Hauzenbergerbahn

Reif für eine Revitalisierung – die Hauzenbergerbahn („Granitbahn“) von Passau über Erlau nach Hauzenberg

Prächtiger Blick von der überwachsenen Trasse auf die Passauer Altstadt

Die von einigen Eisenbahnkennern als eine der fünf schönsten Eisenbahnstrecken Deutschlands bezeichnete Hauzenbergerbahn war für viele Jahre in einen Dornröschenschlaf gefallen, eigentlich wurde sie in „künstlichen Tiefschlaf versetzt“, die Staatsbahn DB sah darin keine unmittelbare Profitmöglichkeit und von längerfristigem Denken und Fördern von vorhandenen Potentialen sind Staatsbahnen meist genauso weit weg wie es unsere heutigen Politiker sind. Kurzfristig und kurzsichtig wird agiert, Hauptsache, man steht selbst im Moment gut da, völlig gleichgültig, was morgen oder übermorgen passiert oder nicht passiert.

Seit 2020 fahren jedoch bis Passau Rosenau wieder Züge, vorerst im touristischen Verkehr.

Die normalspurige Hauzenbergerbahn wurde am 25. November 1904 auf dem Hauptast Passau – Hauzenberg eröffnet, nachdem das gewaltigste Bauwerk der Strecke, die sogenannte Kräutelsteinbrücke über die Donau, bereits 1903 fertiggestellt worden war.

Neben diesem längeren Hauptast mit einer Länge von 25,1 km (ab Passau Hbf., ab Passau-Voglau 23,9) zweigt noch im Bahnhof Erlau (Streckenkilometer 13,4) ein an 2 Stellen mit Strub´schen Zahnstangen zu befahrender Seitenast über Obernzell nach Wegscheid ab. Dieser Seitenast weist eine Länge von 20,2 km auf und wurde in 2 Phasen eröffnet: Erlau – Obernzell 15. Mai 1909, Obernzell – Wegscheid erst 3 Jahre später am 1. Dezember 1912.


Zweck der Strecke

Im Bayerischen Wald waren Ende des 19. Jhd. neben reichen Holzvorkommen auch die größten Granitvorkommen Süddeutschlands im Raum Hauzenberg zu finden, daneben noch Graphitvorkommen. Nachdem im Jahr 1860 Passau an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde (Bahnstrecke Straubing – Passau) war es natürlich im Sinne der sogenannten „Granitbarone“, ihre schweren Güter schnell und kostengünstig auf den Markt bringen zu können – der Transport mit Fuhrwerken zum Bahnhof Passau war langsam und teuer und gefährdete die Konkurrenzfähigkeit am Markt. Unter 3 Streckenvarianten gelangte schliesslich die beschriebene Route zur Ausführung.

Besonderheiten im Betrieb: Ausgehend vom Passauer Hauptbahnhof wurden die Züge rückwärts über die Kaiserin-Elisabeth-Brücke über den Inn nach Passau-Voglau geschoben (1,2 km), um dann in einer Spitzkehre von der Passauerstrecke nach rechts abbiegend in gewohnter Weise mit der Lok voran die Reise antreten zu können. Dieser Haltepunkt hieß vormals auch „Signalstation Spitzkehre“.

Am Streckenast von Erlau über Obernzell nach Wegscheid kamen an 2 Stellen Zahnstangen nach dem System Strub zum Einsatz. Die maximale Neigung im Zahnstangenabschnitt betrug 71 Promille, die maximale Adhäsionsneigung 25 Promille.


Stationen

Insgesamt 19 Stationen (Bahnhöfe und Haltestellen inkl. der Endpunkte) umfaßt(e) die Hauzenberger Bahn mit ihrem Seitenast, nämlich (Höhenangaben in Metern ü.d.M):

Passau – Erlau – Hauzenberg

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Passau Hbf (0,0; Seehöhe 295/303 m ü.d.M.)

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Passau-Voglau (vorm. Signalstation Spitzkehre; 1,2)

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Passau-Innstadt (2,6)

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Passau-Rosenau (3,3)

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Grubweg (6,4)

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Löwmühle (7,7)

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Kellberg (8,7)

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Erlau bei Passau (13,4; 297 m ü.A.) > Abzweig nach Obernzell – Wegscheid (siehe nachfolgend)

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Schaibing (17,6)

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Kaindlmühle (19,2; 360 m)

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Oberdiendorf (21,4; 398 m)

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Knödlsöd (23,5)

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Hauzenberg (25,1; 545 m)

Seitenast Erlau – Obernzell – Wegscheid

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Erlau bei Passau (0,0; 297 m)

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Obernzell (4,9; 294 m)

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Untergriesbach (9,6; 556 m)

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Oberötzdorf (12,7)

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Wildenranna (14,4)

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Mitterwasser (17,1)

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Wegscheid (Niederbayern) (20,2; 718 m)


Besondere Kunstbauten

Das markanteste Bauwerk ist sicher die Kräutelsteinbrücke (auch Kräutlsteinbrücke) über die Donau (erbaut 1900 bis 1903). Die Eisenkastenbrücke wurde nach Sprengung 1945 wieder aufgebaut. Längenangaben unterschiedlich (300 Meter, 280 Meter, 222 Meter). Die Brücke wird aktuell 2011 einer genauen Prüfung unterzogen, ob und in welchem Ausmaß eine weitere Nutzung als Eisenbahnbrücke aber auch als Fußgänger- und Autobrücke möglich ist.

Es gibt einige Natursteinbrücken aus heimischen Granit, welche von italienischen Arbeitern errichtet wurden. Das Obernzeller Viadukt wurde 1982 gesprengt/abgetragen.

Der Schlossbergtunnel, der einzige Tunnel der Strecke mit 34 Metern bei Streckenkilometer 16,3, präsentiert sich nicht ausgemauert durch einen Felsvorsprung geschlagen


Aktueller Status

Der Niedergang und die Streckenstillegungen erfolgten in mehreren Phasen. Nach der Einstellung des offiziellen Personen- und Güterverkehrs durch die DB, welche Modernisierungs- bzw. Reaktivierungsmaßnahmen ablehnte, erfolgten jahrelang Nostalgiefahrten auf der Strecke nach Hauzenberg durch die Passauer Eisenbahnfreunde. Das Hochwasser von 2002 setzte allerdings einen (vorläufigen) Schlußstrich, die Schäden im Bereich Passau Innstadt sind aber überschaubar und ohne grössere Investitionen zu beseitigen.

2007 pachtet die Bayerische Regionaleisenbahn (Tocherunternehmen der Deutschen Regionaleisenbahn) die Strecke Passau – Hauzenberg sowie das noch nicht den Baggern und der Spitzhacke zum Opfer gefallene Reststück des Seitenastes, nämlich von Erlau nach Obernzell. Im Jahr 2009 wurden – so hat mir auch bei einem Lokalaugenschein ein Anwohner bestätigt – verwachsenene Streckenteile freigeschnitten und für den Betrieb vorbereitet. Da offenbar unsicher war, inwieweit die Kräutlsteinbrücke für den angedachten schweren Güterverkehr belastbar ist, präsentierte sich die Strecke im Raum Passau Voglau, Innstadt und Rosenau bei einer Streckebegehung im Sommer 2011 wieder teilweise stark verwachsen (siehe nachfolgend).

Höchst erfreulich ist die Tatsache, dass ab dem Jahr 2020 wieder Fahrten auf der Hauzenbergerbahn (Granitbahn) stattfinden, vorerst bis zum Bahnhof Passau Rosenau. Im Sommer 2021 finden Fahrten mit einem Schienenbus unter Einbeziehung der Ilztalbahn statt, nämlich von Röhrnbach an der Ilztalbahn über Passau Hbf nach Passau Rosenau (siehe Webseite der Granitbahn).

Das Endziel ist aber immer die Reaktivierung der Strecke bis Hauzenberg.


Streckenbegehung Passau Spitzkehre über Passau Innstadt und Passau Rosenau bis km 3,6 am 16.9.2011

Passau-Voglau – bis zur Spitzkehre wurden die Züge aus dem Hbf. auf der Passauerbahn herausgeschoben, um dann zu stürzen und mit „Lok-Voran“ Richtung Innufer abzuzweigen. Güterzug auf der Passauerbahn Richtung Österreich
Abzweig der Hauzenbergerbahn, links die Kaiserin-Elisabeth-Brücke der Passauerbahn, rechts Gleis Richtung Innstadt > Hauzenberg
Das Signal vor der Einmündung in die Passauerbahn bei Voglau ist nach wie vor in Betrieb – noch zeigt es „rot“ aber die Eisenbahnfreunde erhoffen sich baldmöglichst „grün“
Unmittelbar am Innufer entlang mit Blick auf den Fluß und Stadt, rechts die Häuserzeile des Passauer Ortsteils Innstadt
Metallschwellen mit Walzzeichen „MH“ (Maxhütte, Sulzbach-Rosenberg) aus dem Jahr 1886

Altstadtblick
Innsteg bei km 1,6
Auch die Straßenbezeichnung weist auf die Bahnlinie und den Bahnhof hin. Unmittelbar in der Nähe die Innstadt-Brauerei, die von 1904 bis in die 1990er Jahre einen eigenen Gleisanschluß nutzte
1 Jahr nachdem dieses Foto entstanden ist wurde die Innstadtbrauerei von der Passauer Brauerei Hacklberg übernommen und die Gebäude der alten Brauerei in Innstadt in Folge demoliert um Wohnbauten zu errichten

Einfahrt Bahnhof Rosenau, alles ist 2011 kräftig überwuchert
Eigenartig ist die Situierung des ehem. Bahnhofsgebäudes (heute Wohnhaus, siehe Foto) – es liegt schon rechter Hand bei der Einfahrtsweiche aus Richtung Innstadt kommend, bevor sich die Gleise verzweigen, also am Rande und nicht mittig.

Bahnhofsgelände Passau Rosenau

2011 pfiff dort niemand, ab 2020 sollte sich das wieder ändern

Literatur / Links / Quellen

Die Granitbahn (Betreiber)  >>>

Förderverein Lokalbahn Hauzenberg – Passau e.V. >>>

Passauer Eisenbahnfreunde >>>

Deutsche Regionaleisenbahn GmbH (Eigentümer der Strecke) >>>

Foto-Doku einer Streckenbegehung >>>

Aschauer, Franz, 1964: Oberösterreichs Eisenbahnen. Geschichte des Schienenverkehrs im ältesten Eisenbahnland Österreichs. Schriftenreihe der oö. Landesbaudirektion, Band 18. Wels.

Weitere Beiträge von DEEF über diese Region:

Die Passauerbahn Wels-Passau >>>

Die Ilztalbahn Passau – Freyung mit Anschluß nach Budweis >>>

Die Innviertelbahn von Neumarkt-Kallham nach Ried im Innkreis >>>

Die Hausruckbahn Nord von Schärding nach Ried im Innkreis >>>

Die „Alte LILO“ von Neumarkt-Kallham über Niederspaching nach Waizenkirchen / Peuerbach >>>

Die Aschacherbahn von Haiding nach Aschach an der Donau >>>


Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 24. Dezember 2011;  Relaunch der Seite: 3.8.2021; Letzte Ergänzung: –