Brennerbahn Wanderung Bozen-Waidbruck Teil 3

Die alte Brennerbahn – Eine eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen nach Waidbruck (Teil 3)

Brennerbahn Bozen-Waidbruck Eisenbahn-Archäologie Südtirol
Einfahrt in den Schlerntunnel (Foto Archiv Dr. Michael Populorum)

Gewidmet meinem Lehrmeister für Geographie an der Universität Salzburg
o.Univ. Prof. Dr. Helmut Heuberger 1923 – 2011
Ein aufrechter Tiroler und wahrer Freund Südtirols

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  • Teil 1: Bozen – Kardaun >>>
  • Teil 2: Kardaun – Blumau >>>
  • Teil 3: Blumau – Atzwang >>>
  • Teil 4: Atzwang – Waidbruck >>>

Teil 3: Blumau – Atzwang

Zwischen Blumau und Waidbruck verschwindet die Brennerbahn seit 1994 im 13.307 m langen Schlerntunnel. Dadurch wurde eine Verkürzung der Fahrzeit sowie eine erhöhte Sicherheit vor Steinschlägen, Muren etc. durch das schluchtartige Eisacktal (Via Mala Südtirols) erreicht. Statt zahlreicher kürzerer Tunnel und Galerien der alten Strecke ist nur mehr 1 Neubautunnel zu warten.

Nachdem die neue Eisenbahntrasse im Schlerntunnel verschwunden ist (Foto oben „Einfahrt in den Schlerntunnel Südportal von Blumau kommend“) kommt der Radweg sofort auf die alte Trasse, wo Richtung Bahnhof Blumau noch Schienen im Gleisbett zu sehen sind. Die Trasse steigt leicht aber stetig gen Norden an – der Bahnhof Blumau liegt auf 315 m Seehöhe, der ehemalige Haltepunkt Völsersteg auf 340 m und der ehemalige Bahnhof Atzwang (italienisch Campodazzo) auf 373 m.

Brennerbahn Bozen-Waidbruck Eisenbahn-Archäologie Südtirol Tunnel
Tunnel Nr. 1, Länge 17 m. Anm.: Längenangabe lt. Schild, Tunnel / Galerie bezeichnet entweder Tunnel, Galerie, Steinschlaggalerie oder Mischformen
Brennerbahn Bozen-Waidbruck Eisenbahn-Archäologie Südtirol Tunnel
Tunnel / Galerie Nr. 2, Länge 120 m

Der Streckenabschnitt Blumau bis Atzwang ist für den eisenbahnaffinen Wanderer sicher das Highlight der Wanderung, sind doch nicht weniger als 9 Altbautunnel bzw. Galerien zu durchwandern. Zahlreiche Radler begegnen dem einsam bergan wandernden Eisenbahnforscher, die meisten nutzen das Gefälle und radeln von Nord nach Süd. Dieses Vergnügen auszukosten hat sich der an diesem heißen Septembertag bergan Wandernde für das nächste Jahr vorgenommen.

Brennerbahn Bozen-Waidbruck Eisenbahn-Archäologie Südtirol Tunnel
In der Galerie Nr. 2 – rechts z.T. blanker Fels, links die Stützmauern gehen direkt zum Ufer des Eisack
Brennerbahn Bozen-Waidbruck Eisenbahn-Archäologie Südtirol Tunnel
Blick zurück unmittelbar vor der ehem. Station „Völsersteg“ (auch Völsersteig genannt) – es wird kräftig gebaut, links nicht sichtbar ein grosses Umspannwerk und der Versorgungs- und Rettungstunnel „Steg“ in den Berg hinein zum Schlerntunnel
Brennerbahn Bozen-Waidbruck Eisenbahn-Archäologie Südtirol Tunnel
Die ehemalige Station Völsersteg – rechts das nun bewohnte ehem. Wärterhaus (wurde aufgestockt, Originalbau von 1867), links daneben als Gartenhütte das hölzerne Stationsgebäude von 1898 (Typus „Kastelruth“ v. Architekt Flattich), welches offensichtlich in den letzten Jahren weiß angemalt wurde (original braunes Holz).. Rechts ca. 100 m das Umspannwerk
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Der kürzlich renovierte Holzsteg vom ehem. Haltepunkt der Brennerbahn über den Eisack führt zur Staatsstraße und dem dort gelegenen Wirtshaus Steg. Die Station hatte früher eine grosse touristische Bedeutung. Sie war von 1898 bis ca. 1970 in Funktion.
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Tunnel Nr. 3, Länge 40 m
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Im Südportal von Tunnel Nr. 3 findet sich die Jahreszahl 1921
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Blick vom ausgemauerten Tunnel Nr. 3 zum Tunnel Nr. 4
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Tunnel Nr. 4, Länge 60 m
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Tunnel / Galerie Nr. 5, Länge 240 m
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Tunnel Nr. 5 innen, Übergang in die Steinschlaggalerie
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Rückblick Tunnel/Galerie Nr. 5
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Tunnel / Galerie Nr. 6, Länge 60 m
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Tunnel / Galerie Nr. 6 innen, tw. mit Graffitis
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Tunnel / Galerie Nr. 7, Länge 70 m
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Blick von Tunnel / Galerie 7 zum Tunnel 8
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unnel 8 direkt hinter dem Betonsockel der den Eisack querenden Brennerautobahn
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Tunnel Nr. 8, wieder ein „echter Tunnel“ Länge 180 m
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Rückblick vom Tunnel 8 zur Galerie 7
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Eine Mure / Steinlawine wird beseitigt direkt vor der Steinschlaggalerie von Tunnel Nr. 9
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Innen in Galerie / Tunnel Nr. 9, Länge 150 m
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Geschafft, die Tunnelorgie ist vorbei und der Raum Atzwang erreicht. Rückblick auf das Nordportal von Tunnel 9, Kameraposition auf der Steinbogenbrücke (2 Bogen) über den Eisack

In einem liebevoll restaurierten Objekt des ehemaligen grossen Umspannwerks Atzwang lohnt sich unbedingt zur Rast und Labung einzukehren! Einkehrtip: In der „Radstation BIOS“ kredenzt Pius Rungger Speis´und Trank aus bester Bio-Produktion, vieles davon von seinem „Partschiller Hof“ in Völs.

Brennerbahn Bozen-Waidbruck Eisenbahn-Archäologie Südtirol Tunnel
Einkehr in der Radstation BIOS, früher zum Umspannwerk gehörig

Gleichzeitig mit dem schon etwas müden Eisenbahnforscher trafen noch 2 Einheimische sowie ein Radler aus Bozen ein und es entwickelte sich bei guten Tropfen ein wohlfeiles Gespräch mit viel Lokalkolorit. Sitzmöglichkeiten Innen und auch im Garten, wo man zum Nebengebäude (siehe historisches Foto unten) noch Schienen im Schotter findet. Partschiller Hof siehe >>>


Einige historische Fotos von Atzwang

Danke an Pius Rungger für die Fotos und das OK zur Veröffentlichung

Brennerbahn Bozen-Waidbruck Eisenbahn-Archäologie Südtirol Tunnel
Hier sieht man die 2 bögige Steinbrücke über den Eisack, links geht es in den 150 m langen „Tunnel Nr. 9“, rechts das große nicht mehr existente E-Werks-Haus
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Umspannwerk Atzwang mit den beiden noch bestehenden Gebäuden, heute Radstation BIOS
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Alte Ansicht als Atzwang nur Atzwang und nicht Campodazzo hieß. Man erkennt die schon existierende Brennerbahn, die dem Eisack durch den Einschnitt der „Via Mala“ / „Kuntersweg“ folgt
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Historischer Turmwagen der FS im Bahnhof Atzwang (1950er Jahre??)
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Bahnhof Atzwang und Umspannwerk mit Gebäuden. Hier hat sich sehr viel verändert, löblich, daß 2 Gebäude erhalten und renoviert wurden (Radstation BIOS)

Der Bahnhof Atzwang

Der Schienenstrang vor dem Aufnahmgsgebäude Bahnhof Atzwang wurde für den Ausbau der Staatsstrasse genutzt, nur ein kleiner Teil davon wird vom Radweg genutzt.
„Der Bahnhof von Atzwang bestand bei seiner Eröffnung aus einem Aufnahmsgebäude der Klasse IV der Bahnhofstypologie von Architekt Wilhelm von Flattich. Es hat nur zur Eingangseite einen Giebel über dem Mittelrisalit, über der Fassade der Gleisseite läuft die Traufe des Satteldaches durch. Das Gebäude wurde aus Grauwacke gemauert, mit bossiertem Sockel und Fensterbögen, die Giebel sind in Stein hochgezogen und weisen jeweils ein Rundfenster – auch über dem Mittelrisalit – auf. Das weit vorstehende Dach hat in den Giebelspitzen die bei diesem Typ üblich schön detaillierte Holzverzierungen. Dem zentralen „Vestibule“ waren der Warteraum und die Fahrdienstleitung mit Billettverkauf zugeordnet. Im Obergeschoß befand sich eine 4-Zi. Wohnung mit Nebenräumen.

Brennerbahn Bozen-Waidbruck Eisenbahn-Archäologie Südtirol Tunnel
Bahnhofsgebäude Atzwang. Wo einst die Schienen lagen verläuft nun eine Straße

Die Abortanlagen waren ursprünglich – vom Aufnahmsgebäude abgesetzt – als Typenhäuschen mit Pultdach in Holzkonstruktion ausgeführt und wurden später durch einen gemauerten und verputzten Anbau ersetzt, dessen Satteldach an die Giebelfront des Hauptgebäudes anschloss um einen direkten überdeckten Zugang zu den Geleisen zu ermöglichen, da vom zentralen Eingangsraum in unsinniger Weise ein Raum für den Bahnhofsvorsteher abgeteilt wurde und somit nur noch ein Zugang von der Gleisseite in die übrigen Räume möglich war.“ (Quelle: tecneum.eu)

Brennerbahn Bozen-Waidbruck Eisenbahn-Archäologie Südtirol Tunnel
Der zugemauerte Bahnhof von Atzwang. Warscheinlich wird sich bei dem Anblick jeder halbwegs zivilisierte und kulturinteressierte Mensch fragen: „Wo bleiben denn da der Denkmalschutz“????

Empfehlung: Die Holzkonstruktion Station Völsersteg sowie das steinerne Bahnhofsgebäude in Atzwang als Relikte dieser großartigen Ingenieursleistung und Kulturgut „Brennerbahn“ müssen bewahrt (Denk-/Ensembleschutz) und vor allem das Gebäude in Atzwang revitalisiert werden. Die alte Brennereisenbahn entlang des Kuntersweges durch die Eisackschlucht – auch als Via Mala Südtirols bezeichnet – wurde mit viel Mühen errichtet und man kämpfte ob der Situierung der Strecke (direkt im Überschwemmungsgebiet des Eisack um Kosten zu sparen) immer mit den Unbillen der Natur.

Brennerbahn Bozen-Waidbruck Eisenbahn-Archäologie Südtirol Tunnel
Gedenktafel im Bahnhof Franzensfeste u.a. auch für die Opfer des 25. September 1927 – die meisten Reisenden gehen achtlos daran vorbei

Auch Tote waren zu beklagen:
1902 krachte ein Felsbrocken beim Hochklausnertunnel vor die Lok eines Schnellzuges, Lokführer und Heizer tot. Am 25. September 1927 stürzte bei Hochwasser ein Hilfszug in den Eisack, 20 Arbeiter verlieren ihr Leben. Es sei angeraten, von der Geschichte der Brennerbahn entlang der Strecke in Form von Schautafeln zu informieren. Das originale Bahnhofsgebäude von Atzwang wäre prädestiniert, ein kleines Museum zur Geschichte der Brennerbahn inkl. Bar/Buffet zu beherbergen.

Brennerbahn Bozen-Waidbruck Eisenbahn-Archäologie Südtirol Tunnel
Der letzte Zug hält im Bahnhof Atzwang. Lunedi 26. 9. 1994 – 7 Uhr 35, Zug Nummer 5402 # RIP

Teil 4 der Wanderung: Atzwang – Waidbruck >>>


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Eisenbahnarchäologische Wanderung Bozen – Waidbruck (Reader in 4 Teilen)

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DEEF-Dokumentation über die Brennerbahn >>>

Betreiber Trenitalia >>>

DEEF Doku Eisenbahnarchäologische Wanderung Brenner – Gossensass (4 Teile) >>>


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Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: / page first published 27. Dezember 2011; Seiten-Relaunch 6.1.2925; Letzte Ergänzung / page last modified 6.1.2025