Krumpe Ober Grafendorf-Wieselburg-Gresten

Nebenstrecke der Mariazellerbahn: Die Krumpe

Dieseltriebwagen der ÖBB 5090 015-8 am 11.10.2010 im Bahnhof Mank (Krumpe)

Die umgangssprachlich „Krumpe“ genannte Lokalbahn Ober Grafendorf – Gresten war eine in Bosnischer Spurweite (760 mm) in mehreren Etappen ab 1898 errichtete Nebenstrecke der Mariazellerbahn mit einer Gesamtlänge von 62 km und einer maximalen Neigung von 27 Promille, welche in mehreren Schritten im Abschnitt Ober Grafendorf bis Wieselburg an der Erlauf amputiert (stillgelegt und demoliert) wurde und akutell (2020) nur mehr auf ein paar Kilometer ab Ober Grafendorf im touristischen Verkehr genutzt wird.

Der Abschnitt von Wieselburg an der Erlauf bis Gresten (Streckenkilometer 37,6 bis 62,3) wurde aufgrund des großen Güteraufkommens auf diesem Abschnitt bereits 1998 auf Normalspur umgespurt und ist bis heute ausschließlich im Güterverkehr aktiv.


Anfang und Ende:

  • 11. Juli 1896: Konzession für Lokalbahn Ober Grafendorf – Mank (gemeinsam mit Konzession Pielachtalbahn
  • 27. Juli 1898: Betriebsbeginn Ober Grafendorf – Mank, den Betrieb der Aktiengesellschaft der Lokalbahn St. Pölten–Kirchberg an der Pielach–Mank übernahm das Landeseisenbahnamt (nachfolgend Niederösterreichischen Landesbahnen)
  • 5. August 1905: Eröffnung Verlängerung Mank – Ruprechtshofen
  • März 1913: Konzession und Baubeginn Abschnitt Ruprechtshofen – Gresten
  • August 1914: Baueinstellung aufgrund des 1. WK
  • 15. April 1927: Neuerliche Konzessionserteilung für die „Lokalbahn Ruprechtshofen – Gresten) für den neuen Eigentümer ÖBB
  • 29. Juni 1927: Feierliche Eröffnung Ruprechtshofen – Gresten
  • 16. November 1998: Erster normalspuriger Güterzug auf der Strecke Wieselburg – Gresten, in Folge Einstellung des kompletten Güterverkehrs auf der schmalspurigen Krumpe und Mariazellerbahn
  • 15. Februar 2000: Einstellung Ruprechtshofen – Wieselburg
  • 15. Dezember 2002: Einstellung Mank – Ruprechtshofen
  • 11. Dezember 2010: Einstellung Ober Grafendorf – Mank

Von 2011 bis 2017 wurde der Abschnitt Ruprechtshofen – Wieselburg erfolgreich mit Fahrraddraisinen befahren. Aufgrund divergierender Wünsche der Bürgermeister entlang der Strecke (Radweg, Wohnbau, Nostalgieverkehr auf Schiene etc.) wurden bis heute (2020) sämtliche Schienen entfernt mit Ausnahme des Abschnitts Ober Grafendorf – St. Margarethen an der Sierning (3,5 km), wo Nostalgiefahrten angeboten werden sollen, u.a. durch den Club Mh.6.


Ober Grafendorf – ehemalige Werkstattanlagen, heute Teil des „Nostalgiezentrums“ des Vereins Mh6:

Oktober 2010


Betrieb:

Einen Taktfahrplan gab es auf der Krumpe nicht, die ÖBB als Betreiber machten es so wie auf vielen anderen „Neben-Strecken“ auch – ein unattraktives Mindestangebot wurde angeboten, das aber zu wenig war um Fahrgäste zu gewinnen. Aber zumindest wurde am Wochenende – wenngleich nur selten – aber doch gefahren, was beim nachfolgenden Autobusverkehr nicht mehr der Fall war – unter der Woche gab es nahezu einen Stundentakt, dafür fuhr – zumindest 2010 – am Wochenende gar keinen Bus. Das ist natürlich fatal für eine Gegend, wo man sanfte Mobilität und nachhaltigen Tourismus anbieten will.

Und in den Infrastruktur wurde wie fast überall auf Nebenstrecken der ÖBB Jahr und Tag nichts investiert, die Strecke war schlussendlich marode und unbenutzbar.

Langsamfahrstellen mit 10 km/h Höchstgeschwindigket als Zeichen von großer Säumnis seitens des ehem. Betreibers ÖBB (Oktober 2010)
Im wahrsten Sinne des Wortes: Auf „Kaisers Schienen“ fuhr man noch im ausgehenden 20. Jhd (Walzzeichen Graz 1885)


Die Stationen:

  • Ober Grafendorf, Bf, km 0,0; 276 m.ü.d.M. (> Mariazellerbahn)
Bahnhofsgebäude Ober Grafendorf im Jahr 2010
Doppeltraktion ÖBB Dieseltriebwagen BR 5090 im Bf Ober Grafendorf am 11.10.2010. Der vorder Triebwagen 5090 014-1 wird nach dem „Flügeln“ weiter nach Laubenbachmühle fahren, der hintere Triebwagen 5090 015-8 wird auf die Krumpe abzweigen und bis Mank fahren

Am 7.9.2010 wartet der Dieseltriebwagen 5090 014-1 auf die Weiterfahrt nach Mank
5090 innen
  • St. Margarethen-Rammersdorf, Hs, km 3,5 (Schienenende, Nostalgiefahrten)

  • Bischofstetten, ehem. Bf, km 7,6

Fotos Oktober 2010

  • Teufelsdorf, ehem. Hs, km 9,9

  • Kilb, ehem. Bf, km 12,9
Oktober 2010
  • Heinrichsberg, ehem. Hs, km 15,8
  • Mank, ehem. Bf, km 18,0; 296 m (PV bis 2010)

Nach der Ankunft in Mank geht es nach kurzem Aufenthalt wieder zurück nach Ober Grafendorf (11.10.2010)

Rückfahrt ohne Fahrgäste – aufrund des jahrelangen Abwirtschaftens, unattraktiven Fahrzeiten (teilweise wegen desolaten Oberbau Schrittgeschwindigkeit) ein reiner Alibiverkehr bis zum Zusperren
Hier ging es weiter bis Ruprechtshofen, 2010 lagen die Schienen noch durchgängig
  • Lehenleiten, ehem. Hs, km 21,9
  • St. Leonhard am Forst, ehem. Hs, km 25,6; 240 m
Nach einem guten und günstigen Mittagessen im GH Riedl-Schöner in Mank ging es per Bus (Schülerbus) nach St. Leonhard am Forst und dort dann weiter per Pedes nach Ruprechtshofen

Fotos Oktober 2010

  • Ruprechtshofen, ehem. Bf, km 26,6; 242 m (PV bis 2002)

Im Oktober 2010 wurden schon Vorbereitungen zum Start der Mostviertel-Draisine getroffen, die dann ab April 2011 bis 2018 mit großem Erfolg fuhr. Dann musste man ins Ybbstal auf die Reste der Ybbstalbahn in Lunz ausweichen, da man auf der Krumpe die letzten Schienenabschnitte demolierte – unter freudiger Mithilfe der meisten Bürgermeister

  • Grabenegg-Rainberg, ehem. Hs, km 30,6
  • Reisenhof-Lehen, ehem. Hs, km 32,8
  • Breiteneich bei Wieselburg, ehem. Hs, km 35,8
  • Wieselburg an der Erlauf, Bf, km 37,6; 252 m (> Erlauftalbahn nach Scheibbs, Güterverkehr nach Gresten)

Heizhaus und Remise der Schmalspurbahn Krumpe in Wieselburg, Oktober 2010

Brücke über die Erlauf Oktober 2010

Fotos Oktober 2010
Bahnhof Wieselburg an der Erlauf mit dem VT 5047 016-0 am 11.10.2010 bereit zur Fahrt nach Pöchlarn an der Westbahnstrecke
Für die Fahrt nach Gresten muss man heute den Autobus nehmen, wobei zumindest wochentags Verbindungen stündlich angeboten werden, entweder über Steinakirchen oder über die Bahnstation Staffen der Erlauftalbahn
  • Bodendorf-Edelmühle, ehem. Hs, km 40,1
  • Marbach, ehem. Hs, km 41,1
  • Zamsdorf, ehem. Hs, km 44,3
  • Wolfpassing, ehem. Hs, km 46,2
Zwischen Wolfpassing und Steinakirchen, am Ortsrand von Steinakirchen (Juli 2020)
  • Steinakirchen am Forst, Bf ohne PV, km 48,1; 303 m
Das blumengeschmückte Bahnhofsgebäude von Steinakirchen, links im Hintergrund die örtliche Pfarrkirche. Das Aufnahmsgebäude wird im EG von einem Verein genutzt, man spielt u.a. Billard. Ein herzliches Danke an den Vereinsboss dass ich unter der schattigen Veranda rasten durfte und mir ein gut gekühltes „Kaiser-Pivo“ kredenzt wurde
eine herrliche Oase, einzig der wochentäglich 2x täglich stattfindende Güterverkehr fand nicht statt (offenbar wird jetzt mittwochs nicht mehr gefahren)
  • Wang, Ladestelle, km 51,2
  • Perwarth, ehem. Hs, km 54,5
  • Randegg, Ladestelle, km 57,6
  • Hörhag, ehem. Hs, km 59,7
  • Gresten, Bf ohne PV, km 62,3; 407 m
Aufnahmsgebäude Gresten straßenseitig (Juli 2020)
Aufnahmsgebäude und Gleislage Gresten. Der größte Kunde der Bahn ist die Stahlwarenproduktion Welser in Gresten, ein wichtiger Kunde ist auch der Holzverarbeiter Mosser bei Perwarth (Foto Juli 2020)


Links:

DEEF Doku Erlauftalbahn >>>


Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum.

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 19. Juni 2020; Letzte Ergänzung: 11.7.2020