Untersbergseilbahn

Die Untersbergseilbahn – über mächtige Felsen auf den sagenumwobenen Salzburger Hausberg

Gondel Nummer 2 am 26.12.2010 direkt bei der Talstation

Im Süden der Stadt Salzburg erhebt sich als markante Landmarke der Hausberg der Stadt-Salzburger, der allochtone Kalkstock des Untersberges, über den auch die Grenze zu den benachbarten Bayern (Landkreis Berchtesgadener Land) verläuft. Der höchste Gipfel liegt mit dem Berchtesgadener Hochthron (1.972 m) auf Bayrischer Seite, der höchste Gipfel auf Salzburger Seite ist der Salzburger Hochthron mit 1.853 m.

Vor allem die zahlreichen Höhlen und Löcher (Dolinen) im Kalkgestein haben schon seit den alten Zeiten die Entstehung von Sagen gefördert und noch heute finden diese im Brauchtum rund um den Untersberg ihren Niederschhlag. Am bekanntesten ist wohl die Sage vom Kaiser Karl, der im Inneren des Untersberges schläft, bis er eines Tages mit seinen Getreuen kommen wird, um am Walser Felde beim dortigen Birnbaum die Guten anzuführen in der Entscheidungsschlacht gegen das Böse.

Gondel 1 in der Talstation (26.12.2010)
Gondel 1, beklebt mit Werbung für den Salzburger Flughafen, hat eben die Talstation verlassen und macht sich auf den Weg nach oben (26.12.2010)

Dem Autor dieser Zeilen ist der Untersberg natürlich ein ganz besonderer Hausberg, wuchs er doch am Fuße dieses Berges in Fürstenbrunn auf und der Untersberg war ihm sowohl Abenteuerspielplatz wie Erholungsgebiet, das er oft und gerne per pedes erkundete. Auch dieFürstenbrunner Marmorbahn konnte der Autor noch in unzerstörtem Zustand kennenlernen, davon an anderer Stelle mehr.

Und bereits in der Volksschule führte ihn ein Wandertag – nicht wie heute meist zu Mc Donalds – auf den Untersberg, hinauf über den Dopplersteig, angetrieben aber auch behütet vom umsichtigen Lehrer Emil Steiner. Als Belohnung durften wir dann nach einer zünftigen Jause mit der Untersbergseilbahn zu Tal gleiten – es muss wohl 1966 oder 1967 gewesen sein, also erst wenige Jahre nach Betriebsbeginn der Seilbahn.

Schon lange gab es Überlegungen, diese markante Landmarke nicht nur für sportliche Wanderer auf markierten Wegen zugänglich zu machen, sondern durch eine technische Aufstiegshilfe diese Sehenswürdigkeit auch für breitere Schichten erlebbar zu machen. Erste Pläne zur Errichtung einer Seilbahn auf den Untersberg gab es bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wobei auch die Idee einer „Monsterseilbahn“ auftauchte, welche direkt von der Stadt Salzburg aus bis auf den Untersberg führen sollte.

Wie so oft verhinderten Geldknappheit, 2 Weltkriege, Uneinigkeit über die Routenführung sowie wie beim Untersbergprojekt Einsprüche von Landschaftsschützern (Alpenverein) die rasche Realisierung. Aber in den Wirtschaftswunderjahren nach dem 2. WK sollte es endlich soweit sein und am 15. Mai 1958 wurde die „Untersbergbahn Ges.m.b.H.“ gegründet, deren Vorläufer die 1956 gegr. Untersberg Seilschwebebahn Gesellschaft war. Da die ursprünglich favorisierte Variante von St. Leonhard auf den Salzburger Hochthron über bayerische Gebiet erfolgt wäre und auch die Variante von Glanegg aus entlang der alten Materialseilbahn aus finanziellen Gründen nicht verwirklichbar erschien entschied man sich für die heutige Variante von St. Leonhard über steiles Felsterrain hinauf auf das Geiereck, einem Vorgipfel des Salzburger Hochthrons.

Gondel 1 und über dem Nebel sichtbar das Geiereck mit der Bergstation (26.12.2010)

1959 konnte mit dem Bau begonnen werden, wobei die räumlichen Gegebenheiten Planer und Arbeiter vor große Herausforderungen stellt. So mussten zum Bau 3 Hilfsbahnen errichtet werden, nämlich Hilfsbahn (HB) 1 von Glanegg (ehem. Gasthaus Rositte) hinauf auf das Zeppezauerhaus, HB 2 vom Zeppezauerhaus hinauf zur zu errichtenden Bergstation am Geiereck und HB 3 über die Dopplerwand zur Trasse und den zu errichtenden beiden Stützen.

Die Betriebsaufnahme erfolgte am 27. April 1961, die feierliche Eröffnung am 14. Mai 1961. Bundespräsident Schärf, Landeshauptmann Lechner, der Grödiger Bürgermeister Moser und Salzburgs Bürgermeister Bäck hielten in der Talstation die Eröffnungsreden.

Eine Fahrt auf den Untersberg lohnt sommers wie winters – im Sommer um zu wandern oder einfach um oben den Ausblick zu genießen und dabei in einer der Gastro-Betriebe einzukehren, im Winter lockt die über 8 km lange Schiabfahrt über die Schweigmühlalm hinunter nach Fürstenbrunn.

Die Anreise mit Öffis ist möglich von der Stadt Salzburg kommend mit dem Obus Linie 5 und dem Autobus Linie 25 sowie von Rif bzw. Fürstenbrunn kommend mit der Autobuslinie 35.


Kennzahlen:

  • Name der Bahn: Untersbergbahn
  • Betreiber: Untersbergbahn GmbH
  • Verbund: keiner
  • Bauart: 2 S-Pendelbahn mit 2 Seilen (1 Tragseil + 1 Zugseil)
  • Hersteller: J. Pohlig AG Köln
  • Baujahr/Eröffnung: 1959-1961 /
  • Höhe Talstation: 456 m (St. Leonhard, Ortsteil der Gemeinde Grödig)
  • Höhe Bergstation: 1.776 m
  • Höhendifferenz: 1.320 m
  • Streckenlänge (schräge Länge): 2.850 m
  • Maximale Neigung: 79.00 %
  • Mittlere Neigung: 52,00%
  • Anzahl der Stützen: 2
  • Durchmesser Tragseil: 65 mm (Hersteller Felten & Guilleaume, Köln); bestehend aus 259 Drähten, Eigengewicht 48,7 Tonnen, Spanneinrichtung in der Talstation 80 Tonnen
  • Durchmesser Zugseil: Oberes Zugseil 30 mm Durchmesser, unteres Zugseil 26 mm, Spanneinrichtung in der Talstation 20 Tonnen
  • Antrieb/Traktion: Gleichstrommotoren mit Planetengetriebe
  • Antriebsleistung (Betrieb): 2x 110 kW
  • Steuerung: Siemens
  • Antriebsstation: Talstation
  • Notantrieb:
  •  Betriebsmittelhersteller / Modell: Swoboda
  • Anzahl Betriebsmittel: 2 Gondeln
  • Kapazität je Betriebsmittel: 50 Personen + 1 Wagenbegleiter
  • Max. Fahrgeschwindigkeit Strecke: 7,0 m/sek
  • Max. Förderleistung pro Stunde: 300 Personen
  • Fahrzeit in Minuten: 8,5
  • Besonderheiten: Extrem langes, frei-hängendes Spannfeld von 1,548 km zwischen Talstation und Stütze I
Gondel 2 bei der Talfahrt kurz vor der Talstation

Mehrfach wurde die Seilbahn modernisiert, zuletzt wurden 2018 2 neue Gondeln in Betrieb genommen. Aktuell (2020/21) erfolgt u.a. ein kompletter Umbau der Talstation, wodurch die Untersbergbahn auch barrierefrei zugänglich sein wird.

Gleich ist die Gondel 2 wieder in der Talstation (26.12.2010)

Eine Befahrung der Untersbergbahn und eine detaillierte Dokumentation der Gesamtanlage ist – so es die Corona-Situation zulässt – für 2021 geplant


Links:

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Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum.

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 1. April 2021;  Letzte Ergänzung: –