Belgien: Bahnstrecke Linie 44 (Verviers -) Pepinster – Spa (- Stavelot) >Luxembourg

Allgemeines, Strecke, Verkehr
Befragt man das Belgische Kursbuch „Indicateur des Chemins de Fer Belges / Spoorboekje van de Belgische Spoorwegen“ der Belgischen Staatsbahn SNCB, so wird dort unter Linie 44 der Verkehr von Verviers Centraal über Pepinster nach Spa Géronstère verstanden. Dabei verlaufen die ersten ca. 4 km von Verviers Centraal nach Pepinster auf der Wesertalbahn Aachen – Verviers – Pepinster – Lüttich, die im Kursbuch als Linie 37 bezeichnet wird.
Der belgische Schieneninfrastrukturbetreiber Infrabel bezeichnet(e) unter Linie 44 die Strecke Pepinster – Spa – Stavelot, wobei die Strecke Spa – Stavelot längst Geschichte und abgebaut ist. Einst hatte die Strecke auch internationale Bedeutung, führte sie doch von Spa bzw. Stavelot weiter über Trois Ponts (Dreibrücken) nach Luxembourg.
Der Verkehr erfolgt hauptsächlich mit Elektrotriebwägen stündlich und die Züge verkehren auf der Relation Verviers – Pepinster – Spa Géronstère bzw. Welkenraedt – Verviers – Pepinster – Spa Géronstère. Vereinzelt werden Kurs bis Eupen, Hauptort der deutschsprachigen belgischen Gemeinde, durchgebunden (Stand 2014). Die letzten Triebwägen dieser Baureihen wurden 2023 außer Dienst gestellt AM 73-AM 79).


Die Strecke von Verviers Central bis Pepinster hat eine Länge von 4,3 km, ist 2-gleisig ausgebaut und mit 3000 Volt Gleichstrom elektrifiziert. Die Strecke (Wesertalstrecke) wurde in diesem Bereich im Jahr 1843 eröffnet. Sie hat auch einen Tunnel aufzuweisen, und zwar den Tunnel d´Ensival mit einer Länge von 380 m. Der Haltepunkt Ensival, ein Ortsteil von Verviers, wird aktuell nicht mehr im Personenverkehr durch die Bahn bedient sondern per Autobus.
Die Strecke von Pepinster nach Spa Géronstère (Linie 44 im engeren Sinne der Infrabel) ist 12,5 km lang und seit 1971 mit 3000 Volt Gleichstrom elektrifiziert. Die Strecke ist jetzt eingleisig, wurde jedoch in den Jahren 1901-1903 im Abschnitt Pepinster – Spa auf Doppelspur ausgebaut, welche aber im Lauf des 2. Weltkriegs von den Deutschen 1942 abgebaut wurden.
Besondere Bahnhofsgebäude in Verviers und Pepinster
Besonderheiten hinsichtlich ihrer Bauart stellen die beiden Bahnhofsgebäude in Verviers und Pepinster dar.
Der Bahnhof Verviers Central ist ein sogenannter Reiterbahnhof (auch Sattelbahnhof genannt), wo das Empfangsgebäude gleich einer Brücke quer über den Gleisanlagen (in Verviers 5 Gleise) liegt, es reitet sozusagen auf den Gleisen. Dabei erübrigt sich eine Einsteighalle. Vom Bahnhofsgebäude führen Treppen, Rampen oder Aufzüge hinunter zu den Bahnsteigen. Als weitere Besonderheit liegen die Bahnsteige und Gleise in Verviers teilweise im Tunnel unter dem Bahnhofsgebäude, dem sogenannten Tunnel Chic Chac (Länge 388 m).

Reiterbahnhof Verviers Central bahnsteigseitig – unter dem Bahnhofsgebäude aus den 1930er Jahren verschwinden die Gleise im Tunnel Chic Chac. Der Bahnhof Verviers Central wurde 2013ff umgebaut (Aufweitung des Tunnels Chic Chac), damit auch Doppelstockzüge hier verkehren können.








Die Vorgängerbahnhöfe von Verviers Centraal, Verviers-Ouest (vormals Verviers-Léopold) bzw. Verviers-Matadi sind alle samt Geschichte, einzig das riesige Gebäude des Güterbahnhofs/Zoll von Verviers-Ouest ist noch erhalten und beherbergt ein großes, feines Hotel (Van der Valk).

Der Bahnhof Pepinster ist als sogenannter Keilbahnhof angelegt. Als Keilbahnhof wird ein Bahnhof bezeichnet, dessen Gleisanlage sich vor dem Empfangsgebäude gabelt, das so in der Keilspitze liegt. Die Gleise führen beidseitig daran vorbei, ohne sich dahinter wieder zu vereinigen – im Gegensatz zum Inselbahnhof, bei dem die Gleise sich hinter dem Empfangsgebäude wieder vereinigen.





Geschichte
Eröffnungsdaten:
Pepinster – Theux: 21. Oktober 1854
Theux – La Reid: 7. November 1854
La Reid – Spa: 17. Februar 1855
Spa – Stavelot: 20. Februar 1867 (als Teil der internationalen Verbindung Luxemburg – Spa, Finanzmittel aus Luxemburg)
Die Betriebsführung erfolgte durch:
Compagnie du chemin de fer de Pepinster à Spa (1855-1867)
Compagnie française des chemins de fer de l’Est (1867-1872)
Belgische staatsspoorwegen (1872-1926)
NMBS/SNCB (seit 1926)
Treibende Kraft zur Errichtung der Strecke waren die Betreiber der Thermaleinrichtungen in Spa. Die internationale Verbindung des ostbelgischen Raums (u.a. Industriezentrum Verviers) mit Luxembourg wurde schon recht bald (1890) durch eine andere Verbindung kanibalisiert und in ihrer Bedeutung geschmälert, und zwar durch die weiter westlich verlaufende Verbindung von Lüttich über Rivage und Trois Ponts (Linie 42) nach Luxembourg.
Die Stationen der Linie 44
Die Strecke von Pepinster nach Spa verläuft unspektakulär entlang des kleinen Flusses Hoegne, welches auch mehrmals gequert wird.
Pepinster (km 0,0)








Pepinster-Cité (km 0,7)


Pepinster Chinheid (km 1,6; aufgelassen)
Juslenville (Bahnhof km 3,2)
Theux Marie Louise (km 3,8; aufgelassen)
Theux (Bahnhof km 4,2)
Theux Centre (km 5,0; aufgelassen)
Franchimont (km 5,6)
La Reid (km 7,4; Bahnhof, aufgelassen)
Marteau (km 9,6; aufgelassen)
Spa (Bahnhof km 11,2)




Spa Géronstère (heutiger Endpunkt, bis 2002 Bezeichnung „Géronstère“, km 12,5; Prellbock bei km 12,8)



Nivezée (km 15,2)
Sart-lez-Spa (Bahnhof, km 19,8)
Hockai (Bahnhof, km 23,7)
Francorchamps (Bahnhof, km 27,3)
Stavelot (Bahnhof, km 36,8; aufgelassene Strecke weiter nach Trois Ponts (Linie 45 von dort „Nordlinie“ nach Luxembourg)

Teilweise Einstellung
Am 2. August 1959 wurde der reguläre Personenverkehr zwischen Spa Géronstère (bis 2002 Géronstère) und Stavelot eingestellt, einzelne Sonderzüge zu den Autorennen in Francorchamps gab es noch bis 1966. Am 30. Juni 1969 war auch der Güterverkehr Geschichte. Der Abbruch der Strecke erfolgte in den Jahren 1973 und 1974.
Zwischen Sart -lez- Spa und Stavelot wurde 2010 ein Radweg eröffnet, der reizvoll durch die Ausläufer der Ardennen führt.
Das Bahnhofsgebäude Sart -lez-Spa ist intakt vorhanden (in ein Hotel/Restaurant umgebaut) . In Hockai ist der alte Bahnsteig noch sichtbar (539 m über dem Meeresspiegel, bis zum Ersten Weltkrieg die höchste Station in Belgien, die anschließend LOSHEIMERGRABEN wurde mit 613 m).
Links
Infrastrukturbetreibe Infrabel >>>
Betreiber Personenverkehr SNCB >>>
DEEF-Dokumentation Eisenbahnlinie 44 (Verviers) – Pepinster – Spa – Stavelot (-Luxembourg) >>>
DEEF-Dokumentation Eisenbahnlinie 96 Bruxelles – Mons – Quévy – Feignies – Hautmont >>>
DEEF-Dokumentation Eisenbahnlinie 97 Mons – Quiévrain – Valenciennes >>>
DEEF-Dokumentation Eisenbahnlinie 130A Charleroi-Erquelinnes-Jeumont >>>
DEEF-Dokumentation Eisenbahnlinie 132 Charleroi Walcourt Mariembourg Treignes >>>
DEEF-Dokumentation Eisenbahnlinie 134 Mariembourg Couvin >>>
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Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum
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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF
Erstmals Online publiziert: / page first published 15. Mai 2014; Seiten-Relaunch 13.2.2026; Letzte Ergänzung / page last modified 13.2.2026
