn sind u.a. Taktfahrplan, häufige Frequenz, verkehrt täglich und auch in den Randzeiten frühmorgens und spätabends, geringer Haltestellenabstand, einheitliches Branding der Fahrzeuge und Marketing, eingebunden in einen >Tarifverbund. S-Bahnen können zur Gänze auf einer eigenen Trasse verkehren so wie bspw. am locus typicus in Berlin oder aber mit anderen Zügen des Nah- und Fernverkehrs auf gemeinsamen Gleisen unterwegs sein. In A gibt es neben dem größten S-Bahn-Netz in Wien (inkl. Niederösterreich, Burgenland) ab den 1960er Jahren noch folgende als S-Bahn titulierte Netze: S-Bahn Salzburg ab 2004, S-Bahn Tirol ab 2007, S-Bahn Steiermark ab 2007, S-Bahn Kärnten ab 2010, S-Bahn Vorarlberg ab 2011, S-Bahn Oberösterreich ab 2016. Die meisten S-Bahnen in A sind keine S-Bahnen im klassischen Sinn sondern eher Regionalzüge, die – oftmals über mehr als 100 km abseits jeder Agglomeration verkehrend – als S-Bahn gebrandet und vermarktet werden. Generell sind – von klassischen S-Bahnen wie Berlin oder Hamburg abgesehen – die Grenzen zwischen S-Bahn, Regionalzügen und sonstigen als Vorortezüge zu subsummierenden Zügen schwammig und fließend. Oftmals ist die Bezeichnung S-Bahn meist nur als Marketingbezeichnung für die früheren Regionalzüge mit Halt an allen Stationen zu sehen. In der Schweiz ist nur die S-Bahn Zürich ein klassisches S-Bahn System. Bezeichnungen für S-Bahn-artige Systeme in anderen europ. Ländern: Belgien: S-Bahn Brüssel S-Trein, Train S; Dänemark: Kopenhagen S-tog; Frankreich: RER (Réseau Express Régional); Italien: Mailand Vorortezüge mit Bezeichnung S Suburbano, in Neapel Bezeichnung M Metropolitano; Portugal: Urbanos; Schweden: Pendeltåg in Stockholm und Göteborg; Serbien: Beovoz in Belgrad; Spanien: Cercanías; Tschechien: Esko.
Salzburg war bei den Bundesländern, die als erste ein S-Bahn-System einführten, wobei das Jahr 2003 mit Eröffnung der ersten neuen S-Bahn-Station (Salzburg Parsch) als Beginn der Erfolgsgeschichte S-Bahn Salzburg gesehen werden kann. Seit 2017 mit der Eröffnung des 3. Gleises nach Freilassing ist der aktuelle Ausbaustand erreicht, weitere infrastrukturelle Verbesserungen in Form neuer Haltestellen sowie eine Ausweitung des Angebotes (mehr Platzangebot, häufigere Verbindungen) sind angedacht und auch dringend nötig. Allerdings dauern selbst Kleinigkeiten beim Bahnbau in Österreich meist ewig lang!

Besondere Bedeutung nehmen die neu errichteten Haltestellen entlang der S3 im Stadtgebiet von Salzburg sowie im südlichen Zentralraum ein, konnte doch dadurch das Einzugsgebiet deutlich vergrößert werden, was sich in Fahrgastzuwächsen manifestiert, die alle Prognosen bei weitem übertroffen haben.
Im Stadtgebiet von Salzburg wurden neu errichtet:
- Salzburg Mülln-Altstadt
- Salzburg Aiglhof
- Salzburg Taxham-Europark
- Salzburg Liefering
- Salzburg Sam
- Salzburg Gnigl (anstelle des alten Bf Gnigl)
- Salzburg Parsch (anstelle des alten Bf Parsch)

Am Südast der S3 weiters:
- Puch Urstein
- Oberalm
- Hallein Burgfried
- Kuchl Garnei

Auf Bayerischen Gebiet entstand mit der Haltestelle Freilassing-Hofham ein komplett neuer Haltepunkt, weitere neue und für die Steigerung der Fahrgastfrequenz dringend notwendige Haltepunkte u.a. im Stadtgebiet von Bad Reichenhall (Landratsamt) sowie in der Gemeinde Bischofswiesen (Panoramapark) werden zwar seit Jahren angedacht aber offenkundig aufgrund fehlenden politischen Drucks aus der Region bisher nicht umgesetzt. Auch die Reaktivierung des Bf Hallthurm für die Personenverkehr (wichtig für den Tourismus) scheiterte bis dato.

Erfreulich hingegen war die Verlängerung der S11 von Trimmelkam nach Ostermiething (3 km Neubaustrecke, Eröffnung 12.12.2014).
Folgende Linien werden (Juli 2021) zur S-Bahn Salzburg gezählt:
S1 Salzburg Lokalbahnhof – Oberndorf – Bürmoos – Lamprechtshausen (Salzburger Lokalbahn SLB, Betreiber Salzburg AG, Halbstundentakt Mo-So, in HVZ Verdichtungen).

S11 (Salzburg Lokalbahnhof – Oberndorf) – Bürmoos – Trimmelkam – Ostermiething (Salzburger Lokalbahn SLB, Betreiber Salzburg AG, Halbstundentakt Mo-Fr, Stundentakt Sa, So). Teilweise ab Salzburg durchgebundene LEX-Züge (Lokalexpress). S1 und S11 transportieren pro Jahr ca. 4,95 Mio Fahrgäste (2019).

S2 Freilassing – Salzburg Hbf – Neumarkt am Wallersee – Straßwalchen (Betreiber ÖBB, Stundentakt Mo-So).

S3 (Bad Reichenhall) – Freilassing – Salzburg Hbf – Hallein – Golling-Abtenau – Bischofshofen – Schwarzach St. Veit (-Zell am See – Saalfelden), Betreiber ÖBB; Mo-Sa Freilassing-Golling-A. Halbstundentakt, So Stundentakt; Mo-So Stundentakt bis Schwarzach St. Veit; 2-Stundentakt bis Saalfelden). Die von den ÖBB betriebenen beiden Linien beförderten 2019 täglich 20.164 Personen.

S4 Freilassing – Bad Reichenhall – Berchtesgaden (Betreiber BLB, werktags Halbstundentakt bis Bad Reichenhall, Stundentakt bis Berchtesgaden).

Obwohl die S3 eine einzigartige Erfolgsgeschichte ist, hat man diese bis dato nicht auf die S2 umgemünzt und auch weitere Möglichkeiten zur Steigerung der Fahrgäste auf der S3 blieben in den letzten Jahren eher ungenutzt.
Alle Linien verkehren im Salzburger Verkehrsverbund (SVV).
Fahrzeuge
Auf den von den ÖBB betriebenen Strecken (S2, S3) kommen Bombardier Talent 4023 und 4024, Siemens City Jet ML 4744/4746 sowie vereinzelt Stadler Flirt der BLB zum Einsatz.
Auf der S4 fahren die Stadler Flirt der BLB.
Die Salzburger Lokalbahn setzt auf ihren Strecken die Triebwägen ET 41-ET 58 (Baujahre 1983 bis 2002) ein.
Links
DEEF Doku Salzburger Lokalbahn (Details zur Strecke und den Stationen der S1 und der S11) >>>
DEEF Doku Salzburg-Tiroler Bahn / Giselabahn (Details zur Strecke und den Stationen der S3) >>>
DEEF Doku Westbahnstrecke (Details zur Strecke und den Stationen der S2) >>>
DEEF Blog Eröffnung Verlängerung Ostermiething (S11) >>>
DEEF Doku Bahnstrecke Freilassing – Berchtesgaden (Details zur Strecke und den Stationen der S4) >>>
DEEF Das Kleine Verkehrslexikon >>>
Literatur
Michael Alexander Populorum: 150 Jahre Eisenbahn in Salzburg 1860-2010. Ein kleiner Nachruf zum Jubiläum der „Eisenbahnwerdung“ des Landes Salzburg im August 2010…. Schriftenreihe des Dokumentationszentrums für Europäische Eisenbahnforschung (DEEF), 3. Auflage 2020 als E-Book, ISBN 978-3-903132-06-1; Mercurius Verlag Grödig/Salzburg
Paul Nikolic: Das Salzburger S-Bahn-System. Analyse und Verbesserungspotential. Bachelorarbeit an der FH St. Pölten (Bahntechnik und Mobilität), 2018.
Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum
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redaktion@dokumentationszentrum-eisenbahnforschung.org
Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF
Erstmals Online publiziert: 29. Juli 2021; Letzte Ergänzung: 30.7.2021