Wechselbahn

Die Wechselbahn – von Aspang in Niederösterreich nach Friedberg in der Steiermark

Die Wechselbahn ist die südliche Fortsetzung der Aspangbahn (Wiener Neustadt – Aspang) und führt östlich der Hauptverbindung Niederösterreich – Steiermark  über den Semmering (Südbahn) durch das Mittelgebirge „Wechsel“ von Aspang Markt nach Friedberg in der Steiermark. Daran schließt sich die heute Thermenbahn genannte Eisenbahnstrecke von Friedberg über Hartberg nach Fehring an der Steirischen Ostbahn an.

Im Unterschied zur Semmeringbahn bzw. Südbahn ist die 21,5 km lange Wechselstrecke nicht elektrifiziert, nur eingleisig und deutlich weniger frequentiert als die Semmeringstrecke. Das mag aber auch am Betreiber ÖBB liegen, der diese Strecke eher stiefmütterlich behandelte und behandelt. Die maximale Neigung beträgt 22,5 Promille, der kleinste Radius 250 m.

Historisch betrachtet stellt die Wechselbahn den Lückenschluss zwischen der Aspangbahn (eröffnet bis 1881) und der heute so genannten Thermenbahn (eröffnet bis 1905) dar und wurde als östlichste der „Neuen Alpenbahnen“ am 11. Oktober 1910 feierlich eröffnet.


Die Stationen:

Aspang, Bahnhof, km 0,0; 473 m.ü.d.M.

Am 2. Mai 2012 ist der Desiro 5022 004-5 eben von Graz Hbf kommend im Bf Aspang Markt angekommen

Ausschlag-Zöbern, Bahnhof, km 7,4

Mönichkirchen, ehem. Haltestelle, km 9,5

Die leider stillgelegte Haltestelle (vormals Bf) Mönichkirchen liegt recht einsam gelegen abseits des Gemeindezentrums. Im unmittelbar daneben gelegenen (heute zugesperrten) Hotel Mönichkirchner Hof feierte Adolf Hitler seinen 52. Geburtstag im Rahmen der Operation Feuersturm

——— Ländergrenze NÖ / Stmk km 13,8————-

Tauchen-Schaueregg, Bf, km 14,1; 650 m

Pinggau Markt, Haltestelle, km 20,6; 561 m

Friedberg, Bahnhof, km 21,5; 551 m (>Thermenbahn nach Hartberg-Fehring; >Pinkatalbahn nach Oberwart und ehem. weiter nach Steinamanger, Ungarn)

Desiro und Hercules mit Güterzug im Bf Friedberg
Das mächtige Aufnahmsgebäude in Friedberg beherbergt ein Bahnhofsbuffet

Der Betreiber der Strecke sind die ÖBB, gefahren wird im Personenverkehr primär mit Dieseltriebwägen Desiro (BR 5022) sowie ergänzend mit Wendezügen Cityshuttle mit Traktion durch Hercules BR 2016 und zwar wochentags stündlich (früh, abends) sowie zweistündlich. Die Fahrzeit beträgt eine halbe Stunde, die meisten Kurse verkehren ab Wiener Neustadt und dann meist weiter auf der Thermenbahn bis Hartberg oder Fehring. Direktverbindung bis Graz gibt es nur 2 pro Tag.

Legendär war in früheren Zeit der Eilzug „Der Oststeirer“, wo man in gemütlichen Schlierenwagen auch 1. Klasse von Graz bis nach Wien über die Steirische Ostbahn, Thermenbahn, Wechsel- und Aspangbahn fahren konnte. Ich habe diese Fahrt im Rahmen meiner Österreichbereisung per Bahn im Jahr 1976 genossen 🙂

Neben zahlreichen Kunstbauten in Form von Brücken und Viadukten weist die Wechselbahn folgende Eisenbahntunnel auf:

  • Gerichtsbergtunnel (205 m)
  • Sambergtunnel (349 m)
  • Windhof-Kehrtunnel (559 m)
  • Kleiner Hartberg-Tunnel (273 m)
  • Großer Hartbergtunnel (2.477 m, Scheitelpunkt der Strecke)
  • Wiesenhöftunnel (1.212 m)
Leider gibt es bei diesen neuen „Plastik-Triebwägen“ keine Fenster mehr zum öffnen – sehr zum Leidwesen der Fotographen

Historische Bekanntheit erlangten der Große Hartbergtunnel und der Wiesenhöftunnel durch die Stationierung des rollenden Führerhauptquartiers sowie von weiteren Sonderzügen während des Balkanfeldzugs im 2. WK im Jahr 1941. Unter dem Decknamen „Frühlingssturm“ war der Führersonderzug von Adolf Hitler bei der Haltestelle Mönichkirchen am Nordportal des Großen Hartbergtunnels stationiert, während der Generalstab in einem eigenen Sonderzug am Südportal des Tunnels stationiert war. Der Sonderzug von Hermann Göring war beim Wiesenhöftunnel stationiert. Bei etwaigen Angriffen aus der Luft hätten die Züge blitzschnell zum Schutz in die Tunnelröhren eingefahren werden können.


Alle Fotos copyright DEEF/Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 16. Dezember 2019; Letzte Ergänzung: