SLO/HR: Hauptstadtverbindung (2): Laibach – Zagreb via Metlika und Karlovac (Teil 1)

Teil 1: Von Laibach nach Metlika
Im zweiten Teil meiner Streckenbeschreibung „Von der Slowenischen Hauptstadt Laibach in die Kroatische Metropole Zagreb (österr. Agram)“ möchte ich nun die weniger befahrene Route über Metlika präsentieren.

Streckenbeschreibung Route 1 Laibach-Zagreb über Dobova siehe >>>
Die Strecke
Die Eisenbahnstrecke Laibach-Novo Mesto-Metlika-Karlovac ist insgesamt 153,9 km lang, wobei die Kilometrierung in der kroatischen Bierstadt Karlovac beginnt. Die Streckenkilometer 0,0 bis 29,4 befinden sich auf kroatischem Staatsgebiet und werden von den Kroatischen Eisenbahnen (HZ) betrieben, die Streckenkilometer ab der Grenze nächst Metlika von km 29,4 bis 153,9 (also 124,5) von den Slowenischen Eisenbahnen (SZ).
Die normalspurige Strecke ist beiderseits der Grenze eingleisig und nicht elektrifiziert, wobei der slowenische Abschnitt deutlich stärker befahren wird als der kroatische. Eingesetzt werden Dieseltriebwägen, die kürzeste Fahrzeit von Laibach nach Metlika beträgt 2 Stunden 30 Minuten. Nach einem Aufenthalt von einer Viertelstunde geht es mit dem Kroatischen Triebwagen weiter, er braucht für die 29,4 km nach Karlovac (aktuell 2016 Zielbahnhof Duga Resa) eine knappe Stunde.
Update (Stand April 2026):
Seit dem 12. Dezember 2021 ist der Personenverkehr auf dem grenzüberschreitenden Abschnitt zwischen Bubnjarci und Rosalnice eingestellt.

Geschichte
Die Gesamtstrecke wurde in einer Zeit erbaut, in der das gesamte Gebiet noch zu Österreich-Ungarn gehörte. Folgende Baudaten (in Klammern die Eröffnungsdaten) können genannt werden:
Laibach-Grosuplje 1892-1893 (27. September 1893)
Grosuple-Novo mesto 1892-1894 (1. Juni 1894)
Novo mesto-Metlika 1912-1914 (26. Mai 1914)
Der Streckenabschnitt auf heute kroatischem Gebiet wurde 1913 eröffnet, und zwar nicht von der k.k. Staatsbahn wie auf Slowenischen Gebiet, sondern von der ungarischen MAV
Die Strecke war Teil des Österreichischen „Dalmatien-Projekts“, nämlich auf Schienen Dalmatien zu erreichen – der Plan konnte allerdings erst nach dem 1. Weltkrieg im Jahr 1925 durch Jugoslawien verwirklicht werden, wobei die Strecke allerdings dann keine überregionale Bedeutung mehr hatte.
Victor von Röll schreibt dazu:
Von besonderer Bedeutung ist die im Jahre 1914 erfolgte Eröffnung der Staatsbahnlinie Rudolfswert-Möttling-Landesgrenze, die in Rudolfswert an die Linie Laibach-Rudolfswert und in Bubnjarci an die ungarische Staatsbahnlinie anschließt. Nach Fertigstellung der auf ungarischem Gebiet gelegenen Linie Ogulin-Landesgrenze sowie der österreichischen Anschlußstrecke nach Knin wird die für Österreich hochwichtige, seit Jahren angestrebte direkte Verbindung des österreichischen Eisenbahnnetzes mit Dalmatien der Verwirklichung zugeführt sein (Röll, Freiherr von: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens, Band 7. Berlin, Wien 1915, S. 432).
Von Karlovac bis Zagreb verläuft die Fahrt dann auf der Hauptstrecke Zagreb – Rijeka, welche im Abschnitt Zagreb-Karlovac im Jahr 1865 von der Österreichischen Südbahn errichtet wurde und nach wie vor eingleisig ist. Dieser Streckenabschnitt wurde 1970 elektrifiziert, und zwar vorerst mit dem „italienischen“ System 3000 Volt Gleichstrom, das aber bis 1987 durch das „jugoslawische“ System 25 kV 50 Hz Wechselstrom ersetzt wurde.
Die Stationen in Slowenien von Laibach nach Metlika
Ljubljana / Laibach Hbf., km 153,9 (ab Karlovac); Seehöhe 298 m



Ljubljana Vodmat, km 152,3
Ljubljana Rakovnik, (altösterr. Laibach Steinbüchel), km 149,5

Lavrica, km 144,6 (nicht bedient)
Škofljica, (altösterr. Frauenberg bei Laibach), km 142,0 (Seehöhe 293 m)

Grosuplje, (altösterr. Großlupp), km 132,5 (Seehöhe 332 m) > Abzweig der aktuell nur als Güterstrecke genutzten, 48,6 km langen Linie nach Kocevje (dt. Gottschee)
Grosuplje liegt in der Region um Ljubljana. In der Gesamtgemeinde leben rund 18.403 Einwohner, davon in der Stadt Grosuplje allein 7.625 Einwohner. Im Jahre 1136 wurde die Ortschaft erstmals erwähnt. Nach dem Anschluss an das Schienennetz wuchs der Ort rasant. Über 8 km südlich von Grosuplje befindet sich die 1926 entdeckte Höhle Županova jama, eine der schönsten Höhlen Sloweniens.



Stellwerk Ausfahrt Großlupp, nach rechts (Süden) zweigt danach die ebenfalls 1893 eröffnete Bahnstrecke ins „Gottscheer Landl“ ab. Die Geschichte hat den Gottscheern äußerst übel mitgespielt und in der ehem. fast rein deutschen Sprachinsel Gottschee finden sich heute nicht mehr viele echte Gottscheer – vertrieben, massakriert oder mit den Slawen vermischt, wahrlich kein Ruhmesblatt für Slowenien. Und auch heute weigert sich das EU-Land Slowenien hartnäckig, die noch vorhandene Minderheit der Gottscheer entsprechend zu schützen und zu fördern – hier würde es deutlicherer Worte aus Wien und Berlin sowie Brüssel bedürfen!
Mlačevo, km 128,8
Žalna, (altösterr. Seitenhof;oder Schalna?), km 126,8


Višnja Gora, (altösterr. Weixelburg), km 122,3 (Seehöhe 327 m)

Ivančna Gorica (altösterr. Johannsbüchel), km 116,5 (327 m)
In der Gesamtgemeinde Ivančna Gorica leben 14.868 Menschen, davon allein hat Ivančna Gorica 1578 Einwohner. Sehenswert ist das Zisterzienserkloster Sittich (slow.: Stična). Es ist das älteste Kloster von Slowenien und wurde 1136 von Peregrin, dem Patriarchen von Aquileia gegründet. Ebenso sehenswert ist die Höhle Krška jama (dt.: Gurkhöhle). Dort entspringt der Fluss Krka (dt.: Gurk).

Šentvid pri Stični, (altösterr. Sankt Veit bei Sittich) km 112,7
Radohova vas, (altösterr. Rodockendorf), km 110,8 (307 m)

Gaber, km 107,3
Šentlovrenc, km 104,7
Velika Loka, km 101,8 (279 m)

Štefan, km 99,5
Trebnje, (altösterr. Treffen), km 97,0 (270 m) > Abzweig der 1938 errichteten Strecke nach Sevnica (Kroatische Bahn zwischen Zidani Most und Dobova)


Ponikve na Dolenjskem, 94,0
Vrhpeč, km 91,7 (nicht bedient)
Mirna Peč, (altösterr. Hönigstein), km 88,3 (280 m)

Hudo, km 82,0

Novo mesto, (altösterr. Rudolfswert bzw. Neustädtl), km 78,7 (178 m) > Abzweig 8,3 km lange Güterverkehrsstrecke nach Straza-Toplice


Die Stadt Novo Mesto liegt an einer Schleife des Flusses hat an der Krka (dt. Krainer Gurk) und hat 36.333 Einwohner. Die Stadt wurde 1365 von Herzog Rudolf IV. von Habsburg in einer Gegend gegründet, wo es bis dahin noch keine Siedlungen gab, und nach ihm Rudolfswerth benannt. Seit 1783 hieß die Stadt dann amtlich Neustädtl.
Nach der Ausfahrt aus dem Bahnhof Novo Mesto durchquert der Zug den 238 m langen Kapitelj Tunnel, an dessen Ostportal sich die Haltestelle Novo Mesto Center anschließt.
Novo mesto Center, km 77,8
Novo mesto Kandija, km 77,2

Birčna vas, km 71,2
Uršna sela, km 65,4 (333 m)
Rožni Dol, (altösterr. Rosenthal), km 60,9 (373 m)


Semič, (altösterr. Semitsch), km 55,5 (319 m)

Südlich von Novo Mesto wechselt die Bahnstrecke von der historischen (altösterreichischen/slowenischen) Landschaft Dolenjska (Unterkrain ) in die südöstlichste Landschaft Sloweniens, nach Bela krajina (Weißkrain), auch Weiße Mark, im Mittelalter auch Grafschaft Möttling, Mark von Metlika, genannt. Bis hierher haben sich in den letzten Jahrzehnten noch kaum Touristen herverirrt. Die Weißkrain ist zum einen ein „Ethnologisches Schatzkästlein“ und ein Gebiet von unberührter Naturschönheiten, aber anderseits auch geprägt von wirtschaftlichen und sozialen Problemen (Roma). Hier scheinen noch keine Fördergelder der EU gelandet zu sein, es gibt starken Nachholbedarf aber sicher auch Potential – es bleibt nur zu hoffen, dass die Ankunft der Weißkrain im 21. Jahrhundert von Nachhaltigkeit geprägt sein wird.
Semič (dt.: Semitsch) ist eine Gemeinde in der historischen Landschaft Bela krajina (Weißkrain) in Slowenien. In der aus 46 Ortschaften und Weilern bestehenden Gesamtgemeinde leben 3.901 Menschen. Der Hauptort beherbergt alleine 1.228 Einwohner. Die Gemeinde liegt im Hügelland Gorjanci. Ein kleines Gebiet im Nordwesten der Gemeinde um Črmošnjice (Tschermoschnitz), der südliche Teil des Tals Črmošnjiško-poljanska dolina (Moschnitze), bildet einen Teil der historischen Region Gottschee. Einige wenige Bewohner sprechen hier noch das fast ausgestorbene Gottscheerisch. Bis zum Ende des Habsburgerreichs gehörte Semič zum Kronland Krain, wobei Semič eine selbständige Gemeinde im damaligen Gerichtsbezirk Möttling/Metlika (politischer Bezirk Tschernembl/Črnomelj) bildete.
Otovec, (altösterr. Otawitz), km 50,1

Einzig Bahnhofsbuffets habe ich kaum gesichtet, in Črnomelj, (altösterr. Tschernembl) deuteten jedoch Tische und Stühle unter der Veranda des Aufnahmsgebäudes auf eine Labungsmöglichkeit hin.
Das altösterreichische Otawitz hat um die 50 Einwohner und gehört zur Stadt Črnomelj (altösterr. Tschernembl).
Črnomelj, (altösterr. Tschernembl), km 46,6 (181 m)

Črnomelj (deutsch Tschernembl, italienisch Cernomeli) ist eine Stadt in der slowenischen Region Bela krajina. Der Altstadtkern liegt auf einem schmalen Damm zwischen den Flüssen Lahinja und Dobličica. Die Stadt hat 5.799 Einwohner (2002); die gleichnamige Gemeinde bildet mit 14.580 Einwohner die größte der drei Gemeinden der Bela krajina. Der Fluss Kolpa bildet die natürliche Grenze zu Kroatien. Gemeinsam mit den Gemeinden Metlika und Semič bildet Črnomelj die Region Weißkrain/Bela Krajina. Westlich der Stadt liegt das historische Gottscheer Ländchen mit dem Hauptort Kočevje, nördlich trennt der Höhenzug Gorjanci von der Region Unterkrain mit der größten Stadt Novo mesto.
Der Ort war schon in der Hallstatt-Epoche besiedelt. 1407 wird Črnomelj wegen der bevorstehenden Türkengefahr mit Mauern und einem Burggraben umgeben. 1529 wird es Stützpunkt für Gegenstöße gegen die Türken. Diese Zeit ist der Beginn seines Aufschwungs, der bis 1579 andauert, ehe die Truppen nach der neuen Stadt Karlovac verlegt werden. Die Burg wurde im Jahr 1165 von Otto Kraški an einer Stelle errichtet, von wo man die Zugänge zur Stadt schützen konnte. In späterer Zeit wurde sie mehrfach umgebaut. Bis zum Ende des Habsburgerreichs gehörte die Stadt zum Kronland Krain, wobei Črnomelj eine selbständige Gemeinde im Gerichtsbezirk Tschernembl (politischer Bezirk Tschernembl) bildete und Sitz des Bezirksgerichts sowie der Bezirkshauptmannschaft war.
Die Pfarrkirche Sankt Peter stammt in ihrer heutigen Form aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, blickt aber eindeutig auf eine sehr lange Tradition zurück, was auch die altslawischen Gräber in unmittelbarer Nähe zeigen. Die Altstadt selbst ist ein archäologisches Denkmal, das wegen der reichhaltigen Funde auch „Stadt über der Stadt“ genannt wird.
Gradac, (altösterr. Gradaz), km 40,5 (151 m)

Dobravice, (altösterr. Dobrawitz), km 36,4
Metlika, (altösterr. Möttling, vorher Merling), km 31,7 (146 m)


Metlika (deutsch Möttling, vorher Merling) ist eine Stadt und Gemeinde in der Bela krajina (Weißkrain) mit 8.123 Einwohnern. Die Gegend um Metlika ist das südlichste Weinbaugebiet Sloweniens.
Die Gegend war schon in der Urgeschichte bewohnt, was eine Vielzahl von Ausgrabungsfunden belegt, u. a. ein Urnenfeld aus der frühen Hallstattzeit, römische Gräber auf dem Berg Borstek, drei große Hallstatt-Grabhügel im Stadtgarten und eine La-Tène-Nekropole. Seit etwa 1205 gehörte Metlika (Möttling) zur Krain, die Stadtrechte erlangte es im Jahre 1335. Damit wurde Metlika Mittelpunkt der Weißen Mark (auch Weißkrain bzw. Grafschaft Möttling genannt). Bis zur Gründung der Stadt Karlovac spielte es eine Schlüsselrolle gegen die Osmanen, die es in der Zeit von 1408 bis 1578 mehrmals angriffen. Bis zum Ende des Habsburgerreichs gehörte Metlika zum Kronland Krain, wobei Metlika eine selbständige Gemeinde im Gerichtsbezirk Möttling (politischer Bezirk Tschernembl) bildete. Metlika war dabei Sitz des örtlichen Bezirksgerichtes.

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Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum
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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF
Erstmals Online publiziert: / page first published 6. August 2016; Seiten-Relaunch 22.4.2026; Letzte Ergänzung / page last modified 26.4.2026
