Stuttgart Standseilbahn

Die Standseilbahn in Stuttgart

Wagen 2 unmittelbar vor der Bergstation Waldfriedhof

Die Standseilbahn in Stuttgart, kurz Seilbahn genannt, bindet seit 1929 den im Ortsteil Degerloch gelegenen Waldfriedhof (errichtet 1914) an das Öffentliche Verkehrsnetz Stuttgarts an – die Talstation liegt unweit der Stadtbahnstation Südheimer Platz, wo Anschluss an 3 Stadtbahnlinien (U1, U9, U34) besteht.


Einige Kennzahlen:

  • Bauzeit: März bis September 1929, die bisher verkehrende Buslinie W wird zum 19.11. eingestellt
  • Eröffnung: 29. 10. 1929
  • Hersteller: Maschinenfabrik Esslingen
  • Spurweite: 1.000 mm (Meterspur), Ausweiche (Abtsche Weiche) in der Streckenmitte
  • Streckenlänge: 536 m
  • Höhe Talstation Südheimer Platz: 297 m
  • Höhe Bergstation Waldfriedhof: 382 m
  • Höhendifferenz: 87 m
  • Maximale Neigung: 282 Promille
  • Traktion: Elektromotor in der Bergstation im neuen Anbau; 400 V Spannung, 110 kW Leistung; Drehstrom-Asynchronmotor, 1.418 U / min; 2-rillige Treibscheibe (2.800 mm Durchmesser), 2-rillige Umlenkscheibe, waagerecht gelagert
  • Energieversorgung Wagen: Durch Stromschiene in den beiden Stationen, verwendet für Licht und Heizung
  • Steuerung: Elektronische, selbstüberwachende speicherprogrammierbare Steuerung; Signalübertragung über Linienleiter im Gleis, die alte Signalleitung wird heute als Baumfallmelder durch Stromkreisunterbrechung genutzt
  • Bremsen: elektrische Widerstandsbremse (Motorbremse); Windwerk: 1 Scheibenbremse (Betriebsbremsen), 3 Scheibenbremsen auf die Treibscheibe (Sicherheitsbremse); Fahrzeuge: 2 Zangenbremsen (Fangbremsen), hydraulische Auslösung je nach Last, Steigung, Tempo
  • Seile: Zugeseil Durchmesser 35 mm, seit Umbau 2003/04 auch ein Talseil mit 18 mm, seither Wagenbewegung unabhängig von der Schwerkraft
  • Höchstgeschwindigkeit: 11 km/h (3,1 m/sek)
  • Fahrtdauer: 4 Minuten
  • Fördermittel: 2 Wagen (einer an jedem Ende des Zugseiles), Maße: 9.800 mm Länge, 2.200 mm Breite, 7.800 kg Leergewicht, 13.425 kg Gesamtgewicht; Material außen Teakholz, innen Mahagoni
  • Förderleistung: Max. 75 Fahrgäste pro Wagen, davon 22 Sitzplätze, 52 Stehplätze und ein Klappsessel für den Wagenbegleiter
  • Verkehrsverbund: VVS als Linie 20
  • Takt: Alle 20 Minuten von ca. 9 Uhr bis 17.50
  • Betreiber: SSB (Stuttgarter Straßenbahnen AG)


Neben der Königstuhlbahn in Heidelberg ist die Stuttgarter Seilbahn die einzige in Deutschland nahezu original betriebene Standseilbahn. Schon von Beginn weg war die Stuttgarter Seilbahn für einen halbautomatischen Betrieb eingerichtet, zu dem nur jeweils 1 Wagenbegleiter aber keine Maschinisten oder sonstiges Personal in den Stationen benötigt wurden. Die Bahn setzt sich erst in Betrieb, nachdem beide Wagenbegleiter den Knopf für Abfahrt betätigt haben. Neben Einheimischen Anwohnern sowie Friedhofsbesuchern nutzen auch zusehends Touristen die Seilbahn, die nach den Modernisierungs- und denkmalpflegerischen Arbeiten 2003/04 zukunftsfit gemacht wurde.

Wagen 1 n der Talstation
Innenansicht – Holzklasse pur
Talblick während der Bergfahrt
Kreuzung in der Ausweiche in der Streckenmitte
Einblick in den Antrieb in der Bergstation mystisch beleuchtet
Die Bahn wurde in der Zeit der Weltwirtschaftskrise errichtet, da blieb kein Geld für pompöse Bauten. In der Bergstation ist auch ein Blumenladen integriert, rechts der blau beleuchtete Antriebsbereich
Eingang zum Waldfriedhof, dem primären Grund des Bahnbaus

Bergstation streckenseitig
Seil-Umlenkungsrollen in der Talstation
Schlicht wie die Bergstation ist auch die Talstation der Seilbahn – vielleicht würde etwas Farbe gut tun?
Wagen 1 auf der Brücke über die Straße gleich nach der Talstation

Alle Fotos entstanden im Feber 2018.
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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 30. Jänner 2021; Letzte Ergänzung: –