Belgien Linie 132 Charleroi Walcourt Mariembourg Treignes

Belgien: Infrabel Linie 132 von Charleroi an die französische Grenze

Ursprünglich war die heute vom staatlichen belgischen Infrastrukturbetreiber Infrabel so bezeichnete Linie 132 eine internationale Eisenbahnlinie, die von der größten Stadt Walloniens Charleroi, Zentrum der Kohle-, Eisen- und Stahlindustrie, nach Süden über Mariembourg und den belgischen Grenzbahnhof Treignes zum Bahnhof Vireux-Molhain der SNCF, wo Anschluss an die Linie Soissons – Givet bestand.

Dieseltriebwagen der BR 41 (41 02) auf der Relation Charleroi Sud – Couvin im Bf Mariembourg (20. Mai 2013)

Heute erfolgt der planmäßige Betrieb durch die SNCB auf der Linie 132 von Charleroi bis Mariembourg und von dort weiter (ohne Umstieg) auf der Linie 134 bis Couvin. Es ist eine der ganz wenigen Dieselstrecken in Belgien.

Von Mariembourg, wo sich ein interessantes Eisenbahnmuseum befindet, bis Treignes finden Sonderfahrten mit historischen Zügen durch die Gesellschaft Chemin de fer à Vapeur des Trois Vallées (CFV3V) seit 1976 statt.

Auch exotische belgische bzw. französische Dieseltriebwägen gibt es im Eisenbahnmuseum Mariembourg zu sehen

Von Treignes bis zum französischen Bahnhof Vireux-Molhain auf der Strecke Soissons – Reims – Givet klafft eine kurze Lücke, der Grenztunnel Tunnel de Vireux ou de Najauge wird bzw. wurde für Champignonzucht verwendet.

Die Linie 132 ist bis zur Grenze nach Treignes 61,9 km lang, normalspurig, nicht elektrifiziert sowie ursprünglich zweigleisig von Charleroi bis Nismes (Streckenkilometer 50,4). 1948 wurde der Abschnitt Mariembourg – Nismes auf  1 Gleis rückgebaut, 1959 der Abschnitt Walcourt – Mariembourg, sodass heute nur 21,3 km von Charleroi Sud bis Walcourt zweigleisig befahren werden können.


Die Errichtung:

Die Bahnstrecke wurde in mehreren Abschnitten eröffnet, nämlich

  • Charleroi – Walcourt: 27. 11. 1848
  • Walcourt – Silenrieux: 6. 11. 1852
  • Silenrieux – Cerfontaine: 31. 12. 1853
  • Cerfontaine – Mariembourg: 8. 6. 1854
  • Mariembourg – Vireux-Molhain: 15. 6. 1854

Konzessionäre (Betreiber):

1848 bis 1897: Société du chemin de fer de l’Entre-Sambre-et-Meuse

Seit 1897: Belgischer Staat, heute Infrabel


Stilllegungen:

Mariembourg – Vireux: 29. 9. 1963 Personenverkehr

Treignes – Vireux: Bereits am 10. 12. 1962 Personenverkehr

Nismes – Vireux: 1. 11. 1971 Güterverkehr

Mariembourg – Nismes: 12. 10. 1977 Güterverkehr

Der Abschnitt nach Frankreich (Treignes – Vireux) wurde 1975 abgebaut.

Der letzte Güterbahnhof der Gesamtstrecke in Walcourt wurde 1988 geschlossen.

Ab 1976 wird der Abschnitt Mariembourg – Treignes als Tourismusbahn (CFV3V) betrieben.

Touristischer Dampfzug von Treignes kommend kurz vor Mariembourg (Mai 2013)

Die Stationen:

  • Charleroi Sud, Bf, km 0,0 (> u.a. nach Namur, Brüssel, Ottignies)
Personenzug von Charleroi nach Couvin im Mai 2013 im Ausgangsbahnhof Charleroi Sud. Die belgischen Schaffner haben herrliche Kappen!
  • La Sambre, ehem. Bf
  • Mont-sur-Marchienne, ehem. Bf bis 1982, km 3,5
  • Montigny-le-Tilleul, ehem. Bf, km 5,3
  • Bomerée, ehem. Bf, km 7,2

  • Jamioulx, Bf, km 8,5; 129 m

  • Beignée,  Hs, km 11,9
  • Ham-sur-Heure, Bf, km 13,4

  • Cour-sur-Heure, Bf, km 15,8

  • Berzée, Bf, km 17,5
  • Pry, Hs, km 20,6
  • Walcourt, Bf, km 21,3; 166 m (bis hierher zweigleisig)

Weitläufige Anlagen in Walcourt

Bedingt durch den Bau eines Staudamms mit Flutung der Landschaft (Lacs de l’Eau d’Heure) wurde der Abschnitt Walcourt bis Neuville Sud 1970 neu trassiert, wobei die Trasse weiter östlich gelegt wurde und zwar tw. auf die Trasse der stillgelegten Linien 135, 136 und 136B.

Die alte Trasse ab Walcourt:

  • Gerlimpont, ehem. Hs, km 23,6
  • Silenrieux, ehem. Bf, km 26,4
  • Falemprise, ehem. Hs, km 31,0
  • Cerfontaine, ehem. Bf, km 33,5 (Gebäude unter Denkmalschutz)
  • Senzeilles, ehem. Bf, km 36,5
  • Neuville Sud, aktuelle Trasse, ehem. Bf, km 40,6

Zwischen Senzeilles und Neuville Sud hat es 2 Tunnel, die „Tunnels de Senzeille“, die parallel verlaufen, wobei der ältere Tunnel bis 1914 in Betrieb war und dann durch den neueren Tunnel ersetzt wurde, der bis 1970 befahren wurde.

Die neue Trasse ab Walcourt:

  • Yves-Gomezée, Hs
  • Saint-Lambert, ehem. Bf, km 28,3
  • Jamagne, ehem. Hs
  • Philippeville, Bf, km 33,3; 275 m (geschlossen 1954 als Bf der Linie 136B, 1970 durch die Linienverlegung wiedereröffnet; es existiert auch noch ein älteres Bf, im Dienst bis 1908)

  • Neuville Sud, ehem. Bf, km 40,6 (Einmündung ehem. Trasse)
  • Roly, ehem. Hs, km 43,5
  • Mariembourg, Bf, km 47,6; 160 m (> Strecke 134 nach Couvin)

  • Mariembourg CFV3V, km 47,9 (Eisenbahnmuseum, Lokschuppen, ab hier Tourismusverkehr)
Blick vom Museumsgelände Richtung Bahnhof

Der touristisch genutzte Teil der Linie 132 Richtung Frankreich
  • Nismes, Bf, km 50,4
  • Olloy-sur-Viroin, ehem. Bf bis 1963, heute Hs der Touristenzüge, km 54,0; 145 m
  • Vierves, ehem. Bf bis 1963, km 56,6; 134 m
  • Treignes, ehem. Bf bis 1963, heute Endpunkt der Touristenzüge, Eisenbahmmuseum, km 60,0; 127 m

— Staatsgrenze Belgien – Frankreich km 61,9 bzw. 198,3 —

  • Vireux-Molhain, Bf der SNCF auf der Strecke Soissons – Givet, km 195,8; 113 m

Tunnel:

Die Strecke weist folgende Tunnel auf:

Von Charleroi bis Walcourt:

  • Jamioulx (145 m)
  • Ham-sur-Heure (444 m)

Von Walcourt bis Mariembourg:

  • Neue Strecke seit 1970: Philippeville (237 m)
  • Alte Strecke bis 1970: 2 Tunnel von Senzeille – alter Tunnel, eingleisig von 1854, 520 m lang, neuer Tunnel, zweigleisig von 1914, 594 m lang.
  • Mariembourg – Treignes (Museumsbahn): Nismes (485 m), auch genannt Tunnel des Abannets
  • In Frankreich: Najauge (243 m, Champignonzucht), auch genannt Tunnel de Vireux oder Tunnel de Mazée

Betrieb heute:

AR 41 05 von Couvin kommend fährt in Mariembourg ein (Mai 2013)

Planmäßiger Verkehr erfolgt auf der Strecke Charleroi Sud – Mariembourg – Courvin mit Dieseltriebwägen vom Typ AR 41, die auch über eine 1. Klasse verfügen. Die Strecke wird werktags im Stundentakt bedient, am Wochenende gibt es einen 2-Stunden-Takt. Die Fahrzeit beträgt 55 Minuten. Durch einen Streckenausbau ist geplant, die Höchstgeschwindigkeit von heute 90 km/h auf 120 km/h hinaufzusetzen, was sich auch positiv auf die Fahrzeit auswirken wird.

2. Klasse im Dieseltriebwagen der BR 41

Der darniederliegende Güterverkehr wurde ab 2004 durch Schottertransporte des weltweit tätigen belgischen Chemieunternehmens Solvay aus dem Steinbruch Les Petons wiederbelebt.


Links:

DEEF Doku Metro Charleroi >>>

DEEF Beitrag zum Eisenbahnmuseum Mariembourg >>>

DEEF Beitrag Le Bois du Cazier >>>

Touristikbahn und Eisenbahnmuseum Mariembourg >>>


Alle Fotos / Videos copyright DEEF/Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 26. Jänner 2020; Letzte Ergänzung: