Der Bahnhof von Oostende / Ostende

Einen klingenden Namen hat er immer noch der Bahnhof von Oostende, zumindest für Freunde der Eisenbahn, denen die Geschichte nicht fremd ist. Auch wenn ihn keine internationalen Fernzüge wie einst der Ostende-Wien-Express, der Tauernexpress, der Ostende-Köln-Pullman-Express oder der Nord-Express mehr ansteuern und auch Gastronomie, Hotellerie und Glücksspiel aktuell Pause haben.
Das Aufnahmsgebäude – auch wenn etwas in die Jahre gekommen und noch nicht restauriert – strahlt immer noch den Glanz der Belle Epoche aus, wehmütig erinnert sich der Eisenbahnhistoriker an diese besseren Zeiten.

Der erste Bahnhof in Ostende wurde 1838 als Endpunkt der Linie 50A Brüssel-Ostende errichtet als Ostende Stadt (Oostende Stad, franz. Ostende-Ville)- die Linie wurde am 28.8.1838 mit dem letzten Teilstück Brügge-Ostende eröffnet. Zu diesem Bahnhof in der Stadt führte auch die zwischenzeitlich stillgelegte Linie 62 nach Torhout. Dieser Bahnhof Ostende Stadt (Ostende Ville) lag zwar zentrumsnah aber ungünstiger zum Hafen mit den Fähren nach England und so wurde 1871 am Ort des heutigen Bahnhofs ein Bahnhof aus Holz erbaut (“Ostende-Maritime”), der dann in Folge ausgebaut 1913 als der heutige Bahnhof “Ostende-Kaai” eröffnet wurde. Der alte Stadtbahnhof wurde noch bis 1946 bedient und dann 1956 abgerissen. Die Trasse der Linie 62 nach Torhout wurde zum Bahnhof Ostende-Kaii verschwenkt, der seit dieser Zeit als Bahnhof Ostende bezeichnet wird.
Der unter Denkmalschutz stehende Bahnhof wurde im Stil der Belle Epoche von den Architekten Louis Seulen (Bruder des berühmten belgischen Eisenbahnarchitekten Franz Seulen) und dem Architekten Otten von 1907 bis 1913 errichtet und ist von den Arbeiten des französischen Architekten Francois Mansart, dem Klassizismus, inspiriert. Im Bahnhof befand sich, seit der Eröffnung und bis in die 1960er Jahre, im linken Flügel das Hôtel Terminus Maritime sowie Restaurants 1. und 2. Klasse und auch dem Glücksspiel wurde zeitweise gefrönt.

Gingen früher zahlreiche Fähren hinüber nach England (Fähren nach Dover bzw. Folkstone, von dort per Zug nach London Victoria und London Charing Cross) , so hat der Bahnhof diesbezüglich seit der Eröffnung des Eurotunnels stark an Bedeutung im internationalen Verkehr verloren.

Nach wie vor ist Ostende einer der wichtigsten Bahnhöfe in Belgien und der wichtigste Bahnhof an der Nordseeküste neben Knokke, Zeebrugge und Blankenberge. Folgende nationalen Fern-Verbindungen verkehren planmäßig ab Ostende:
- IC-Linie 1 nach Eupen (Sa, So nur bis Welkenraedt; über Brügge, Gent St. Pieters, Brüssel, Leuven, Lüttich, Verviers)
- IC-Linie 2 nach Antwerpen-Centraal über Brügge, Gent St. Pieters, Lokeren
- IC-Linie 23 nach Flughafen Brüssel Zaventem über Brügge, Kortrijk

Mit Paris war Ostende bis März 2015 durch einen tägliche Thalys-Kurs verbunden.

Ab 2011 wurde der Bahnhof von Ostende saniert bzw. umgebaut und eine Verkehrsdrehscheibe mit optimierten Umstiegen auf die regional sehr bedeutende Küstenstraßenbahn Kusttram sowie Autobuslinien (alle betrieben von De Lijn) errichtet. Die Kosten beliefen sich bis 2019 auf ca. 150 Millionen Euro. Der vom staatlichen Infrastrukturbetreiber Infrabel betreute Kopfbahnhof weist 5 Bahnsteige mit 8 Gleisen auf.
Nachfolgend einige Fotos aus den Jahren 2013 und 2017.

















Links
DEEF Doku Die belgischen Eisenbahnen >>>
DEEF Beitrag Die Kusttram >>>
Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum
Sollten Sie Anregungen zu den Projekten haben oder eigene Beiträge oder Fotos präsentieren wollen, so freuen wir uns auf eine Kontaktaufnahme. Haben Sie einen Fehler entdeckt? Bitte um Info >
redaktion@dokumentationszentrum-eisenbahnforschung.org
Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF
Erstmals Online publiziert: 8.8.2021; Letzte Ergänzung: –