Gleichenbergerbahn Feldbach-Bad Gleichenberg

Gleichenberger Bahn bzw. Lokalbahn (auch Landesbahn) Feldbach – Bad Gleichenberg

Der blaue ET Nr. 1 bei der Einfahrt in den Bf Feldbach Landesbahn am 29.4.2012

Die Gleichenberger Bahn ist eine normalspurige, eingleisige, mit 1.800 Volt Gleichstrom elektrifizierte 21,2 km lange Eisenbahnstrecke durch das oststeirische Hügelland von Feldbach an der Steirischen Ostbahn bis in den Kurort Bad Gleichenberg. Eine ursprünglich angedachte Verlängerung nach Bad Radkersburg wurde nie verwirklicht.

Nachdem bereits 1886 die ersten Überlegungen zum Bahnbau auftauchten dauerte es noch mehrere Jahrzehnte, bis am 10. Dezember 1928 die Konzession für 90 Jahre an 2 Grazer Persönlichkeiten vergeben wurde. Durch Hangrutschungen mit mehreren Toten bedingt erfolgte die Eröffnung der Strecke erst am 14. Juni 1931. Die Spannung in der Oberleitung betrug ursprünglich 1.500 Volt Gleichstrom, ab 1975 dann 1.800 Volt.

1932 erfolgte die Gründung der „Aktiengesellschaft Lokalbahn Feldbach–Bad Gleichenberg“, welche im gleichen Jahr noch eine Bewilligung zur Vornahme technischer Vorarbeiten einer Verlängerung nach Purkla zum Anschluss an die Radkersburger Bahn erhielt. Realisiert wurden die Planungen allerdings bis heute nicht. Am 30. Juni 1942 erfolgte die Auflösung der Aktiengesellschaft der Lokalbahn Feldbach–Bad Gleichenberg, die Konzession und das Vermögen wurde an das Land Steiermark übertragen, womit die „Lokalbahn“ zur „Landesbahn“ wurde. Auch heute noch ist der Eigentümer und Betreiber der Gleichenberger Bahn die Steiermarkbahn und Bus GmbH, angek. StB (bis 31. Mai 2018 Firmierung Steiermärkische Landesbahnen, abgek. STLB).


Die Stationen:

  • Feldbach, Bf, km 0,0; 280 m (> Steirische Ostbahn nach Graz bzw. St. Gotthard, Ungarn)
ET 1 am 29.4.2012 im Bf Feldbach kurz nach der Ankunft aus Bad Gleichenberg. Am neu errichteten Mittelbahnsteig fährt gerade ein Dieseltriebwagen Desiro von St. Gotthard kommend mit Destination Graz Hbf ein
ET 1 vor dem frisch renovierten Aufnahmsgebäude von Feldbach am 5. April 2018
Die Schienen teilen sich – im Hintergrund die Steirische Ostbahn Richtung Fehring, Jennersdorf, St. Gotthard
Brücke über die Raab
  • Feldbach Landesbahn, Bf, km 1,7; 290 m; Remise und Werkstatt
An einem prächtigen Sonnentag Ende April 2012 ging es mit dem ET1 nach Bad Gleichenberg. Einfahrt in den Bf Feldbach Landesbahn, nach rechts zweigen die Gleise zur Remise und Werkstatt sowie zum größten Güterkunden ab
Remisen
Baufahrzeug im Remisen-/Werkstattbereich
uriges Häuschen am Abzweig des Gütergleises – eventuell eine Waage?
ein frisch renovierter Personenwaggon in den Farben der Steirischen Landesbahnen
Abfahrt Richtung Bad Gleichenberg vom Bf Feldbach Landesbahn
Ich machte es mir im hinteren Führerstand bequem
  • Oed b. Feldbach Siedlung, Hs, km 3,3; 300 m
Die Holzunterstände an diversen Haltestellen passen gut in die Landschaft, allerdings muss man sich tw. schon die Frage nach der Funktionalität stellen. So wie bei diesem Unterstand, wo das Dach so winzig dimensioniert ist, dass ein vor den Elementen Schutzsuchender sicher nass wird. Oder von der Sonne verdörrt. Rational lässt sich dieses Phänomen wohl nicht erklären…
  • Oed b. Feldbach, Hs, km 4,3; 308 m

  • Prädiberg, Hs, km 7,5; 380 m

  • Fischa, Hs, km 9,6; 390 m

  • Burgfried b. Gnas, Hs, km 11,5; 405 m
Dieser strandkorbartige Unterstand ist entschieden funktioneller mit breiterem Dach

  • Gnas, Bf, km 12,3; 371 m
Die größte Station an der Strecke

  • Katzendorf in Steiermark, Hs, km 14,6

  • Maierdorf, Bf, km 15,2; 300 m

  • Hofstätten, Hs, km 17,3; 380 m

  • Trautmannsdorf in Oststeiermark, Hs, km 19,6; 310 m

  • Bad Gleichenberg, Bf, km 21,2; 269 m
Die Endstation ist erreicht
Das alte gemütlich wirkende Bahnhofsgebäude ist bereits für die Fahrgäste außer Nutzung gefallen, der Triebwagen hält vor dem Haltestellenkobel
Wäre doch fein wenn es hier weiterginge zur Radkersburger Bahn. Das würde dem Bähnle sicher gut tun, denn eine netzartige Verbindung ist immer erfolgversprechender als eine Stichbahn
Bad Gleichenberg ist einer der bekanntesten traditionellen Kurorte Österreichs
das alte Bahnhofsgebäude

Betrieb, Fahrzeuge:

Die Eisenbahnstrecke ist ca. doppelt so lang als die viel direkter verlaufende Straßenverbindung, da beim Bau viele Gemeinden Anschluss an die Bahn haben wollten. Heute ist das natürlich ein die Attraktivität mindernder Faktor. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 40 km/h, die größte Neigung beträgt 40 Promille, der kleinste Kurvenradius 140 m.

Full Speed

Die Fahrzeit für die Gesamtstrecke beträgt 33 Minuten, 4 tägliche Kurspaare werden aktuell mit der Bahn angeboten, Autobusse verdichten den Fahrplan. Direktverbindungen mit Wien wie in den 1970er Jahren durch den Eilzug „Oststeirer“ sucht man heute vergeblich. Der wichtigste Kunde für den Betreiber ist das Steinbruchunternehmen „Steirische Basalt- und Hartgesteinwerke Appel“ in Mühldorf bei Feldbach.

Für den Personenverkehr stehen 2 schon recht betagte Elektrotriebwägen, gebaut 1930 bei der Grazer Waggonfabrik, zur Verfügung, ET 1 in blau und ET 2 in den Farben der Landesbahn grün-weiß-rot. Für Sonderfahrten kann noch ein Personenwaggon eingesetzt werden. Für den Güterverkehr steht die E-Lok E 41, gebaut ebenfalls 1930 bei AEG, im Einsatz.

ET 1 außen und innen im Bf Bad Gleichenberg


Zukunft:

In Zukunft soll die Gleichenberger Bahn vor allem den Bedürfnissen des Tourismus Genüge tun, zumindest wenn es nach den Vorstellungen des Betreibers geht. Wünschenswert wäre es, wenn mehr als 4 tägliche Zugpaare verkehren würden, also Buskurse wieder auf die Schiene verlagert würden und es Direktverbindungen vor allem auch für die Pendler von Graz aus geben würde.


Links:

Betreiber Steiermarkbahn >>>

DEEF Doku Steirische Ostbahn >>>


Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum.

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 4. Mai 2020; Letzte Ergänzung: