Pressburger Bahn

Die Pressburger Bahn – ehemalige Direttissima Wien – Pressburg (heute Bratislava)

Die Pressburger Bahn, auch Lokalbahn Wien – Pressburg (bzw. Preßburg) war die direkte Verbindung von der Reichs- und Residenzstadt Wien in der alten k.k. Monarchie in Stadt Pressburg, die bei Fertigstellung und Eröffnung der Bahn im Jahr 1914  im ungarischen Teil der Donaumonarchie lag und sich auf ungarisch Pozsony schrieb.

Klassischer Wiener Schnellbahntriebwagen 4020 auf dem Viadukt in Hainburg nächst der Haltestelle Hainburg Personenbahnhof. Links die Stadt, rechts die Donau

Damals gliederte sich die Bahnstrecke in 3 Abschnitte:

  • Die ca. 12 km lange Stadtstrecke in Wien (Straßenbahnbetrieb)
  • Die ca. 50 km lange Überlandstrecke Schwechat – Kittsee (Eisenbahnbetrieb)
  • Die ca. 7 km lange Stadtstrecke in Pressburg (Straßenbahnbetrieb)

Die eingleisige, normalspurige Pressburger Bahn war von Beginn an elektrifiziert, auf der Überlandstrecke mit dem damals neuen und bis heute gängigen Wechselstromsystem 15 kV / 16 2/3 Hz, die Wr. Stadtstrecke mit 600 V Gleichstrom, die Pressburger Stadtstrecke mit 550 V Gleichstrom.


Diese Dokumentation umfasst den heute noch betriebenen Überlandabschnitt der Pressburger Bahn von Schwechat bis Wolfsthal, der von der S-Bahnlinie 7 befahren wird.  Die S7 zweigt nach dem Bahnhof Wien Rennweg im Tunnel von der Wiener Stammstrecke ab und führt über die Stationen Wien St. Marx, Wien Geiselbergstraße, Wien Zentralfriedhof und Wien Kaiserebersdorf nach Schwechat (km 12,6).

Beim Bahnhof Schwechat befindet sich auf dem ehem. Betriebsgelände der Pressburger Bahn das sehenswerte Eisenbahnmuseum Schwechat mit interessanten und einzigartigen Artefakten zum Thema Pressburger Bahn, u.a. eine originale Zugskomposition der ehem. Pressburger Bahn.


Reaktivierung:

Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1990 gab es Bestrebungen, die Direttissima Wien – Bratislava wieder zu reaktivieren – geht es doch nur um das kurze Stück von Wolfsthal nach Engerau (heute Petržalka), das reaktiviert werden müsste. Von Wolfsthal bis Berg fuhren nach dem 2. WK noch Güterzüge, danach wurde das Gleis unmittelbar vor der Landesgrenze unterbrochen und auf österreichischer Seite bis zum Jahr 1959 abgetragen. Auf slowakischer Seite war es noch bis in die 1980er Jahre vorhanden. Eigenartigerweise wurde der Bahngrund zwischen Wolfsthal und Berg von den ÖBB an Private verscherbelt und so scheint eine Reaktivierung der Pressburger Bahn im grenzüberschreitenden Verkehr nicht mehr realistisch zu sein.


Die Stationen:

Schwechat, Bahnhof, km 12,6

Mit „Schwechat“ assoziiert man landläufig den Flughafen Wien Schwechat, die Raffinerie der OMV, das Schwechater Bier und Eisenbahnliebhaber auch das Eisenbahnmuseum in Schwechat. Die Raffinerie der OMV wurde 1938 erbaut, ständig weiter vergrößert und ist zwischenzeitlich die einzige Raffinerie in Österreich
Das Eisenbahnmuseum Schwechat ist auf alle Fälle einen Besuch wert – eine kleine Doku gibt es in Bälde auf diesen Seiten

Link: Eisenbahnmuseum Schwechat >>>

Mannswörth, Haltestelle, km 14,7

Flughafen Wien, Tunnelbahnhof, km 19,3

Von den 3 Gleisen unter dem Terminal 3 des Wiener Flughafens verkehren die S-Bahn (Linie 7), Fernverkehrszüge der ÖBB (RJ bzw. RJX von/nach Graz bzw. Westbahnstrecke bis Salzburg und darüber hinaus sowie der CAT, der City Airport Train. Das Foto zeigt einen neuen Cityjet Siemens Desiro ML in Doppeltraktion als S7 Richtung Wolfsthal im Juni 2019. Der Tunnelbahnhof liegt zwischen dem 816 m langen Stationstunnel (Richtung Schwechat) und dem 733 m langen Pistentunnel, welcher die Piste des Flughafens unterquert, seit 2005 2 Einzelröhren, vorher eingleisig

Fischamend Reichsstraße, ehem. Haltestelle, km 21,0

Dorf Fischamend, ehem. Haltestelle bis 1965, km 22,0

Fischamend, Bahnhof, km 23,4; 157 m.ü.d.M.

Bahnhof Fischamend, Foto von 2012
Landschaft zwischen Fischamend und Maria Ellend an der Donau. Zusehends wird die Landschaft mit Windrädern zugepflastert, auf dem Foto von 2012 ist hier noch Landschaft pur

Maria Ellend an der Donau, Bahnhof, km 29,4

Bahnhof Maria Ellend an der Donau, aufgenommen 2012 auf der Fahrt in einem original blauen 4020er Richtung Wolfsthal. Maria Ellend ist ein Wallfahrtsort mit Kirche und einer Lourdesgrotte

Haslau, Haltestelle, km 31,0

Haltestelle Haslau mit einfachem Unterstand

Regelsbrunn, Bahnhof, km 36,3

Ein Gemütlichkeit ausstrahlendes kleines Aufnahmsgebäude in Regelsbrunn

Wildungsmauer, Haltestelle, km 38,0

Haltestellenhütterl in Wildungsmauer, direkt neben der zur Pressburger Bahn parallel verlaufenden Bundesstraße

Petronell-Carnuntum, Bahnhof, km 43,2; 186 m

Kurz vor dem Bahnhof Petronell-Carnuntum sieht man rechts in den Feldern ein Relikt der römischen Zeit hier in Pannonien, das sogenannte Heidentor, Reste eines 2000 Jahre alten Triumpfbogens
Bahnhofsgebäude Petronell-Carnuntum 2012. Von hier erreicht man in ca. 15 Minuten Fußmarsch die Ausgrabungsstätte Carnuntum, wo man u.a. versucht hat, mehrere Gebäude (Villa, Therme) wieder aufzubauen und im Inneren authentisch auszugestalten. Dort sollte man unbedingt einen Zwischenstop einlegen
Kurz vor Bad Deutsch Altenburg. Man erkennt schon von weitem den Steinbruch, wo dann im Bhf von Bad Deutsch Altenburg Schotter auf Eisenbahnwagen verladen wird

Bad Deutsch-Altenburg, Bahnhof, km 47,9

Aufnahmsgebäude von Bad Deutsch Altenburg

Hainburg an der Donau Kulturfabrik, Bahnhof, km  50,2

Aufnahmsgebäude Bahnhof Hainburg Kulturfabrik (Foto 2012). Hier wird bei Doppeltraktionen Richtung Wolfsthal der hintere Triebwagen versperrt, da an der Haltestelle Hainburg Personenbahnhof der Bahnsteig zu kurz für 2 Garnituren ist
Umsteigen heißt es in die vordere Garnitur, ein Schaffner überprüft das auch. Der Bahnhof hieß früher Hainburg Frachtenbahnhof
Die „Kulturfabrik“ befindet sich nicht in diesem Aufnahmsgebäude (ist irreführend) sondern in der alten Tabakfabrik zwischen den jetzigen Stationen Hainburg Kulturfabrik und der näher dem Zentrum gelegenen Haltestelle Hainburg Personenbahnhof. Die Tabakfabrik hatte ein Anschlussgleis

Hainburg an der Donau Personenbahnhof, Haltestelle, km 50,9

Nahe dem Stadtzentrum, die Haltestelle Hainburg Personenbahnhof, situiert auf dem langen Viadukt, welches die Stadt von der Donau abtrennt. Man geht von der Station die „Blutgasse“ (erinnert an ein Massaker durch die Muselmanen im Rahmen der 2. Türkenbelagerung) hinauf und ist gleich im Zentrum am Stadtplatz (Einkehrtip: Haydnstüberl oder Heuriger Perger)
Der über 1 km lange Steinviadukt kombiniert mit Brückenkonstruktionen aus Eisen ist sicher das markanteste Bauwerk der Pressburger Bahn
Wie eine Hochbahn verkehrt die S7 hier im Bereich Hainburg zwischen der Stadt und der Donau
Die Donau begleitet hier die Pressburger Bahn hautnah. Nur wenige km flussabwärts wird die Donau zum Grenzfluss zur Slowakei

Hainburg an der Donau Ungartor, Haltestelle, km 51,6

Die 3. Station im Stadtgebiet von Hainburg, Haltestelle Hainburg Ungartor

Wolfsthal, Bahnhof, km 56,2; 150 m.ü.d.M.

Doppeltraktion 4020, gebaut bei SGP (Simmering Graz Pauker) im Bahnhof Wolfsthal (Foto 2012)
Bahnhof Wolfsthal mit Fahrdienstleiter 2012

—— Streckenende bei km 56,5 —–

Das heutige Streckenende der Pressburger Bahn auf österr. Staatsgebiet. Leichtfertigerweise (??) haben die ÖBB die Bahngründe bis zur Staatsgrenze verscherbelt und so eine Reaktivierung de facto verunmöglicht. Die Verbindung der „Twin Cities“ Wien und Bratislava erfolgt auf der Schiene zum einen über die Marchegger Ostbahn (Marchegg – Devinska Nova Ves – Pressburg Hbf) und zum anderen über Parndorf-Kittsee nach Pressburg Engerau (heute Bratislava Petrzalka)
Deutlich sichtbar die ehem. Trasse bei km ca. 57,1

Berg/NÖ Lokalbahnhof, ehem. Bahnhof, km 60,7

—- Staatsgrenze Österreich – Slowakei —– km 60,8

Kittsee, ehem. Bhf, km 62,1 (nicht zu verwechseln mit dem heutigen ÖBB-Bhf Kittsee)

Pressburg Engerau (heute Bratislava Petržalka), Bahnhof, km 63,2

Aus dem ländlich geprägten Pressburg Engerau entstand im Kommunismus der von Plattenbauten geprägte Stadtteil Petrzalka. Am Bahnhof Petrzalka kommen die Züge vom Wiener Hauptbahnhof (vormals Wien Südbahnhof Ost) via Bruck/Leitha und Kittsee an

Abzweigende Linien:

2 Nebenstrecken zweigen bzw. zweigten von der Pressburger Bahn ab, nämlich Verbindungsbahnen zur Ostbahn (Wien – Bruck/Leitha – Strass Sommerein), nämlich

  • Fischamend – Götzendorf – Mannersdorf (16,4 km): Größter Teil der Strecke im Güterverkehr bedient
Das nach Götzendorf abzweigende Gleis zwischen Flughafen Wien und Fischamend
  • Petronell-Carnuntum – Bruck/Leitha (14,2 km): Nur kurzes Stück bei Bruck/Leitha bedient, Anschluss an Pressburger Bahn demoliert. Die Gleise führten früher weiter bis Hainburg, dh. sie banden die Stadt schon vor Errichtung der Pressburger Bahn an das Schienennetz an, die Pressburger Bahn verläuft also hier auf den ehem. Gleisen der Staatsbahn
Die Situation 2012: Petronell-Carnuntum: Das Gleis gesperrt aber vorhanden
Situation 2019 Petronell-Carnuntum: Gleis demoliert, keine Verbindung mehr vorhanden, der Draisinenbetrieb eingestellt

Aktueller Verkehr:

Die Strecke wird von den ÖBB als S7 bedient, auch Flughafen-S-Bahn genannt. Bis Schwechat verkehrt die S-Bahn im Halbstundentakt, ab Schwechat nur mehr im Stundentakt. Hier wäre ein Halbstundentakt dringend zu empfehlen.

Das von den Staatsbahnen ÖBB gewünschte und forcierte Szenario, den Betrieb auf der Schiene ab Hainburg  bis Wolfsthal einzustellen und durch Busse zu ersetzen, ging aufgrund massiver Proteste zum Glück nicht durch.

Durch eine Lücke in der alten Stadtmauer von Hainburg – links der Halterturm – braust der Zug auf dem Viadukt- Brückenkonstrukt Richtung Haltestelle Hainburg Ungartor

Alle Fotos copyright DEEF/Dr. Michael Alexander Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 23. Juni 2019; Letzte Ergänzung: