Westbahn mehr Wettbewerb

ÖBB Infra verlangte zuviel für Bahnsteignutzung

Die WESTbahn ebnet den Weg zu mehr Wettbewerb in Europa

Überhöhtes Entgelt für die Bahnsteignutzung wurde durch EuGH abgeschmettert

(Wien, 11. Juli 2019) Wie die österreichische Bahn-Regulierungsstelle Schienen-Control in ihrer gestrigen Aussendung (OTS0138) bekannt gegeben hat, teilt der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Rechtsmeinung der WESTbahn, dass die Benützung von Personenbahnsteigen im sogenannten „Mindestzugangspaket“ enthalten ist. Für die WESTbahn war dieses EuGH-Urteil von besonderer Bedeutung, da die Privatbahn das Thema durch eine Anfrage an die Schienen-Control Kommission (SCK) grundlegend angestoßen hatte. Die SCK, als den Wettbewerb überwachende Verwaltungsbehörde der Regulierungsstelle tätig, teilte die Rechtsmeinung der WESTbahn nicht. Dennoch legte sie dem EuGH einen Antrag zur Vorabentscheidung vor, der gestern im Sinne der WESTbahn beurteilt wurde.

Die Anfrage der WESTbahn (und damit verbunden die Vorabentscheidung des EuGH) fußte auf der Verrechnung eines überhöhten Stationsentgelts durch die ÖBB-Infrastruktur AG. Die Bahnsteignutzung für den Halt in einem Personenbahnhof musste dadurch für jede Fahrt „eingekauft“ werden. Spätestens seit 2012 war dieses Procedere höchst fragwürdig, da die Nutzung des Bahnsteigs im sogenannten Recast zum 1. Eisenbahnpaket schon als Teil eines „Mindestzugangspakets“ ausgewiesen worden war.

Dem Verständnis der WESTbahn, dass der Halt in einem Bahnhof nicht als gesonderte Leistung verrechnet werden kann, folgten nun erfreulicherweise sowohl der Generalanwalt, als auch der Europäische Gerichtshof. Nach seiner Entscheidung wird eine weitere Hürde aus dem Weg geräumt – im Sinne der Schaffung eines einheitlichen europäischen Eisenbahnraums und zugunsten von mehr Wettbewerb auf der Schiene.

Die Aufgabe der österreichischen Regulierungsstelle wird nach der EuGH-Entscheidung nun darin liegen zu klären, in welcher Höhe Leistungen ungerechtfertigt verrechnet wurden und ab welchem Zeitpunkt die ÖBB-Infrastruktur AG das überhöhte Entgelt rückwirkend zurückzahlen muss.

PA der Westbahn Gmbh vom 11.7.2019


Beitrag veröffentlicht von DEEF: 14.7.2019; Änderungen: 

Bahnhofsgaststätten

Die schillernd schräge Welt der Bahnhofsgaststätten – eine Hommage an eine aussterbende Spezies

Buchtipp Guido Fuchs (Hg.): In der Bahnhofsgaststätte. Ein literarisches Menü in zwölf Gängen

Bahnhofsgaststätten, auch Bahnhofsrestaurant, Bahnhofsbeisl, Bahnhofsbuffet oder auch Bahnhofswirtschaft genannt, gab es früher fast wie Sand am Meer. Jeder halbwegs wichtige Bahnhof hatte eine, große, wichtige und internationale Bahnhöfe hatten meist sogar mehrere Bahnhofsgaststätten aufzubieten.

Für jeden Geldbeutel etwas und mehr oder weniger streng nach Klassen eingeteilt. Für das ganz einfache Volk gab es die Bahnhofsgaststätten mit Wartesaal der 3. Klasse, für die Mittelschicht die der 2. Klasse und für die Reichen und Schönen – oder die sich dafür hielten – den Speise-, Trink- und Aufenthaltsbereich der 1. Klasse. Um genau zu sein, es gab noch etwas darüber, zumindest in Österreich hatte der Kaiser (Franz Josef I) an Bahnhöfen, die er oft frequentierte – so wie den Bahnhof in seiner Sommerresidenz Bad Isch – noch einen eigenen Kaiserpavillon, der nur ihm und seinem Hofstaat vorbehalten war.

Leider haben 2 Weltkriege und die Herrschaft des Kommunismus und des Sozialismus alle Erinnerungen daran zerstört, dem Klassenkampf, der ja in Österreich bis dato andauert (bis vor wenigen Jahren Einreiseverbot und Verbot politischer Betätigung für das Haus Habsburg, Verbot von Adelstiteln bis heute!) fielen auch die kaiserlichen Warteräumlichkeiten zum Opfer.

Heute gibt es nur mehr wenige Bahnhofswirtschaften in Österreich und auch in Deutschland, in der Schweiz gibt es zumindest als Ersatz an vielen Bahnhöfen sogenannte Kioske, also eine Rückversicherung für die Reisenden, dass man vor Ort am Bahnhof nicht verdurstet und nicht verhungert.

Aber kein Vergleich zu echten Bahnhofsrestis, ganz gleich ob vornehm, einfach oder grindig, solchen Lokalkalorit erlebt man leider immer seltener.

Und schon gar nicht auf Bahnhöfen der ÖBB, die im Rahmen der sogenannten Bahnhofsinitiative modernisiert wurden, da gibt es keinen Service mehr, keinen Schalter, kein Klo und kein Waschbecken oder Wasser zum Nachfüllen der Feldflasche, keinen beheizten Warteraum und schon gar nicht so etwas wie ein Bahnhofsrestaurant, einzig ein meist zugiger Glaskäfig als Aufenthalts- und Wartebereich für alle Klassen in der beim „Modernisieren“ hinterlassenen Betonwüste wird den zahlenden Fahrgästen zugemutet.


Umso erfreulicher ist es für die Liebhaber der Eisenbahn und der Bahnhofswirtschaften, dass sich der passionierte Eisenbahnreisende, Publizist, Theologe und Kulinarist Guido Fuchs mit dem Thema auseinandergesetzt hat und ein Buch über das Sein und Werden in Bahnhofsgaststätten geschrieben hat.

Fuchs lässt dabei vor allem teilweise sehr bekannte Schriftsteller zu Wort kommen, die sich in ihren Werken mehr oder minder ausführlich dem Thema gestellt hatten. Es sind dies u.a. Heinrich Böll, Hans Fallada, Gertrud Fussenegger, Günter Grass, Gerhart Hauptmann, Herta Müller, Walter Kempowski, Rosa Luxemburg, Sten Nadolny, Carl von Ossietzky, Alfred Polgar, Joseph Roth, Lew Tolstoi, Robert Walser, Franz Werfel und viele andere.

Das Buch ist vor allem als Lesebuch gedacht, das man nicht systematisch von vorne bis hinten durchliest, sondern in das man hineinschmökert, nach Lust und Laune darin blättert und da und dort sich vertiefend in die Position des Erzählers oder der handelnden Personen (Fahrgäste) versetzt, sinnierend, von Zeit zu Zeit am Glas Roten oder Weißen nippend.


In 12 Gänge gliedert der Herausgeber sein Buch, nämlich wie folgt:

VORWORT Eine Stunde Aufenthalt 7
ERSTER GANG: »Jeder Bahnhof ein Wirtshaus, jeder Stationschef ein Gastwirt«Von Bahnhöfen und ihren Gaststätten, vom Reisen und Speisen 13

ZWEITER GANG: »Wer hier sitzt, hat Würde«
Von prächtigen Wartesälen und mächtigen Speisekathedralen 27

DRITTER GANG: »Ich möchte Jedermann warnen …« Vom früheren Abenteuer des Reisens und Speisens in fremden Ländern 47

VIERTER GANG: Pendler, Penner und Pennäler
Von Reisenden und vielen anderen Gästen des Bahnhofslokals 67

FÜNFTER GANG: Die Welt ist klein. Von heiteren Begegnungen, denkwürdigen Treffen und traurigen Abschieden 91

SECHSTER GANG: Es duftete nach der weiten Welt
Von heimatlichen Zufluchten und heimlichen Fluchtpunkten 111

SIEBTER GANG: »Mach’s gut!« Von tiefsinnigen Gesprächen, beredtem Schweigen und klugen Gedanken 129

ACHTER GANG: Rilke im Bahnhofsbuffet. Von Bahnhofscafé-Lyrikern und Kneipen-Literaten, Briefen und Postkarten 149

NEUNTER GANG: »… worauf die Leute in den Wartesälen warten«
Von Unbequemlichkeiten, unerwarteten Erfahrungen und dem Sinn des Lebens 165

ZEHNTER GANG: »Herrschaften wünschen zahlen?« Von Bahnhofswirten, obstinaten Obern und anstelligen Kellnerinnen 181

ELFTER GANG: »Die Goschen halten und servieren!«. Von erlesenen Speisen, belebenden Getränken und merkwürdigen Genüssen 103

ZWÖLFTER GANG: Bahnhofsgaststättenvorfall
Von durchbrechenden Zügen und anderen Ereignissen 229


Es freue mich sehr, dass auch ich etwas zum Gelingen dieses herrlichen Buches  beitragen konnte. Das Umschlagfoto vorne stammt aus meinem Archiv. Es zeigt die erste Seite der Speisekarte des Wartesaals 2. Klasse im Zentralbahnhof Berlin Friedrichstraße aus dem Jahr 1938. Meine Oma Auguste „Gusti“ Populorum hatte diese von ihrer Reise „ins Reich“ nach Dresden und Berlin mitgebracht.


Fazit:

Für Freunde der Eisenbahn und von Bahnhofsgaststätten ein MUSS, dieses Buch zu erwerben. Sicher auch ein feines Lesebuch für Reisen mit der Bahn heuer im Sommer, wohin die Reise auch gehen mag.

Zitat: Guido Fuchs (Hg.). In der Bahnhofsgaststätte. Ein literarisches Menü in zwölf Gängen. 260 Seiten | 14 x 21,5cm, Klappenbroschur.
Verlag Monika Fuchs, Hildesheim 2018. ISBN 978-3-947066-65-0
17,50 € (D) | 18,00 € (A) | 24,90 sFr (UVP)


Link: Provisorische Zusammenstellung von Bahnhofsrestis in Österreich am DEEF-Server (wird ausgebaut) >>>


Copyright DEEF/Dr. Michael Alexander Populorum

Sollten Sie Anregungen zu den Projekten haben oder eigene Beiträge oder Fotos präsentieren wollen, so freuen wir uns auf eine Kontaktaufnahme. Haben Sie einen Fehler entdeckt? Bitte um Info >

redaktion@dokumentationszentrum-eisenbahnforschung.org


Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 30. Juni 2019; Letzte Ergänzung:

Donauuferbahn demoliert

Ein Lokalaugenschein durch Dr. Michael Populorum vor Ort in Klein Pöchlarn und in Marbach an der Donau / Maria Taferl im Juni 2019 brachte die traurige Gewissheit: Die von den Verkehrspolitikern in der Niederösterreichischen Landesregierung entsandten Bagger haben die Donauuferbahn im Mittelabschnitt (Strudengau) demoliert, die Schienen wurden herausgerissen, die Tunnel sollen noch zubetoniert und die Bahntrasse teilweise verbaut werden.

Das nenne ich Nachhaltigkeit im negativsten Sinne! Der Vollständigkeit halber: Die (un)verantwortlichen Verkehrspolitiker kommen aus der ÖVP, ob schwarz oder türkis, das ist in diesem Kontext wohl unerheblich.

Hier wurde nicht nur Volksvermögen vernichtet, sondern auch nicht wieder gut zu machender Schaden hinsichtlich eines nachhaltigen und zukunftsträchtigen Verkehrs- und Tourismuskonzepts angerichtet.

Einige aktuelle Bilder, die auch in die 4-teilige Dokumentation eingebaut wurden:

In Marbach an der Donau Juni 2019: Brückenskelett. im Hintergrund (abgezäunt) der 34 m lange Trausinger Tunnel
Im Schallmarbacher Tunnel – gut erhalten aber wohl bald zubetoniert – Verkehrspolitik a la Niederösterreich
Hat ein Eisenbahnliebhaber den Bahnhof Marbach-Maria Taferl erworben? Eine interessante Mischung von Schienen und frisch gepflanzten Obstbäumen
Obstbäume statt Schienen in Marbach – Maria Taferl
Die Schienen sind weg, die Bagger noch vor Ort – Klein Pöchlarn Juni 2019
Klein Pöchlarner Tunnel Westportal
In der Röhre
Muss der Gemeindename geändert werden? Krummnußbaum a.d. (demolierten) Donauuferbahn??

Was sagen Sie zu den Vorgängen rund um die Donauuferbahn in Niederösterreich?? Schreiben Sie uns!

Link zur DEEF-Doku: Die Donauuferbahn in 4 Teilen >>>


Beitrag erstellt am 8.6.2019

Kleines Verkehrslexikon

Kleines Verkehrslexikon auf der Zielgeraden

Gut Ding braucht Weil´ – so lautet ein alter Spruch und er trifft auch auf die Genese des „Kleinen Verkehrslexikons“ zu.

Vor fast genau 3 Jahren begann ich in meinem Südtiroler Domizil Auer bei Bozen mit dem Schreiben des „Kleinen Verkehrslexikons“, nachdem der Salzburg Airport in Person seines kaufmännischen Direktors Karl Heinz Bohl durch die Zusage einer Anschubfinanzierung das Projekt erst möglich gemacht hat. Maximal 1,5 bis 2 Jahre hatte ich für mich selbst als Projektdauer kalkuliert, doch inzwischen sind 3 Jahre vergangen und das Lexikon ist leider noch immer nicht in den Bücherläden.

Das Kleine Verkehrslexikon – Titel Manuskript

Zum einem musste ich erkennen, dass man nicht – wie ich ursprünglich dachte – einfach so „nebenbei“ ein Lexikon schreibt und zum anderen ging auch der Inserateverkauf zäher als gehofft, mit dem sich die Entstehung und auch der Druck ja finanzieren sollte, nein musste.

Nun bin ich aber auf der Zielgeraden, auch wenn diese nicht eben kurz sein sollte. Durch tagtägliches stundenlanges Arbeiten zeigte sich doch ein zählbarer Fortschritt, das Kleine Verkehrslexikon wuchs und wuchs und hat dadurch schon ca. das Doppelte an Seiten erreicht als geplant.

Nun gilt es noch einige Inserenten zu gewinnen, damit auch der Druck sichergestellt ist, denn der Aufwand bis dato war deutlich höher als kalkuliert und auch der Druck wird teurer werden, ist das Kleine Verkehrslexikon ja fast zu einem großen angewachsen.

Jedenfalls möchte ich auf alle Fälle den Redaktionsschluss im 2. Quartal halten und dann in Druck gehen!


Webseite eingerichtet:

Um Ergänzungen und Korrekturen zum Kleinen Verkehrslexikon machen zu können und es somit aktuell zu halten, habe ich eine Webseite eingerichtet, auf die auch die Leser des Buches hingewiesen werden. Es ist die folgende Seite >>>