Illing Hausruck Kohlebergbau

200 Jahre Kohle-Bergbau im Hausruck – Dokumentation der Relikte # Teil 9: Eberschwang – Kohlebergbau rund um Illing, Kohlebahn Illing-Bf Hausruck

Nahe der Quellen des Flusses Antisen (Antisenursprung) finden sich im Gemeindegebiet der Marktgemeinde Eberschwang (3.457 Einwohner) noch 3 Relikte des ehemaligen Kohlebergbaus in diesem Abbaugebiet, nämlich

  1. Das Nordportal des Ing. Heissler-Stollens (Richtung Hinterschlagen)
  2. Das Portal des Ing. Obermayr-Stollens
  3. Die Trasse der ehem. Kohlebahn vom Bergbaugebiet rund um Illing zum Bf. Hausruck an der Hausruckbahn

Der Ing. Heissler-Stollen, benannt nach Franz Heissler (auch Heißler; *1868 in Winterberg, Südböhmen; † 1945 in Bad Hall, OÖ), Betriebsleiter und später Zentraldirektor der WTK, war ein ca. 2,6 km langer Tunnel mit Eisenbahnschienen 580 mm Spurweite, auf dem Kohle vom Eberschwanger Raum (u.a. Illing „Knogelbach“) nach Hinterschlagen und weiter nach Ampflwang transportiert wurde. Außerdem diente er zur örtlichen Mobilität – es wird berichtet, dass Bergmänner aber auch andere Personen den Tunnel als kürzeste Verbindung mit dem Moped/Motorrad nutzten. Der Tunnel (Stollen) wurde 1934 angeschlagen und war bis zum 7.11.1984 in Betrieb, als nämlich in Hinterschlagen der Tagbau begann, welchem der Tunnel zum Opfer fiel. Vor 1934 wurde die in Illing abgebaute Kohle mit der Kohlebahn zum Bf Hausruck transportiert.

Der Ing. Obermayr-Stollen, benannt nach dem damaligen Werksdirektor Ing. Obermayr, war ein ebenfalls 1934 angeschlagener Verbindungstunnel, der Richtung der Kohlevorkommen in Pramet führte. Er war ebenfalls mit einem Gleis 580 mm ausgestattet.

Die Portale der beiden Stollen (Tunnel) liegen sich direkt gegenüber in einem Abstand von ca. 200 Metern umittelbar an den Gemeindegrenzen von Eberschwang (Innviertel) und Frankenburg (Hausruckviertel). Der Abbau in Illing endete 1967 und die beiden Stollen verwahrlosten in Folge. Es ist der ehrenamtlichen Tätigkeit des Bergknappenklubs Eberschwang zu verdanken, dass die beiden Stollenportale wieder restauriert wurden und so der Nachwelt detailgetreu erhalten bleiben – die restaurierten Portale sowie wieder neu verlegte Schienen wurden am 1. Juli 2007 im Rahmen einer kleinen Feier eingeweiht.

Die Kohlebahn Illing (vom Heissler- und Obermayr-Stollen) zum Bf Hausruck an der Hausruckbahn wurde im Jahr 1920 eröffnet. Auf ihr wurde ab 1920 die rund um Illing abgebaute Kohle auf Normalspurgleisen zum Bf Hausruck transportiert. Als der Abbau in Knogelbach/Illing durch Wassereinbrüche 1924 eingestellt werden mußte, fiel die Kohlebahn außer Funktion und wurde im Jahr 1927 abgebaut. Durch die Errichtung der beiden Stollen (Ing. Heissler-Stollen, Ing. Obermayr-Stollen) wird ab 1934 Illing wieder erschlossen, der Kohletransport erfolgt somit durch diese neuen Tunnel mit Kohlezügen auf 580 mm Schienen. Die Trasse der ehem. Kohlebahn zeigt sich teilweise noch deutlich im Gelände.

Im Juni 2021 stattete ich dem alten Bergbaugebiet Illing einen Besuch ab. Die An-/Abreise erfolgte mit der Hausruckbahn bis/ab Bahnhof Hausruck. Der Fußmarsch hin (ca. 1. Stunde) erfolgte entlang der Straße via Illing, der Rückmarsch angelehnt an die alte Kohlebahn.

Fruchtbare Getreidefelder im Hausruckviertel zwischen Hausruck und Illing
Mohnblumen und Kornblumen im Getreidefeld – ein Augenschmaus
Die Ortschaft Illing liegt auf einer kleinen Anhöhe nordöstlich des Antisenursprungs und der beiden Stollen
Die Lourdes-Grotte, errichtet auf einem Abflußschacht (Mönch genannt) des Klärteiches vom alten Bergbau. Die zur geistigen Einkehr einladende Stelle befindet sich ein paar hundert Meter vor den beiden Stollen
Der Ing. Obermayr-Stollen Richtung Gemeinde Pramet
Hier gibt es interessant Infotafeln zu lesen und eine geheimnisvolle Tür zeigt sich am Schienenende
eine gut gepflegte Barbara-Kapelle findet sich hinter der Tür
Die Schienen aus dem Ing. Obermayr-Stollen laufen geradewegs durch den lichten Wald
weiter zum
Ing. Heissler-Stollen, der hinüber in die Gemeinde Ampflwang führt. Übrigens gehörte das Abbaugebiet hier zum Betrieb Hinterschlagen am anderen Ende des Tunnels

Im ausgezimmerten Stollenbereich steht eine Akkulok mit angehängter Lore mit Hilzbeladung
ein Bankerl und ein Brunnen laden zur Rast ein
Grenzstein zwischen den Gemeinden Eberschwang und Frankenburg am Hausruck im Bereich der beiden Stollen
Hier begann die Kohlebahn Richtung Bahnhof Hausruck
Ehem. Trasse der Kohlebahn in der Nähe der Lourdes-Grotte
Ehem. Trasse kurz vor der ehem. WTK-Siedlung in Hausruck
Trasse der ehem. Kohlebahn bei den Häusern der WTK-Siedlung
Ehem. WTK-Häuschen, ein schmuckes Objekt
Straße auf der ehem. Trasse zwischen der WTK-Siedlung und dem Bf Hausruck
Brücke der Hausruckbahn kurz vor dem Bf Hausruck, davor die Wiederlager der Brücke der ehem. Kohlebahn
Jenbacher-Doppel im Bahnhof Hausruck am 11. Mai 2018. Rechts nach den 3 Gleisen befanden sich die Gleise der Kohlebahn (heute überwachsen)

Danksagung: Herzlichen Dank an RUDI, den Waldbesitzer im Antisenursprung, der auch die beiden Stollen pflegt und mir vor Ort eine Einweisung in das ehemalige Geschehen gab! Vielen herzlichen Dank!


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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 11. Juli 2021;  Letzte Ergänzung: 1.8.2021