Kamptalbahn

Kamptalbahn – Lokalbahn Hadersdorf-Sigmundsherberg

Die Kamptalbahn ist eine 43,8 km lange, eingleisige, nicht elektrifizierte und normalspurige Regionalbahn, welche in Nord-Süd Richtung entlang des Flusses Kamp den Kremser Ast der Franz-Josefs-Bahn im Weinviertel bei Hadersdorf am Kamp und den Hauptast der Franz-Josefs-Bahn im Waldviertel bei Sigmundsherberg verbindet.

Jenbacher Triebwagen 5047 041-8 am 12. April 2016 im Bahnhof Rosenburg

Geographisch etwas weiter gefasst verbindet die Kamptalbahn den Niederösterreichischen Zentralraum St. Pölten via Kremserbahn und den Raum Krems an der Donau mit der nördlichen Peripherie Niederösterreichs im Waldviertel. Sie ist Teil der kilometermäßig kürzesten Verbindung von St. Pölten / Krems nach Gmünd bzw. ins tschechische Budweis, leider aufgrund des Streckenausbaus und der mangelhaften Anschlüsse aber noch nicht die schnellste.

Ursprünglich warben die Gemeinden im Kamptal darum, dass eine Hauptverbindung auf der Schiene ins Böhmische über das Kamptal gebaut wird, aber man entschied sich für die technische einfachere Variante, wie sie die heutige FJB nachzeichnet. Im Jahr 1887 genehmigte das k.k. Handelsministerium in Wien den Antrag der privaten Österreichischen Localbahngesellschaft zum Bau der Localbahn Hadersdorf–Sigmundsherberg und trotz schwierigem Terrain konnte die Strecke bereits 1889 eröffnet werden. Der Anschluss in Hadersdorf am Kamp Richtung Absdorf-Hippersdorf sowie Krems wurde bereits 1872 eröffnet, die Franz-Josefs-Bahn mit Anschluss in Sigmundsherberg wurde bereits 1869 eröffnet.

Für die lokale und regionale Wirtschaft sowie für den Aufschwung des Fremdenverkehrs war der Bahnbau von enormer Bedeutung. Allerdings passte wie vielerorts eine Regionalbahn nicht so ins Konzept der Staatsbahn ÖBB und daher sollte die Kamptalbahn in den 1980er Jahren stillgelegt werden.

Zum Glück für die Nachwelt wurde dieses Ansinnen vereitelt und nach Jahren des Stillstands und massivem Investitionsstau stellt aktuell niemand diese nicht nur für die Region wichtige Eisenbahn-Nord-Süd Achse in Frage, im Gegenteil, man investiert sogar und optimiert die Bahn für die Fahrgäste.


Die Stationen:

  • Hadersdorf am Kamp, Bf, km 0,0; 202 m.ü.d.M. (> Kremser Ast der FJB nach Absdorf-Hippersdorf bzw. Krems)
5047 012-9 am 12.4.2016 im Abzweigebahnhof Hadersdorf am Kamp in Fahrtrichtung Horn
  • Gobelsburg, Hst, km 2,1
Hst Gobelsburg, Ort bzw. Katastralgemeinde der Stadt Langenlois. Sehenswert Schloss und Weingut Gobelsburg
  • Langenlois, Bf, km 4,2; 212 m
Das Aufnahmsgebäude Bahnhof Langenlois im Winter. Die Stadt Langenlois ist einer der bekanntesten Weinorte Österreichs (9. Feber 2012)
Sonderzug zur Regionalbahntagung 2017 in Langenlois. Abends nach Abschluss der Tagung schiebt Hercules 2016 038 ihren CS-Wendezug gleich Richtung Hadersdorf am Kamp, wo der Zug gestürzt wird und über die FJB nach Wien fahren wird
Blick auf den Heiligenstein, ein Bergrücken und Ausläufer des Manhartsbergs in Zöbing, Gemeinde Langenlois, mit einer Höhe von 360 m, mit der Kamptalwarte, einem Aussichtsturm. Der Heiligenstein ist die bedeutendste Weinlage des Weinbaugebiets Kamptal und eine der besten Rieslinglagen Europas.
  • Zöbing, Hst, km 5,9

  • Schönberg am Kamp, Bf, km 8,8
Schönberg am Kamp ist eine Marktgemeinde mit knapp 1.900 Ew. Neben dem Bf Schönberg liegen noch der Bf Plank am Kamp sowie die Hst Altenhof und Stiefern in der Gemeinde. Unter Denkmalschutz steht die Burgruine Schonenburg. In der alten Schmiede befindet sich ein Museum zum Thema Sommerfrische
  • Stiefern, Hst, km 11,9

  • Altenhof, Hst, km 13,5
  • Plank am Kamp, Bf, km 17,0; 236 m

Zugkreuzung in Plank am Kamp am 12.4.2016 mit 5047 055-8
  • Buchberg, Hst, km 19,7
  • Gars-Thunau, Bf, km 22,6; 250 m
Das Bahnhofsareal von Gars-Thunau, fotographiert bei der Einfahrt in den Bahnhof. Das Aufnahmsgebäude steht unter Denkmalschutz. Früher wurden von diesem Bf die Produkte mehrerer Großmühlen abtransportiert. Gars am Kamp ist der bedeutendste Sommerfrischeort des Kamptals und bekannt u.a. durch den Gesundheitstourismus von Willi Dungl
  • Kamegg, Hst, km 24,1

Der Kamp begleitet die Bahn fast auf der gesamten Strecke
  • Stallegg, Hst, km 25,5
Wahrzeichen der Kamptalbahn sind die stählernen Eisenbahnbrücken über den Kamp, hier die bei Rosenburg
  • Rosenburg, Bf, km 27,0; 265 m
Ein verträumter Bahnhof in Rosenburg, wobei gleichnamige Burg im Hintergrund thront. Die Rosenburg ist das größte Renaissanceschloss Österreichs
Ein Jenbacher-Doppel überquert direkt nach der Ausfahrt aus dem Bf Rosenburg Richtung Süden die Brücke über die Taffa, welche hier in den Kamp mündet (hinten 5047 004-6, 12.4.2016)
Schade dass es kein Buffet gibt in diesem verzauberten Bahnhofsgebäude
  • Mold, ehem. Hst, km 31,3 (1991 aufgelassen)
  • Horn, Bf, km 34,3, Zugleitbahnhof
Bahnhof Horn am 12. April 2016. Der Jenbacher hat die Fahrgäste von Sigmundsherberg hierher gebracht, gleich geht es weiter mit dem bereits am Nachbargleis wartendem Jenbacher Doppel (hinten 5047 004-6, vorne 5047 042-6)
5047 046-7 wartet am 9. Februar 2012 auf seine Abfahrt Richtung Hadersdorf am Kamp
5047 022-8 als Shuttle Horn – Sigmundsherberg – Horn von Sigmundsherberg kommend bei der Einfahrt in den Bf Horn, wo schon ein weiterer Jenbacher VT auf die Weiterfahrt nach Hadersdorf wartet.
  • Breiteneich bei Horn, Hst, km 35,8; 325 m
Recht dünn besiedelt ist hier das Waldviertel, aber dennoch wichtig, ein verlässliches Öffentliches Verkehrsmittel wie die Kamptalbahn zu haben
  • Sigmundsherberg, Bf, km 43,8; 435 m (FJB nach Gmünd-Budweis; Pulkautalbahn nach Zellerndorf a.d. Nordwestbahn)
Am 10. September 2015 kommt 5047 001-2 aus Richtung Horn in den Bf Sigmundsherberg. Nach links führen die Gleise der FJB Richtung Wien
Das Ziel ist erreicht, 5047 001-2 am Stumpfgleis im Bf Sigmundsherberg

Betrieb heute:

Allgegenwärtig sind die Jenbacher Dieseltriebwägen der BR 5047 in allen Lackierungsvarianten, die einzeln oder in Mehrfachtraktion unterwegs sind.

Innenleben eines Jenbacher Triebwagens 5047. Die blauen Sitze sind nicht das Original, die ursprünglichen Sitze waren bräunlich

Die Frequenz hat sich zuletzt sehr gebessert, es gibt Stundentakt zwischen Krems und Horn und auch zwischen St. Pölten und Horn, denn die Kurse werden aktuell ab St. Pölten bis Horn durchgebunden.  Zwei Kurse – einer vormittags und einer am Abend – werden von St. Pölten nach Sigmundsherberg durchgebunden. Eigenartig und eigentlich dem „Netzgedanken“ bei der Eisenbahn widersprechend ist die Tatsache, dass fast alle Züge in Horn enden und man nach Sigmundsherberg umsteigen muss. Oft hat man eine Aufenthaltszeit von nur wenigen Minuten, manchmal aber auch eine halbe Stunde. Das ist unverständlich, es gehören alle Kurse bis Sigmundsherberg durchgebunden.

Eigenartig dieser Pendelverkehr zwischen Horn und Sigmundsherberg

So gut sich die Frequenz der Verbindungen entwickelt hat so schwach ist es nach wie vor um die Fahrzeit bestellt. Für die knapp 34 km von Hadersdorf in die Bezirkshauptstadt nach Horn braucht es 48 Minuten, das gibt eine Reisegeschwindigkeit von 43 km/h.

Weitere Reisezeiten und Reisegeschwindigkeit (gerundet):

Reisegeschwindigkeit = Reiseweite dividiert durch Reisedauer; eigene Berechnung auf Basis ÖBB Fahrplan Sommer 2019

Und möchte man die kilometermäßig kürzeste Strecke von St. Pölten dann auch noch bis Gmünd oder Budweis nutzen, dann braucht es natürlich auch noch einen ordentlichen Anschluss in Sigmundsherberg. Da wirft Scotty nur einen einzigen Kurs am Vormittag aus, direkt von St. Pölten nach Sigmundsherberg und dann 4 Minuten Übergangszeit auf den REX nach Gmünd (Ceske Velenice). Aber die Fahrzeit ist mit 3 Std. 51 Minuten nicht gerade zeitgemäß. Bei allen anderen Verbindungen werden Busse in das Angebot mit einbezogen und mehrmaliges Umsteigen. Aber vielleicht wird sich das bessern, wenn auf der FJB bis Gmünd der längst fällige Stundentakt eingeführt wird!

Man sieht also, es besteht deutlich Luft nach oben was den Streckenausbau und das eingesetzte Wagenmaterial gepaart mit einem kundenfreundlichen Fahrplan betrifft.

Der Winter rund um Sigmundsherberg im Nördlichen Waldviertel kann ganz schön hart sein. 5047 022-8 am 9.2.2012, einem kalten Febertag, im Bf Sigmundsherberg

Güterverkehr findet seit Jahren so gut wie nicht mehr statt – sieht man von unregelmäßigen Bedienungen des Bahnhofs Horn vom Verschub aus Sigmundsherberg ab.


Zukunft:

Es ist angedacht – aber das heißt bei der Qualität der Österreichischen Verkehrsplanung noch gar nichts – dass die Kamptalbahn bis 2030 elektrifiziert werden soll. Außerdem ist – aber schon seit Jahren – von einer Schleife als direkter Verbindung von der FJB Richtung Horn die Rede. Ob es dann Flügelzüge geben soll von der FJB in die Bezirkshauptstadt Horn und der andere Flügelzug fährt weiter nach Gmünd, das erschließt sich mir bis dato nicht.


Links:

DEEF Doku FJB >>>

DEEF Doku FJB Kremser Ast >>>

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Alle Fotos copyright DEEF/Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 3. August 2019; Letzte Ergänzung: 4.8.2019