Kohlerer Bahn

Die Kohlerer Bahn – die erste moderne Luftseilbahn der Welt

Kohlerer Bahn Talstation mit Ankunft der Gondel. Die neuen Gondeln wurden von Carvatech (vormals Swoboda) gebaut (Foto Juni 2017)

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Aufstiegshilfen (Standseilbahnen und Luftseilbahnen) langsam aber sicher Serienreife erlangten, wurden rund um den Bozner Talkessel, der im Sommer von Schwüle und Hitze gekennzeichnet ist, Seilbahnen auf die umliegenden Anhöhen errichtet, wo betuchte Bozner Bürger den Großteil des Sommers in angenehm kühleren Klima verbringen konnten. Aber auch für Tages- oder Wochenendausflüge waren diese Bahnen prädestiniert, ja auch zum Mittag- oder Abendessen – verbunden mit einem Spaziergang in frischer schöner Natur und herrlichem Ausblick – waren diese neuen Bahnen ein Segen der Götter bzw. der einfallsreichen Ingenieure.

Ein schöner Flecken Erde dort oben in Kohlern und im Sommer temperaturmäßig deutlich angenehmer als unten im Bozner Talkessel

Das lässt sich gut speisen und den Südtiroler Wein genießen mit Blick hinunter nach Bozen

Wie so oft in früheren Jahren waren engagierte Gastwirte oder Hoteliers treibende Kräfte für solche Innovationen – bei der Errichtung der ersten Seilbahn von Bozen (damals Gemeinde Zwölfmagrein) hinauf ins Bergdorf Kohlern war der Bozner Gastwirt Josef Staffler die treibende Kraft. Er besaß in Bozen einen gutgehenden Gasthof und Hotel und wollte mit Hilfe einer Seilbahn seine Gäste hinauf zu seinem Berghotel in Kohlern bringen – ohne schweißtreibende Wanderung wohlgemerkt.

Büste aus Stein des Josef Schaffler bei der Bergstation

Die erste Kohlerer Seilbahn wurde 1908 eröffnet, in Folge sind mehrere Seilbahn-Generationen zu unterscheiden.

Erste Kohlerer Seilbahn:

  • Eröffnung: 29. Juni 1908
  • Projektbetreiber/Finanzier: Josef Staffler (1846-1919)
  • Projektant: Ing. Haas
  • Errichtet von: Maschinen- und Waggonbau-Fabriks- Aktiengesellschaft in Simmering, vormals H.D.Schmid
  • Streckenlänge: 1500 m
  • Größte Neigung: 80 %
  • Höhenunterschied: 795 m
  • Erreichte Höhenquote: 1140 m
  • Seile: 1 Tragseil, 2 Zugseile
  • Hölzerne Stützen
  • Kapazität: 6 Personen pro Kabine
  • Fahrgeschwindigkeit: 1,6 m/s
  • Maximale Förderleistung: 24 Personen pro Stunde

Aufgrund von Sicherheitsbedenken wegen der hölzernen Stützen musste nach 2 Jahren eine neue Bahn gebaut werden.

Nachbau der Kohler Bahn Nummer 1 neben der heutigen Bergstation

Zweite Kohlerer Seilbahn:

  • Projektbetreiber/Finanzier: Josef Staffler (1846-1919)
  • Errichtet von: Adolf Bleichert & Co.
  • Eröffnung: 10. Mai 1913
  • Streckenlänge: 1630 m
  • Größte Neigung: 107 %
  • Höhenunterschied: 842 m
  • Erreichte Höhenquote: 1129 m
  • Seile: 2 Tragseile, 2 Zugseile
  • 12 eiserne Stützen
  • Kapazität: 16 Personen pro Kabine
  • Fahrgeschwindigkeit: 2,0 m/s
  • maximale Förderleistung: 80 Personen pro Stunde

Zerstört 1943 durch alliiertes Bombardement

Kohlerer Bahn Nummer 2, Aufnahme Juni 1932. „Die schönste Drahtseilbahn im ehemals deutschen Tirol befindet sich unweit der Stadt Bozen, jetzt Bolzano genannt. Die Bahn ist ein Werk deutscher Ingenieure. Die Baukosten betrugen über 1 Million Mark ! Blick auf einen Wagen der Bozener Drahtseilbahn in 1650 m Höhe. Tief unten die Stadt Bozen“ (Quelle: Wikipedia gemeinfrei/Bundesarchiv digital)

Dritte (heutige) Kohlerer Bahn:

  • Eröffnet: Jänner 1965 (Baubeginn 1963/64)
  • Errichtet von: Hölzl Seilbahnbau Meran (heute Lana)
  • Seile: 1 Tragseil, 1 Zugseil
  • Schräge Länge: 1650 m
  • Höhenunterschied: 843 m
  • Erreichte Höhenquote: 1110 m
  • Fahrzeit: 5 min.
  • Kapazität: 25 Personen pro Kabine
  • Fahrgeschwindigkeit: 8,0 m/s
  • 1986 Modernisierung durch die Firma Doppelmayr
  • 2006 neue Kabinen zu je 20 Personen
Alte Kabine der Kohlererbahn 3 als Denkmal bei der Talstation
  • 2006 Automatisierung der Talstation
  • 2017 Aufnahme der Kohlerer Bahn in den Verkehrsverbund Südtirol
Die Talstation, im Hintergrund ein Gewirr an Stromleitungen mit Masten, unter denen die Kohlerer Bahn durchtauchen muss
Bodenständiges Ambiente in der Talstation, hell, geräumig, funtionell
Der erste Teil von unten geht sehr steil bergan. Dafür hat man einen schönen Blick auf Bozen. Hier wird deutlich, welch großes Areal der Bozner Bahnhof der FS mit den riesigen Hallen einnimmt und man versteht die Stadtentwickler und Immobilienspekulanten nur allzu gut, warum sie immer den Bahnhof aus dem Zentrum von Bozen draussen haben wollen, ihn in den Süden zur Messe verlegen wollen
Vorbeifahrt der zweiten Gondel
Diese Stütze markiert den Übergang der extrem steilen unteren Trasse in die fast ebene Trasse oberhalb
Die Bergstation kommt in Sicht
Die Gondel in der Bergstation. Von dort kann man durch herrliche Wiesen wandern oder sich im nahen Restaurant laben

Ankunft Bergstation

Talfahrt mit Gondelkreuzung

Planmäßig verkehrt die Kohlerer Seilbahn alle 15 Minuten, meist wird nach Bedarf gefahren.


Links:

Kohlerer Bahn (Betreiber Stadt Bozen) >>>

DEEF Doku Seilbahn Bozen – Jenesien >>>


Text / Fotos / Videos copyright DEEF/Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum.

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 5. April 2020; Letzte Ergänzung: –