Die alte Brennerbahn – Eine eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen nach Waidbruck (Teil 3)

Gewidmet meinem Lehrmeister für Geographie an der Universität Salzburg
o.Univ. Prof. Dr. Helmut Heuberger 1923 – 2011
Ein aufrechter Tiroler und wahrer Freund Südtirols
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- Teil 1: Bozen – Kardaun >>>
- Teil 2: Kardaun – Blumau >>>
- Teil 3: Blumau – Atzwang >>>
- Teil 4: Atzwang – Waidbruck >>>
Teil 3: Blumau – Atzwang
Zwischen Blumau und Waidbruck verschwindet die Brennerbahn seit 1994 im 13.307 m langen Schlerntunnel. Dadurch wurde eine Verkürzung der Fahrzeit sowie eine erhöhte Sicherheit vor Steinschlägen, Muren etc. durch das schluchtartige Eisacktal (Via Mala Südtirols) erreicht. Statt zahlreicher kürzerer Tunnel und Galerien der alten Strecke ist nur mehr 1 Neubautunnel zu warten.
Nachdem die neue Eisenbahntrasse im Schlerntunnel verschwunden ist (Foto oben „Einfahrt in den Schlerntunnel Südportal von Blumau kommend“) kommt der Radweg sofort auf die alte Trasse, wo Richtung Bahnhof Blumau noch Schienen im Gleisbett zu sehen sind. Die Trasse steigt leicht aber stetig gen Norden an – der Bahnhof Blumau liegt auf 315 m Seehöhe, der ehemalige Haltepunkt Völsersteg auf 340 m und der ehemalige Bahnhof Atzwang (italienisch Campodazzo) auf 373 m.


Der Streckenabschnitt Blumau bis Atzwang ist für den eisenbahnaffinen Wanderer sicher das Highlight der Wanderung, sind doch nicht weniger als 9 Altbautunnel bzw. Galerien zu durchwandern. Zahlreiche Radler begegnen dem einsam bergan wandernden Eisenbahnforscher, die meisten nutzen das Gefälle und radeln von Nord nach Süd. Dieses Vergnügen auszukosten hat sich der an diesem heißen Septembertag bergan Wandernde für das nächste Jahr vorgenommen.





















In einem liebevoll restaurierten Objekt des ehemaligen grossen Umspannwerks Atzwang lohnt sich unbedingt zur Rast und Labung einzukehren! Einkehrtip: In der „Radstation BIOS“ kredenzt Pius Rungger Speis´und Trank aus bester Bio-Produktion, vieles davon von seinem „Partschiller Hof“ in Völs.

Gleichzeitig mit dem schon etwas müden Eisenbahnforscher trafen noch 2 Einheimische sowie ein Radler aus Bozen ein und es entwickelte sich bei guten Tropfen ein wohlfeiles Gespräch mit viel Lokalkolorit. Sitzmöglichkeiten Innen und auch im Garten, wo man zum Nebengebäude (siehe historisches Foto unten) noch Schienen im Schotter findet. Partschiller Hof siehe >>>
Einige historische Fotos von Atzwang
Danke an Pius Rungger für die Fotos und das OK zur Veröffentlichung





Der Bahnhof Atzwang
Der Schienenstrang vor dem Aufnahmgsgebäude Bahnhof Atzwang wurde für den Ausbau der Staatsstrasse genutzt, nur ein kleiner Teil davon wird vom Radweg genutzt.
„Der Bahnhof von Atzwang bestand bei seiner Eröffnung aus einem Aufnahmsgebäude der Klasse IV der Bahnhofstypologie von Architekt Wilhelm von Flattich. Es hat nur zur Eingangseite einen Giebel über dem Mittelrisalit, über der Fassade der Gleisseite läuft die Traufe des Satteldaches durch. Das Gebäude wurde aus Grauwacke gemauert, mit bossiertem Sockel und Fensterbögen, die Giebel sind in Stein hochgezogen und weisen jeweils ein Rundfenster – auch über dem Mittelrisalit – auf. Das weit vorstehende Dach hat in den Giebelspitzen die bei diesem Typ üblich schön detaillierte Holzverzierungen. Dem zentralen „Vestibule“ waren der Warteraum und die Fahrdienstleitung mit Billettverkauf zugeordnet. Im Obergeschoß befand sich eine 4-Zi. Wohnung mit Nebenräumen.

Die Abortanlagen waren ursprünglich – vom Aufnahmsgebäude abgesetzt – als Typenhäuschen mit Pultdach in Holzkonstruktion ausgeführt und wurden später durch einen gemauerten und verputzten Anbau ersetzt, dessen Satteldach an die Giebelfront des Hauptgebäudes anschloss um einen direkten überdeckten Zugang zu den Geleisen zu ermöglichen, da vom zentralen Eingangsraum in unsinniger Weise ein Raum für den Bahnhofsvorsteher abgeteilt wurde und somit nur noch ein Zugang von der Gleisseite in die übrigen Räume möglich war.“ (Quelle: tecneum.eu)

Empfehlung: Die Holzkonstruktion Station Völsersteg sowie das steinerne Bahnhofsgebäude in Atzwang als Relikte dieser großartigen Ingenieursleistung und Kulturgut „Brennerbahn“ müssen bewahrt (Denk-/Ensembleschutz) und vor allem das Gebäude in Atzwang revitalisiert werden. Die alte Brennereisenbahn entlang des Kuntersweges durch die Eisackschlucht – auch als Via Mala Südtirols bezeichnet – wurde mit viel Mühen errichtet und man kämpfte ob der Situierung der Strecke (direkt im Überschwemmungsgebiet des Eisack um Kosten zu sparen) immer mit den Unbillen der Natur.

Auch Tote waren zu beklagen:
1902 krachte ein Felsbrocken beim Hochklausnertunnel vor die Lok eines Schnellzuges, Lokführer und Heizer tot. Am 25. September 1927 stürzte bei Hochwasser ein Hilfszug in den Eisack, 20 Arbeiter verlieren ihr Leben. Es sei angeraten, von der Geschichte der Brennerbahn entlang der Strecke in Form von Schautafeln zu informieren. Das originale Bahnhofsgebäude von Atzwang wäre prädestiniert, ein kleines Museum zur Geschichte der Brennerbahn inkl. Bar/Buffet zu beherbergen.

Teil 4 der Wanderung: Atzwang – Waidbruck >>>
Diese spannende Eisenbahnhistorische Wanderung als eigene Publikation mit noch mehr Fotos und Videos

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Links
Eisenbahnarchäologische Wanderung Bozen – Waidbruck (Reader in 4 Teilen)
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- Teil 2: Kardaun – Blumau >>>
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DEEF-Dokumentation über die Brennerbahn >>>
Betreiber Trenitalia >>>
DEEF Doku Eisenbahnarchäologische Wanderung Brenner – Gossensass (4 Teile) >>>
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Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum
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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF
Erstmals Online publiziert: / page first published 27. Dezember 2011; Seiten-Relaunch 6.1.2925; Letzte Ergänzung / page last modified 6.1.2025
