Gurtenbahn

Gurtenbahn – Standseilbahn auf den Berner Hausberg

Der Hausberg der Schweizer Bundeshauptstadt Bern (143.278 Einwohner), der Gurten (Gipfel 858 m.ü.d.M.), wird seit 1899 durch eine Standseilbahn von Wabern bei Bern (Ortsteil der Gemeinde Köniz) aus erschlossen.

Nachdem die erste Konzession zum Bau einer Standseilbahn von 1885 nicht zur Umsetzung gelangte wurde 1893 eine zweite Konzession erteilt und in Folge 1898 die „Gesellschaft Elektrische Gurtenbahn“ gegründet. Noch im Dezember des gleichen Jahres wurde mit den Bauarbeiten begonnen und die Bahn war im Juli 1899 fertiggestellt. Da es aber noch am Strom für den Betrieb der Bahn mangelte erfolgte die Betriebsaufnahme erst am 12. September 1899.

Am 1.1.1926 erwarb die Stadt Bern den Gurtenbesitz und eine Mehrheit der Aktien, sodaß 1927 der Name in Gurtenbahn Bern AG geändert wurde.

Historisches Werbeplakat für die Gurtenbahn

Mehrfach kam es zu Erneuerungsmaßnahmen bei der Gurtenbahn:

  • 1931: Wagenrevision und Renovierung Talstation
  • 1932: Erneuerung Antrieb, dadurch nur mehr 7 Minuten Fahrzeit statt 9
  • 1944: Neue Wagen aus Leichtmetall, Kapazität 100 Personen statt 60 und Fahrzeit nur mehr 5 Minuten; Sanierung Talstation
  • 1949: Sanierung Bergstation
  • 1966: Umbau der Anlage zum automatisierten Einmannbetrieb, Fahrzeit konnte bis auf 3,5 Minuten verkürzt werden
  • 1999: Umbau der Gurtenbahn im Rahmen des Projekts „Gurten 2000“ – Neubau der Bergstation, Erneuerung des Antriebs, neue Panoramawagen für 120 Personen anstatt 100. Am 1. Juli erfolgte die feierliche Wiedereröffnung der Bahn nach dem Umbau

Durch die Attraktivierung des Gurtens im Rahmen des Projekts „Gurten 2000“ hat sich auch die Bedeutung der Gurtenbahn erhöht. Seit 1960 gibt es bereits eine Gartenbahn nächst der Bergstation der Gurtenbahn, seit 1977 findet das Gurtenfestival (mehrtägiges Open Air-Musikfestival) statt. Seit 2000 kamen weitere Attraktionen dazu, so die Freizeitanlagen „Park im Grünen“ (Gurtenpark, Stiftung der Migros), eine Downhill-Strecke von der Berg- zur Talstation der Gurtenbahn, ein Tierpark, das Freilichttheater Gurten, der Gurtenturm mit Sicht auf die Berner Alpen und im Norden den Jura sowie seit 2016 eine Sommerrodelbahn.

Die Gartenbahn am Gurten hat eine Streckenlänge von ca. 600 m und eine Spurweite von 184 mm. Der Tunnel im Foto sowie eine Zahnradbahn kamen später zu der bereits seit 1960 existierenden Gartenbahn hinzu

Bereits seit den 1950er Jahren gibt es ein Allgemeines Fahrverbot für Kfz am Gurten, sodass die Anreise auf den Gurten in jedem Fall umweltfreundlich erfolgen muss.

Am Fuß des Gurten nächst der Talstation befinden sich noch Gebäude der traditionsreichen Gurten Brauerei (gegr. 1864), welche 1970 von der Feldschlösschen Brauerei übernommen wurde. Die Marke existiert bis heute, das Bier wurde allerdings seit 1997 bei Cardinal in Freiburg bzw. nachfolgend bei Feldschlösschen in Rheinfelden gebraut.

Die ehem. Gurtenbrauei wurde tw. in einen Businesspark umgebaut. Mein langjähriger Schweizer Freund Jakob Bärtschi war hier Brauereichef, bevor er Generaldirektor der Feldschlösschen Brauerei in Rheinfelden wurde

Die Anreise zur Gurtenbahn kann zwiefach mit umweltfreundlichen Öffis erfolgen: Entweder mit der Tramlinie 9 oder mit der S-Bahnlinie 3 bzw. 31 zum Bf Wabern, der direkt bei der Talstation der Gurtenbahn liegt.

Be 6/8 Combino Nr. 765, gebaut von Siemens und im Dienste von Bernmobil auf der Linie 9 Richtung Wabern in Wabern
Bf Wabern der BLS

Kennzahlen Gurtenbahn (seit 1999):

  • Typus: Eingleisige Standseilbahn mit Abt´scher Weiche in der Mitte als Ausweiche
  • Spurweite: 1.000 mm
  • Talstation: 572,6 m ü. M.
  • Bergstation: 839,5 m ü. M
  • Länge: 1059 m (Fahrlänge)
  • Höhendifferenz: 266,9 m
  • Steigung: 21,97–34,34 %
  • Seildurchmesser: 31 mm
  • Neigung Wagenkasten: 30 %
  • Fassungsvermögen je Wagen: 120 Personen
  • Fahrgeschwindigkeit: 8 m / sek
  • Förderleistung: 1.800 Personen pro Stunde
  • Bauherr: Fritz Marti aus Winterthur (gestorben 1902, auch Erbauer des Hotels Gurten Kulm)
  • Projektverfasser und Bauleiter: Ingenieur J.E. Brüstlein (gestorben 1923)
  • Betreiber: Gurtenbahn AG

Die Fotos entstanden bei meinem Aufenthalt in Bern im Rahmen des Meetings deutschsprachiger Journalistenverbände im Februar 2016.

Talstation Gurtenbahn
Wagen in der Talstation
Innenraum der seit 1999 eingesetzten Panoramawagen
Blick zurück auf die Talstation
Kreuzung in der Mittelstation Grünboden, Seehöhe 686 m
Blick ins Tal und auf die Bundeshauptstadt Bern
Panoramawagen der Gurtenbahn direkt bei der Bergstation
Bergstation
Hotel/Restaurant Gurten Kulm im Stil der Belle Epoque
Bern mit der Aare in der Bildmitte
Wagen in der Bergstation

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Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum.

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 21. November 2020; Letzte Ergänzung: –