Lille Flandres Lille Europe Bahnhof

Die beiden bedeutenden Bahnhöfe von Lille – Lille Flandres und Lille Europe

Klassische Ansicht des prächtigen Empfangsgebäudes Lille-Flandres straßenseitig

Lille mit dem Beinamen „Hauptstadt von Flandern“ ist mit seinen 233.098 Einwohnern (1.1.2018) eine der bedeutendsten Städte im Norden Frankreichs an der Grenze zu Belgien, Präfektur des neuen Départements Nord und Hauptstadt der Region Hauts-de-France. Außerdem Hauptort des Gemeindeverbandes Métropole Européenne de Lille und ab Januar 2008 Zentrum des ersten Europäischen Verbunds für territoriale Zusammenarbeit, dem Eurodistrikt Lille-Kortrijk-Tournai, mit insgesamt zwei Millionen Einwohnern. 2004 war Lille gemeinsam mit Genua „Kulturhauptstadt Europas“.

Im Zentrum von Lille, Place du Général de Gaulle

Lille liegt am Knotenpunkt vieler großer europäischer Fernstraßen (siehe unten) und einiger Eisenbahnstrecken, die in Ost-West-Richtung zwischen Deutschland, Luxemburg, Belgien und Großbritannien, sowie in Nord-Süd-Richtung zwischen den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Spanien verlaufen.

Der Bericht fußt auf einem Besuch in Lille von Belgien aus am 4.9.2017. Mit dem IC (IC-Linie 4) ging es über Kortrijk und Mouscron (Belgien) über die Grenze und über Tourcoing und Roubaix nach Lille-Flandres

Der traditionelle Bahnhof von Lille und Hauptbahnhof der Stadt ist Lille Flandres (franz. Gare de Lille-Flandres, dt. Lille-Flandrischer Bahnhof), ein Kopfbahnhof mit 17 Gleisen, der im Zentrum der Stadt 1892 eröffnet wurde. Den Zusatz „Flandres“ bekam der Bahnhof 1994, als in unmittelbarer Nähe der Bahnhof Lille Europe als Durchgangsbahnhof für die TGV-, Eurostar- und Thalyszüge nach Frankreich, England und Holland eröffnet wurde. Beide Bahnhöfe sind durch das neue Geschäfts- und Einkaufsviertel Euralille verbunden und mit der Métro Lille Linie 2 an das regionale Verkehrsnetz angebunden.

Angekommen in Lille auf einem Seitenbahnsteig. Belgische Gumminase 465 neben einen blauen TER der SNCF

Lille Flandres

Der klassische Hauptbahnhof von Lille, ist ein Kopfbahnhof der staatlichen Eisenbahn SNCF, wurde 1892 eröffnet und weist aktuell 17 Gleise auf. Der Bahnhof wurde für die Bahngesellschaft CF du Nord von den Architekten Léonce Reynaud und Sydney Dunnett erbaut. Der Bau begann 1869 und wurde erst 1892 beendet. Die Fassade des Empfangsgebäudes integriert die dorthin translozierte Front des ehemaligen Pariser Belgischen Bahnhofs, des Vorgängerbahnhofs des dortigen Gare du Nord, ergänzt um ein zusätzliches Stockwerk und einen Uhrturm.

Werbeplakat für die Strecke Paris – Lille aus der Übergangszeit zur Staatsbahn von 1938, das sowohl für die NORD als auch für die SNCF wirbt (Quelle Wikipedia gemeinfrei)

In Lille-Flandres halten Intercité- und TER-Züge, welche Lille unter anderem mit Antwerpen, Ostende, Lüttich und Tournai verbinden. Zudem enden hier TGV-Verbindungen aus Paris Gare du Nord. Am Bahnhof Lille Flandres halten ferner die zwei Linien der Straßenbahn Lille, die Metro Lille und einige Buslinien.

Ein TGV-Dosto in Lille-Flandres ragt aus der Stahlhalle heraus. Ziel Paris
Das andere Ende des TGV ist in er imposanten Stahl-Glashalle
Halle Lille-Flandres
Durch das Glasdach von Lille-Flandres sieht man die Türme vom neuen Businessviertel Euralille sichtbar
Ein TER-Dosto der SNCF
Erinnerungstafel zur Eröffnung der TGV-Strecke Paris-Lille im Jahr 1993
Gumminase der Belgischen Staatsbahn kurz vor der Abfahrt zurück nach Belgien
TGV-Triebkopf neben einer klassischen E-Lok der SNCF (22273)
Aufgang Bahnhofshalle
Uhrturm als Krönung der Fassade
Bieriger Ausblick von der Bahnhofsbrasserie auf das Aufnahmsgebäude
Gelenkautobus vor dem Bahnhof Lille-Flandres. Betreiber der Buslinien wie der Straßenbahn und der Metro ist Ilevia, bis Anfang 2019 Transpole, einer Tochtergesellschaft von Keolis
Fußläufig geht es zum neuen Bahnhof Lille Europe

Lille Europe

Lille Europe ist ein 1994 eröffneter Durchgangsbahnhof mit 4 Bahnsteiggleisen (plus 2 Durchfahrtsgleisen)  für den Hochgeschwindigkeitsverkehr in Frankreich, Benelux und England. Er ist der einzige Bahnhof dieses Hochgeschwindigkeitsnetzwerks, der (fahrgastfreundlich) direkt im Zentrum errichtet wurde. Hochmodern aber im Vergleich zum alten Flandrischen Bahnhof kühl und unpersönlich. Als Architekt zeichnet der 1952 geborene Franzose Jean-Marie Duthilleul verantwortlich, der zahlreiche Bahnhöfe weltweit geplant hat.

Bushalt vor dem Businesscenter Euralille, in den auch der Bahnhof Lille Europe integriert ist
Futuristisch! Hier verläuft keine Autobahnbrücke, nein hier können die Fußgänger flanieren
Die markanten Türme von Euralille – der Platz ist großzügig angelegt
Eingang Lille-Europe
Abfahrtsmonitor Lille-Europe
Ein TGV hält auf Gleis 45 zum Boarding

Straßenbahn Lille

Das Netz umfasst zwei Linien mit einer Gesamtlänge von 22 km und bedient den Großraum von Lille-Roubaix-Tourcoing. Die erste Straßenbahn in Lille (normalspurige Pferdestraßenbahn) wurde bereits 1874 eröffnet, um 1900 folgten zahlreiche meterspurige Straßenbahnlinien, die von mehreren Gesellschaften betrieben wurden. Nach einem Niedergang der Straßenbahnen im 20. Jhd. ist die Straßenbahn wieder im Vormarsch, ein Masterplan 2020-2035 mit mehreren Linien nach dem Karlsruher Modell (Tram-Trains) wurde 2019 beschlossen.

Station Lille-Europe, Abgang vom Bahnhofsvorplatz
Einer der 24 Niederflur-Triebwagen des italienischen Herstellers Breda Costruzioni Ferroviarie, die 1994 geliefert wurden. Ab 2013 wurden die Fahrzeuge von Bombardier modernisiert und mit einer neuen Lackierung versehen. Haltestelle Lille-Europe, Triebwagen 08 auf der Fahrt Richtung Roubaix, Linie T


Metro Lille

Die Metro (U-Bahn) von Lille wurde erfolgreich 1983 zur Lösung der Verkehrsmisere (Stau, Lärm) eröffnet, hat auf 2 Linien 62 Haltestellen bei einer Streckenlänge von 46 km. Die Metro Lille fährt vollautomatisch, Verwendung findet das System VAL (Véhicule automatique léger, dt. leichtes automatisches Fahrzeug). Ursprünglich von Matra entwickelt, ist VAL heute ein Produkt von Siemens Mobility. Die Fahrzeuge – in Lille die Typen VAL 206 und VAL 208 – fahren auf speziellen Gummireifen auf einem Betonfahrweg.

Abgang zur Metro im Zentrum von Lille (Station République – Beaux-Arts)
Metro Lille Station République – Beaux-Arts. Viele der Stationen wurden künstlerisch gestaltet – sowas wünscht man sich auch für Österreich, bspw. die neu zu bauende Regionalstadtbahn in Salzburg. Denn in unseren Breiten sind die Stationen meist nüchtern bis primitiv gestaltet

Anmerkung: Es gibt leider nur dieses 1 Foto untertage, da nach den Bombenanschlägen in Belgien 2016 (Flughafen Zaventem, U-Bahnhof Maalbeek/Maelbeek) die Nerven der Sicherheit vor Ort offenbar blank lagen und ich am fotographieren behindert wurde.


Alternativen

Der Modal Split in Lille scheint sehr breit gefächert zu sein….

Auf 2 Rädern
Auf 3 Rädern
Midi-Busse im Zentrum von Lille (Hersteller Breda Marinibus)

Links

Lille ist Frankreichs Tor zur Welt und leistet sich 2 Bahnhöfe. In „Die Welt.de“ >>>

Ilevia Betreiber des Nahverkehrs in Lille und der Métropole Européenne  >>>

DEEF Rubrik Mobilität und Verkehr in Frankreich >>>


Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 9.8.2021; Letzte Ergänzung: –