Die k. u. k. Fleimstalbahn von Auer nach Predazzo – Eine eisenbahnarchäologische Exkursion im Süden Tirols (Teil 2)

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Fleimstalbahn Teil 2: Die Relikte auf Südtiroler Seite
Nachfolgender Reader versteht sich auch als Teaser zum ausführlichen Bericht in der DEEF Print-Edition Band 5
Allgemeines
Nachfolgend möchte ich ein paar Fotos von den Relikten der k.u.k. Fleimstalbahn auf Südtiroler Gebiet zeigen. Zum einen finden sich Relikte im Bereich des ehemaligen Bahnhofs Auer (größter Schmalspurbahnhof der ehem. Monarchie Österreich-Ungarn), zum anderen entlang des heutigen Radweges von Cavalese bis Montan. Von Montan bis Auer überwand die Fleimstalbahn den steil abfallenden Höhenrücken des „Castelfeder“ in mehreren weit ausschwingenden Serpentinen. In diesem Bereich finden sich kaum noch Relikte, die Natur hat sich das Terrain zurückerobert.
Für eine Wanderung entlang der alten Trasse der Fleimstalbahn auf Südtiroler Gebiet (heute Rad- und Wanderweg) empfiehlt es sich, mit dem Bus (stündliche Verbindung ab Auer Richtung Cavalese) bis San Lugano zu fahren und von dort dann gemütlich bergab bis Montan zu spazieren.
Auer
Der Betriebsbahnhof der Fleimstalbahn war der größte Schmalspurbahnhof der k.u.k. Monarchie mit einer Länge von 1.500 m, 100 m Breite, 85 Weichen und einer Gesamtlänge der Schmalspur-Gleise von 8,2km! Er musste auf sumpfigem Grund errichtet werden. Die Gleise vom ehem. Bahnhof zu den Werkstätten und zum Lokdepot mussten einem Parkplatz weichen, das Gelände mit Wasserturm und Objekten wird heute partiell von einem Schotterunternehmen genutzt.












St. Lugan(o)
Der Bahnhof von St. Lugano war die höchstgelegene Station der Fleimstalbahn auf einer Seehöhe von 1.097m im Streckenkilometer 26,3 (ab Auer). Ausserdem die letzte auf Südtiroler Boden. Das Foto oben links zeigt das ehem. Bahnhofsgebäude (heute Wohnhaus) sowie das danebenliegende ehem. Umspannwerk, welches heute von der Katholischen Jungschar genutzt wird. Auf dem ehem. Hausbahnsteig wurden Schienen verlegt und temporäre Unterkünfte für die Jungschar in Form eines „Hotelzugs“ geschaffen (5 Waggons mit neuen Holzaufbauten). Beide Objekte sind in sehr gutem Zustand. Während der Bauzeit der Fleimstalbahn stand hier eine große Feldbäckerei.
Von Neumarkt an der Etschtalbahn verlief übrigens als Vorläufer der Fleimstalbahn von 1915-1917 eine 25 km!!! lange Seilbahn über Pinzon, Montan, Kalditsch, Pausa und Kaltenbrunn bis nach St. Lugan (1916 sogar verlängert bis Cavalese).

Kaltenbrunn
Die Station Kaltenbrunn (Fontanefredde) liegt bei km 23,7 auf einer Höhe von 1.002 m. Die Station ist gut in Schuß und beherbergt einen Posten der Südtiroler Forstverwaltung.

Pausa
Die Station Pausa liegt auf einer Höhe von 958 m im Streckenkilometer 22,5. Die Station ist nicht bewohnt sondern wird partiell vom danebenliegenden Bauernhof als Schuppen genutzt. Der Bauzustand scheint aber gut zu sein. Die Trasse liegt hier deutlich höher als die Fleimstalstrasse.




Tunnel 
Die Fleimstalbahn hatte 6 Tunnel, wovon 5 auf dem Streckenabschnitt San Lugano – Montan liegen. Es sind dies:
Tunnel Oberglen, auch Windischgrabentunnel genannt, km 11,915-12,173, 258,45 lang, Kurvenradius von 80m, Steigung 40 Promille
Tunnel Schloß Enn, auch Schloßbergtunnel genannt, km 12,930-13,053: 123,10 m lang, 33 Promille Steigung, wurde innen mit Mauerwerk verkleidet; in polyzentrischer Kurve mit Krümmungsradien 100, 110 und 60m
Veitner-Tunnel, auch Feitner-Tunnel geschrieben, km 17,312-17,451: 138,82m lang, in einer Kurve, Steigung von 40 Promille, 60 m Krümmungsradius
Rottenhof-Tunnel, km 18,9230-19,030: 109,95m lang, in einer Kurve, Steigung 40 Promille, Krümmungsradius 60 m und 75 m und geradem Zwischenstück von 32m Länge
Kalditscher-Tunnel, km 19,537-19,590: 52,85 m lang, Krümmungsradius 60m Steigung 40 Promille








Kalditsch
Im Dornröschenschlaf befindet sich das Gebäude des ehem. Bahnhofs Kalditsch (ital. Doladizza), unbewohnt, tw. überwuchert, aber immer noch Würde ausstrahlend. Der Bahnhof Kalditsch liegt auf einer Seehöhe von 702 Metern bei Streckenkilometer 15,8. Das Gebäude sollte unbedingt erhalten und revitalisiert werden. Bspw. als Wohnhaus mit einer kleinen Jausenstation kombiniert.


Glen
Die Schleife mit dem Viadukt Unterglen, das Viadukt ist erheblich zugewachsen.Details zum Viadukt Unterglen: Strecken-km 11,0: 5-bogige gekurvte Brücke, insgesamt 73 m lang, 22,6m hoch, zwei 11,75 m weite und drei 12m weite Bogen. Am bergseitigen Ende des Viadukts bei Streckenkilometer 11,0 und Seehöhe 535 lag die Haltestelle Glen.



Montan
In Montan verliert sich die Spur der Fleimstalbahn – die Trasse verlief über den neuerbauten Sportplatz, dann hier durch die Obstgärten Richtung Nord (im HG das Bozner Becken), um dann in einer grossen Schleife den Ort Montan südwärts zu verlassen.


Castelfeder
Den Castelfeder, einen uralten mystischen Besiedlungsraum (u.a. Urnengräber aus dem 2. Jahrtausend v. Chr.) auf einem mehrfach kupierten Hügel oberhalb Auer bis Montan, überwand die Fleimstalbahn in mehreren langgezogenen Schleifen, wobei man diese Schwierigkeiten sogar ohne Kunstbauten (Viadukte) überwinden konnte. Auch eine Haltestelle gab es, nämlich Vill oberhalb von Neumarkt, die aber schon vor 1963 stillgelegt wurde. An Relikten lassen sich Schüttungen für den Bahndamm sowie Stützmauern noch einzeln finden. Die Rückreise von Montan nach Auer kann bequem mit dem SAD Autobus stündlich erfolgen oder man nutzt den Naturerlebnisweg Biotop Castelfeder.


Einkehrtip: Gasthof Albergo Restaurant St. Urban, Auer Bahnhofsstraße. Vom Bahnhof kommend am Ortsanfang auf der rechten Seite. Franz kocht sehr gut, große Portionen, günstiger Preis.
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Autobusbetreiber Auer-Cavalese (SAD) >>>
Autobusbetreiber Cavalese-Predazzo (Trenino Trasporti) >>>
DEEF: Eisenbahnarchäologische Wanderung entlang der alten Brennerbahn von Bozen nach Waidbruck (Ein Reader in 4 Teilen) >>>
DEEF: Zu Fuß entlang der alten Strecke vom Brenner bis Gossensaß (ein Reader in 4 Teilen) https://www.dokumentationszentrum-eisenbahnforschung.org/brennerbahn_bahnhofbrenner
Literatur
Cembran, Rolando, 2011: Eine Bahn ins Fleimstal. Geschichtlicher Abriss – Tauziehen zwischen Bozen und Trient – Wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung (1891-1963). Bozen
Delladio, Mariano, 1987: Vapore in Val di Fiemme. Genesi di una ferrovia militare. Cortona
Dultinger, Josef, 1982: Auf schmaler Spur durch Südtirol. Schmalspurbahnen südlich des Brenners. Rum
Dultinger Josef, 1982: Vergessene Vergangenheit. Schmalspurbahnen der k. u. k. Armee zur Dolomitenfront 1915 -1918. Rum
Kompass-Wanderkarten 1:50.000 „Südtirol“
Muscolino, Piero, 1988: Die Dolomitenschmalspurbahnen Auer-Predazzo, Klausen-Plan und Reiseerinnerungen. Cortona
Populorum, Michael Alexander, 2011: Eisenbahnarchäologische Exkursionen südlich des Brenners – Teil 1: Auf Schusters Rappen entlang der alten Brennerstrecke vom Brenner nach Gossensass. Schriftenreihe des Dokumentationszentrums für Europäische Eisenbahnforschung (DEEF), Band 2
Populorum, Michael Alexander, 2012: Eisenbahnarchäologische Exkursionen südlich des Brenners – Teil 2: Von Bozen nach Waidbruck entlang der alten Brennerstrecke. Schriftenreihe des Dokumentationszentrums für Europäische Eisenbahnforschung (DEEF), Band 4
Populorum, Michael Alexander, 2012: Eisenbahnarchäologische Exkursionen südlich des Brenners – Teil 3: Die k.u.k Fleimstalbahn von Auer nach Predazzo. Schriftenreihe des Dokumentationszentrums für Europäische Eisenbahnforschung (DEEF), Band 5
Populorum, Michael Alexander, 2013: Eisenbahnarchäologische Exkursionen südlich des Brenners – Teil 4: Die Überetscher Bahn von Bozen über Eppan nach Kaltern und zur Mendel. Schriftenreihe des Dokumentationszentrums für Europäische Eisenbahnforschung (DEEF), Band 7
Reiseführer „Südtirol“ vom Michael Müller Verlag
Rosenberger, Hans Jürgen, Rosenberger, Carlo, 1993: Die Eisenbahnen in Südtirol. Bozen. Titel der ital. Originalausgabe: Le ferrovie in Sudtirolo
Schaumann, Walther, 1971: Die Bahnen zwischen Ortler und Piave in den Kriegsjahren 1915-1918. Einsatz und Leistungen der österreichisch-ungarischen und Kaiserlich deutschen Eisenbahnformationen. Wien-Heidelberg.
Schaumann, Walther, 1991: Die Bahnen zwischen Ortler und Isonzo 1914-1918. Vom Friedensfahrplan zur Kriegsfahrordnung. Der Einsatz der k. u. k. Eisenbahntruppe, der k.k. Eisenbahner und der Kaiserlich deutschen Eisenbahnformationen
Tappeiner, Siegfried, 1973: Die Geschichte der Fleimstalbahn. Dissertation an der Universität Padua
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https://www.youtube.com/@Railways-Ropeways-of-Europe
Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum
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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF
Erstmals Online publiziert: / page first published 25. Oktober 2013; Seiten-Relaunch 8.1.2026; Letzte Ergänzung / page last modified 8.1.2026
