Tauernbahn_Südrampe

Die Tauernbahn – ein Reader in 3 Teilen. Teil 3: Tauernbahn Südrampe

Badgastein – Böckstein – Tauerntunnel – Mallnitz-Obervellach – Spittal-Millstättersee

Tauernbahn Südrampe – Eröffnet 5. Juli 1909

Außenfassade Bahnhof Badgastein mit Flügelrad

Vom Bahnhof Badgastein auf einer Höhe von 1.083 m.ü.d.M. gelegen (km 30,1) geht es nach Überqueren der Naßfelder Ache auf einer ursprünglich 38 m langen Eisenbrücke (seit 2014 neue Betonbrücke) auf einer Lehnenstrecke stetig ansteigend eingleisig mit 27 Promille dem Talende bei Böckstein entgegen. Seit 2014 kann der qualitätsbewußte Reisende, der Entdecker, leider nicht mehr hinunter auf die Häuser entlang der Strasse blicken, sieht auch nicht mehr die Kaiserin-Elisabeth Promenade, wo man entlang des Baches lustwandelnd gen Böckstein und seinen besichtigenswerten Knappenhäusern mit Montanmuseum marschieren kann – überdimensionierte und unansehnliche Lärmschutzwände lassen nur mehr den Blick auf die Berghänge zu, wahrlich eine Landplage diese grindigen Lärmschutzwände, welche die ÖBB zu Ungunsten ihrer Kundschaft da quer durch die Republik an allen möglichen und unmöglichen Stellen hinpflanzen.

Bei Streckenkilometer 33,1 liegt rechter Hand die seit 1990 aufgelassene Station Böckstein Haltestelle, die dem eigentlich Ortskern – ähnlich wie in Bad Hofgastein die dortige Haltestelle – deutlich näher liegt als der Bahnhof. Kundennähe ist das also nicht, eher Kundenferne, wenn man die näher gelegenen Stationen zusperrt. Ein idyllischer Anblick, das kleine unter Denkmalschutz stehende Aufnahmsgebäude. Allerdings hat man 2014 auch davor gräßliche Lärmschutzwände hingepflanzt, fast so, als wolle man vor der Öffentlichkeit, den Bahnreisenden, verbergen, dass man das unter Denkmalschutz stehende Gebäude (bewußt) verfallen läßt – das ist leider gelebter „Denkmalschutz“ in einem angeblich so reichen Land wie Österreich.

Tauernbahn Böckstein Haltestelle. Werbelok „Kapsch“ (ÖBB 1216 210) mit Intercity am Haken Richtung Klagenfurt am 9.9.2012
2014 (im Rahmen der Lärmschutzerrichtung?) wurde auch die Tür aufgebrochen und Wind und Wetter nagen nun umso mehr an diesem denkmalgeschützten Kleinod. Tauernbahn Böckstein Haltestelle
Ehemaliger Warteraum Böckstein Haltestelle (Tauernbahn)
ÖBB 1144 040 passiert am 9.9.2012 mit einem IC am Haken die denkmalgeschützte aber leider verfallende Haltestelle Böckstein Richtung Norden

Nach einer Linkskurve wird der 36 m lange Stuhlalp-Viadukt passiert und gleich darauf die neue, 96 m lange Anlaufbachbrücke, welche die alte gleichnamige Stahlbrücke von 1905 mit einer Länge von 67 m seit 1995 ersetzt. Die Stahlbrücke wurde übrigens erst 2014 demontiert, warum weiß man nicht – so stabil wie sie gebaut war hätte sie sicher noch 100 Jahre als Zeitzeugnis fungieren können. So sieht man nur mehr die mächtigen steinernen Viaduktbögen.

Unter den Anlaufbachbrücken
Kaum beachtet: Unter der Anlaufbachbrücke Erinnerung an den 7. März 1909, als hier 26 Arbeiter von einer Lawine getötet wurden

Auf der neuen Brücke befindet sich die Einfahrt in den Bahnhof Böckstein (Gemeinde Badgastein), der bei Streckenkilometer 34, 2 auf einer Höhe von 1.173 m liegt. Ab hier bis Spittal / Millstättersee ist die Strecke seit wenigen Jahren durchgängig 2-gleisig, der Tauerntunnel wurde in weiser Voraussicht bereits 2-gleisig errichtet.

Das schmucke Bahnhofsgebäude von Böckstein an der Tauernbahn
Der Warteraum
Der alte Lokschuppen steht inzwischen im Salzburger Freilichtmuseum Großgmain

Gleich nach dem Bahnhof Böckstein liegt das Nordportal des Tauerntunnels, durch den ab 1920 (anfangs unregelmäßig) zwischen den Bahnhöfen Böckstein und Mallnitz eine Autoverladung („Tauernschleuse“) angeboten wird. Aktuell 2015 verkehrt die „Schleuse“ zwischen ca. 6 Uhr morgens und ca. 23 Uhr im Stundentakt, bis zur Eröffnung der 2. Röhre des Tauerntunnels auf der Tauernautobahn gab es einen Halbstundentakt.

Zwischen 2 neuen Autowaggons
Als Denkmal in Böckstein abgestellt – alter Autotransportwaggon, wie er in den 1970er Jahren unterwegs war

Außer der stündlich verkehrenden Tauernschleuse halten in Böckstein keine Züge mehr – will man von Salzburg kommend mit dem Zug nach Böckstein zum Wandern und Schifahren im nahen Sportgastein, so muß man mit dem IC/EC durch den Tauerntunnel durchfahren bis Mallnitz-Obervellach, dort aussteigen, dann fast 1 Stunde warten weil die Tauernschleuse nicht auf den Personenvekehrsfahrplan abgestimmt ist, dann mit der Tauernschleuse nach Böckstein und bei der Rückfahrt das ganze dann nochmals – da fährt jeder halbwegs vernünftige Mensch ja wohl mit dem Auto und nicht mit der Eisenbahn!

Leider wurde vor einigen Jahren das Buffet im Bahnhof geschlossen, nicht gerade kundenfreundlich, wenn man im ungünstigen Fall nahezu 1 Stunde auf den nächsten Zug warten muß. In der kleinen (Eisenbahner-) Ansiedlung links vor dem Tauerntunnel Richtung Anlauftal gibt es ein kleines Wirtshaus.

Der Tauerntunnel wurde nach der Katastrophe von Kaprun sicherheitstechnische aufgerüstet, darunter fällt auch die Verkürzung der Tunnelstrecke durch Tunnelabbruch am Nordportal – seit 2001 hat der Tauerntunnel nicht mehr seine ursprüngliche Länge von 8.551 m, sondern ist nur mehr 8.370 m lang und das ehemalige historische Nordportal mit der Inschrift „Francisco Josepho I. Imp. MCMIX“ steht jetzt isoliert links vor der Einfahrt in den Tauerntunnel.

Das prächtige, jetzt isoliert dastehende Tunnelportal, wo auch der Tunnelrettungszug geparkt ist
Altes Portal mit Tunnelrettungszug
1044 063 als Zuglok eines Intercity Klagefurt – Salzburg bei der Ausfahrt aus dem Tauerntunnel-Nordportal am 11.5.2009

Seit der Modernisierung hat der Tauerntunnel auch eine feste Fahrbahn, die eingebaute Beleuchtung hingegen ist oftmals ausgeschalten – da gäbe es sicher sinnvollere Möglichkeiten Strom zu sparen als die Notbeleuchtung abzudrehen. Aber bei uns in Bagdad…..

Die Tauernschleuse auf dem Weg gen Süden wird gleich in den Tauerntunnel einfahren

Im Tauerntunnel verläuft die Landesgrenze zwischen den Bundesländern Salzburg und Kärnten und auch der Scheitelpunkt der Strecke liegt mit 1.225 m.ü.d.A. im Tunnel.

Original Durchschlagsplakete von 1907 (u.a. im Tauernbahmuseum in Schwarzach zu sehen)

Der Tauerntunnel durchörtert den Alpenhauptkamm, die Hohen Tauern, genauer gesagt die Radhausberggruppe bzw. Gamskarlspitzgruppe, immerhin knapp 3.000 Meter hoch und somit der Tauerntunnel mit einer Gesteinsüberdeckung bis zu 1.800 Metern. Dieser markante Gebirgsstock ist das Bindeglied zwischen der Goldberggruppe im Westen und der Ankogelgruppe im Osten, beide mit zahlreichen Dreitausendern. Der Reisende gelangt vom Salzburgischen Gasteinertal ins Kärntnerische Mölltal.

Gleich nach der Ausfahrt aus dem Südportal liegt linker Hand bei Streckenkilometer 43,187 die ehemalige Haltestelle Tauerntunnel (vormals Mallnitz Hinterthal), an der seit der Modernisierung 2001 sehr zum Ärger von Wanderern keine Züge mehr halten. Dafür gibt es bis zum Bahnhof Mallnitz-Obervellach 2 neue Betriebsstellen, nämlich Mallnitz-Hintertal sowie Mallnitz-Nord. An der Stelle der ehem. Haltestelle Tauerntunnel ist jetzt ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet, die Bahnsteige der Haltestelle sind nach wie vor erhalten.

Das Südportal des Tauerntunnels von der ehem. Haltestelle Tauerntunnel aus fotographiert. DEEF Projekt Tauernbahn

Linker Hand verläuft das Seebachtal gen Osten, man kann vom Zug aus einen herrlichen Blick auf die Dreitausender der Ankogelgruppe (höchste Erhebung Hochalmspitze mit 3.360 m) erhaschen. Eine Seilbahn, die Ankogelbahn, eine sogenannte Gruppenpendelbahn, bringt seit 1965/66 in 2 Sektionen Fahrgäste bis auf 2.636 m Seehöhe (Hannoverhaus des DAV).

Ankogelseilbahn Sektion 1

Auch die Wanderer kommen auf ihre Kosten – eine herrliche Talwanderung durch das Seebachtal (ein glazial geformtes Trogtal) führt vorbei an der Ankogelseilbahn und dem Europaschutzgebiet Stappitzer See bis zum Talschluß, wo man in der Schwussnerhütte herrlich einkehren kann.

Der Stappitzer See mit Blick gen Talschluß des Seebachtals

Bei Streckenkilometer 45,9 liegt auf einer Höhe von 1.182 m der Bahnhof Mallnitz-Obervellach. Bis 1974 hieß der Bahnhof Mallnitz. Die Gemeinde hat 801 Einwohner und darf als einer der wenigen Orte in Österreich offiziell das Prädikat „Heilklimatischer Höhenluftkurort“ führen. Als Teil des Nationalparks Hohe Tauern ist der Tourismus (Sommer und Winter) Haupteinnahmequelle der Gemeinde. Ein Netz an Wanderwegen umgibt die Gemeinde, leider wurde es nichts mit einem durchgehenden Eisenbahnhistorischen Rad- und Wanderweg entlang der alten Tauernbahn.

Erfreulicherweise ist hier das Bahnhofsbuffet nach einer längeren Sperre wieder in Betrieb gegangen und so zu sehen ist herrscht dort ein reger Geschäftsgang.

Tauernschleuse wird im Bahnhof Mallnitz-Obervellach beladen. Seit dem Unglück von Kaprun wird mindestens 1 Personenwaggon mitgeführt, in den man einsteigen muß. Vorher blieben die Personen in den Autos sitzen, nur die Motorradfahren stiegen in den Waggon ein

Der Octavia 4×4 Combi des Herrn Chefredakteurs ist verladen, die Fahrt kann beginnen (11. August 2008)
Die Tauernschleuse wird gleich das Südportal des Tauerntunnels passieren
Das Verladegelände in Mallnitz-Obervellach. Das Ortszentrum von Mallnitz liegt ca. 10 Gehminuten vom Bahnhof entfernt
Der Warteraum in Mallnitz-Obervellach

Nach dem nahezu in der Ebene liegenden Bahnhof verläuft die Strecke nun seit 1999 auf einer neuen Route.

Wo heute ein Stumpfgleis ist ging es nach ca. 150 m in den Dösentunnel (auch Dössentunnel in der Literatur) rein. Heute wendet sich die Trasse nach links und taucht in den neuen Kaponigtunnel ein, dessen Nordportal man im Hintergrund sieht

Neue Strecke der Tauernbahn von Mallnitz-Obervellach bis ehem. Abzweigung Lindisch

In einer Schleife nach links fahren die Züge in den 5.096 m langen neuen Kaponigtunnel ein, der mit fester Fahrbahn ausgestattet ist und den Fels in geschwungener Linienführung durchbricht. Unmittelbar am Südportal kreuzt die neue Strecke die Trasse der alten und taucht nach Übersetzen des Kaponigbaches auf einer 98 m langen Brücke in den 694 m langen Ochenigtunnel ein, in dem die Strecke nach Süden dreht. Rechts beim Tunnelportal befindet sich ein Rettungsplatz, der von Obervellach aus auf einer Strasse erreichbar ist. Gleich danach sieht man links das zugemauerte Portal des ehem. genutzten Unteren Kaponigtunnels (789 m).

Einfahrt in den neuen Kaponigtunnel mit fester Fahrbahn von Mallnitz-Obervellach aus. Anwohner, die auf dem durchörterten Hügel wohnen, berichten davon, dass sie die im Tunnel fahrenden Züge in ihren Häusern hören. Die Neigung im Tunnel beträgt übrigens 26 Promille, kurz vor dem Südportal befindet sich die Überleitstelle Mallnitz 2 (km 51,7)
Auf der neuen Kaponiggrabenbrücke mit dem Südportal des neuen Kaponigtunnels sowie der im 90 Grad Winkel kreuzenden alten Strecke, rechts ein Bogen des alten Kaponiggrabenviadukts, der zum unteren Kaponigtunnel führte
Dient jetzt als Rettungs- und Fluchtweg, die alte Trasse mit dem offenen Portal des Oberen Kaponigtunnels
Backshot aus dem neuen Kaponigtunnel Richtung Nordportal Ochenigtunnel
Südportal Ochenigtunnel, links der Rettungsplatz Ochenigtunnel, der auf einer Strasse von Obervellach aus erreichbar ist. Nach ca. 100 kommt dann auf der rechten Seite das zugemauerte Portal des Unteren Kaponigtunnels zum Vorschein

Alte Strecke der Tauernbahn von Mallnitz-Obervellach bis ehem. Abzweigung Lindisch

Die alte Strecke verlief nach dem Bahnhof Mallnitz-Obervellach auf einer langgezogenen Lehnenstrecke, von der man einen herrlichen Berg- und Talblick hatte. Gut kann ich mich noch an die Fahrten, am offenen Fenster lehnend und die Landschaft betrachtend, erinnern. Leicht nach rechts haltend tauchte ca. 200 m nach dem Bahnhof der Zug in den 891 m langen Dösentunnel ein. Vom Nordportal sieht man überhaupt nichts mehr, grüne Wiese mit muhenden Kühen drauf. Nur das alte steinerne Wächterhaus steht noch, unmittelbar links davon war das Nordportal des Dösentunnels.

Nordportal des Dösentunnels, ein Schnappschuß, den mit der User Wedeler aus Deutschlands Hohem Norden zugeschickt hat. Ansonsten gibt es viele Fotos vom Südportal, aber das Nordportal ist so gut wie nicht fotographisch präsent. Danke Heiko.
Das steinerne Wächterhaus am ehem. Nordportal des Dösentunnels (Tauernbahn alt). Nichts deutet hier mehr auf das ehem. Tunnelportal hin

Das Südportal ist gut erhalten aber verschlossen. Von dort führt auf der alten Strecke ein Rad-/Wander-Weg bis zum ehemaligen Bahnhof Kaponig. Der Radfahrer oder Wandersmann überschreitet dabei prächtige gemauerte Viadukte mit klingenden Namen in den Ohren eines Eisenbahnhistorikers – Dösenbach-Viadukt (74 m), Waldmanngraben-Viadukt (88 m), Auergraben-Viadukt (58 m), Kuchelgraben-Viadukt (39 m) sowie dem Haßlacher-Viadukt mit einer Länge von 58 Metern.

Dösentunnel Südportal und Dösenbachviadukt. Nach rechts führt ein Wanderweg ins herrliche und nahezu unberührte Dösental mit Einkehrschwung in der Wolligger Hütte. Natur pur
Dösenbachviadukt (links) und Waldmanngrabenviadukt
Portal des Rettungstunnels zum neuen Kaponigtunnel. Davor befindet sich ein Hubschrauberlandeplatz
Einen solchen herrlichen Blick konnten die Bahnreisenden bis 1999 auch genießen. Heute durchfährt man maulwurfsgleich eine meist finstere Betonröhre
Eines der einst so typischen steinernen Wärterhäuser entlang der Tauernbahn
Eines der ehem. Wahrzeichen der Tauernbahn – steinernes Aquädukt mit Wärterhäuschen, heute schön gepflegt als Wochenendhäuschen genutzt. Die Holzbank im blumengeschmückten Gärtchen ließ auch den Chefred kurz innehalten und Brotzeit machen
Eines der zahlreichen Relikte entlang der Strecke

Bei Kilometer 51,8 wurde der Bahnhof Kaponig auf einer Meereshöhe von 1.052 m erreicht. Der Bahnhof hieß vor 1974 Obervellach, der Gemeindenamen ist jetzt seit 1974 im Bahnhof Mallnitz-Obervellach weiter erwähnt. Vom Bahnhof Obervellach/Kaponig beförderte eine Seilbahn von 1931 bis 1975 Fahrgäste ins Zentrum der 320 m tiefer liegenden Gemeinde Obervellach. In Obervellach erinnert noch der Name „Seilbahn Platzl“ und eine Gedenktafel an dieses pragmatisch errichtete aber aus Kostengründen stillgelegte Verkehrsmittel.

In Kaponig fanden oftmals Zugkreuzungen statt. Der Bahnhof befindet sich nun in Privatbesitz, wie man hört hat ein Eisenbahner den Bahnhof gekauft. Von meiner Streckenbegehung im Oktober 2010 kann ich mich noch an eine gehörige Unordnung am ehem. Bahnhofsgelände erinnern.

Ehem. Stellwerk Nord Einfahrt Bahnhof Obervellach / Kaponig
eines der vielen Relikte, die am ehem. Bahnhofsgelände herumstanden oder herumlagen. Event. ein Relikt der Seilbahn nach Obervellach?
Das Bahnhofsensemble ehem. Bahnhof Obervellach / Kaponig an der alten Strecke der Tauernbahn
Der ehem. Bahnhof Kaponig – heute „Villa Kunterbunt“ (Bilder Oktober 2010)

Hier soll es angeblich jetzt einen Klettergarten geben
Südliche Bahnhofsausfahrt. Das schmucke Nebengebäude sieht man von der neuen Strecke aus. Es präsentiert sich 2021 in neuem Farbgewand, nämlich dunkelrot

Nach der Ausfahrt vom Bahnhof Kaponig wurde der 93 m lange Laskitzer-Viadukt überquert und unmittelbar danach tauchte man in den 236 m langen Oberen Kaponig Tunnel ein. Dieser ist heute versperrt und dient als Rettungstunnel für die neue Strecke, denn sein anderes Portal liegt ca. 100 m von der neuen, die alte Strecke im 90 Grad Winkel schneidenden Strecke. Das andere Portal ist offen.

Nordportal Oberer Kaponigtunnel. Nach rechts Richtung neuer Strecke (Entfernung ca. knapp 400 m) wurde ein Forstweg neu angelegt. Dieser endet leider nach ca. 150 m, man sieht zur neuen Trasse hin aber „ohne Seil und Hacken“ ist da nicht rüberkommen. Schade!
Der gute alte Laskitzer Viadukt in der Nachmittagssonne Oktober 2009. Der hätte sicher viel zu erzählen von der Tauernbahn

Nach dem Schnittpunkt mit der neuen Strecke verläuft das alte Trassee auf dem 103 m langen Kaponiggraben-Viadukt in einer lang gezogenen Schleife nach rechts zum verschlossenen Nordportal des 789 m langen Unteren Kaponigtunnels, dessen Südportal man von der neuen Strecke aus nach Passieren des Ochenigtunnels linker Hand bemerkt.

Unterer Kaponigtunnel Südportal
Die Marktgemeinde Obervellach, 2.247 Einwohner, Hauptort des Kärntner Mölltals und Nationalparkgemeinde im Nationalpark Hohe Tauern. Im Hintergrund sieht man die neue Spannbetonbrücke über den Lindischgraben, die 283 m lange Lindischgrabenbrücke (Tauernbahn)

Die Südrampe ab Abzweigung Lindisch:

Die Fahrt auf der neuen Strecke der Südrampe bietet zu beiden Seiten interessante Ausblicke – rechts hinab ins tief unten liegende Mölltal sowie das Bergpanorama des Tauernhauptkamms mit der Goldberggruppe sowie dann weiter nach Süden der Kreuzeckgruppe, links sieht man die weiter innen am Berghang verlaufende alte Strecke mit ihren Steinviadukten und Tunneln. Man glaubt fast, dies wäre eine Modelleisenbahnanlage. Ab der (ehem.) Abzweigung Lindisch (ab hier bis Mallnitz-Obervellach verlief die Strecke bis 1999 eingleisig) ersetzen mächtige Hangbrücken aus Spannbeton die alten näher zum Berghang liegenden Viadukte und Tunnel.

Der alte kurze Kofelwandtunnel mit 26 m existiert nicht mehr, dafür Kofelwand Galerie (60 m) und Lindisch Galerie (30 m).

Kofelwandgalerie (Tauernbahn)

Bis zur Haltestelle Oberfalkenstein bei Streckenkilometer 55,8 auf einer Seehöhe von 963 m über dem Pegel von Triest ersetzen die 283 m lange und 120 m hohe Lindischgraben Brücke und die 150 m lange Moserrinnen Brücke seit 1978 folgende historischen und noch vorhandenen Bauwerke:

Oberer Lindisch Tunnel, 260 m

Nordportal Oberer Lindischtunnel und Lindisch Galerie
Oberer Lindischtunnel Südportal und Lindschischgrabenviadukt. Die Tunnel sind frei zugänglich, offiziell ist das Betreten aber verboten

Lindischgraben Viadukt, 29 m

Unterer Lindisch Tunnel, 379 m

Südportal Unterer Lindischtunnel bei Streckenkilometer 55,3 neuer Vermessung („Fehlerprofil“ Unterschied alte/neue Strecke)

Unmittelbar am Bahnsteig der Haltestelle Oberfalkenstein befindet sich das offene Nordportal des Leutschacher Tunnels, vor dessen dunklem Maul ein kleines Bäumchen zu wachsen begann.

Romantisches Nordportal Leutschacher Tunnel.
Der tägliche (Alibi-) Nachmittagszug Spittal/M. – Mallnitz Obervellach (Pendlerzug) bei der Haltestelle Oberfalkenstein. Seit 2019 hält dieser Zug nicht mehr in Oberfalkenstein

Das folgende Ensemble historischer Eisenbahnbauwerke wird bereits seit 1974 von 2 Neubauwerken, nämlich der 75 m hohen und 396 m langen Falkensteinbrücke und der 99 m langen Gratschacher Galerie umfahren:

Leutschacher Tunnel, 247 m (der Bauer vor Ort nutzt den Tunnel zum Abstellen von Gerätschaft)

Falkensteintunnel unter der Ruine Oberfalkenstein, 67 m

Gratschacher Viadukt, 69 m

Gratschacher Tunnel, 357 m

Der Blick vom vorbeirauschenden Intercity auf dieses Ensemble ist wahrlich ein Highlight der Strecke. Rechter Hand sieht man hinab auf Burg Unterfalkenstein, welche bewohnt und besichtigbar ist.

Falkensteinbrücke mit Burg Unterfalkenstein
Wächterhäuschen zwischen Leutschacher Tunnel und Falkensteintunnel
Nordportal Falkensteintunnel
Nordportal Gratschachertunnel
Südportal Falkensteintunnel, aufgenommen vom Gratschacher Viadukt
Neues Wahrzeichen der Tauernbahn: Burg Unterfalkenstein mit der mächtigen Falkensteinbrücke (mit EC Mimara am 26.8.2008, Archiv Dr. Populorum / DEEF)
Idyllischer Blick aus dem Falkensteintunnel gen das Südportal des Leutschachertunnels
Im Inneren des Leutschachertunnels hat der örtliche Bauer einige Gerätschaften untergestellt
Burg Unterfalkenstein
Ein idyllischer Platz
Gratschacher Tunnel Südportal an der neuen Trasse

Nach der Gratschacher Galerie und dem links direkt am neuen Bahndamm liegenden Südportal des Gratschacher Tunnels nähert sich der südwärts fahrende Intercity dem 3. von neuen Brücken umfahrenen historischen Ensemble. Bereits seit 1971 spannt sich die mächtige, mit 377 m längste Eisenbahnbrücke Österreichs, die Pfaffenberg-Zwenbergbrücke 112 m über dem Talboden zwischen dem Einschnitt zwischen Pfaffenberg und Zwenberg hinein zum Bahnhof Penk, Streckenkilometer 58,4 und auf einer Seehöhe von 899 m. Mit dieser mächtigen Brücke aus Spannbeton werden ersetzt:

Pfaffenberg Tunnel, 499 m

Pfaffenberg Zwenbergbrücke, 149 m. Ewig schade um den Abriß, eine Kulturschande. Mahnend ragen auch heute noch die stehengebliebenen steinernen Pfeiler gegen den Himmel

Zwenberg Tunnel, 391 m

Bei der Einfahrt in den Bahnhof Penk sieht man links das verschlossene Portal des Zwenbergtunnel – hier war einige Zeit lang der Tunnelrettungszug abgestellt. Penk war bis 1973 eine eigenständige Gemeinde, seither eine Ortschaft und Katastralgemeinde in der Gemeinde Reißeck.

Zwenberg Tunnel Südportal

Bei der Weiterfahrt gen Süden sieht man links des neuen Trassees immer wieder Relikte der alten Trasse, die hier meist nahezu ident mit der neuen Strecke verlief.

Bis zum Bahnhof Kolbnitz bei Streckenkilometer 64,8 (Seehöhe 747 m) trifft man auf folgende alte und neue Bauwerke:

Zweniggraben Viadukt (31 m, bis 1984)

Zweniggraben Brücke (216 m, ab 1984)

Schloßgraben Viadukt (42 m, bis 1984)

Schloßgraben Brücke (92 m, ab 1984)

Mölltheuer Viadukt (52 m, bis 1983)

Mölltheuergraben Brücke (94 m, ab 1983)

Oberer Litzelsdorfer Tunnel (84 m, bis 1984)

Litzelsdorfer Viadukt (82 m, bi 1984)

Unterer Litzelsdorfer Tunnel (200 m, bis 1984)

Litzelsdorfergraben Brücke (185 m, seit 1984, ersetzt historisches Ensemble 2 Litzelsdorfer Tunnel und Viadukt)

Die darauffolgende neue Rieckenbach Brücke ersetzt mit einer Länge von 197 m seit 1987 die alte Rieckenbachbrücke mit einer ehem. Länge von 179 m. Der 42 m lange Leithengraben Viadukt stammt noch aus der Bauzeit von 1909.

Bahnhofsgebäude Kolbnitz. Kolbnitz war bis 1973 eine selbständige Gemeinde, seither als Katastralgemeinde Teil der Gemeinde von Reißeck (2.225 Einwohner)

Vom Bahnhof Kolbnitz, der auch rückgebaut wurde, sind es nur wenige Schritte zur Talstation der Reißeckbahn, deren Trasse die Tauerbahn im Bahnhofsbereich Kolbnitz unterquert und steil nach oben sticht. Leider wurde diese für ganz Kärnten bedeutende Touristenattraktion samt der anschließenden Höhenbahn durch den Betreiber Verbund geschlossen und abgebaut.

Reißeck-Höhenbahn, eingestellt 2014

Unter den mächtigen Rohrleitungen der Kraftwerksgruppe Reißeck hindurch geht die Fahrt nun weniger spektakulär weiter talwärts, die neue Strecke immer von Relikten der alten Trasse begleitet.

Bis zum nächsten Bahnhof, Mühldorf-Möllbrücke bei Streckenkilometer 69,428 (Seehöhe 639 m) waren und sind folgende Bauwerke situiert:

Rothauer Viadukte, jeweils 83 m, neues Spannbetonviadukt eingleisig an altes eingleisiges Steinviadukt 1999 angebaut

Müldorfer-Seebach Viadukt (53 m lang, 1909-2009)

Müldofer-Seebach Brücke (68 m, seit 2009)

Klinzergraben Viadukt (33 m, bis 2009)

Taborgraben Brücke (27 m, bis 2009)

Links „museal“ bewahrt ein Teil der alten Strecke mit steinernem Viadukt

Im Jahr 2007 ging ca. 300 m vor dem alten Bahnhofsgebäude Mühldorf-Möllbrücke die Überleitstelle Kolbnitz 2 in Betrieb sowie unmittelbar vor dem Bahnhofsgebäude wurde ebenfalls 2007 die Haltestelle Mühldorf-Möllbrücke eröffnet – seither ist das schöne alte Bahnhofsgebäude mit den Serviceeinrichtungen für die wartenden Reisenden versperrt – ein leider immer wieder seitens der Staatsbahn ÖBB praktiziertes Vorgehen zur Minderung der Reisequalität und auch der Ästhetik.

Bahnhof Mühldorf-Möllbrücke. Die Gemeinde Mühldorf (trat aus dem Gemeindeverbund Reißeck wieder aus) hat 988 Einwohner, Möllbrücke ist die größte Ortschaft in der 2.552 Einwohner zählenden Gemeinde Lurnfeld

Von Mühldorf-Möllbrücke sind es nur knapp über 3 km zum Bahnhof Pusarnitz (Streckenkilometer 72,9, Seehöhe 564 m), dessen Aufnahmsgebäude von 1909 noch in Funktion steht. Hier hat die Tauernbahn die Ebene des so genannten Lurnfeldes erreicht.

Bahnhof und Unterwerk Pusarnitz. Pusarnitz ist eine Katastralgemeinde mit 506 Einwohnern in der Gemeinde Lurnfeld

Pusarnitz Süd (km 74,0) fungiert als Betriebsstelle, in der Abzweigung Lendorf (seit 1970 2 Gleise für die Tauernbahn) zweigt die eingleisige Drautalbahn nach Lienz – Innichen (Pustertalbahn bis Franzensfeste an der Brennerbahn) ab.

Ein Talent der ÖBB aus Richtung Lienz kommend direkt vor der Haltestelle Lendorf der Drautalbahn (Gemeinde Lendorf 1.747 Einwohner)

Unspektakulär und nahezu eben verläuft nun die Tauernbahn gemeinsam mit der Drautalbahn ihrem Endpunkt, dem Bahnhof Spittal-Millstättersee entgegen.

Das mächtige Aufnahmsgebäude des Bahnhofs der Bezirkshauptstadt Spittal an der Drau, auf 544 m.ü.d.M. bei Streckenkilometer 80,9 gelegen, beherbergt auch ein Bahnhofsbuffet. Von Spittal-Millstättersee läuft der Gleisstrang weiter als Drautalbahn nach Villach, Klagenfurt, Bleiburg bis nach Marburg im heutigen Slowenien (Maribor).

Spittal an der Drau ist Bezirkshauptstadt und Stadtgemeinde mit 15.549 Einwohner
Ein mächtiges Aufnahmsgebäude


Ende der Tauernbahn-Trilogie „Von Schwarzach St. Veit
nach Spittal / Millstätter See“

Dem Erbauer der genialen Tauernbahn zur Ehre – Doktor Ing. Carl Wurmb, Denkmal zu Salzburg

Links & Literatur: Siehe Tauernbahn Teil 1 Überblick >>>

Zurück zu Tauernbahn Teil 2 Nordrampe >>>


Alle Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 19. Mai 2015; Re-Launch 7.10.2021; Letzte Ergänzung: –