Imhofstollen Sportgastein Kolm Saigurn

Bergbau und Tourismus im hinteren Gasteinertal und Raurisertal # Teil 3: Der Imhofstollen Sportgastein/Nassfeld (Gasteinertal) nach Kolm-Saigurn (Raurisertal) – Touristisches Potential doch leider ungenutzt

Portal des Imhofstollens in Kolm-Saigurn (Juni 2021)

Der Imhofstollen ist ein 1911/1912 als Siglitz-Stollen angeschlagener 4,9 km langer Unterbaustollen (Basistunnel) , der seit Jänner 1945 das Nassfeld (Sportgastein) im Gasteinertal mit Kolm-Saigurn im Raurisertal (Hüttwinkeltal) auf Schienen mit einer Spurweite von 600 mm verbindet.

Benannt ist der Stollen nach dem Oberbergrat Dipl. Ing. Dr. Karl Imhof (* 14. 11. 1873 Aarau, CH;  † 19. 12. 1944 Salzburg), der sich nach seiner verdienstvollen Tätigkeit beim Bau des Tauerntunnels (Eisenbahn) nachfolgend große Verdienste um die Reaktivierung des Gold- und Silberbergbaus in den Hohen Tauern in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts erwarb. U.a. gründete Imhof die Zweiten Gewerkschaft Radhausberg, wobei der diesem Montanunternehmen auch als Direktor vorstand.

Die letzten Knappenhäuser in Sportgastein – oben Knappenwohnhaus, rechts leicht unterhalb die ehemalige Kantine. Unterhalb links der Bildmitte das ehem. Kraftwerk, rechts davor das Valeriehaus (Gasthaus). Das Portal des Imhofstollens befindet sich links des Knappenhauses – von der sichtbaren Straße zum Bockhardsee links einbiegen (Foto Mai 2010)

Der 1911/12 angeschlagene Unterbaustollen sollte die historischen (mittelalterlichen) Siglitz-Gruben unterfahren, um die dort vermuteten reichen Erzgänge auch durch mehrere Seitenstollen aufzuschließen, das Material abzutransportieren und um eine Verbindung der beiden Täler zwecks Erhöhung der Transportkapazitäten herzustellen. Aufgrund seiner Bedeutung wurde dieser Hauptstollen auch mit einem sehr großen Stollenprofil von 5,5 Quadratmeter ausgebaut.

Das Kraftwerk lieferte den für den Bergbau benötigten Strom. Die Turbinen wurden vom zugeleiteten Wasser des Bockhardtsees angetrieben. Heute ist das Kraftwerk ein sehenswertes Museum und Kleinod der Bergbaurelikte der Hohen Tauern (Juni 2021)

Vom Anschlag bis zum Durchschlag vergingen allerdings über 30 Jahre und zwar aufgrund von 2 Weltkriegen, Wirtschaftskrisen und auch einer geringeren Höffigkeit der aufgefahrenen Erzgänge. Christof Exner formulierte 1949 in seiner Arbeit „Das geologisch-petrographische Profil des Siglitz-Unterbaustollens zwischen
Gastein- und Rauristal“ wie folgt:

„Das östliche Mundloch befindet sich bei den Knappenhäusern im Naßfeld in 1625 m Seehöhe. Das westliche Mundloch liegt im Wald nahe der Unteren-Durchgang-Alm bei Kolm-Saigurn in 1656 m Seehöhe. Der Stollen folgt mit einigen Abweichungen annähernd der Richtung N 80° W . Der Vortrieb vollzog sich allein vom östlichen Mundloch aus. Hier im Naßfeld wurde der Stollen im Jahre 1911 angeschlagen. Im Jahre 1922 stand der Feldort bei M. 2155 (sämtliche im folgenden genannten Stollenmeterangaben sind als Entfernungen vom östlichen Mundloch zu verstehen). Der Bergbau kam 1927 zum Erlahmen. Die Wiederaufnahme des Bergbaues (1938) sah neben der Fortführung der Aufschlußarbeiten den Durchstich ins Rauristal (Hüttwinkeltal) vor, weil die Zufahrtstraße im Engtal der Gasteiner Ache zwischen Böckstein und Naßfeld beinahe alljährlich lawinenverschüttet ist. Als der Feldort im Mai 1944 bereits bei M. 4460 stand, wurde infolge der Kriegsverhältnisse angeordnet, den Vortrieb abermals einzustellen und den Stollen auszurauben. Auf Privatinitiative wurde jedoch der Durchschlag nach Kolm-Saigurn trotzdem vollführt (Jänner 1945). Heute ruht der Bergbau. Der Siglitz-Unterbaustollen wird von der Gewerkschaft Radhausberg instandgehalten und dient seit 1947 mit behördlicher Genehmigung der fahrplanmäßigen Personenbeförderung zwischen Naßfeld und Kolm-Saigurn mittels elektrischen Grubenzuges (Abkürzung des touristischen Aufstiegsweges von Gastein auf den Hohen Sonnblick und Zwischentalverkehr der einheimischen Bevölkerung)“.


Touristischer Verkehr

1947 wurde der Gewerkschaft Radhausberg die Genehmigung erteilt, Touristen mittels einer elektrischen Akkulokomotive, 2 Mannschaftswagen plus 1 Gepäckswagen vom Naßfeld nach Kolm-Saigurn zu transportieren. Zwischen 1947 und 1951 wurden jährlich ca. 3.500 Personen befördert, danach musste der Personenverkehr aufgrund behördlich vorgeschriebener aber nicht finanzierbarer Sicherheitsstandards eingestellt werden.

Akkulok wie sie im touristischen Verkehr eingesetzt wurde. Sie steht als Lokdenkmal vor dem ehem. Kraftwerksgebäude, das heute als Museum dient (Juni 2021)

Ende der 1980er Jahre / Anfang 1990er Jahre wurde ein neuerlicher Versuch zur touristischen Nutzung des Imhofstollens inklusive Schaubergwerk gestartet. Nach Sanierungsmaßnahmen 1988 (u.a. auch neue Stollenportale) erfolgte ab 1991 probeweise die Inbetriebnahme von Durchfahrtbetrieb und Schaubergwerk, wobei pro Zug für die halbstündige Fahrt 32 Personen befördert werden durften. Zum Einsatz kamen kamen eine Akku-Lok und für den Personentransport geeignete Waggons, wobei bei den Fahrten im Bereich des Dionysganges die Erzführung besichtigt werden konnte. Zwischen Juli und Oktober 1992 sowie 1993 wurden zwischen 3.400 und 4.000 Personen befördert. Aufgrund neuer Sicherheitsauflagen seitens des Ministeriums, geringe Rentabilität sowie Vorbehalte der Rauriser Bevölkerung führten Ende 1993 wiederum zur Einstellung der Besucherbefahrungen. Wie mir ein Insider aus Gastein mitteilte, soll der damalige Landeshauptmann von Salzburg Hans Katschthaler, ein gebürtiger Pinzgauer aus der Gemeinde Embach, gegen das Gasteiner Projekt insistiert haben. Jedenfalls liegt seit 1993 der Imhofstollen brach, die Eingänge sind versperrt und abgesehen von bergbaumäßig notwendigen Begehungen wird der Imhofstollen nicht mehr betreten.

Folgende Fotos entstanden – so wurde mir im ehem. Kraftwerk gesagt – bei der letzten Kontrollbegehung des Imhofstollens ca. 2015 und belegen, dass an nur wenigen Stellen ein Unterbruch besteht. Die Fotos befinden sich im ehem. Kraftwerk.


Nota bene: Große Bedeutung wäre dem Imhofstollen im Rahmen des (leider nicht – oder gottseidank nicht) verwirklichten Projektes der Erschließung des Scharecks (und des Mölltaler Gletschers) von Sportgastein aus mittels einer großen 3-Seil-Pendelbahn in 2 Sektionen Mitte der 1970er Jahre zugekommen – mit einer im Imhofstollen verlaufenden Standseilbahn sollten u.a. die Skifahrer, die vom Schareck nach Kolm-Saigurn abgefahren waren, nach Sportgastein zurücktransportiert werden. Natürlich nicht auf diese abenteuerliche Art und Weise wie die „rustikalen“ Besucherbefahrungen, sondern mit einer modernen „Gebirgs-U-Bahn“.


Zukunft

Hat der Imhofstollen eine Zukunft oder ist seit der Kaprun-Katastrophe im Jahr 2000 und den daraufhin erfolgten Verschärfungen der Sicherheitsbestimmungen endgültig der Ofen aus? Ich pflege immer zu sagen: „Wo ein Wille da auch ein Weg!“ Und das gerne benutzte Killerargument „Nationalpark“ oder „Umweltschutz“ lasse ich hier nicht gelten, denn eine „Gebirgs-U-Bahn“ ist weder an der Oberfläche sichtbar noch gehen von ihr Umweltschäden aus. Ich sage eindeutig JA zu einer solchen Verbindung der beiden Salzachtäler, welche neben touristischen Aspekten auch das Thema Nachbarschaft und Sicherheit tangiert. Sollte es zu einem Projekt in dieser Richtung kommen, so würde ich mich freuen, meine Kreativität und Kompetenz mit einbringen zu dürfen!


Noch einige Fotos vom „Portal“ in Sportgastein sowie vom Portal in Kolm-Saigurn.

Der betonierte Eingang (Portal) ist mit Holzlatten zugebrettert (Juni 2021)
Die Gleise machen eine 90-Grad-Kurve nach links in den Imhofstollen hinein. Der Damm mit Steinen zeigt den Gang des Stollens, der erst nach ca. 200 m in das feste Kristallin des Gebirges taucht
Schienenreste
Die Gleise Spurweite 600 mm führen knapp 100 m aus dem Stollen heraus. Im Hintergrund der Talschluss des Nassfeldes mit den Hohen Tauern (Schareck)
Wie es heißt befindet sich das Portal an lawinensicherer Stelle.
Mit meiner kleinen „Spionagekamera“ konnte ich in einer kleinen Lücke durch die Bretter hineinfotographieren. Im rechten Winkel nach links geht es Richtung Kolm-Saigurn
Nach rechts sieht man eine Tür – war da früher eine Lok eingestellt?? Wie weit geht es nach rechts noch hinein?? (Juni 2021)

Kolm-Saigurn: Blick auf den Hohen Sonnblick (links, 3.106 m) und rechts den Hocharn (3.254 m). Hinter dem Fotographen im Wald befindet sich das westliche Portal des Imhofstollens
Noch immer grüßt ein Schild die imaginären Gäste aus dem Stollen
Fotos Juni 2021. Die Anfahrt erfolgte ab Salzburg Hbf mit dem Zug bis Taxenbach-Rauris und von dort mit Postautobus bis Kolm-Saigurn. Für die Nutzung der Mautstraße ist im Postbus 1 Euro Zuschlag zu zahlen
Im Bereich des westlichen Mundlochs ist der Gang mit Spritzbeton bearbeitet. Dort sieht es aus, als wäre der letzten Zug erst vor kurzem gefahren und der nächste taucht bald auf – dabei sind seither fast 30 Jahre vergangen
Das Gitter des Imhofstollens in Kolm-Saigurn ist nur mit einem Fahrradschloss abgesperrt, welches ab und an mal geknackt wird und Leute in den Stollen auf Expedition gehen. So ein Einheimischer

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Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum.

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 6. Juli 2021;  Letzte Ergänzung: 2.8.2021