Die Strausberger Eisenbahn / Tram 89

Allgemeines
Unter Strausberger Eisenbahn, bis 1920 Strausberger Kleinbahn, versteht man sowohl ein Verkehrsunternehmen, nämlich die Strausberger Eisenbahn GmbH als auch die von ihr betriebene Straßenbahnlinie, die heutige Tramlinie 89 im Osten Berlins. Diese Straßenbahnlinie Nummer 89 ist 6 km lang und schließt die Stadt Strausberg über den peripher gelegenen Bahnhof Strausberg an das Schienennetz der S-Bahn Berlin sowie der Preussischen Ostbahn an.

Im Bahnhof Strausberg besteht Anschluss an die Berliner S-Bahnlinie 5 Spandau – Hauptbahnhof – Ostbahnhof – Mahlsdorf – Hoppegarten – Strausberg – Strausberg Nord sowie an die Regionalbahnlinie 26 entlang der Preußischen Ostbahn (ursprünglich 740 km lange Strecke Berlin – Königsberg – russ. Grenze), wo die Niederbarnimer Eisenbahn AG (NEB) aktuell unter der Bezeichnung „Oderlandbahn“ den grenzüberschreitenden Personenverkehr Berlin – Strausberg – Küstrin (heute Kostrzyn) abwickelt.

Die Stadt Strausberg hat gut 25.000 Einwohner und liegt am Straussee, wo die Strausberger Eisenbahn GmbH mit der Strausseefähre die einzige elektrische Seilzugfähre Deutschlands betreibt. Größter Arbeitgeber ist in Nachfolge der NVA die Deutsche Bundeswehr, wobei dem Militär auch die zweite Schienenanbindung der Stadt neben der Tramlinie 89 zu verdanken ist nämlich die Verlängerung der S-Bahnlinie 5 von Strausberg S-Bahn über Hegermühle und Strausberg Stadt nach Strausberg Nord (seit 1955).
Die Strausberger Eisenbahn ist heute als reiner Straßenbahnbetrieb konzessioniert, der frühere zusätzliche Güterverkehr, der eine Konzessionierung auch als Eisenbahn notwendig machte, ist Geschichte. Auch das Anschlussgleis zum DB-Netz in Strausberg wurde 2006 gekappt. Die Strausberger Straßenbahn ist normalspurig, mit 750 Volt Gleichstrom elektrifiziert, weist eine maximale Neigung von 10 Promille und einen kleinsten Radius von 100 Meter auf.

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Milestones
• 1867: Die Preußische Ostbahn Berlin – Küstrin (-Königsberg) wird eröffnet
• 1893: Gründung der Strausberg Kleinbahn A.G. (24.3.) mit dem Ziel Strausberg an die Ostbahn anzuschließen
• 1893: Am 17. August Eröffnung der 6 km langen normalspurigen Kleinbahn zwischen Strausberg Vorstadt und Strausberg Stadt mit den Halten Landhaus (heute Landhausstrasse), Schlagmühle und Hegermühle, Personen- und Güterverkehr
• 1919: Übernahme der Kleinbahn durch die Stadt Strausberg
• 1920: Umbenennung in Strausberger Eisenbahn A.G.
• 1921: 6 März Trassenneulage Bhf. Hegermühle – Strausberg Stadt sowie Elektrifizierung (750 Volt Gleichstrom). Alte Streckenführung blieb für Güterverkehr verfügbar
• 1926: Zweimalige Streckenverlängerungen, zuerst um 300 m von Lustgarten nach Marktplatz, dann um weitere 600 m vom Marktplatz bis Provinzialanstalt (später Landesjugendheim)
• 30er/40er Jahre: Starker Güterverkehr durch Rüstungsbetriebe und nach 1945 durch Militär der sowjetischen Besatzungsarmee
• Nach 1945: Da die Stadt Strausberg im Mehrheitsbesitz der Aktien war entging die Bahn der Integration in die DR
• 1946: Umbenennung in Strausberger Straßenbahn
• 1950: Umbenennung in VEB (K) Strausberger Eisenbahn
• 1970: Am 1.1. Eingliederung in den VEB Kraftverkehr Fürstenwalde
• 1970: Am 1. Oktober Stilllegung des Abschnitts Lustgarten – Landesjugendheim
• 1990er Jahre: Nach Abzug der Sowjettruppen Entfall der Gütertransporte, andere Unternehmen geringe Bereitschaft für Schienentransport > nur mehr sporadischer Güterverkehr
• 01.01.1991: Umbenennung in Strausberger Eisenbahn GmbH

• 2005: Ende des Güterverkehrs
• 2006: Kappung des Verbindungsgleises in Strausberg Vorstadt zur DB (seither Inselbetrieb)
• 2006: Rückbau der Güterstrecke in Strausberg (ursprüngliche Trasse)

Der Betrieb
(Stand 2014)
Die einfache Fahrt von Strausberg S-Bahn (Strausberg Vorstadt) bis in die Stadt (Lustgarten) dauert 13 Minuten. Wochentags wird ein 20-Minuten-Takt gefahren und in Hegermühle gekreuzt, am Wochenende ein 40-Minuten-Takt. Inklusive der Endpunkte werden 9 Stationen bedient. Bis Oktober 1970 gab es ab Lustgarten noch weitere 4 Stationen, nämlich
• Große Straße
• Marktplatz (vormals Leninplatz)
• Badstraße
• Landesjugendheim (vormals Provinzialanstalt)
Im Regelbetrieb werden seit 2013 2 Fahrzeuge des Typs Flexity Berlin (Nummern 0041 und 0042) in den für Berlin typischen gelben Farben eingesetzt. Für Verstärkerfahrten stehen noch Triebwagen des Typs Tatra zur Verfügung.




Links
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DEEF-Kategorie Straßenbahnen in Europa >>>
DEEF-Dokumentation Straßenbahn Schöneiche-Rüdersdorf (Linie 88) >>>
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Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum
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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF
Erstmals Online publiziert: / page first published 1. Mai 2014; Seiten-Relaunch 16.5.2026; Letzte Ergänzung / page last modified 16.5.2026
