Eisenbahnstrecke Brescia – Iseo – Edolo (Iseobahn)

Allgemeines, Geschichte
Die 105 km lange normalspurige und nicht elektrifizierte Bahnstrecke Brescia – Iseo – Edolo liegt in der italienischen Provinz Lombardei.
Ein Höllenritt im ALn-Triebwagen durch mehrere Tunnel entlang des Iseosees 🙂
Die Eröffnung fand in mehreren Abschnitten statt:
Brescia–Iseo 21.06.1885
Iseo–Pisogne 8.07.1907
Pisogne–Breno 22.12.1907
Breno–Edolo 4.07.1909

Betreiber, Betrieb, Fahrzeuge
Betreiber der Strecke ist ein Tochterunternehmen der FNM (Ferrovie Nord Milano), die Le Nord. Frühere Betreiber waren Società Meridionale (1885-1905), FS (1905-1907), SNFT (Società Nazionale Ferrovie e Tramvie, 1907-1987) sowie Consorzio Brescia Nord (1988-1992).
Seit 2008 gibt es auf der Strecke einen Taktfahrplan, als Ergebnis sieht man sehr oft sehr volle bis übervolle Züge – wieder ein Beweis dafür, wo ein attraktives Angebot gemacht wird dort nutzen die Fahrgäste das auch. Auf der Gesamtstrecke bis Edolo sind Regional-Express Züge im Einsatz und zwar im 2-Stundentakt, dazwischen ebenfalls im 2-Stundentakt Regionalzüge, die im Regelfall bis Breno verkehren. In der Hauptverkehrszeit gibt es zusätzliche Verbindungen, so daß bspw. zu den Pendlerstoßzeiten morgens und abends tw. ein Halbstundentakt zwischen Brescia und Iseo existiert.
Die Fahrzeit Brescia-Edolo beträgt 2 Stunden, die Fahrt von Brescia nach Iseo dauert ca. eine halbe Stunde.
Neben den schon jahrzehntelang bewährten Triebwägen vom Typ ALn 668, die auf dieser Strecke oft 3-teilig im Einsatz sind (2 Triebwägen + Mittelwaggon) sind auch ganz neue klimatisierte Gelenk-Triebwägen von Stadler (Stadler GTW) im Einsatz.





Die Strecke
Die Fahrt ist als abwechslungsreich, entlang des Iseo-Sees mit den zahlreichen Tunnels durchaus als spektakulär zu bezeichnen. Von Brescia nach Iseo ist die Landschaft eben bis hügelig, die Triebwagen durchqueren dabei auch die Weingärten des Anbaugebietes „Franciacorta“, einer noch jungen DOCG Region in Italien. Neben Weiß- und Rotweinen gelten vor allem die Schaumweine (Franciacorta Bollicine) als Geheimtip und werden als die besten von ganz Italien bezeichnet – Franciacorta die Champagne Italiens.
Nach dem liebenswerten Städtchen Iseo mit zahlreichen guten Restaurants führt die Strecke dann alsbald direkt entlang der östlichen Steilküste des Iseosees, in den Felsen geht es von einem Tunnel in den nächsten, dazwischen herrliche Ausblicke auf dieses Naturjuwel.
Auf der Insel im See – Monte Isola – finden sich zahlreiche Olivenhaine, die zu herrlichen aber auch teuren Olivenölen verarbeitet werden. Auf dem See lohnt sich eine Schiffsfahrt, die übrigens ganzjährig mit einem attraktiven Fahrplan betrieben wird, wohnen doch auf der größten Insel in einem südeuropäischen See knapp 2.000 Bewohner in mehreren Ortschaften.
Danach zieht der Schienenstrang bis zum Endpunkt in Edolo durch die Tallandschaft Valcamonica, welche vom Fluss Oglio durchflossen wird, den die Bahn auch mehrmals übersetzt. Auf den Wochenmärkten der Gegend (u.a. auch in Iseo) werden zahlreiche agrarische Produkte der Valcamonica feilgeboten, darunter u.a. auch Honig und die für diese Gegend um Brescia bekannten gefüllten Teigwaren namens Casoncelli (ein Gedicht!). Je näher die Bahn zu ihrem Endpunkt Edolo kommt, desto imposanter wachsen die felsigen Berggipfel in die Höhe – das Valcamonica-Tal zieht sich hin bis zum Tonalepass (ehem. Grenze zu Österreich-Ungarn), über den es dann nur ein Katzensprung bis Mezzana im Val di Sole ist, Endpunkt der Nonstalbahn von Trient.
Von Edolo aus ist auch in ein anderes Tal nicht allzu weit, nämlich ins Veltlin und so haben vor allem die Schweizer Touristiker schon mal angedacht, einen Tunnel zwischen Edolo und dem Veltlin mit dem Endpunkt Tirano zu bohren, damit hätte man Anschluss an die Berninabahn und die Veltlinbahn. Schade daß es nicht mehr Eidgenossen in Planungsstellen für den Verkehr europaweit gibt, denn dann würde man wohl tatsächlich ein funktionierendes Netz an Eisenbahnen vorfinden in Europa und nicht nur Stückwerk. Aber zumindest einen Busanschluss von Edolo nach Tirano gibt es schon!
Die Bahnhöfe und Haltestellen
Brescia, km 0,0; > nach Verona-Venedig; nach Cremona-Parma; nach Mailand; nach Bergamo

Brescia, Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und mit knapp 200.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Lombardei nach Mailand. Die Stadt scheint auch in der UNESCO Weltkulturerbeliste auf und zwar unter dem Titel „Die Langobarden in Italien, Orte der Macht (568 bis 774 n. Chr.)“.

Borgo San Giovanni, Bahnhof, km 2,5
Mandolossa, ehem. Haltestelle bis 2008, km 5,5
Castegnato, Bahnhof, km 9,1
Paderno, Haltestelle, ehem. Bahnhof, km 12,1 (> ehem. Streckenführung über Monterotondo bis 1941)
Passirano, Bahnhof, km 14,1

Bornato-Calino, Bahnhof, km 16,7 / km 0,0; 193 m.ü.d.M. (Abzweigung Strecke nach Rovato)

Borgonato-Adro, Bahnhof, km 4,1
Provaglio-Timoline, Haltestelle, km 6,0 (> ehem. Streckenführung über Monterotondo bis 1941)
Iseo, Bahnhof, km 9,0 / km 0,0 (> ehem. Strecke zum See / Schiffsanleger)

Im Bahnhof von Iseo hat es auch eine Werkstätte sowie Abstellanlagen. 2x in der Vergangenheit gab es auch Gleise zum Schiffsanleger am See, man konnte also vom Zug direkt ins Schiff umsteigen.

Wer nah beim Geschehen authentisch nächtigen möchte mache es wie Chefred Dr. Populorum und miete sich ein Zimmer in der Locanda Diana direkt am Bahnhof Iseo Bahnsteig 1. Die Fahrkarten gibts beim netten Patrone in der Bar, ebenso wird dort das Frühstück eingenommen und man erfährt alle Neuigkeiten direkt aus erster Hand, denn diese Bar Diana ist die Informationsdrehscheibe des Ortes Iseo. Zum See und Altstadt sind es nur 5 Minuten zu Fuß.



Pilzone, Haltestelle, km 3,2
Sulzano, Haltestelle, km 5,6
Sale Marasino, Bahnhof, km 8,5
Marone-Zone, Bahnhof, km 12,0

Vello, Haltestelle, km 13,9


Toline, Haltestelle, km 18,9
Pisogne, Bahnhof, km 21,6




Piancamuno-Gratacasolo, Bahnhof, km 26,4
Artogne-Gianico, ehem. Haltestelle bis 2008, km 29,2
Darfo-Corna, Bahnhof, km 32,7
Der Bahnhof Darfo-Corna dient der bevölkerungsreichsten Gemeinde des Valcamonica, Darfo Boario Terme mit über 15.000 Einwohnern, als wichtigster Knotenpunkt des Öffentlichen Verkehrs. Die Terme und SPA Anlagen sind von überregionaler Bedeutung.

Boario Terme, Haltestelle, km 33,9

Erbanno-Angone, ehem. Haltestelle bis 1997, km 34,5
Pian di Borno, Haltestelle, km 37,6
Cogno-Esine, Bahnhof, km 39,8
Cividate-Malegno, Bahnhof, km 42,5
Eine Gemeinde dieses Namens gab es von 1928 bis 1947. Seither heißt die Gemeinde Cividate Camuno und hat 2.733 Einwohner. Malegno ist eine eigenständige Gemeinde mit knapp über 2.000 Einwohner.


Breno, Bahnhof, km 46,3
Breno (dt. Brenn) ist der Hauptort des Valcamonica und hat 4.853 Einwohner. Bis hierher gibt es werktags einen Stundentakt, ab Breno bis Edolo einen 2-Stunden-Takt.

Niardo-Losine, ehem. Haltestelle, km 49,6
Ceto-Cerveno, Haltestelle, km 51,8
Capo di Ponte, Bahnhof, km 56,2
Der Ort Capo di Ponte mit knapp 2.500 Einwohnern liegt im mittleren Valcamonica und hat dem geschichtsinteressierten Reisenden in seiner näheren Umgebung die weltweit größten Fundstellen von prähistorischen Petroglyphen anzubieten. Die ca. 300.000 Felsritzungen wurden bereits 1979 in die UNESCO Weltkulturerbeliste aufgenommen, als erste überhaupt in ganz Italien.

Sellero, Haltestelle, km 58,8
Cedegolo, Bahnhof, km 61,0
Forno d’Allione, Haltestelle, km 65,0
Malonno, Bahnhof, km 68,5

Sonico, Haltestelle, km 74,4
Edolo, Bahnhof, km 77,0

Abzweigende Strecke
Vom Bahnhof Bornato zweigt die ab 1911 in mehreren Etappen erbaute Bahnlinie nach Rovato und weiter nach Cremona ab, wobei der Abschnitt Rovato-Cremona abgebaut ist, während der Abschnitt Bornato-Rovato im Jahr 2009 reaktiviert wurde.
Weiterführende Projekte
In einem quasi 2-Stunden-Takt gibt es von Edolo nach Tirano über den Apricapass (Strasse übrigens unter Österreichischer Ägide gebaut) einen Schienenersatzverkehr. Auf der Passhöhe der mondäne Schiort Aprica, der mich irgendwie an Obertauern erinnert hat. Die Fahrt war übrigens in meiner Lombardei-Netzkarte inkludiert. Ende des 19. Jhd. war vom Endpunkt der Berninabahn in Tirano eine Schmalspurbahn über den Apricapass und Tonale (tw. Tunnel) nach Trient geplant, das leider nicht verwirklicht wurde.

Zusammen mit den Projekten am Ofenpass sowie der Reschenscheideckbahn (Landeck-Mals) und mit dem Netz der Rhätischen Bahn könnte sich heute ein Vorzeigeprojekt von nachhaltigem Öffentlichen Verkehr mit Schwerpunkt Tourismus zeigen – allerdings kam der Weltkrieg Nummer 1 dazwischen.
Und unseren heutigen Politikern und Verkehrsplanern ist so eine Leistung leider kaum mehr zuzutrauen.
Treno dei Sapori
Der Zug der Genüsse ist ein touristische Produkt von Le Nord, das speziell auch von Italienern gerne gebucht wird. Entlang der Strecke des Iseosees die Landschaft genießen, dazu ein mehrgängiges Menü begleitet von herrlichen Weinen des Franciacorta oder ein Besuch mit dem Zug in einem Weingut mit Verkostung. Wichtig vorher reservieren, denn die Touren sind gerne mal ausgebucht!

Links
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DEEF-Kategorie Eisenbahnen in Italien >>>
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Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum
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redaktion@dokumentationszentrum-eisenbahnforschung.org
Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF
Erstmals Online publiziert: / page first published 10. Juli 2017; Seiten-Relaunch 15.2.2026; Letzte Ergänzung / page last modified 15.2.2026
