Raxseilbahn

Die Raxseilbahn – die erste Luftseilbahn Österreichs

Kabine Nr. 2, gebaut bei Carvatech, beim Verlassen der Rax-Bergstation (20.10.2021)

Allgemeines

Die Raxseilbahn ist eine zweispurige 2S-Pendelbahn, welche von der Niederösterreichischen Marktgemeinde Reichenau an der Rax – Ortsteil Hirschwang – auf das Bergmassiv der Rax in den Nördlichen Kalkalpen führt.

Die Raxseilbahn wurde nach knapp 1-jähriger Bauzeit im Juni 1926 eröffnet und gilt somit als erste Luftseilbahn Österreichs. Wohlgemerkt im heutigen Österreich, denn die älteste Luftseilbahn der Welt im Personenverkehr wurde auch in Österreich errichtet und zwar die 1908 in Betrieb gegangene Kohlerer Bahn in Bozen im südlichen Teil Tirols (aktuell Italien).

Bereits vor dem 1. Weltkrieg gab es Überlegungen, eine mechanische Aufstiegshilfe auf das beliebte Sommerfrische- und Ausflugs-Ziel zu errichten. Nachdem einige Widerstände gegen das Projekt u.a. durch den Alpenverein überwunden waren, konnte am 24.9.1924 mit den technischen Vorarbeiten begonnen werden. Im August 1925 wurde die Baubewilligung erteilt und nach nicht einmal 1 Jahr Bauzeit wurde die Raxseilbahn am 9. Juni 1926 offiziell dem Verkehr übergeben.

Seit nunmehr fast 100 Jahren verkehrt die Raxseilbahn höchst erfolgreich, was vor allem mit der Lage im Einzugsgebiet der Bundeshauptstadt Wien zusammenhängt. Oben am Berg gibt es ein ausgedehntes Wandergebiet und zahlreiche Hütten und Gasthäuser/Hotels, die zu einem Einkehrschwung animieren.

Die Raxseilbahn ist Teil des Angebots der Niederösterreich Card.

Die Streckenführung der Raxseilbahn mit Kabine 2 kurz vor der Talstation

Kennzahlen Raxseilbahn

  • Name der Bahn: Raxseilbahn
  • Betreiber: Österreichische Bergbahnen GmbH (Eigentümer Hoteliersfamilie Scharfegger)
  • Verbund: –
  • Bauart: 2 S-Pendelbahn, zweispurig (je 1 Tragseil + je 1 Zugseil inkl. Gegenseil)
  • Hersteller: Adolf Bleichert & Co. (Leipzig), System Bleichert-Zuegg; Neu-/Umbau Leitner Ropeways 2002/2016
  • Baujahr/Eröffnung: 1925-1926 / 9.6.1926
  • Höhe Talstation: 528 m
  • Ort Talstation: Hirschwang an der Rax, an der B27 Höllentalstraße (
    Dr. Ewald Bing-Straße 3, 2651 Reichenau a.d.Rax)
  • Höhe Bergstation: 1.545 m
  • Höhendifferenz: 1.017 m
  • Streckenlänge (schräge Länge): 2.160 m
  • Maximale Neigung: 84,0 %
  • Mittlere Neigung: 53,70%
  • Anzahl der Stützen: 5 (die Torstützen bei den Stationen sind noch original)
  • Durchmesser Tragseil: 50 mm
  • Durchmesser Zugseil: 25 mm
  • Durchmesser Gegenseil: xx mm
  • Antrieb/Traktion: elektromechanisch
  • Antriebsleistung (Betrieb): 2 getrennte elektrische Asynchronmotoren, Leistung je 132 kW
  • Steuerung: Modulare LeitDrive-Frequenzumrichter
  • Antriebsstation: Bergstation; bis 1990 Strom aus Dieselaggregaten, seither Versorgung durch ein 20 kV-Erdkabel
  • Notantrieb: Dieselaggregat
  •  Betriebsmittelhersteller / Modell: Carvatech seit 2002 (4. Generation), vorher Swoboda
  • Anzahl Betriebsmittel: 2 Gondeln
  • Kapazität je Betriebsmittel: seit 2002 30+1 Wagenbegleiter (oder 2.250 kg), vorher 1975-2002 40 Personen; ursprünglich 23 Personen, danach 1947 bis 1975 36 Personen
  • Max. Fahrgeschwindigkeit Strecke: 7,0 m/sek (früher 3,5 m/s)
  • Max. Förderleistung pro Stunde: 350 Personen (1975-2002)
  • Fahrzeit in Minuten: mind. 6
  • Besonderheiten: Spurweite aufgrund enger Talstation dort extrem gering, deswegen Schiebe- / Hubbahnsteige (bewegliches “Schiff”); bei der alten Bahn gab es auch im Sommer eine “Cabrio-Kabine”
  • Mehrmalige Umbauten/Erneuerungen, zuletzt zwischen November 2015 und Juni 2016 durch die Südtiroler Unternehmung Leitner (Kosten ca. 3,2 Mio Euro)
Infoschild in der neuen Kabine von Carvatech

Anreise-/Abreise

Die Anreise mit Öffis erfolgt mit der Eisenbahn (REX-Züge) bis zum Bahnhof Payerbach-Reichenau (Halbstundentakt). Von dort Autobus bis zur Talstation der Raxseilbahn, leider kein ordentlicher Taktverkehr (wochentags) und wie zu hören ist, tw. unverlässlich. Eine wie ursprünglich geplante Anbindung per Schiene durch die Höllentalbahn wäre eine super Sache! Kurzfristig bedarf es einer besseren Anbindung mit dem Autobus vom Bf Payerbach-Reichenau zur Raxseilbahn bzw. retour!

Die Buslinie Nummer xxx verbindet von Payerbach-Reichenau aus das Höllental und damit auch die Raxseilbahn mit der Haltestelle “Hirschwang an der Rax B17”. Der Endpunkt dieser Linie ist xxx, manche Kurse fahren nur bis zur Raxseilbahn. Mit Blick auf den hier tw. langfristig parkierenden Autosbus sei aber gesagt: Auch Autobusse sollten rollen und nicht pausieren!
Bis zur Einstellung des Personenverkehrs im Jahr 1963 verkehrte die Höllentalbahn von Payerbach Reichenau direkt zur Raxseilbahn. Es wäre ein Hit, wenn man eine erneute Anbindung per Schiene hinkriegen würde

Weitere Fotos

Talstation der Raxseilbahn. Die Fundamente dieses wuchtigen Gebäudes sind noch original von 1926 erhalten
Eingangsbereich Talstation Raxseilbahn. Neben dem Kassenbereich sowie Souveniers gibt es auch ein kleines Buffet mit Außenbereich
Einschweben in die Talstation von Kabine 2, das “Schiff” ist nach rechts herübergefahren, damit die Gondel genügend Platz hat. Aber dennoch ist es eng und dem Wagenbegleiter kommt daher bei der Raxseilbahn eine viel aktivere Rolle zu als bei anderen Bahnen
Das “Schiff” ist nach der Abfahrt von Gondel 2 nach links herübergefahren, um nachfolgend rechts für Gondel 1 die Einfahrt zu ermöglichen
Die Talstation der Raxseilbahn aus der Gondelsicht
Talblick aus der Gondel auf die spätherbstliche Landschaft. Rechts das südliche Wiener Neustädter Becken
Kreuzung
Die Portalstütze (Stütze 5, auch Torstütze) direkt vor der Bergstation
Der moderne Schalterbereicht in der Bergstation, in der sich auch ein großer Gasthof mit Gastgarten befindet (Raxalm Berggasthof)
Vor allem bei starker Frequenz tut man gut, sich möglichst bald eine Reservierung für die Rückfahrt zu holen. Wie man sieht, ist dann die Raxseilbahn ohne Pause im 7 bis 8 Minuten Intervall unterwegs
Ein Paradies für Sonnenhungrige, der Außenbereich des Gasthofs in der Bergstation
Traumhafter Fernblick
Ein herrliches Wandergebiet eröffnet sich dem Bergfreund, der mit der Seilbahn angekommen ist Blick hinüber auf den Nachbarberg, den Schneeberg, der ja auch durch eine mechanische Aufstiegshilfe, die Schneebergbahn (Zahnradbahn) erschlossen ist
Gondel 1 direkt vor der Bergstation
Gondel 2 mit Portalstütze (Stütze 5) vor der Bergstation
Wie meist bei Pendelbahnen ist der Antrieb/Maschinenraum in der Bergstation integriert
Gondel Nr. 2 der Raxseilbahn im kleinen Museumspark direkt beim ÖBB Bf Payerbach Reichenau. Die Gondel war von 1948 bis 1975 im Einsatz (Generation 2). Dahinter eine E-Lok der Höllentalbahn
Gondelrelikt unweit der Talstation. Die Aluminiumkonstruktion dürfte eine Gondel der 3. Generation sein (im Einsatz 1976-2002)

Danksagung

Ein großes Dankeschön an Jochen von der Raxseilbahn, der mir fachkundige Informationen gab und mir auch einen Blick hinter die Kulissen ermöglichte!

Höchst interessant ist ein Blick hinter die Kulissen in der Talstation, wo die Seile “abgespannt” sind. Hier ist Vieles in Bewegung, nicht nur die gelben Rollen… Faszinierend! 

Links

Rax-Seilbahn und Infos zur Rax >>>

DEEF-Doku Höllentalbahn >>>

DEEF-Doku Südbahn >>>

DEEF-Kategorie Seilbahnen >>>

Webseite Leitner Ropeways >>>

Webseite Carvatech >>>

Infoseite zum Erbauer der Raxbahn 1926 (Fa. Bleichert) >>>


Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum. Fotos vom 20.10.2021

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 19. Feber 2022;  Letzte Ergänzung: 20.2.2022