Taurachbahn Mauterndorf Tamsweg

Die Taurachbahn – im Nostalgiezug durch den Salzburger Lungau

Die 699 01 „Lungau“ beim Rangieren im Bf Mauterndorf. Gebaut 1944 von Franco/Belge als Heeresfeldbahn-Lokomotive für die Deutsche Wehrmacht. Nach Kriegsende war sie bei der ÖBB als 699.01 auf der Bregenzerwaldbahn und von 1963 bis 1967 auf der Vellachtalbahn („Vike“) eingesetzt

Als Taurachbahn (auch Taurachtalbahn) bezeichnet man den westlichen, Salzburgischen 10,6 km langen Abschnitt von Mauterndorf bis Tamsweg der 1894 eröffneten Murtalbahn mit 760 mm Spurweite, wo mangels Fahrgastzahlen 1973 der Personenverkehr eingestellt und 1981 die Strecke stillgelegt wurde.

Die „Geburtsurkunde“ der Murtalbahn/Taurachbahn im Bf. Mauterndorf

1982 wurde der Salzburgische Streckenabschnitt der Murtalbahn, die Taurachbahn, vom 1969 gegründeten Verein Club 760 von den Steiermärkischen Landesbahnen (heute Steiermarkbahn StB) gepachtet, wieder instand gesetzt und nach Erteilung der notwendigen Bewilligungen durch das Bundesministerium (als Anschlussbahn für Güterverkehr) sowie der Bezirkshauptmannschaft ( Bewilligung touristischer Personenverkehr) wurde die Taurachbahn am 9. Juli 1988 feierlich wiedereröffnet.

Die Taurachbahn ist die höchstgelegene Schmalspurbahn Österreichs

Die Stationen der aktuell befahrenen Taurachbahn

  • Mauterndorf, Bf, km 76,1 / 10,6 (ab Unzmarkt / ab Sperrschuh nächst Tamsweg); 1.116 m.ü.d.M.
Solche Bahnhofsgebäude haben menschliche Dimensionen und strahlen Behaglichkeit aus
  • Steindorf-Fanningberg, ehem. Hs, km 74,1/8,6
  • Gröbendorf, Hs
1. Halt in Gröbendorf
  • Mariapfarr, Bf, km 71,1/5,6; 1.068 m
Bahnhofsgebäude Mariapfarr. Der Bahnhof ist leider weit außerhalb des Ortszentrums im Ortsteil Stranach, ca. 1, 5 km entfernt. Ein Hauptgrund für die bescheidenen Fahrgastzahlen früher
  • Lintsching, Hs, km 68,5/3,0
2x müssen Schrankenanlagen beim Passieren des Zuges händisch betätigt werden, in Mariapfarr und hier in Lintsching
  • St. Andrä-Andlwirt, Hs, km 66,7/1,2 (hier steigen die Fahrgäste aus)
Der Endpunkt für die Passagiere der Nostalgiezüge ist erreicht, St. Andrä im Lungau Andlwirt, fast im Zentrum der Ortschaft. Der namensgebende Wirt ist ca. 150 m entfernt. Nach Aussteigen der Passagiere fährt die Komposition noch einige hundert Meter weiter um Umzusetzen. Dazu fährt die Lok auf ein kurzes Stumpfgleis und die Waggons rollen der Schwerkraft folgend daneben vorbei und dann wird die Lok an der anderen Seite für die Rückfahrt vorgespannt. Ein sehr exotischer Ablauf 🙂
  • St. Andrä-Göriach, ehem. Hs, km 66,6/1,1 (ehem. Hs bis zur Neutrassierung 1984/85)
  • St. Andrä-Wölting, Betriebsstelle, km 66,3/0,8 (hier wenden die Nostalgiezüge nach Umsetzen (Stürzen, Kopfmachen); 1.036 m
  • Wölting, aktuell nicht bediente Hs, km 65,9/0,3; 1.036 m

——- Sperrschuh ——– (km 65,7 / 0,0)

  • Ladestelle Sägewerk Graggaber (bis hier StB-Güterverkehr)
  • Anschlussbahn Raiffeisen Lagerhaus Tamsweg, km 64,9
  • Tamsweg, Bf, km 64,3; 1.019 m (bis hier Personenverkehr der StB von Unzmarkt)
Endpunkt der Planzüge auf der Murtalbahn von Unzmarkt ist der Bf Tamsweg. Triebwagen der StB kurz nach der Ankunft am 30. April 2012

Der Nostalgieverkehr

Von Juni bis September verkehren an den Wochenenden von Diesel- oder Dampfloks gezogene Nostalgiezüge zwischen Mauerndorf und St. Andrä-Andlwirt. Relativ selten sind „grenzüberschreitende Verkehre“ zwischen der Murtalbahn (Betreiber StB) und der Taurachbahn (Betreiber Club 760). Aus der Sicht des Fahrgastes, vor allem des mit Öffis Anreisenden und auswärtigen Touristen, wäre ein touristischer Verkehr zwischen Mauterndorf und Tamsweg (Tamsweg als Touristendestination, Tamsweg als Umstiegsmöglichkeit von/zur Murtalbahn).

699 01 „Lungau“ beim Umsetzen im Bf Mariapfarr

Heimatbahnhof der Taurachbahn ist der Bahnhof Mauterndorf. Dort hat es auch den nötigen Platz, die hochkarätigen Kleinode an Lokomotiven und Waggons (siehe Webseite Club 760) unterzustellen. Eine weitere Unterstellmöglichkeit gibt es im Bahnhof Frojach (Streckenkilometer 15,3 ab Unzmarkt), wo seit 1978 in einer Halle mehrere Exponate abgestellt sind („Eisenbahnmuseum Frojach“).

Diesellok und 2-Achser in der großen Remise in Mauterndorf

Nachfolgende Fotos zeigen Impressionen von meinem Besuch bei der Taurachbahn im Rahmen des Volldampfwochenendes 23. bis 25. Juli mit 2 Zug-Betrieb mit der Dampflok 22 „Aquarius C“ und der 699.01 „Lungau“. Fotos und Videoclips sind vom Freitag 23.7.2021.

Wasserfassen ist angesagt, bevor die 699 01 sich vor den Nostalgiezug Richtung Mariapfarr setzt. Links die Drehscheibe
Für das leibliche Wohl ist gesort,überall freundliche ehrenamtliche Mitabeiter der Taurachbahn
Das alte Büro des Fahrdienstleiters

Videoclip Rangieren in Mauterndorf

Die Komposition des Sonderzugs ist zusammengestellt, die Lok „Lungau“ muss noch umsetzen
Ohne die ehrenamtlichen Vereinsmitglieder gäbe es keine Sonderfahrten! Ein herzliches Danke Schön für Euer Engagement
Die Diesellok D 40 /VL 01 nun vor der Remise. 1942 als Heeresfeldbahnlokomotive der Baureihe HF 200-D bei Deutz gebaut, kam diese Maschine 1946 zur Salzkammergut-Lokalbahn, wo sie nach Umspurung von 750 auf 760 mm vorwiegend als Güterzuglokomotive mit der Bezeichnung D 40 eingesetzt wurde. 1956 wurde sie nach einem Getriebeschaden abgestellt. Nach der Stillegung der SKGLB wurde die Lok an die Steiermärkischen Landesbahnen verkauft und …. (siehe Webseite Taurachbahn
Ein „Postkastl“ wie man es heute bei vielen Nostalgiebahnen findet. Motordraisine X 616.910 ex ÖBB, Spitznamen Fifi
SKGLB 12. Die Dampflokomotive S 12 wurde 1906 von Krauss Linz für die legendäre Salzkammergut-Lokalbahn gebaut, wo sie bis zur Einstellung dieser Bahn im Jahr 1957 eingesetzt war. Traurige Berühmtheit erlangte diese Lokomotive durch die Tatsache, daß sie am 30. September 1957 den letzten Personenzug auf dieser Bahn von Salzburg nach St. Gilgen führte.
298 56 „Mariapfarr“. Gebaut wurde die Lokomotive als U 6 im Jahr 1900 von der Lokomotivfabrik Wien-Floridsdorf für die damalige Niederösterreichische Landesbahn (NÖLB) und kam auf deren Waldviertelbahn zum Einsatz. Später bei der ÖBB wurde sie auf verschiedenen Schmalspurlinien gefahren, zuletzt auf der 1982 stillgelegten Steyrtalbahn.
SKGLB 5, gebaut 1890 bei Krauss Linz. Im Sommer 1968 wurde durch Zufall eine überraschende Entdeckung gemacht: Die in den Wirren des 1. Weltkriegs verschollene Lok 5 der SKGLB existierte noch als Werkslok einer Kriegsmaterialfabrik in Novi Travnik, Bosnien. Später konnte die Lokomotive vom Club 760 erworben werden und stand bis zum Frühjahr 2018 als betriebsfähiges Schmuckstück im SKGLB Museum in Mondsee. Im Frühjahr 2018 wurde die Lokomotive nach Frojach ins Museum überstellt, wo sie ihren Platz neben ihrer Schwesterlok SKGLB 11 gefunden hat.
CFR 764-219, 1917 bei Krauss München mit der Nummer 7194 gebaut. Sie kam bei diversen rumänischen Waldbahnen zum Einsatz. Spitzname Draculinchen
Der Vormittags-Sonderzug aus St. Andrä ist eingetroffen, die Gleise nun frei für unseren Sonderzug nach Mariapfarr
Zuglok des Gegenzuges war die SKGLB 22, gebaut 1939 bei Borsig Lokomotivwerke GmbH. Nach den Kriegseinsätzen in Russland stand die Lok u.a. bei der Salzkammergutlokalbahn, im Zillertal, Bregenzerwald, auf Rügen sowie der Pressnitztalbahn im Einsatz
Nun ist es amtlich, wir dürfen abfahren

Auf der Strecke

Holzklasse
Ankunft in Mariapfarr. Hier gab es u.a. Würstl und Bier vom Fass zur Labung
Reges Besucherinteresse an diesem Tag, wie meist üblich mit vielen Kindern
Bahnhofsareal Mariapfarr, am Hausbahnsteig einige Güterwagen
Hier sind alle gleich – alle Wagen Holzklasse 3. Klasse
Abfartsbereit zur Rückfahrt nach Mauterndorf
Gleich gehts los

Dampfzug Mariapfarr-Mauterndorf

Ich fahre nicht nach Mauterndorf retour sondern erkunde das Umfeld des Bahnhofs und genieße auf der schattigen Veranda Speis und Trank
Der Nachmittagszug (ab Mauterndorf 14 Uhr) ist eingetroffen und hat ca. 1 Stunde Aufenthalt in Mariapfarr, wo die Labung bei schwülem Wetter gerne angenommen wird. Gezogen wird der Planzug von der „Aquarius C“, der SKGLB 22. Hier kommen auch 3- und 4-Achser sowie Barwagen zum Einsatz
Ein netter fachlicher Tratsch mit diesen beiden Herren lies die Zeit wie im Flug vergehen
Brücke über die namensgebende Taurach, einem Nebenfluss der Mur
Eine fesche Partie durch den sommerlichen Lungau
Die Lok fährt Tender voraus, gleich ist der Endhalt Andlwirt erreicht und die Passagiere steigen aus. Ich darf mit Sondererlaubnis zum Umsetzen mitfahren
Klassische Holzklasse, sehr schön renoviert und gepflegt
Die leeren Wagen fahren zum Umsetzen, das bei der Taurachbahn etwas unorthodox vonstatten geht
Ein Sommerwagen mit herunterziehbaren Jalousien, erworben von der Appenzellerbahn

Das Umsetzmanöver als Videoclip

Der Dampfexpress nach Mauterndorf fährt in Kürze ab 🙂


Genutzte An-/Abreise mit Öffis ab Salzburg

Anreise: IC Sbg. Hbf bis Radstadt, Anschluss Postbus Linie 280 nach Mauterndorf

Rückfahrt: Postbuslinie 270 St. Andrä im Lungau Ortsmitte (ca. 300 m von der Zugendhaltestelle St. Andrä Andlwirt entfernt) direkt bis Bischofshofen, REX nach Sbg. Hbf. Fahrtmöglichkeit ca. alle 2 Stunden, Fahrtdauer ca. 2,5 Stunden.


Fazit

Schönes Wetter, prächtige Nostalgiekompositionen, freundliches und kompetentes Personal, reibungsloser Betriebsablauf und Labung durch Essen und Bier vom Fass – was will man mehr! Der Taurachbahn ist ein allzeit unfallfreier Betrieb und weiterhin viele zufriedene Fahrgäste und engagierte Ehrenamtliche zu wünschen, damit auch in Zukunft solche Fahrten – vielleicht auch öfter mal über den „Sperrschuh“ hinaus – immer wieder stattfinden können. Ein Besuch der Taurachbahn kann ich meiner Leserschaft einfach nur empfehlen!

Das war noch eine edle Mechanik im Bf Mauterndorf (Foto vom Juni 2011)

Links

Webseite Taurachbahn >>>

Club 760 >>>

DEEF-Beitrag Murtalbahn >>>

Tourismus Lungau >>> oder >>>

Stillleben Bf Mauterndorf (9.6.2011)

Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 28. Juli 2021; Letzte Ergänzung: –