Reisszug Festung Salzburg

Der Reißzug auf die Festung Hohensalzburg – älteste Seilbahn der Welt

Die Trasse des Reisszuges – Blick von der Talstation neben dem Stift Nonnberg bergwärts (Foto 16.3.2009)

Der Reißzug – auch Reisszug, auch Reiszug, nach dem mittelhochdeutschen Wort rīsen, heute reisen bzw. Fahrt, damalige Bedeutung entsprechend dem engl. to rise nach oben bewegen – gilt als die weltweit älteste noch bestehende Seilbahn der Welt und dient als nicht-öffentliche Standseilbahn bzw. Schrägaufzug dem Materialtransport auf die Festung Hohensalzburg. Der öffentliche Transport von Personen auf die Festung Hohensalzburg – dem Wahrzeichen der Stadt Salzburg – erfolgt über die Festungsbahn.

Wagerl des Reisszugs in der Bergstation im Burghof der Festung Hohensalzburg (12. März 2014)

Geschichte

Der Reißzug wurde im 15. Jahrhundert errichtet (wahrscheinlich 1460) und verkehrte anfangs mit zwei Kufenschlitten im Gegenverkehr, wenig später verkehrten die gegenläufig fahrenden Wagen auf Hartholz-Schienen. Bis 1910, als erstmals ein elektrische Bergbauwinde mit einem 38 PS-Motor zum Einsatz kam, erfolgte die Traktion durch Muskelkraft (Ochsen, Pferde aber auch Häftlinge) auf eine hölzerne Seilwinde mit einem ca. 300 m langen Hanfseil.

Die Trasse des Reißzugs führt von der Talstation beim Stift Nonnberg durch insgesamt 5 Pforten, welche in früheren, kriegerischeren Zeiten gesichert werden mussten, in den Burghof der Festung Hohensalzburg. Dort befinden sich die Maschinenanlagen in dem 1644 errichtetem Reißzuggebäude.

Trasse des Reisszugs – Blick von der Bergstation hinunter mit den insgesamt 5 Pforten

Bei einer Sanierung durch die k. u. k. Militärverwaltung (1881-1885) wurden die Holzschienen durch schmalspurige Eisenbahnschienen aus Metall ersetzt, die wiederum bei der Erneuerung der Anlage 1951 durch normalspurige Eisenbahnschienen ersetzt wurden. Weitere Sanierungen erfolgten in den Jahren 1988–1990, 2004 und zuletzt 2017, als ca. 250.000 Euro in die Modernisierung der Seilbahn- und Elektrotechnik investiert wurden.

Der nicht-öffentliche Reißzug ist wochentags mehrmals pro Tag im Einsatz, um die Betriebe und die Verwaltung auf der Festung mit Materialien zu versorgen.


Einige Kennzahlen

  • Höhenunterschied: 80 m
  • Streckenlänge: 180 m
  • Neigung: 67 %
  • Fahrbetriebsmittel: 1 für 2.500 kg Zuladung oder 3 Personen
  • Antrieb: Elektrisch in der Bergstation, Leistung 15 kW
  • Zugseil: 2 Seile, Durchmesser ?
  • Geschwindigkeit: 0,55 m/s
  • Fahrzeit: 5,45 min
  • Nachttauglich durch Sicherung mit Infrarotkameras
Reisszug „Typentafel“ in der Bergstation (12.3.2014)
Das Wagerl hängt an 2 Stahlseilen
Wagerl bergseitig, wo auch eine Bank für die Personenbeförderung (nicht-öffentlich) eingebaut ist (März 2014)

Links

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 20. August 2021; Letzte Ergänzung: –