Etwas für Tunnelfreunde: Eisenbahnstrecke Belluno – Ponte nelle Alpi-Polpet – Calalzo

Allgemeines
Die normalspurige und 44 km lange Eisenbahnstrecke von der Provinzhauptstadt Belluno ins nördliche Calalzo ist eine überaus lohnende Bahnstrecke, vor allem, wenn man es gebirgig und mit Tunnel durchsetzt mag. Die Strecke ist nicht elektrifiziert, es verkehren (2015) noch die alten Dieseltriebwägen vom Typ Aln 668, wo man die Fenster öffnen und die Strecke somit weit authentischer erleben kann als im sicher bequemeren Minuetto. Betreiber der Strecke ist die staatliche RFI/Trenitalia.
Und das Fotographenherz schlägt höher, wenn man ordentlich nach aussen fotographieren, dabei Frischluft schnuppern und die Tunnel und Gallerien „hautnah“ erleben kann. Das sind die wahren Eisenbahnfotographen und nicht die, welche mit dem Auto neben dem Zug herfahren und dann auf Leitern in der Wiese stehend die Züge ablichten und dann stolz im Eisenbahnforum präsentieren, aber selbst nie wirklich Teil des Systems Eisenbahn sind. Übrigens ein lächerlicher Anblick diese „Eisenbahnfotographen“ auf ihren Leitern in Flur und Feld – welch´zynische Bemerkungen ich da schon so von Zugbegleitern und Triebwagenführern gehört habe….

Belluno, dt. Bellun, ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der Region Venetien. Einwohner 36.000. Ein sehr liebenswertes Städtchen mit netten Plätzen und Altstadt.

Eröffnung und Dolomitenbahn nach Cortina
Die Eisenbahnstrecke von Belluno nach Calalzo-Pieve di Cadore-Cortina wurde in 3 Etappen eröffnet:
Belluno – Longarone: 8. 8. 1912
Longarone – Perarolo di Cadore: 5. 6. 1913
Perarolo di Cadore – Calalzo di Cadore: 18. 5. 1914

Von Calalzo di Cadore gab es bis 1964 Anschluß an die Dolomitenbahn (Ampezzanerbahn) nach Cortina d´Ampezzo und weiter nach Toblach im Pustertal – diese Bahn fiel leider dem kurzsichtigen Denken der Politiker zum Opfer, heute muß man mit dem Bus nach Cortina fahren, umsteigen und dann weiter mit dem Bus nach Toblach.

Die Stationen
Belluno, Bahnhof, km 85,093 (ab Treviso); 392 m.ü.d.M. (> Montebelluna (>Treviso bzw. Padua)
Das stattliche Aufnahmegebäude des Bahnhofs Belluno von 1928 wurde vom Architekten Roberto Narducci geplant. Dieser zweite Bahnhof von Belluno ging an dieser Stelle 1912 in Betrieb, der erste Bahnhof von Belluno wurde am 11.11.1886 an der heutigen piazza Cesare Battisti eröffnet.


Ponte nelle Alpi-Polpet, Bahnhof, km 92,175; 396 m (> Vittorio Veneto – Conegliano)
Faè-Fortogna, ehem. Haltestelle bis 2013, km 99,749
Longarone-Zoldo, Bahnhof, km 103,033; 463 m
Castellavazzo, ehem. Bahnhof bis 2002; 495 m
Ospitale di Cadore, ehem. Bahnhof bis 2013, km 110,578
Perarolo di Cadore, Bahnhof, km 118,492; 561 m
Sottocastello-Tai, ehem. Haltestelle; 711 m
Calalzo-Pieve di Cadore-Cortina, Bahnhof, km 128,952; 740 m.ü.d.M. (ehem. weiter nach Cortina-Toblach)

Die Fahrt
Die Fahrt von Belluno über Ponte nelle Alpi-Polpet nach Calalzo dauert 57 Minuten, es gibt einen ca. 2-Stunden-Takt. Aktuell (2015) werden keine Züge über Belluno hinaus (bspw. nach Padua) durchgebunden. Die Fahrt ist sehr abwechslungsreich. In Fahrtrichtung rechts zu sitzen ist natürlich interessanter, zieht der Schienenstrang doch auf der linken Hangseite des Piavetals (in Fahrtrichtung gesehen) teilweise 50 oder mehr Meter über dem Piavefluß taleinwärts. Unzählige Felssporne werden in Tunnels von 50 bis 200 m durchstochen, auch Ortschaften wie Castellavazzo werden im Tunnel unterquert.
Der Monte Zucco Tunnel
Längster Tunnel der Strecke ist seit 2003 der neue Monte Zucco Tunnel (Galleria Monte Zucco) mit einer Länge von 2.698 Metern. Er ersetzt den kürzeren alten Monte Zucco Tunnel (Länge 1.163 m) und einige kleinere Tunnel. Unmittelbar nach Eintritt in das Südportal des neuen Monte Zucco Tunnels zeigt sich eine äußerst interessante Situation, nämlich 2 Tunnelportale – geradeaus (links) das neue Portal, nach rechts zweigt der alte Monte Zucco Tunnel ab. Rechnet man dieses gemeinsame Portal für alten und neuen Tunnel hinzu, so beträgt die Länge des neuen Monte Zucco Tunnels 2.739 Meter.

Der Bau des neuen Monte Zucco Tunnels war notwendig geworden, da ständige Hangbewegungen und Erdrutsche die alte Strecke im Bereich des Bergsturzgebietes „Busa del Cristo“ bedrohten. Mit dem Bau wurde bereits 1992 begonnen, nach einem tödlichen Unfall verzögerten sich die Arbeiten und so konnte der neue Monte Zucco Tunnel erst 2003 eröffnet werden.
Auf dem heute seit dem Bau des neuen Monte Zucco Tunnels nicht mehr befahrenen Streckenabschnitt gab es auf Druck der Anwohner (sie blockierten mit Barrikaden die Strecke) vom 16. Oktober 1914 bis zum Jahr 1928 die Haltestelle „Sant’Andrea“ unmittelbar beim gleichnamigen Tunnel.
Warum bspw. der Bahnhof Castellavazzo, der inmitten der Gemeinde Castellavazzo (bis 2011 Castello Lavazzo) mit 1.600 Einwohner geschlossen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis, scheint aber eher kontraproduktiv zu sein. Vielleicht als Strafe dafür, dass der Gemeinderat von Castellavazzo als erste Gemeinde des Veneto offiziell die Abhaltung eines Referendum über die Unabhängigkeit des Veneto in Anlehnung an Schottland, Katalonien und den Kosovo gefordert hat?!
Foto-Dokumentation








Das 3.840 Einwohner zählende Städtchen Longarone erlangte 1963 Weltbekanntheit, nämlich durch die Katastrophe von Longarone. Am 9. Oktober 1963 kam es zu einem gewaltigen Erdrutsch in den oberhalb der Stadt situierten Vajont-Stausee. Die mächtige Staumauer blieb war erhalten, das Wasser schwappte jedoch über die Krone und schoß zu Tal. Fast alle Einwohner, cca. 2.000 Menschen, starben auf einen Schlag. Auch der Bahnhof wurde weggerissen. Dabei war die Katastrophe vorhersehbar, aber die Profitgier des Elektrizitätsbetreibers war größer als die Vernunft und die Menschlichkeit 🙁

























Calalzo hat 2.127 Einwohner und liegt in den südöstlichen Dolomiten. Im 1. Weltkrieg wurde in der Gegend heftig gekämpft – die Dolomitenbahn wurde als reine Militärbahn errichtet.

Links
DEEF Beitrag: Eisenbahnlinie Conegliano – Vittorio Veneto – Ponte nelle Alpi Polpet >>>
DEEF Beitrag Eisenbahnlinie Belluno – Feltre – Treviso Centrale >>>
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Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum
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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF
Erstmals Online publiziert: / page first published 25. Oktober 2015; Seiten-Relaunch 14.2.2026; Letzte Ergänzung / page last modified 14.2.2026
