Die alte Brennerbahn – Eine eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen nach Waidbruck (Teil 2)

Gewidmet meinem Lehrmeister für Geographie an der Universität Salzburg
o.Univ. Prof. Dr. Helmut Heuberger 1923 – 2011
Ein aufrechter Tiroler und wahrer Freund Südtirols
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- Teil 2: Kardaun – Blumau >>>
- Teil 3: Blumau – Atzwang >>>
- Teil 4: Atzwang – Waidbruck >>>
Teil 2: Kardaun – Blumau
Zwischen Kardaun und Blumau verschwindet die Brennerbahn seit 1998 im 3.939 m langen Kardauntunnel. Dadurch wurde eine Verkürzung der Fahrzeit sowie eine erhöhte Sicherheit vor Steinschlägen, Muren etc. durch das schluchtartige Eisacktal erreicht. Zwischen Kardaun und Klausen verengt sich das Eisacktal ja tw. schluchtartig und so nimmt es nicht wunder, daß der ursprüngliche Weg nach Bozen diesem natürlichen Hindernis auswich und von Kollmann (Gemeinde Barbian zw. Waidbruck und Klausen) über den Ritten nach Bozen führte. Allerdings war dieser Weg beschwerlich und länger. Der sogenannten Kuntersweg, errichtet vom Bozner Kaufmann Heinrich Kunter im Jahr 1307, war dann trotz Wegezoll eine willkommene Alternative. Auch die Brennerbahn folgte dann dem Weg durch die auch als Via Mala Südtirols bekannte Eisackschlucht.

Nachdem die neue Eisenbahntrasse im Kardauntunnel verschwunden ist, verläuft der Radweg einige hundert Meter näher beim Eisack als es die alte Brennerstrecke wohl getan hat – ihre Spuren verlieren sich nach dem „Tohuwahpohu der Strassenkreuzungen“ und der neuen Eisenbahntrasse („Kardauner Verkehrsspinne“) für eine kurze Wegstrecke.

Doch dann geht es auf dem alten Eisenbahntrassee stetig ansteigend gen Norden. Der ehem. Haltepunkt Kardaun liegt auf einer Seehöhe von 283 m, der Bahnhof von Blumau auf 315 m. Relikte auf der Strecke in Form von Signalen oder Kilometerangaben sucht man allerdings vergebens. Hier muß man sich schon fragen, warum man nicht einige Zeugen der Eisenbahngeschichte als „Denkmäler“ stehen gelassen hat. Ein Teil der alten Eisenbahntrasse wurde für den Radweg asphaltiert, daneben verläuft einen Großteil der Strecke parallel dazu eingegraben eine Erdgasleitung.









Es finden sich im vorbildlich beleuchteten Tunnel noch einige Relikte in Form von Schildern an den Wänden. Zu bedauern ist, daß sämtliche Fluchtnischen unsensiblerweise zubetoniert! wurden – war sicher mit einigen Kosten verbunden und gleichzeitig wurde der historische Tunnel damit entstellt!

Das Nordportal des „Hochklausner Tunnels“ – von der Kameraposition auf dem Schotterweg im Rücken des Fotographen (siehe Foto vorhin) sind es ca. 300 m durchs Gestrüpp und man steht direkt vor dem Nordportal des Kardauntunnels im Gleisbereich.
Der neue Weg biegt nach dem Hochklausner-Tunnel etwas nach rechts ab und führt über das Portal des neuen Kardauntunnels hinweg auf die andere Seite der Gleise Richtung Bahnhof Blumau.

Bahnhof Blumau
„Das Aufnahmsgebäude entspricht der Klasse II/III der Typologie des Architekten Wilhelm von Flattich. Hier handelte es sich um die gehobene Version dieses Typs mit Giebeln über den Mittelrisaliten sowohl auf der Eingangsseite als auch zum Bahnsteig hin. Das Gebäude ist bis zum Dachstock ganz in Granit gemauert. Die Eckrisaliten, der Sockel und die fingierten Fensterbögen sind grob bossiert, die Fenster- und Türumrahmungen sind glatt scharriert. Die oberen Fensterumrahmungen stützen sich unten auf die umlaufende Lisene, welche die beiden Geschosse trennt. Der Dachaufbau ist ganz in Holz ausgeführt. Die Endgiebel sind jeweils mit zwei Fenstern versehen – die Giebel der Mittelrisalite haben Blindfenster – und das weit vorkragende Dach zeigt nochmals fein detaillierte Holzverkleidungen in den Giebelspitzen.


Der Grundriss war klar gegliedert: neben dem durchgängigen „Vestibule“ waren rechts und links die Warte- bzw. Fahrdiensträume mit Billettverkauf und Gepäckablage angeordnet. Eine Treppe mit eigenem Zugang von außen führte in die große Wohnung im oberen Stockwerk“ (Zitat tecneum.eu).


Anstelle einer Bahnhofsrestauration im Bahnhofsgebäude wurde analog Klausen und Brixen von der Südbahngesellschaft mit einem Hotelier ein Vertrag über einen Hotelbau für Bewirtung und Unterkunft der Reisenden geschlossen. Das in fußläufiger Entfernung dazu errichtete Hotel Schlosshof im Stile einer großbürgerlichen Ferienvilla altösterreichischer Prägung ist nach wie vor als Restaurant und Hotel geöffnet.



Forderung: Warum der Bahnhof von Blumau für den Personenverkehr stillgelegt wurde, das versteht kein Mensch. Seit jeher war und ist Blumau ein verkehrsgeographisch wichtiger Punkt, der nicht nur für die örtliche Bevölkerung sondern auch für den Fremdenverkehr bedeutungsvoll ist. Es ist ein Unding, Reisende Richtung Bozen wie in Richtung Waidbruck/Brixen statt in kürzester Zeit auf der modernst ausgebauten Schiene sie in Busse zu verfrachten. Die Fahrt dauert länger und belastet unsinnigerweise die ohnehin stark frequentierten Strassen und somit auch die Umwelt.
Es wird daher eindringlich empfohlen, den Bahnhof Blumau für den Personenverkehr wieder zu öffnen!

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Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum
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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF
Erstmals Online publiziert: / page first published 27. Dezember 2011; Seiten-Relaunch 6.1.2925; Letzte Ergänzung / page last modified 6.1.2025
