Dachstein-Krippenstein-Seilbahn

Die Dachstein-Krippenstein-Seilbahn – von Obertraun ins Hochgebirge des UNESCO-Naturerbes

Gondel 1 kurz vor der Talstation am 8. Mai 2021 während Revisionsfahrten – aufgrund von Corona war die Seilbahn im Vergleich zu den letzten Jahren an diesem prächtigen Muttertagssonntag noch geschlossen

Die Dachstein-Krippenstein-Seilbahn ist eine ab den 1950er Jahren erbaute Aufstiegshilfe von Obertraun im OÖ-Salzkammergut auf das Dachsteinmassiv, die aus 3 Sektionen besteht, wobei die ersten beiden Sektionen 3-Seil-Pendelbahnen sind und die 3. Sektion eine 2-Seil-Pendelbahn. Ihr kommt enorme touristische Bedeutung zu.

Das Dachsteinmassiv, eine Gebirgsgruppe mit mehreren Gletschergebieten in den Nördlichen Kalkhochalpen mit dem Hohen Dachstein (2.995 m) als höchster Erhebung ist ein bedeutender Freizeit- und Tourismusfaktor für Einheimische wie auswärtige Touristen.

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Dachsteinmassiv zunehmend erforscht sowie kartographiert und Wege und Schutzhütten für die Forscher und die ersten Touristen wurden angelegt. Der wohl bekannteste Forscher am Dachstein war der Geograph Friedrich Simony (1813-1896), Gründer der Lehrkanzel für Geographie an der Universität Wien. Nach ihm ist u.a. die Simonyhütte (erbaut 1877)  benannt, eine bekannte und beliebte Alpenvereinshütte unterhalb des Hallstätter Gletschers.

Allerdings erst nach dem 2. Weltkrieg wurde das Dachsteinmassiv durch Aufstiegshilfen erschlossen und zwar wie folgt:

  • 1951: Sektion 1 Dachstein-Krippenstein-Bahn Obertraun-Schönberghaus (Bauzeit November 1947 bis Oktober 1951)
  • 1956: Sektion 2 Dachstein-Krippenstein-Bahn Schöberghaus-Krippenstein (Bauzeit August 1953 bis Juli 1956)
  • 1961: Sektion 3 Dachstein-Krippenstein-Bahn Krippenstein-Gjaidalm

Die angedachte 4. Sektion von der Gjaidalm zum Gletscher beim Hohen Dachstein wurde nicht  verwirklicht, sondern das Gebiet vom Süden her erschlossen, nämlich

  • 1969: Eröffnung der Dachstein-Südwandbahn (auch Dachstein Gletscherbahn) Ramsau am Dachstein-Hunerkogel (Bauzeit 1966-1969).
  • 1957: Gjaidbahn des Bundesheeres: In diesem Jahr errichtete das Österreichische Bundesheer eine eigene, nur beschränkt öffentlich zugängliche Seilbahn, nämlich eine Zweiseil-Gruppenumlaufbahn (5-BGF) in 2 Sektionen (Obertraun-Krippenbrunn, Krippenbrunn-TÜPL Oberfeld). Bedauerlicherweise fiel die „Gjaidbahn“ den „Sparzwängen“ beim Österreichischen Militär zum Opfer und wurde vor einigen Jahren demoliert und Grund und Boden unverschämt billig verscherbelt.

Gondel 2 auf der Fahrt zur Bergstation Schönberghaus (8.5.2021)

Kennzahlen Dachstein-Krippenstein-Seilbahn Sektion 1 – Obertraun – Schönbergalm (> Höhlen):

  • Name der Bahn: Dachsteinbahn I
  • Betreiber: Dachstein Tourismus AG
  • Verbund:
  • Bauart: 3-Seil-Pendelbahn, zweispurig
  • Hersteller: Ludwig Steurer Maschinen und Seilbahnbau GmbH & Co KG (Doren, Vlbg)
  • Baujahr/Eröffnung: Mai-Dezember 2007 / Dezember 2007
  • Höhe Talstation: 601 m
  • Ort Talstation: Gemeinde Obertraun
  • Höhe Bergstation Schönbergalm: 1.341 m
  • Höhendifferenz: 740 m
  • Streckenlänge (schräge Länge): 1.719 m
  • Maximale Neigung: xx,xx %
  • Mittlere Neigung: 47,74%
  • Anzahl der Stützen: 1 (kurz vor der Bergstation)
  • Durchmesser Tragseile: 42 mm (Hersteller Teufelberger)
  • Durchmesser Zugseil: xx mm
  • Durchmesser Gegenseil: xx mm
  • Antrieb/Traktion: elektromechanisch
  • Antriebsleistung (Anfahren): 877 kW
  • Steuerung: Siemens
  • Antriebsstation: Bergstation
  • Notantrieb:
  •  Betriebsmittelhersteller / Modell: Carvatech
  • Anzahl Betriebsmittel: 2 Gondeln
  • Kapazität je Betriebsmittel: 60 Personen + 1 Begleiter
  • Max. Fahrgeschwindigkeit Strecke: 10 m/sek
  • Max. Förderleistung pro Stunde: 600 Personen
  • Fahrzeit in Minuten: 4,0
  • Besonderheiten:
Talstation Sektion 1 – das Gebäude der Talstation aus den 1940er/50er Jahren, davor der neue futuristische Pavillon für Information und Karten (8. Mai 2021)
Gondel 2 schwebt ganz langsam in die Talstation ein, gehalten von 2 Tragseilen und gezogen von 1 Zugseil (8. Mai 2021)

Die erste Seilbahn an dieser Stelle wurde wie oben erwähnt 1951 eröffnet, und zwar eine Zweiseilpendelbahn (zweispurig) errichtet von Voest Alpine mit einer max. Geschwindigkeit von 12 m/sek und 2 Kabinen für je 40 Personen, gebaut von Swoboda.

Die Gondel Nummer 1 wie sie bis 2007 auf der unteren Sektion 1 verkehrte. Auf der Sektion 3 sind nach wie vor diese „Nostalgiegondeln“ zur Freude der Fotographen im Einsatz (8.5.2021)

Die besondere touristische Bedeutung der Sektion 1 liegt in der Zubringerfunktion zu den beiden Höhlen in der Nähe der Bergstation beim Schönberghaus, nämlich der Dachstein Eishöhle sowie der Dachstein Mammuthöhle. Weiters erreicht man vom Schönberghaus zu Fuß das „Bergdorf“ Krippenbrunn.

Beim Abzweig in Obertraun zur Zubringerstraße der Seilbahn steht als Landmarke und Werbeträger dieses „Gerippe“ einer bis 2007 eingesetzten Gondel, hergestellt damals bei Swoboda (8.5.2021)

Kennzahlen Dachstein-Krippenstein-Seilbahn Sektion 2 – Schönbergalm – Krippenstein:

in Vorbereitung

Kennzahlen Dachstein-Krippenstein-Seilbahn Sektion 3 – Krippenstein – Gjaidalm:

in Vorbereitung

Eine Befahrung aller 3 Sektionen der Dachstein-Krippensteinbahn und eine detaillierte Dokumentation der Gesamtanlage ist – so es die Corona-Situation zulässt – für 2021 geplant


Links:

Betreiber Dachstein Tourismus AG >>>

Hersteller Seilbahn Scheurer >>>

Hersteller Betriebsmittel Swoboda, heute Carvatech >>>

Seilhersteller Teufelberger >>>

DEEF-Doku Salzkammergutbahn >>>

DEEF Doku Dachstein Südwandseilbahn >>>


Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum.

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 11. Mai 2021;  Letzte Ergänzung: –