Bahnhofsrestaurant Dopolavoro geschlossen

Bahnhofsrestaurant Dopolavoro in Stainach-Irdning geschlossen – ein kleiner Nachruf

ÖBB Immobilien GmbH verweigern ordentliche Bewirtschaftung von Staatseigentum

Wenige Tage vor dem Ende des „Dopo“ – Chefred Populorum nochmals auf Besuch in Stainach, links Wirt Roland Kolb, dahinter ein altes Eisenbahnerehepaar aus Attnang, die es auch kaum fassen können, dass die ÖBB kein Restaurant mehr haben will am Bf Stainach Irdning

Weitum bekannt und beliebt – nicht nur bei Eisenbahnfreunden sondern auch bei der regionalen Bevölkerung – war das Bahnhofsresti „Dopolavoro“, das Patron Roland Kolb mit seiner Frau Silvia ca. 1 Jahrzehnt bewirtschaftet hatten. Herrliche Küche an einem geschichtsträchtigen Ort, denn 1875 wurde die Ennstalbahn eröffnet und 1877 die Salzkammergutbahn und am Schnittpunkt der beiden Linien befindet sich der Bahnhof Stainach-Irdning. Seit wann genau es eine Bahnhofsrestauration gibt ist nicht exakt anzugeben, aber über 100 Jahre sind es sicher schon.

Es gab viele lukullische Gaumenfreuden im Dopo – das Stainacher Schnitzerl vom steirischen „Putscherl“ war mir fast am liebsten. Dazu ein herrlicher Schilcher-Sturm

Und das soll bzw. ist nun alles nur mehr Geschichte, denn die ÖBB Immobilien GmbH, die eigentlich im Namen des Steuerzahlers die riesige Anzahl an Grundstücken und Hochbauten – wie u.a. Bahnhöfe – möglichst nachhaltig und im Sinne der Fahrgäste gestalten sollte, diese ÖBB Organisation sieht – so wurde mir aus profunder Quelle berichtet – u.a. in Bahnhofsgaststätten nur einen höheren Verwaltungsaufwand und so ist man bestrebt, eher alles zuzusperren als zu bewirtschaften. Dass mit so einer Geschäftspraxis weder eine Dienstleistung für die Fahrgäste erfolgt noch der Wert des Objekts erhalten und Einnahmen lukriert werden, das kümmert die Staatsbahn wohl wenig, denn es ist ja ohnehin eh so, dass für sämtliche Schäder der Steuerzahler aufzukommen hat.

Im von Weinreben gesäumten Schanigarten am Hausbahnsteig lässt sich herrlich auf die Abfahrt der Züge warten, die ja in Österreich im Vergleich zur Schweiz nur alle „heiligen Zeiten“ einmal fahren. 2011 gab es sogar noch den täglichen REX/IC von Stainach Irdning nach Wien West samt 1. Wagenklasse

Dabei hätte der bisherige Pächter die gesamte Inneneinrichtung zu einem Spottpreis an einen Nachfolger abgegeben, aber mitnichten, die ÖBB forderten den bisherigen Pächter auf, alles auszuräumen und nichts zu hinterlassen. Auch die über 100 Jahre alten Weinstöcke im Außenbereich, die immer so herrlichen Schatten und Früchte spendeten, sollte der bisherige Pächter ausreissen und vernichten. Das machte dieser allerdings nicht, aber es ist zu befürchten, dass das bald von der Staatsbahn erledigt werden wird.

So stellt man sich ein gemütliches Bahnhofsresti vor – überall an den Wänden Eisenbahngeschichte zum Bestaunen

Nachdem es seit einiger Zeit schon weder Schalter noch Gepäckschliessfächer gibt, ist das der nächste Schlag zur „Entmenschlichung“ des Bahnhofs Stainach-Irdning. Was werden die Fahrgäste tun, wenn der Zug auf der Salzkammergutbahn wie so oft den Anschluss an den Zug nach Graz nicht schafft und der nächste Zug erst 2 Stunden später kommt? Weit und breit ist keine Labungsstelle zu finden, man sitzt dann oder steht 2 Stunden im Kassenraum herum und spricht mit der Wand oder dem Fahrkartenautomaten!?!

3 verschiedene Stüberl hat(te) das Dopo, für jeden was dabei

Fazit:

Wieder verschlechtert sich die Qualität des Reisens durch eine fahrgastfeindliche Maßnahme der Staatsbahn für die Fahrgäste. Und der Bahnhof wird wie schon vielerorts in Österreich zu einem Geisterbahnhof ohne Service- und Dienstleistungskompetenz.  Und der Eisenbahn – und somit allen von uns Steuerzahlern – entgehen Einnahmen, aber das scheint nicht zu stören, denn man hat sich offenbar im Lande schon daran gewöhnt, die Staatsbahn mit Milliarden von Euro zu subventionieren, da spielen ein paar Millionen mehr oder weniger Einnahmen keine Rolle mehr.

Den Wirtsleuten, der Familie Kolb, die ab November das Stüberl an der Talstation der Bergbahn in der Tauplitz bewirtschaften werden (10 Minuten zu Fuss vom dortigen Bahnhof) möchte ich Danke sagen für die schönen Stunden, die ich und andere dort verbringen konnten und ihnen viel Erfolg zukünftig in der Tauplitz wünschen.

Noch dazu am Hausbahnsteig wartete an diesem Sommertag 2012 der IC „Salzkammergut“ auf die Abfahrt. Geniessen im Gastgarten, beim Pfiff des Schaffners den letzten Schluck und dann rein in den damals noch gemütlichen Intercity

Alle Fotos copyright DEEF/Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 20. Oktober 2019; Letzte Ergänzung: –