Murtalbahn

Die Murtalbahn von Unzmarkt über Murau nach Tamsweg

Großes Gedränge herrscht am 30.4.2012 im Bf Murau Stolzalpe im Rahmen des Bahnerlebnistages – neben 3 Dieseltriebwägen (VT) samt Steuerwagen (VS) sieht man auf Gleis 2 die Diesellok VL 12, gebaut von ÖMAG/BBC 1966, welche den Dampfsonderzug in Position gebracht hat

Die Murtalbahn ist eine nichtelektrifizierte, eingleisige und schmalspurige Regionalbahn, welche das obersteirische Unzmarkt an der Rudolfsbahn mit Tamsweg im Salzburger Lungau über Murau verbindet. Ursprünglich führte der planmäßige Verkehr weiter bis Mauterndorf, doch gibt es auf diesem Streckenabschnitt, für den sich der Name Taurachtalbahn eingebürgert hat, nur mehr saisonalen Touristikverkehr.


Kennzahlen:

  • Streckenlänge Unzmarkt – Mauterndorf: 76,1 km
  • Streckenlänge Unzmarkt – Tamsweg: 64,3 km
  • Spurweite: Bosnische Spur, 760 mm
  • Neigung max.: 23 Promille
  • Radius min.: 90 m
  • Höchstgeschwindigkeit: 70 km/h
  • Betreiber: StB Steiermarkbahn
  • Eröffnung: 8.10.1894

Die Stationen:

  • Unzmarkt, Bf, km 0,0; 733 m.ü.d.M. (> Rudolfsbahn St. Michael bzw. St. Veit/Glan – Klagenfurt)
Unzmarkt am 30.4.2012, links auf dem Normalspurgleis (Gleis 1) ÖBB Talent 4024 047-5 mit Fahrtrichtung Bruck an der Mur und am Schmalspurgleis (Gleis 21) VT 34 der StB mit Fahrtziel Tamsweg
Steuerwagen VS 43 und voran VT 34 abfahrtsbereit nach Tamsweg
Laderampe und Güterwaggons der StB auf der Rückseite des ÖBB-Bahnhofs
Eine imposante Erscheinung dieses – offensichtlich leerstehende – Gebäude am Bahnhofsvorplatz. War es einst ein Hotel?
Auch ein Bahnhofsbuffet hat der Bf Unzmarkt noch
Der Mur entlang und unter der Rudolfsbahn durch, welche sich auf der linken Talseite als Lehnenstrecke zum Neumarkter Sattel hinaufzieht und dann im Bundesland Kärnten als ersten bedeutenden Ort die Stadt Friesach erreicht
  • Wallersbach, Hs, km 1,8
  • Lind-Scheifling, Hs, km 6,4
  • Niederwölz, Bf, km 8,9; 741 m

  • Teufenbach, Bf, km 10,7; 745 m

  • Puxerboden, Hs, km 12,9
  • Frojach, Bf, km 15,3; 763 m
Hier soll es ein Schmalspurmuseum geben – nähere Infos dazu sind online nicht ersichtlich

  • Saurau, Hs, km 17,3
  • Triebendorf, Hs, km 20,3
  • Gestüthof, ehem. Hs bis 2008, km 23,9
  • St. Egidi, Hs, km 26,3
  • Murau, Bf, km 26,9; 809 m
Murau ist das betriebliche Zentrum der Murtalbahn. Links das langgestreckte Aufnahmsgebäude mit (asiatischem) Restaurant (2012), auf der gegenüberliegenden Seite finden sich Firmenzentrale und Werkstatt
Meist ist die alte Mechanik zuverlässiger als die neuen digitalen Komponenten
Im Bahnhofsresti, Aufnahme von 2012
Remise / Werkstatt der Murtalbahn in Murau. Davor links ein Dieseltriebwagen mit Steuerwagen, rechts eine der beiden betriebsfähigen Dampfloks, die Bh1, welche an diesem Tag (30.4.2012) dem Dampfsonderzug nach Stadl an der Mur und retour bespannte
Einfahrt des Planzuges von Tamsweg nach Unzmarkt in den Bf Murau
  • Murau-St. Leonhard, Hs, km 27,6
der 102 m lange Murauer Tunnel
  • Murau West, Hs, km 29,2
  • Kaindorf im Murtal, Hs, km 31,3

  • Marbach Golfplatz, Hs, km 32,7
  • St. Lorenzen ob Murau Ost, Hs, km 33,0
  • St. Lorenzen ob Murau, Bf, km 34,1; 850 m

  • Kreischberg Talstation, Hs, km 34,3
  • Lutzmannsdorf, Hs, km 35,2
  • Cäciliabrücke, ehem. Hs bis 2014, km 37,3

  • Wandritsch, Betriebsausweiche, km 38,3

  • St. Ruprecht ob Murau, Hs, km 39,5
  • Falkendorf, Hs, km 41,1
  • Hagendorf, Hs, km 43,3
  • Stadl an der Mur, Bf, km 43,9; 891 m
Planzug Richtung Tamsweg

Einfahrt des Planzugs in den Bf Stadl an der Mur aus Richtung Tamsweg (30.4.2012)
  • Einach, Hs, km 47,2
  • Predlitz-Ladin, ehem. Hs bis 2008, heute Ladestelle, km 48,6
  • Predlitz-Pichl, bis 1991 Pichl, Hs, km 49,0
  • Predlitz-Turrach, Hs, km 50,1

—– Landesgrenze Steiermark – Salzburg ——

Die Mur wird mehrmals gequert
  • Kendlbruck, Bf, Betriebsausweiche, km 52,4
Unterstand Kendlbruck
Im 34 m langen Kendlbruck-Tunnel
  • Hintering, Hs, km 53,8
  • Ramingstein, Hs, km 55,7
Haltestellenunterstand Rammingstein – das alte Aufnahmsgebäude hat man leider vor einigen Jahren plattgemacht 🙁
Blick auf Ramingstein mit dem Wahrzeichen Burg Finstergrün. Bekannt ist Ramingstein auch für den Silberbergbau gewesen, ein Schaubergwerk lässt die alten Zeiten wieder auferstehen
Der Ramingstein-Tunnel mit 98 m Länge, am linken Bildrand auf dem rechten Murufer der Ort Ramingstein
  • Ramingstein-Thomatal, Bf, km 56,7; 967 m
Alles neu im Bf Ramingstein-Thomatal
  • Madling, Hs, km 57,4
  • Tamsweg-St. Leonhard, Hs, km 63,7
  • Tamsweg, Bf, km 64,3; 1.012 m (> Taurachtalbahn nach Mauterndorf im touristischen Verkehr)
Reges Treiben am Bf Tamsweg nach Ankunft des Zuges aus Unzmarkt
Auch ein Dieseltriebwagen muss mal nachtanken
Die Gleise führen weiter gen Mauterndorf, werden allerdings nicht mehr im Plandienst bedient sondern nur mehr im Touristikverkehr vom Club 760 ab Mauterndorf auf der sogenannten Taurachtalbahn. Sinn würde es machen – vielleicht geschehen ja noch Zeichen und Wunder, wenn die Züge der Taurachtalbahn in den Bf Tamsweg einfahren könnten und so ein Anschluss an die Murtalbahn hergestellt wird. Auch könnten die Gäste ab Mauterndorf dann Sightseeing in Tamsweg machen – aktuell enden die Züge der Taurachtalbahn bei einem Wirten in der Pampa
Bf Tamsweg straßenseitig

Dampfzugfahrten:

Wie an anderen Schmalspurstrecken in Österreich auch (Zillertalbahn, Pinzgauer Lokalbahn) so verkehren auch bei der Murtalbahn nostalgische Dampfzüge im saisonalen Touristikverkehr. Die Fahrten gehen von Murau entweder bis Stadl an der Mur und wieder zurück („Kleines Dampfen“) oder Murau – Tamsweg – Murau mit Wasserfassen in Stadl an der Mur („Großes Dampfen“).

Am 30. April 2012 bot die Murtalbahn einen Bahnerlebnistag an, wo die Werkstätte samt Fahrzeugen in Murau besichtigt werden konnte und den Interessierten eine Dampfsonderzugfahrt von Murau nach Stadl an der Mur und zurück angeboten wurde. Nachfolgende Fotos stammen von diesem Bahnerlebnistag.

Dieseltriebwagen mit Steuerwagen, Streckendiesellok und Dampfer vor der Werkstatt / Remise
Nostalgiewaggons, Wasserhydrant, Stb-Autobus und im Hintergrund das Schloss Obermurau sowie der Kirchturm der Pfarrkirche
Fahrzeugparade im Bf Murau mit den Dampfern U11 „Mauterndorf“ (links), Bh1 in der Mitte und rechts die Diesellok VL 12
Aufstellung zur Parade vor dem Aufnahmsgebäude mit (von rechts) U40, Stainz 2, Kleindiesellok VL 7, U11 „Mauterndorf“ sowie Diesellok VL 12. Am ganz linken Gleis ruht VT 31

Partie des Dampfzugs gleich nach Murau
Kurzer Aufenthalt im Bf St. Lorenzen ob Murau
Polster und Plüsch wie anno dazumals
Ein Barwagerl darf bei solchen Nostalgiezügen nie fehlen
Wasserfassen und Umkuppeln zur Rückfahrt in Stadl an der Mur
Dichtes Gedränge des Publikums während des Wasserfassens – viele wollen das altertümliche Dampfross hautnah bewundern, viele Fotos oder Videos fürs Archiv schiessen
Die Dampflok Bh1 hat sich ans andere Zugsende gesetzt und Tender voraus steht sich abfahrtsbereit zur Rückfahrt nach Murau
Zurück gehts

Fahrzeuge und Betrieb:

Im Planverkehr kommen Dieseltriebwagen (VT 31–34, Hersteller Knotz / BBC, Baujahre 1980/81 sowie VT 35, Hersteller Jenbacher, Vorbild für die ÖBB-BR 5090, Baujahr 1998), teilweise in Mehrfachtraktion und mit Steuerwagen (VS 41 – 44, Hersteller Knotz / BBC, Baujahr 1982) zum Einsatz.

Dieseltriebwagen mit Steuerwagen bei der Einfahrt in den Bf Stadl an der Mur aus Richtung Tamsweg – VS 42 vor VT 33
Innenraum im Stil der 1980er Jahre

Als Bespannung für Güterzüge stehen die in den 1960er Jahren gebauten Dieselloks von ÖMAG / BCC (VL  12, 13, 16) zur Verfügung. Dazu kommen noch kleine Verschubdieselloks aus den 1930er, 1940er und 1950er Jahren.

VL 12 beim Verschub vor der Werkstatt. Die Lok wurde 1966 bei ÖMAG / BCC gebaut

Insgesamt 5 Dampfloks umfasst der Fuhrpark der Murtalbahn, wovon allerdings nur 2 betriebsfähig für die Touristikzüge zur Verfügung stehen. Es sind dies die Bh1 von Krauss Linz, gebaut 1905 sowie die U11 gebaut 1894 ebenfalls bei Krauss Linz. Die berühmte „Stainz 2“, Baujahr 1892, ist zwar gut erhalten aber aktuell nicht betriebsfähig, ebenso wie die Loks U40 und U43.

Betriebliches Zentrum der Murtalbahn ist der Bf Murau, wo sich auch die Direktion und die Werkstätte befinden.

Die „Kommandozentrale“ der Murtalbahn im Bf Murau
Eingang zur Werkstatt
In der modernen Werkstatt, links VT 35, gebaut 1998 bei Jenbacher

Die Häufigkeit der Verbindungen lässt aktuell zu wünschen übrig, denn es gibt per Bahn nur eine Quasi-2-Stunden-Takt. Dazwischen fahren Autobusse der StB. An Sonn- und Feiertagen verkehren gar nur 3 Züge von Unzmarkt nach Tamsweg, dazwischen Busse, wodurch sich Zug + Bus nur ein 2-Stundentakt ergibt – das ist wahrlich kein berauschendes Angebot!

Und die Fahrzeit für die Gesamtstrecke von Unzmarkt nach Tamsweg (64 km) beträgt 1 Stunde und 35 Minuten, sowohl mit dem Zug als auch mit dem Autobus – das ist keinesfalls konkurrenzfähig zum Individualverkehr auf der Straße!


Der Betreiber StB:

Der im alleinigen Besitz des Landes Steiermark stehende Betreiber wurde 1890 als „Steiermärkisches Eisenbahnamt“ zur Verwaltung mehrerer steirischer Regionalbahnen gegründet, darunter einige, die nach dem 2. WK in der Untersteiermark an Slowenien fielen. Bis 31. Mai 2018 wurde unter der Bezeichnung Steiermärkische Landesbahnen, abgek. STLB, firmiert. Seither gibt es eine neue Rechts- und Organisationsform mit einer EU-konformen Trennung in Infrastruktur und Betrieb wie folgt:

  • Steiermärkische Landesbahnen (STLB) als Wirtschaftsbetrieb des Landes Steiermark
  • Steiermarkbahn und Bus GmbH (STB) für die schwerpunktmäßige Abwicklung öffentlicher Verkehrsdienstverträge im Bahn- und Busbereich
  • Steiermarkbahn Transport und Logistik GmbH (STB TL) für die Abwicklung von Güter- und Logistikdienstleistungen sowie von Sonderfahrten als Tochter der STB

Die STB betreibt neben 5 eigenen Eisenbahnlinien noch zahlreiche Buslinien an den 4 Standorten Murau, Bruck/M., Weiz und Feldbach.

Ein Autobus Marke VOLVO der STLB im April 2012 im Bahnhof Murau

Die Zukunft

Viel wurde bereits in den letzten Jahren gesprochen, diskutiert und geplant, was die Zukunft der Murtalbahn betrifft. Eines sollte zwischenzeitlich feststehen, nämlich dass die Murtalbahn ein Fixpunkt und das Rückgrat für die zukünftige Mobilität in der Obersteiermark und im Lungau sein muss.  Also Stilllegungstendenzen sollte es keine mehr geben, auch eine mögliche Umspurung auf Normalspur sollte vom Tisch sein, denn die hohen Kosten stehen in keinem Verhältnis zu geringfügigen Verbesserungen im Betrieb (bspw. Güterverkehr).

Nicht einig scheint man sich bis dato hinsichtlich der Traktionsform – ursprünglich wollte man eine Elektrifizierung, jetzt sind auch andere Energieformen im Gespräch, u.a. Wasserstofftechnik.

Was es braucht sollte eigentlich klar sein, nämlich eine adäquate Alternative zum Individualverkehr auf der Straße. Dh. modernes Rollmaterial, das zumindest dem Anspruchsniveau eines Mittelklassewagenfahrers entspricht – vollklimatisiert, hoher Sitzkomfort, Möglichkeit zur Mitnahme von Gepäck oder Sportgerät (Fahrrad, auch für Tourismus wichtig!), modernes Informationssystem im Zug und am Bahnhof, größere Haltepunkte (Bahnhöfe) mit einem Kiosk nach Schweizer Vorbild, moderne Toiletten im Zug und bei wichtigen Haltepunkten, deutlich höhere Streckengeschwindigkeit durch Optimierung der Strecke (Begradigungen, Eisenbahnkreuzungen höherwertiger absichern…) und dadurch eine geringere Fahrzeit in Anlehnung an die des PKW (1 Stunde und 35 Minuten für 64 km ist inakzeptabel!), einen ordentlichen Takt – zumindest Stundentakt mit Anbindung an die Rudolfsbahn sowie ein interessantes Ticketing.

Die Murtalbahn sollte auch als touristischer Leitbetrieb weiter ausgebaut werden, die Dampfzüge sind ein wichtiges Element, auf dem aufgebaut werden kann.


Links:

Betreiber StB >>>


Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum.

Sollten Sie Anregungen zu den Projekten haben oder eigene Beiträge oder Fotos präsentieren wollen, so freuen wir uns auf eine Kontaktaufnahme. Haben Sie einen Fehler entdeckt? Bitte um Info >

redaktion@dokumentationszentrum-eisenbahnforschung.org


Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 7. Juni 2020; Letzte Ergänzung: 8.6.2020