Salzkammergutbahn

Die Salzkammergutbahn von Stainach-Irdning nach Attnang-Puchheim

Ein Reader in 5 Teilen

Teil 1: Überblick

Unter Salzkammergutbahn im weiteren (historischen) Sinn ist die Strecke Stainach-Irdning im steirischen Ennstal (Anschluss u.a. Richtung Bischofshofen-Salzburg bzw. Selzthal-Graz) über Attnang-Puchheim (Anschluss Westbahn Richtung Salzburg bzw. Linz/Wien) nach Schärding im oberösterreichischen Innviertel an der Grenze zu Bayern zu verstehen.

Am 5. September 2012 zieht ÖBB 1144 216 den IC/REX von Wien nach Stainach Irdning und hat gerade vor der Haltestelle Traunkirchen Ort den 159 m langen Kalvarienbergtunnel verlassen

Als Salzkammergutbahn im engeren Sinn gemäß dem heutigen Sprachgebrauch versteht man die Strecke Stainach-Irdning nach Attnang-Puchheim, also den südlichen Streckenast, während der nördliche Streckenast gemeinhin als Hausruckbahn bezeichnet wird.

Geographisch betrachtet zieht sich das Schienenband von Stainach-Irdning im Steirischen Ennstal  Süd-Nord verlaufend über das Steirische Salzkammergut, auch als Ausseer Land zu bezeichnen, durch das Koppental, in dem sich auch die Bundesländergrenze Steiermark – Oberösterreich befindet entlang des Hallstätter Sees durch die Unesco-Welterberegion Inneres Salzkammergut zur Kaiserstadt Bad Ischl und dort Traun abwärts nach Ebensee am Traunsee. Von dort verläuft die Strecke  durch einige  in den Fels geschlagenen Tunnel zuerst am Steilufer des Traunsees entlang und erreicht den Bezirkshauptort Gmunden, wo eine erst kürzlich adaptierte Stadt-Regio Bahn nach Vorchdorf abzweigt. Von Gmunden, auch Hauptort des historischen „Traunviertels“ führen die Gleise weiter nach Norden in den Bezirk Vöcklabruck bzw. das historische „Hausruckviertel“ und mündet im Bahnhof Attnang-Puchheim in die Westbahnstrecke Salzburg-Wien.

Am Ostufer des Halltstätter Sees nächst der Haltestelle Obersee zieht 1044 086 den IC/REX Richtung Stainach-Irdning (23. Jänner 2010)

Dieser Reader präsentiert die Salzkammergutbahn in 5 Teilen:

  1. Teil 1 Überblick
  2. Teil 2 Durchs Steirische Salzkammergut von Stainach-Irdning nach Bad Aussee
  3. Teil 3 Durchs Koppental im Steir./OÖ-Grenzland
  4. Teil 4 Durchs Innere Salzkammergut von Obertraun bis Ebensee
  5. Teil 5 Durchs Äußere Salzkammergut von Ebensee über Gmunden nach Attnang-Puchheim

Die Gesamtstrecke von Stainach-Irdning bis Schärding hat eine Länge von 174 km, die hier beschriebene Strecke Stainach-Irdning nach Attnang-Puchheim hat eine Länge von 108 Kilometer. Während der Nordast nach wie vor nicht elektrifiziert ist – es verkehren vorwiegend Dieseltriebwägen vom Typ 5047 – wurde die Salzkammergutbahn i.e.S. im Jahre 1924 elektrifiziert. Das Kraftwerk Steeg (Gemeinde Bad Goisern am Hallstättersee) liefert u.a. den benötigten Bahnstrom, der dort – höchst unüblich – direkt in den Fahrdraht eingespeist wird.

Unmittelbar nach der Haltestelle Hallstatt überspannt die Wehrgrabenbrücke die tiefste Stelle des Hallstätter Sees, die hier an den steil eintauchenden Flanken des Sarsteins ca. 110 m beträgt. Eine E-Lok der BR 1142 zieht ihren aus „Langen Schlieren“ (Cityshuttle) bestehenden Zug über die Brücke und wird gleich danach in den 165 m langen Wehrgrabentunnel eintauchen. Im Vordergrund sieht man die Fußgängerbrücke des Ostuferwanderweges

Die Eröffnung der bis heute eingleisigen Normalspur-Bahnstrecke erfolgte im Jahre 1877, der Vater der Salzburg-Halleiner-Bahn, Baron Schwarz, zeichnete auch bei der unter der Konzession der k.k. privilegierten Kronprinz-Rudolf-Eisenbahngesellschaft errichteten Salzkammergutbahn maßgeblich für den Bau verantwortlich. Ursprünglich sollte für den Salztransport, der auf dem Hallstätter See und dem Traunsee geplant war, nur eine Verbindungsbahn zwischen den beiden Seen errichtet werden, also von Steeg-Gosau über Ischl nach Ebensee und zwar von der „k.k. privilegierte Ebensee-Ischl-Steger Eisenbahngesellschaft“, die auch 1872 mit dem Abschnitt Ebensee-Ischl zu bauen begann. Da die finanzierende Bank pleite ging erlosch die Konzession und die Rudolfsbahn kam zum Zug.

War der primäre Errichtungsgrund im Abtransport des Salzes aus den Salinen im Salzkammergut zu sehen (Salinen in Bad Aussee, Hallstatt, Bad Ischl, Ebensee), so ist der Güterverkehr heute eher von untergeordneter Bedeutung. Pendler, Schüler sowie Touristen (seit einigen Jahren verstärkt Asiaten Richtung Hallstatt) sind heute die Hauptnutznießer der Salzkammergutbahn.

Die Bahnstrecke ist in Summe sehr reizvoll zu befahren – herrliche Landschaft, Berge (Gebirge) und Seen verwöhnen das Auge und zahlreiche Kunstbauten lassen das Herz des Eisenbahnliebhabers höherschlagen. Die teils exponierte gebirgige Landschaft bedingt speziell im Winter des öfteren eine Streckensperre, vor allem das Koppental zwischen Obertraun und Bad Aussee ist berüchtigt wegen seiner gewaltigen Lawinen von den Flanken des knapp 2.000 m hohen Sarsteins.

Blick auf den Traunsee und den „Wächter“ des Salzkammergutes, den Traunstein, aufgenommen aus dem Zug im Raum Traunkirchen

Sehr negativ ist zu vermerken, dass im Zuge der „Verländerung der Eisenbahn“ nur mehr alle 2 Stunden ein durchgehender Zug auf der Gesamtstrecke verkehrt. Jeder 2. Zug wendet auf oberösterreichischer Seite in Obertraun (die Landesgrenze zur Steiermark liegt unmittelbar dahinter im wildromantischen Koppental), die Züge auf steirischer Seite von Stainach-Irdning wenden – so sie nicht bereits durch Autobusse ersetzt wurden – in Bad Aussee.

Auch der traditionelle „Fernverkehrszug“, der tägliche Intercity von Wien durchs Salzkammergut nach Stainach-Irdning und wieder retour, ist seit einigen Jahren Geschichte. Dieser Zug fährt nur mehr an Samstagen, Sonn- und Feiertagen. Und die mitgeführte 1. Klasse wird nicht mehr als solche gesehen, Hinz und Kunz können dort Platz nehmen und später einsteigende Reisende mit 1. Klasse-Fahrschein müssen dann in die 2. Klasse ausweichen. Ein Unding aber nicht gerade untypisch für die österr. Staatsbahn ÖBB.

Bad Goisern, das heimliche Zentrum des Inneren Salzkammergutes und Zentrum des lebendigen Brauchtums im Salzkammergut. Vor dem prächtigen Aufnahmsgebäude, welches im Obergeschoss auch bewohnt ist, wartet 1144 032 auf dem seltener genutzten Glas 1 auf die Weiterfahrt Richtung Norden (29.2.2016)

Die Stationen:

  • Stainach-Irdning, Bahnhof, km 0,0; 645 m.ü.d.M (>Ennstalbahn Bischofshofen bzw. Selzthal)
  • Pürgg, Haltestelle, km 3,7; 714 m
  • Lessern, ehem. Haltestelle bis 2003, km 6,8
  • Tauplitz, Bahnhof, km 9,7; 835 m
  • Kulm, saisonale Haltestelle (Skiflugschanze), km 10,8
  • Bad Mitterndorf, Bahnhof, km 14,6; 820 m
  • Bad Mitterndorf-Heilbrunn, km 16,1; 806 m
  • Kainisch, Bahnhof, km 23,2; 768 m
  • Bad Aussee, Bahnhof, km 29,8; 641 m

—– Landesgrenze Steiermark / OÖ ——-

  • Obertraun-Koppenbrüllerhöhle, Haltestelle, km 37,7; 527 m
  • Obertraun-Dachsteinhöhlen, Bahnhof, km 40,9; 514 m
  • Hallstatt, Haltestelle, km 43,2; 514 m (>Schiffsunternehmen Hemetsberger Überfahrt zum Markt Hallstatt)
  • Obersee, Haltestelle, km 46,3; 521 m
  • Steeg-Gosau, Bahnhof, km 50,4; 513 m
  • Bad Goisern, Bahnhof, km 53,7; 497 m
  • Goisern Jodschwefelbad, km 56,0;
  • Laufen, Haltestelle, km 58,0
  • Bad Ischl Frachtenbahnhof, Betriebsausweiche, Personenhalt geplant, km 62,1
  • Bad Ischl, Bahnhof, km 63,5; 468 m (> ehem. Ischlerbahn bis 1957 nach Salzburg)
  • Mitterweißenbach, Bahnhof (ab Dezember 2019 kein Personenhalt mehr), km 68,0; 453 m
  • Langwies, Bahnhof, (ab Dezember 2019 kein Personenhalt mehr), km 71,9
  • Lahnstein, Haltestelle, (ab Dezember 2019 kein Personenhalt mehr), km 74,7
  • Steinkogl, Haltestelle, km 76,5
  • Ebensee, Bahnhof, km 79,5; 426 m
  • Ebensee Landungsplatz, Haltestelle, km 80,5
  • Traunkirchen Ort, Haltestelle, km 84,1
  • Traunkirchen, Bahnhof, km 86,0; 440 m
  • Altmünster am Traunsee, Bahnhof, km 90,7;
  • Gmunden, Bahnhof, km 95,3; 479 m (>Gmundner Straßenbahn / Stadtregiotram nach Vorchdorf)
  • Pinsdorf, Haltestelle, km 97,6
  • Aurachkirchen, Bahnhof, km 102,0; 441 m
  • Wankham, Haltestelle, km 105,6
  • Attnang-Puchheim, Bahnhof, km 107,6; 415 m (>Hausruckbahn nach Ried i. Innkreis – Schärding; Westbahnstrecke Salzburg-Wien)
Eine fast mystische Stimmung ergab sich am sonnigen 15. Feber 2014 nach der Ausfahrt aus dem Bf Obertraun an den Gestaden des Hallstätter Sees. Im Hintergrund der markante Salzberg von Hallstatt. Gezogen wird der Regionalzug bestehend aus CS-Waggons von einer 1144er

Salzkammergutbahn – In a nutshell

Stainach-Irdning (Kilometer 0) – Attnang-Puchheim (Kilometer 108)

Eröffnet 1877 von der k.k. priv. Kronprinz-Rudolf-Eisenbahngesellschaft, federführend beim Bau Karl Freiherr von Schwarz (* 1817 in Neutitschein, Mähren, Österreich-Ungarn, † 1898 in Salzburg)

Normalspur 1.435mm, eingleisig

Elektrifizierung 1924

Grösste Steigung 28 Promille zwischen Stainach-Irdning – Pürgg – Tauplitz (zur Bewältigung dieser Steigung mussten damals die berühmten Krokodile eingesetzt werden)

Von Attnang-Puchheim bis Obertraun-Dachsteinhöhlen (Sommer: Obertraun-Koppenbrüllerhöhle) stündliche Verbindung (alternierend REX und R), Attnang-Puchheim bis Stainach-Irdning nur mehr alle 2 Stunden.

Fahrzeit REX von Attnang-Puchheim bis Stainach-Irdning 2 Stunden und 4 Minuten für 108 Kilometer. Das ist wenig attraktiv

Direktverbindung Wien – Stainach-Irdning und retour durch Intercity / REX nur mehr am Wochenende und am Feiertag

Besonderheit: Der Bahnhof von Hallstatt befindet sich am Ostufer des Hallstätter Sees gegenüber des eigentlichen Ortes – das Schifffahrtsunternehmen Hemetsberger stellt mit einem Motorschiff die Verbindung zwischen Bahnhof und Ort sicher. Dies ist auch die reizvollste Art und Weise, sich dem Weltkulturerbeort Halltstatt zu nähern.

1142 673-1 abfahrtsbereit am 3. Feber 2017 auf Gleis 1 am Ischler Bahnhof. Im Hintergrund die schneebedeckten Kalmberge, die „Schattseite“ des Goiserer Beckens mit dem beliebten Wanderziel „Goiserer Hütte“ vulgo „Schachtn“

Fazit

Wie fast alle Bahnstrecken in Österreich hat auch die Salzkammergutbahn noch deutlich Luft nach oben was Verbesserungen betrifft. Wie beim überwiegenden Teil der von der Staatsbahn ÖBB betriebenen Strecken wird nur verwaltet anstatt gestaltet. Will in dem Zusammenhang heißen, man hält die Strecken nur insoweit in Schuss als es unbedingt notwendig ist. Linienverbesserungen, Neutrassierungen, Auflassen von Eisenbahnkreuzungen, besseren Unter- und Oberbau, moderne Sicherungseinrichtungen oder gar die Einführung von Neigezügen et al., allesamt mit dem Ziel, die Fahrzeit des Zuges zumindest annähernd an die des Autos heranzuführen, unterblieben auch hier seit Jahrzehnten. Im Grunde fährt man auf Kaisers Schienen, allerdings nicht so luxuriös, denn damals gab es mehr Züge mit 1. Klasse und die war bequemer.

Das einzige was man auch hier praktiziert – wie bspw. vorher schon eindrucksvoll auf der Franz Josefs Bahn – ist die Auflassung von Haltestellen, um den Fahrplan halbwegs stabil halten zu können. Zum wiederholten Male kann ich nur sagen, das ist aber der falsche Ansatz.

Dringend wäre vor allem – neben Verringerung der Fahrzeit auf ca. 1,5 Stunden für die Gesamtstrecke – ein wirklicher Taktverkehr und eine Ausdehnung der Fahrten am Abend: Von Bad Aussee Richtung OÖ-Salzkammergut bzw. Attnang-Puchheim um 18.16 wochentags der letzten Zug, das ist schon heftiger Tobak! Von Obertraun gibt es zumindest noch um 19.05 einen Regionalzug, aber das ist auch weit zu früh, speziell im Sommer. Schließlich sollte man nicht nur an die Einheimischen denken sondern auch an die vielen Touristen. Und ein Ausweichen auf den Bus von Aussee über den Pötschen ist auch keine Lösung, denn da fährt auch nichts mehr. Völlig unbefriedigend und da sind vor allem die Politiker gefordert, das zu verbessern, auch wenn es – no na – Geld kostet.

An einem sonnigen Augusttag 2014 hält der Regionalzug Obertraun – Attnang-P. in der Haltestelle Lahnstein, in der Fahrgäste in einem urigen Wartehäuschen aus Holz Unterschlupf finden können

Zu den einzelnen Teilen des Readers: (In Arbeit)

  1. Teil 1 Überblick >>>
  2. Teil 2 Durchs Steirische Salzkammergut von Stainach-Irdning nach Bad Aussee >>>
  3. Teil 3 Durchs Koppental im Steir./OÖ-Grenzland
  4. Teil 4 Durchs Innere Salzkammergut von Obertraun bis Ebensee
  5. Teil 5 Durchs Äußere Salzkammergut von Ebensee über Gmunden nach Attnang-Puchheim

Links

DEEF Beitrag „Der Kaiserzug“ >>>

DEEF Beitrag „Streichung täglicher IC ins Salzkammergut“ >>>

DEEF Doku Salzkammergut Lokalbahn / Ischlerbahn >>>

DEEF Doku Gmundner Straßenbahn >>>

DEEF Doku Hausruckbahn >>>

DEEF Doku Ennstalbahn >>>

DEEF Doku Westbahnstrecke >>>

Betreiber ÖBB >>>

Betreiber Stern & Hafferl >>>

Zuglaufschild des ehemals täglich verkehrenden IC/REX von/nach Wien. Eine Schande dass dieser sehr gut nachgefragte Zug aufgelassen wurde und nur mehr am Wochenende verkehrt

Alle Fotos copyright DEEF/Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 9. November 2019; Letzte Ergänzung: 20.11.2019