Die Eisenbahnstrecke München-Markt Schwaben-Mühldorf-Simbach am Inn (Teil 1)

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- Teil 1: Geschichte der Gesamtstrecke + Bahnstrecke München Ost – Markt Schwaben – Dorfen – Mühldorf (Oberbay) >>>
- Teil 2: Bahnstrecke Mühldorf (Oberbay) – Neuötting – Simbach (Inn) >>>
Die Gesamtstrecke – Allgemeines
Die Eisenbahnstrecke von München (Ost) über Markt Schwaben-Dorfen-Mühldorf (Oberbay) nach Simbach am Inn an der Grenze zu Österreich ist eine 115 km lange Hauptbahn in Bayern, welche bis 1871 von den Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen eröffnet wurde. Als kürzeste Verbindung von München nach Wien wurde die Strecke auch vom berühmten Luxuszug „Orient-Express“ genutzt.
Von München bis Markt Schwaben ist die Strecke elektrifiziert, von Markt Schwaben über Mühldorf bis Simbach hat es Dieseltraktion. Die Strecke wird auch als ABS 38 (Ausbaustrecke) tituliert, die seit Jahren bereits ausgebaut werden sollte, um dem immer stärker werdenden Verkehr gerecht zu werden (Personen- und Güterverkehr). Allerdings zeigte sich auch bei meinen Befahrungen im Jahr 2025, dass die Strecke nach wie vor in einem technisch völlig veraltetem Zustand (eingleisig, Formsignale…) verharrt und den großen Worten der Politik und des Bahnbetreibers kaum Taten folgten.


Die Gesamtstrecke – Geschichte
Nachdem bis 1860 die Bayerische Maximiliansbahn, also die Verbindung von München über Holzkirchen und Rosenheim nach Salzburg von den Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen fertiggestellt wurde und auch die Bayerischen Ostbahnen von München aus Strecken nach Regensburg und nach Passau eröffnet hatten, blieben die Regionen dazwischen ohne Eisenbahnanbindung. Nach Diskussionen über verschiedene Streckenvarianten wurde der heutige Streckenverlauf festgelegt, auch weil mit dem Anschluss an das Österreichische Eisenbahnnetz bei Simbach/Braunau dies die kürzeste Strecke zwischen München und der Metropole Wien ist.
Am 24. September 1863 beschloss der Bayerische Landtag die Errichtung der Strecke auf „kürzestem Wege“ von München, Mühldorf und Neuötting nach Simbach am Inn, wo die Strecke dann am Grenz nach Braunau. Nach mehreren Verzögerungen (Geldmangel, preußisch-österreichischer Krieg) . Am 4. Juni 1867 konnte zwischen der bayerischen und die österreichischen Regierung schließlich den Staatsvertrag „Über den Bau und Betrieb einer Eisenbahn von München über Braunau zum Anschluße an die Kaiserin Elisabeth-Bahn bei Neumarkt“ geschlossen werden. Innert 3 Jahren soll die Strecke beiderseits der Grenze fertig sein (Anm.: Im 21. Jahrhundert trotz moderner Technik offensichtlich nicht mehr möglich).
Im Frühjahr 1868 begannen die Bauarbeiten an der Strecke, welche in 6 Bausektionen unterteilt war.

Weitere Meilensteine beim Bau
20. Dezember 1870: Aufnahme des Verkehrs auf österreichischer Seite durch die Kaiserin Elisabeth-Bahn von Braunau nach Neumarkt
15. März 1871: Betriebsaufnahme des 10 km langen zweigleisige Abschnitts von München (Hbf) nach Haidhausen (ab 1876: München Ostbahnhof)
1. Mai 1871: Feierliche Eröffnung Haidhausen (heute München Ost) nach Neuötting auf (die Innbrücke in Simbach wurde nicht rechtzeitig fertig)
1. Juni 1871: Der Rest-Abschnitt von Neuötting über Simbach nach Braunau in Betrieb über die 400 m lange Innbrücke ging in Betrieb
Die Strecke München Ost – Markt Schwaben – Dorfen – Mühldorf (Oberbay)

Die Eisenbahnstrecke von München Ost nach Mühldorf (Oberbay) ist knapp 75 km lang (München Ost km 0,0 – Mühldorf km 74,808. Von München bis Markt Schwaben ist die Strecke 2-gleisig und elektrifiziert sowie Teil des Münchner S-Nahn-Netzes (S2 Petershausen – München -Markt Schwaben – Erding). Ab Markt Schwaben bis Simbach ist die Strecke (noch) nicht-elektrifiziert sowie eingleisig mit der Ausnahme Ampfing-Mühldorf (Oberbay), wo seit 2010 (Ampfing-Altmühldorf) bzw. 2017 (Altmühldorf-Mühldorf) ein zweites Gleis zur Verfügung steht. (Anm.: Begonnen 2008 brauchte es für die knapp 8 km Strecke 9 Jahre um ein 2. Gleis zu verlegen!!). Die Streckenhöchstgeschwindigkeit liegt in kurzen Abschnitten bei 140 km/h.

Im „Bundesverkehrswegeplan 2030“ sind der verbleibende zweigleisige Ausbau von Markt Schwaben bis Ampfing und die Elektrifizierung der Strecke Markt Schwaben–Mühldorf–Freilassing (Bayerische Tauernbahn) als vordringliche Maßnahmen vorgesehen.

Betrachtet man die Ausbaugeschwindigkeit der letzten Jahre, so kann man doch erhebliche Zweifel äußern, dass dies in der angepeilten Zeit auch tatsächlich umgesetzt wird.

Die Stationen der Strecke München Ost – Mühldorf (Oberbay)
München Ost, Bahnhof (Bf), km 0,00;
München Leuchtenbergring, Bf, km 1,14
München Berg am Laim, Haltepunkt (HP), km 2,44
München Riem, Bf, km 6,22
Feldkirchen (b. München), Bf, km 10,18
Heimstetten, HP, km 12,44
Grub (Oberbay), HP, km 14,27
Poing, HP (ex Bf), km 16,32
Markt Schwaben, Bf, km 21,09 (> S2 nach Erding)






Hörlkofen, Bf, km 29,25


Walpertshirchen, HP (ex Bf), km 32,21 (> geplant Erding – Flughafen München)
Thann-Matzbach, Bf, km 38,5 (> ehemals nach Haag)

Dorfen Bahnhof, Bf, km 47,1 (> ehemals nach Velden)








Wasentegernbach (bis 1988), ehem. Bf, km 51,23
Schwindegg, Bf, km 53,96







Weidenbach, Bf, km 61,72


Ampfing, Bf, km 66,70







Mühldorf (Oberbay), Bf, km 74,81 (> siehe Mühldorfer Stern, diverse Linien der SOB)

Betreiber und Betrieb
Betreiber der Infrastruktur ist zwischen München und Mühldorf (Oberbay) die DB InfraGO, zwischen Mühldorf (Oberbay) und Simbach Grenze die DB RegioNetz Infrastruktur GmbH im Zuge des Regio-Netzes Südostbayernbahn.
Der Personenverkehr wird im Bereich „Linienstern Mühldorf“, zu der auch die hier dokumentierte Strecke gehört, durch die SOB (Südostbayernbahn) wahrgenommen. Der Vertrag zum Betrieb durch die SOB wurde von der BEG (Bayerische Eisenbahngesellschaft) zumindest bis 2035 verlängert.
Der Betrieb auf der Strecke München-Mühldorf wird primär durch Diesel-Lokomotiven der BR 218 und 245 durchgeführt, welche Doppelstockwagen ziehen oder schieben (Wendezugbetrieb). Vereinzelt verkehren auch Dieseltriebwägen der BR 628 in Doppeltraktion eingesetzt. Die Dieseltriebwagen der BR 628 sollen in den nächsten Jahren sukzessive auf dem ganzen „Linienstern Mühldorf“ durch Dieseltriebwägen der BR 642 ersetzt werden.
Im Nummernschema haben die Züge die Bezeichnung RB 40, die sporadische verkehrenden Regionalexpress-Verbindungen die Bezeichnung R4. Die Züge der RB 40 verkehren stündlich (so sie nicht ausfallen wie im Herbst 2025 oftmals) und benötigen für die Gesamtstrecke München Ost bis Mühldorf (Oberbay) +/- 1 Stunde (manche Stationen werden nicht stündlich bedient.
Der Güterverkehr ist nicht unbeträchtlich, verkehren auf dieser Strecke doch zahlreiche Güterzüge ins Bayerische Chemiedreieck (u.a. Burghausen). Daher ist ein Ausbau der Strecke wohl unabdingbar und sollte zeitnah! erfolgen.

Links
DB Regio Bayern >>>
Südostbayernbahn >>>
DB Infra Go >>>
DEEF-Dokumentation Bahnstrecke Mühldorf – Simbach >>> in Arbeit
DEEF-Doku Bahnstrecke Mühldorf-Freilassing (Bayerische Tauernbahn) >>>
DEEF-Doku Bahnstrecke Rosenheim – Mühldorf (Oberbay) >>>
DEEF-Doku Bahnstrecke Mühldorf – Tüßling – Burghausen >>>
DEEF-Doku Mühldorfer Stern >>>
DEEF-Doku Bahnstrecke Mühldorf-Vilsbiburg-Landshut >>>
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Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum
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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF
Erstmals Online publiziert: / page first published 28. November 2025; Letzte Ergänzung / page last modified 29.11.2025
