Ostende Oostende Bahnhof

Der Bahnhof von Oostende / Ostende

Station von Oostende im September 2017. In der Mitte zwischen den beiden wuchtigen Türmen der Haupteingang in die große Halle, wobei die Bahnsteige nicht dahinter liegen wie man erwarten würde sondern in der Gebäudeflucht nach rechts liegen. Der rechte niedringe Seitenflügel ist nur mehr in der Fassade erhalten (2.9.2017)

Einen klingenden Namen hat er immer noch der Bahnhof von Oostende, zumindest für Freunde der Eisenbahn, denen die Geschichte nicht fremd ist. Auch wenn ihn keine internationalen Fernzüge wie einst der  Ostende-Wien-Express, der Tauernexpress, der Ostende-Köln-Pullman-Express oder der Nord-Express mehr ansteuern und auch Gastronomie, Hotellerie und Glücksspiel aktuell Pause haben.

Das Aufnahmsgebäude – auch wenn etwas in die Jahre gekommen und noch nicht restauriert – strahlt immer noch den Glanz der Belle Epoche aus, wehmütig erinnert sich der Eisenbahnhistoriker an diese besseren Zeiten.

Vor dem Bahnhof hat man viel Platz für Fahrräder geschaffen, neu sind die Bahnsteigdächer rechts und daran anschließend dann das mit dem Bahnhof der Staatsbahn verbundene Stationsareal mit Parkhaus der Kusttram

Der erste Bahnhof in Ostende wurde 1838 als Endpunkt der Linie 50A Brüssel-Ostende errichtet als Ostende Stadt (Oostende Stad, franz. Ostende-Ville)- die Linie wurde am 28.8.1838 mit dem letzten Teilstück Brügge-Ostende eröffnet. Zu diesem Bahnhof in der Stadt führte auch die zwischenzeitlich stillgelegte Linie 62 nach Torhout. Dieser Bahnhof Ostende Stadt (Ostende Ville) lag zwar zentrumsnah aber ungünstiger zum Hafen mit den Fähren nach England und so wurde 1871 am Ort des heutigen Bahnhofs ein Bahnhof aus Holz erbaut („Ostende-Maritime“), der dann in Folge ausgebaut 1913 als der heutige Bahnhof „Ostende-Kaai“ eröffnet wurde. Der alte Stadtbahnhof wurde noch bis 1946 bedient und dann 1956 abgerissen. Die Trasse der Linie 62 nach Torhout wurde zum Bahnhof Ostende-Kaii verschwenkt, der seit dieser Zeit als Bahnhof Ostende bezeichnet wird.

Der unter Denkmalschutz stehende Bahnhof wurde im Stil der Belle Epoche von den Architekten Louis Seulen (Bruder des berühmten belgischen Eisenbahnarchitekten Franz Seulen) und dem Architekten Otten von 1907 bis 1913 errichtet und ist von den Arbeiten des französischen Architekten Francois Mansart, dem Klassizismus, inspiriert. Im Bahnhof befand sich, seit der Eröffnung und bis in die 1960er Jahre, im linken Flügel das Hôtel Terminus Maritime sowie Restaurants 1. und 2. Klasse und auch dem Glücksspiel wurde zeitweise gefrönt.

Außer einem kleinen Laden für Reiseproviant gab es in der Umbauphase keinen gastronomischen Service. Auch das „Terminus Cafe“ war geschlossen (16. Mai 2013)

Gingen früher zahlreiche Fähren hinüber nach England (Fähren nach Dover bzw. Folkstone, von dort per Zug nach London Victoria und London Charing Cross) , so hat der Bahnhof diesbezüglich seit der Eröffnung des Eurotunnels stark an Bedeutung im internationalen Verkehr verloren.

Boeing Jetfoil 929-115-020 „Princesse Stephanie“ im Jahr 1983 beim Verlassen des Hafens von Oostende Richtung Dover (Quelle Wikipedia gemeinfrei Benutzer JustinBER)

Nach wie vor ist Ostende einer der wichtigsten Bahnhöfe in Belgien und der wichtigste Bahnhof an der Nordseeküste neben Knokke, Zeebrugge und Blankenberge. Folgende nationalen Fern-Verbindungen verkehren planmäßig ab Ostende:

  • IC-Linie 1 nach Eupen (Sa, So nur bis Welkenraedt; über Brügge, Gent St. Pieters, Brüssel, Leuven, Lüttich, Verviers)
  • IC-Linie 2 nach Antwerpen-Centraal über Brügge, Gent St. Pieters, Lokeren
  • IC-Linie 23 nach Flughafen Brüssel Zaventem über Brügge, Kortrijk
Abfahrtstafel in Oostende am 16. Mai 2013

Mit Paris war Ostende bis März 2015 durch einen tägliche Thalys-Kurs verbunden.

Projekt Station aan Zee – Oostende (Foto 18.5.2013)

Ab 2011 wurde der Bahnhof von Ostende saniert bzw. umgebaut und eine Verkehrsdrehscheibe mit optimierten Umstiegen auf die regional sehr bedeutende Küstenstraßenbahn Kusttram sowie Autobuslinien (alle betrieben von De Lijn) errichtet. Die Kosten beliefen sich bis 2019 auf ca. 150 Millionen Euro. Der vom staatlichen Infrastrukturbetreiber Infrabel betreute Kopfbahnhof weist 5 Bahnsteige mit 8 Gleisen auf.

Nachfolgend einige Fotos aus den Jahren 2013 und 2017.

Am 16. Mai 2013 warten auf den Gleisen 1 und 2 zwei IC-Triebwagen (547 und 463) auf ihre Einsätze nach Antwerpen Centraal sowie Lille Flandres

E-Lok 1803 mit einem klassischen Intercity am Hacken im Bahnhof Oostende am 16.5.2013
Hier rollten die klassischen Züge ein, etwas trist der Anblick, aber bald kommen neue Farben und Formen ins Spiel
Sanierung ist angesagt
Altehrwürdig aber verwahrlost
Nur die Fassade blieb stehen und wartet auf eine neue Funktion
Die königlichen Insignien Albert I. König von Belgien sind mehrfach an den Fassaden zu sehen. Der königliche Pavillon wird/wurde tw. vom Bahnhofsvorstand genutzt
Neues entsteht, u.a. das regenbogenfarbene Dach
Viel zusätzlicher Platz für Fahrräder
Die Aufnahmshalle mit den Kassen
Für das neue Projekt wird geworben
E-Lok 1814 mit einem langen Dosto-IC schon unter dem neuen Dach am 2. September 2017
Lok 1921 mit dem IC nach Welkenraedt am Hacken im Bf Oostende am 2.9.2017. Diese IC auf der Linie 1 werden mit klassischen IC-Wagen geführt, meist 3 Wagen 1. Klasse und mindestens 7 Wagen 2. Klasse
Direkt vor dem Bahnhof tummeln sich die Jachten im Hafenbecken
Am 18. Mai 2013 am frühen Abend verlässt die Kusttram 6005 die Haltestelle Oostende-Station in Richtung Süd nach De Panne. Der Bahnhof befindet sich links außerhalb des Bildes in ca. 150 m Entfernung
4 Jahre später, am 2.9.2017 wurde nach rechts zum Bahnhof Oostende hin das Parkhaus gebaut und die Station der Kusttram und das Areal des Bahnhofs dadurch verbunden. Die Tram links fährt nach Norden nach Knokke, die Tram rechts nach De Panne, während die Tram in der Mitte auf neue Einsätze wartet
Der Bahnhof von Oostende und die Schifffahrt – zumindest räumlich eng verbunden

Links

DEEF Doku Die belgischen Eisenbahnen >>>

DEEF Beitrag Die Kusttram >>>


Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 8.8.2021; Letzte Ergänzung: –