Belgien_Linie130A Charleroi-Erquelinnes-Jeumont

Vereintes Europa? Eisenbahnübergänge Belgien – Frankreich: 3x Unterbruch, Teil 1: Erquelinnes (B) – Jeumont (F), Linie 130A (Infrabel)

Elektrotriebwagen der SNCB BR AM 73CR (Nummer 978) im Endbahnhof Erquelinnes, Grenzbahnhof zu Frankreich, ein mächtiger Gebäudekomplex

Die heute als Linie 130 A vom belgischen Infrastrukturbetreiber Infrabel so bezeichnete 29,7 km lange Eisenbahnstrecke von Charleroi  Sud über Thuin nach Erquelinnes und weiter nach Frankreich wurde im Jahr 1852 eröffnet. Die Konzessionäre (Betreiber) der Strecke waren:

  • Compagnie du chemin de fer de Charleroi à la frontière de France (bis 1854)
  • Compagnie du Nord – Belge (1854 bis 1940)
  • SNCB Société nationale des chemins de fer belges (1940 bis 2005)
  • Infrabel (seit 2005)

Die Strecke ist normalspurig, zweigleisig, Höchstgeschwindigkeit 120 km/h und seit 1965 mit 3.000 Volt Gleichstrom elektrifiziert. Von Beginn an war neben dem Personenverkehr der Güterverkehr von großer Bedeutung (Kohle, Stahl).

Deutlich sichtbar das Zugbeeinflussungssystem „Crocodile“ zwischen den Schienen zur Absicherung eines Vorsignals

Bis zur Einführung des HGV zwischen Belgien, Holland, Frankreich und Deutschland mit den Thalys-Verbindungen war die Strecke auch für den internationalen Fernverkehr von Bedeutung und es verkehrten hier u.a. auf der Relation Köln – Paris Gare du Nord die TEE 40/41 Molière und TEE 32/33 Parsifal (Hamburg-Altona – Paris Gare du Nord).

1988 wurde der Güterbahnhof von Erquelinnes aufgegeben, seit September 2012 enden die Regionalzüge von Charleroi in Erquelinnes und die Grenze bis zum Anschluss ans französische Eisenbahnnetz in Jeumont muss mit alternativen Verkehrsmitteln überbrückt werden.

Die Bahnstrecke ist entlang des Flusses Sambre trassiert und überquert dieses mäandrierende, gemütlich dahinfließende schiffbare Gewässer insgesamt 15x!

Die Sambre ist der Fluß des Hennegaus und fließt auch durch Charleroi

Auch einen Tunnel hat die Strecke, den 441 m langen Leernes-Tunnel.

Gleich braust der ET bei maximum Speed von der Brücke über die Sambre in den Doppelspurtunnel hinein


Die Stationen:

Charleroi Sud, Bf, km 0,0; 166 m

Gleich geht die Reise nach Erquelinnes los von Charleroi Sud. So schön gestaltet das Bahnhofsgebäude ist, aber die Lage der Bahnsteige unter Autobahnbrücken ist schon sehr gewöhnungsbedürftig und wirkt irgendwie triste! Der zweiteilige ET 978 (BR AM 73CR, ein Umbau von älteren Baureihen) mit adäquatem Platz für Reisende 1. Klasse (und das in einem Regionalzug) ist bereitgestellt (7.9.2017)
Neben dem ET nach Erquelinnes steht am Nachbargleis ein Dieseltriebwagen, der nach Corvin verkehrt, auf einer der letzten Dieselstrecken Belgiens

La Vilette, ehem. Hs, km 1,8

La Sambre, ehem. Hs, km 2,5

Marchienne-Zone, Bf, km 4,1

Jambe du Bois, ehem. Hs, km 4,5

Landelies, Bf, km 8,0

Hourpes, Hs, km 11,5

Thuin, Bf, km 14,9 (> Museumsstraßenbahn Tramway Lobbes Thuin (ASVi))

Gleise der Museumsstraßenbahn, die tw. parallel zur Linie der SNCB verlaufen

Lobbes, Bf, km 16,9 (> Linie 109 und zur Museumsstraßenbahn)

Fontaine-Valmont, Bf, km 21,8

Labuissière, Bf, km 23,7

Solre-sur-Sambre, Bf, km 25,7

Schöne alte Aufnahmsgebäude aber tw. sehr heruntergekommen, davor ein Blechunterstand. Man merkt in Wallonien, dass die Zeit der Steinkohle und des Stahls passe ist

Erquelinnes-Village, Hs, km 27,6

Hafen von Erquelinnes, wo die Binnenschiffe auf der Sambre eine Liegemöglichkeit haben

Erquelinnes, Bf, km 29,1 (>Linie 108)

Endpunkt für den Personenverkehr, über die Grenze nach Frankreich rollen nur dann und wann Güterzüge
Wie sich zeigen soll sind Aufnahmsgebäude und Nebengebäude für den heutigen Bedarf völlig überdimensioniert aber entsprechen wohl ihrer historischen Bedeutung
Das Bahnhofsareal wirkt irgendwie ausgestorben, aber angenehm
Nobel wirkt das langgestreckte Aufnahmsgebäude straßenseitig
Fast alles ist dicht
Das seit den 1980er dichtgemachte, heute völlig überdimensioniert wirkende Lagergebäude
Ein kleiner Teil des Bahnhofsgebäudes scheint ja noch belebt zu sein – sehr gut! Nichts wie hinein!
Das Bahnhofsresti ist noch in Betrieb und es sind auch einige Menschen da. Wie überall in Belgien hat es auch hier zahlreiche Biere vom Fass und in der Flasche. Eine für mich inspirierende Stimmung, leider fährt der Zug nach Charleroi bald wieder zurück und eine Stunde mehr hat mein enges Zeitbudget leider nicht. Aber hierher möchte ich gerne mal wiederkehren, hoffe, es ist dann noch Leben in der Bude!
So lässt sich auf die Abfahrt des Zuges warten. Das frisch gezapfte Leffe ist an diesem Tag gleichzeitig mein verspätetes Mittagessen. Die rustikalen Tischen haben sicher auch schon einiges erlebt – vielleicht auch die Durchfahrt der TEE-Züge Moliere und Parzifal. Der Schaffner weiß Bescheid dass ich mitfahren möchte und so kann ich mich bis zu seinem ultimativen Pfiff am frisch gezapften Bier aus der Abtei Leffe erfreuen

Grenze Belgien – Frankreich, km 29,7 (B) bzw. 239,7 (F)

Jeumont, Bf, km 237,8; 126 m (>Ligne de Creil à Jeumont)


Neu: Seit 2018 verkehren 2 als Intercity bezeichnete Zugpaare der SNCB auf der Relation Namur – Charleroi – Maubeuge (einige Kilometer nach Jeumont) allerdings ohne Halt in Erquelinnes und Jeumont. Um nach Jeumont zu gelangen muss man von Maubeuge mit einem Regionalzug (TER) eine Station retourfahren.

Ob und wann es wieder grenzüberschreitenden Nahverkehr zwischen Erquelinnes und Jeumont geben wird ist nicht bekannt.


Alle Fotos copyright DEEF/Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 27. Dezember 2019; Letzte Ergänzung: