Salzkammergutbahn Ebensee-Attnang-Puchheim

Die Salzkammergutbahn von Stainach-Irdning nach Attnang-Puchheim

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Teil 5: Durchs Äußere Salzkammergut von Ebensee über Gmunden nach Attnang-Puchheim
Abschied vom Inneren Salzkammergut – der CS-Wendezug mit 1142 voran, steuert auf den 1.428 m langen Sonnstein Tunnel zu, rechts der Tunnel der Bundesstraße sowie um den Felssporn herum die alte Straße, heute Rad- und Gehweg (28.8.2014)

Nach Verlassen der Haltestelle Ebensee Landungsplatz verläuft die Trasse links oberhalb der Bundesstraße und dem Ufer des Traunsees entlang mächtiger Stützmauern und steuert den längsten Tunnel der Strecke an, den Sonnstein Tunnel mit einer Länge von 1.428 m. Auch die Bundesstraße verschwindet in einem Tunnel durch den Sonnstein, die alte Straße am Seeufer entlang dient heute als Rad- bzw. Wanderweg.

Aus der Lokführerperspektive die Portale der Sonnstein-Tunnel Bahn und Straße mit Wärterhäuschen vor dem Portal (3.7.2013)
Gleich taucht der Regionalzug in die enge und nach einer kleinen Linkskurve dann schnurgerade Röhre hinein. Der Tunnel wurde sicherheitstechnisch aufgerüstet durch Anbringen eines beleuchteten Handlaufs und durch Ausbau zweier Schütterstollen, die beim Bau des Tunnels verwendet wurden, zu Flucht-/Rettungsstollen mit allerdings großer Neigung bzw. Stufen im Berg

Die nächsten Kilometer zieht die Trasse hoch über dem See bzw. der Straße am Hang des Sonnsteins dahin und erlaubt herrliche Blicke über den See und auf den „Wächter“, den 1.691 m hohen Traunstein, markanteste Landmarke im Äußeren Salzkammergut.

Zwischen Traunkirchen Ort und Traunkirchen Bf mit Blick auf den Traunsee, in dem sich dei Felsen des Traunsteins, des „Wächters“, spiegeln

Die Aussicht wird bis Traunkirchen Ort, der Haltestelle, wo nur die R-Züge alle 2 Stunden halten, unterbrochen durch 2 Tunnel, den 224 m langen Siegesbach-Tunnel sowie den 110 m langen Forst-Tunnel.

Zwischen den beiden Tunneln steht hangseitig ein Streckenpostenhaus – „Blockposten Ebensee 1“
Einfahrt in den Siegesbach-Tunnel mit vorgelagertem Steinschlagdach
Südportal des Forst-Tunnels. Die beiden Tunnel hier sind großteils unverkleidet, man sieht also den blanken Fels
CS Wendezug gezogen von einer Lok der BR 1142 kurz vor dem Forst-Tunnel Richtung Attnang-P. (5.9.2012)

Die Haltestelle Traunkirchen liegt dem malerischen Ort am Traunsee deutlich näher als die nachfolgende Station Traunkirchen Bahnhof, allerdings halten hier nur alle 2 Stunden die Regionalzüge. Das sollte geändert werden, hier sollten alle Züge halten!

Am 5.9.2012 hält die 1142 623-6 mit ihrem R von Obertraun-D. nach Attnang-Puchheim in der Haltestelle Traunkirchen Ort

In wenigen Minuten ist man unten am Seeufer, kann flanieren am Seeufer, einkehren in einen der Gasthöfe oder sich ein Elektroboot ausleihen und damit den See abcruisen. Eine bedarfsabhängige Schiffsverbindung mit einem kleinen Boot besteht hinüber nach Karbach, wo ein Badestrand und ein Wirtshaus locken sowie ein Steinbruch, wo bis vor wenigen Jahren Material für die Solvay in Ebensee abgebaut wurde, welches dann per Schiff nach Ebensee und dort mit der Seilbahn weiter ins Werk transportiert wurde.

Das idyllische Traunkirchen mit Traunstein im Winter

Besonders sehenswert in der Gemeinde Traunkirchen (1.660 Einwohner) ist die Fischerkanzel in der Pfarrkirche Traunkirchen, welche auf der in den See hineinragenden Halbinsel erhaben und weit sichtbar thront.

Nach der Haltestelle Traunkirchen wird der Kalvarienberg im gleichnamigen Tunnel in einer Länge von 159 m durchörtert.

Der IC/REX von Wien nach Stainach-Irdning zischt aus dem Kalvarienberg-Tunnel heraus, gezogen von 1144 216 (5. September 2012)

Der letzte Tunnel der Strecke ist der 90 m lange Stein-Tunnel direkt vor dem Bahnhof Traunkirchen.

Stein-Tunnel Südporal aus der Lokführerperspektive
Einfahrt in den Bf Traunkirchen, wo schon ein Sonderzug der ÖGEG („Kaiserzug“), nachgeschoben von der Nostalgielok 1245 518 auf die Weiterfahrt Richtung Attnang-P. wartet (15.8.2014)
Verschub-E-Lok 1163 005-0 im Bf Traunkirchen auf der Fahrt gen Ebensee am 5.9.2012
Offener Schalter und Warteraum Traunkirchen Bf (5.9.2012)

Mäanderförmig kurvt die Trasse weiter zum nächsten Bahnhof, Altmünster am Traunsee. Die nördlich an den Bahnhof anschließende „Donausäge Rumplmayr“ besitzt einen Gleisanschluß, der aber offenbar nicht mehr genutzt wird.

Aufnahmsgebäude und Nebengebäude mit Toiletten Bf Altmünster am Traunsee mit Talent  BR 4024 am 21.8.2014
Fahrdienstleiter fpr die ÖBB Infra und Fahrkartenverkauf und Beratung für die ÖBB PV AG – das hat sich jahrzehntelang im Salzkammergut bewährt – bis man es zerstört hat
Hier lässt sich auch bei schlechtem Wetter mal auf den Zug warten

Vor der Einfahrt in den Bahnhof des Bezirkshauptortes Gmunden sieht man linker Hand die Produktionsanlagen des Zementwerkes Hatschek mit mehreren Gleissträngen – hierher wird das im Ebenseer Steinbruch abgebaute und auf Waggons verladene Material (Kalkstein) gebracht.

Das Hatschek-Werk mit Güterwaggons in Gmunden, im Hintergrund der Pinsdorfberg

Der zur Herstellung von Zement notwendige Mergel wird am angrenzenden Pinsdorfberg abgebaut und mittels einer Standseilbahn ins Werk hinunter transportiert.

Hier sieht man deutlich das Felsstück, auf dem die Standseilbahn in den Mergelbruch des Hatschek-Werkes verkehrt

Gmunden ist neben Bad Ischl der wohl „schillerndste“ und bekannteste Ort des Salzkammergutes. Bei Touristen beliebt ist vor allem die sogenannte „Esplanade“ am Ufer des Traunsees, wo man von der Stadtmitte bis hinaus zum auch durch Fernsehserien bekannten Schloß Orth wandern kann und immer die Möglichkeit zu einem Einkehrschwung hat.

Die „Gisela“ – Königin des Traunsees. Der Salon-Raddampfer wurde bereits 1872 in Dienst gestellt, war also bereits 5 Jahre vor der Eröffnung der Salzkammergutbahn auf dem Traunsee unterwegs (16.9.2018 am Anlegen Gmunden)

Eisenbahnmäßig ist Gmunden zum einen an die Salzkammergutbahn angebunden und zum anderen an eine Stadt-Regio-Tram, auch Traunseetram genannt, welche vom Bahnhof an der Salzkammergutbahn über die Stadtmitte weiter Richtung Osten bis nach Vorchdorf führt – die seit 2018 in Betrieb befindliche Tram stellt den Lückenschluss dar zwischen der ehem. Gmundner Straßenbahn (Bahnhof – Gmunden Stadtzentrum) und der Traunseebahn (Vorchdorf – Gmunden Seebahnhof).

Übergang zur Gmundner Straßenbahn vor dem Umbau des Bahnhofs
Nach dem Umbau des Gmundner Bahnhofs rückte die ehem. Gmundner Straßenbahn – nun Stadt-Regio-Tram – näher zum Bahnhof und man kommt unter Dach zu den Fahrzeugen. Am 7.8.2018 sind hier rechts ein Wagen der alten Gmundner Straßenbahn sowie links ein neuer Vossloh-Triebwagen der Stadt-Regio-Tram zu sehen. Das Angebot wurde deutlich erhöht und es ist zu hoffen, dass das gute Angebot auch die Nachfrage stimuliert

Gmunden weist eine langjährige Eisenbahntradition auf, war die Stadt doch schon vor dem Bau der Salzkammergutbahn durch die Pferdeeisenbahn Budweis – Linz – Gmunden an ein Schienennetz angebunden und zusätzlich zur Traunseebahn (Betreiber Stern & Hafferl) erreichten auch Züge der ÖBB den Gmundner Seebahnhof, nämlich über die zwischenzeitlich unterbrochene Normalspur-Strecke  der Lokalbahn Lambach-Gmunden über Laakirchen, welche im Bf Engelhof in die Traunseebahn einmündete.

Einen Besuch wert der Pferdeeisenbahnweg in Gmunden
Altbautriebwagen von Stern und Hafferl im Gmundner Seebahnhof, der kurze Zeit später abgerissen wurde – welch ein Frevel! (8.10.2007)
Gmunden Bf Aufnahmsgebäude am 13.2.2014
Gmunden Bf straßenseitig 13.2.2014
Aufnahmsgebäude innen vor dem Abriss
Der Umbau / Neubau hat begonnen – Zugkreuzung von 2 CS-Zügen am 23.8.2014, Zug Richtung Attnang-P. gezogen von 1144 099
Der Umbau schreitet voran – 28. August 2014
Der neue „Bahnhof“ (7.8.2018)

Der alte Gmundner Bahnhof wurde von den ÖBB vor einigen Jahren abgerissen und eine neue barrierefreie Station errichtet, in welche die neue Traunseetram mit eingebunden ist und man fast trockenen Schritts umsteigen kann (siehe Foto vorhin)

Statt dem Bahnhofslokal (Pizzeria) gibt es leider nur mehr einen Backshop.

Im alten Gmundner Bahnhofsresti (3. Juli 2013)
Gastgarten mit Barwaggon (3.7.2013)

Vom Gmundner Bf sind es nur knapp zweieinhalb Kilometer zum nächsten Halt, der Haltestelle Pinsdorf, wo alle Züge halten. Eigentlich sollte die Haltestelle schon umgebaut sein, aber im Sommer 2020 zeigt sich immer noch das alte vertraute Bild. Die Gemeinde Pinsdorf hat 4.000 Einwohner.

Am 23.8.2014 hält der von der Taurus 1116 197 IC/REX Wien – Stainach-Irdning in der Haltestelle Pinsdorf
Alte mechanische, aber bewährte, Arbeitsgeräte
1144 006 mit ihrem CS-Wendezug Richtung Attnang-Puchheim unterweg in der HS Pinsdorf (23.8.2014)

Zwischen Pinsdorf und dem nächsten Halt, dem Bf Aurachkirchen, unterquert die Salzkammergutbahn die Westautobahn, die auf einer weithin sichtbaren Brücke das ganze Tal der Aurach überspannt.

Aufnahmsgebäude Bf Aurachkirchen am 9. Juli 2011

Im Bahnhofsgelände von Aurachkirchen wurde – so sieht es zumindest das Auge eines in das Projekt nicht eingeweihten Betrachters – eine völlig überdimensionierte Unterführung für eine lokale Zufahrt errichtet – viel Beton für viel Geld für wenig Nutzer so wie es scheint und das, obwohl ein mit einem Schranken gesicherter Übergang vorhanden war. In Aurachkirchen, einer Ortschaft der Gemeinde Ohlsdorf, bleiben nur die Regionalzüge alle 2 Stunden stehen.

Bau der Unterführung (23.8.2014)

Nach Aurachkirchen wird die Aurach überquert und die Haltestelle Wankham, eine Ortschaft in der Gemeinde Regau, erreicht. Warum hier seit ein paar Jahren alle Züge stehenbleiben erscheint eigenartig, da aufgrund zahlreicher eigener Beobachtungen nicht gerade der Eindruck entsteht, dass dort viel Fahrgäste aus- oder einsteigen. Aber vielleicht wohnt ja dort ein „wichtiges Tier“??

Regionalzug CS-Wendezug In der Haltestelle Wankham (28.8.2014)

Nach der Haltestelle Wankham wird der Fluss Ager auf einer mächtigen Eisenkastenbrücke überquert, danach zweigt nach links eine Anschlussbahn zur S. Spitz GmbH (Nahrungs- und Genussmittel) ab.

Einfahrt in Attnang-Puchheim

In einer langgezogenen Rechtskurve wird die Bundesstraße B1 (Linzer Straße) unterquert und die Gleise der Salzkammergutbahn münden wie die Arme eine Flussdeltas in die Gleisanlagen des Bahnhofs Attnang-Puchheim.

Kurze Verschnaufpause im Bf Attnang-Puchheim bevor es wieder ins Salzkammergut zurückgeht – 22.8.2012 am traditionsreichen Bahnsteig 21 (Stumpfgleis), den es seit dem Bahnhofsumbau nicht mehr gibt . Lok 1144 092 „Schachbrettmuster“

  1. Teil 1 Überblick >>>
  2. Teil 2 Durchs Steirische Salzkammergut von Stainach-Irdning nach Bad Aussee >>>
  3. Teil 3 Durchs Koppental im Steir./OÖ-Grenzland  von Bad Aussee nach Obertraun >>>
  4. Teil 4 Durchs Innere Salzkammergut von Obertraun bis Ebensee >>>
  5. Teil 5 Durchs Äußere Salzkammergut von Ebensee über Gmunden nach Attnang-Puchheim (dieser Beitrag)

Alle Fotos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 15. Juni 2020; Letzte Ergänzung: 16.6.2020