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Die Reißeckbahnen im Kärntner Mölltal, Teil 1: Die Standseilbahn in 3 Sektionen

Bericht von: Dr. Michael Populorum

Reißeckbahn Kärnten Mölltal Dr. Michael Populorum

Im Rahmen meiner Forschungstätigkeit an der Tauernbahn-Südrampe konnte ich im August 2008 auch den Reißeck Bahnen einen Besuch abstatten. Ausgangspunkt (Talstation) dieser Bahn mit mehreren Teilstrecken / Sektionen ist die Ortschaft Kolbnitz im Kärntner Mölltal mit gleichnamiger Bahnstation an der Tauernbahn (Gemeinde Reißeck). Die Reißeckbahnen sind Relikte des Kraftwerksbaus aus den 1950er Jahren, die teilweise dann nach Vollendung der Kraftwerksbauten in Besucherbahnen umgewandelt wurden. Das in 4 Stauseen gefasste Wasser der Reißeckgruppe speist gemeinsam mit dem Wasser aus der Kreuzeckgruppe auf der anderen, südwestlichen Talseite (Kreuzeckbahn) das Kraftwerk Reißeck-Kreuzeck.

Während der Bauzeit gab es eine Vielzahl an (temporären) Rollbahnen, Schrägaufzügen, Seilbahnen (bspw. Umlaufseilbahn Bhf. Kolbnitz - Schoberboden, errichtet 1954), Förderbandstrassen und Gebäuden, wovon ein Grossteil längst verschwunden ist. Die verbliebenen Bahneinrichtungen unterteilen sich in einen öffentlichen Bereich, wo alljährlich tausende Touristen (und Bahnliebhaber) höchst spektakulär ins Hochgebirge transportiert werden sowie in einen nicht-öffentlichen Bereich, der zum Unterhalt (Kontrolle, Wartung) der Kraftwerksanlagen benötigt wird.

Nachfolgend ein kurzer Exkursionsbericht in 3 Teilen

Foto Dr. Michael Populorum Reißeckbahn Kärnten DEEF Dokumentationsarchiv für Europäische Eisenbahnforschung

Foto Dr. Michael Populorum Reißeckbahn Kärnten DEEF Dokumentationsarchiv für Europäische Eisenbahnforschung

Talstation Kolbnitz (Zandlach). Rechts ein offener Materialwagen (alter Personenwagen), links die Druckwasserleitung, die die Strecke begleitet. Darüber die neue Betonbrücke der Tauernbahn

Der Wagen der Standseilbahn Sektion 1 bei der Ein-/ Ausfahrt Talstation. Die Betriebsführung für den Personenverkehr obliegt der Tauern-Touristik GmbH.

Von der Talstation in Kolbnitz ("Zandlach") auf 719m Seehöhe bringt eine Standseilbahn die Gäste in 3 Sektionen über "Schütter" und "Trog" zur Bergstation "Schoberboden" in 2.236 m Seehöhe. Bei der Überwindung der 1.517m Höhenunterschied beträgt die maximale Neigung sagenhafte 82%! (Sektion1). Von der Bergstation Schoberboden bringt dann die Reißeck Höhenbahn die Gäste zum nur unwesentlich höher gelegenen Hotel Reißeck (2.245), wobei ein Grossteil der ca. 3,4 km langen Strecke im Tunnel zurückgelegt wird. Das Hotel Reißeck (Restaurant, Übernachtung, Hallenbad) ist Ausgangspunkt für Wanderungen sowie Klettertouren in die Reißeckgruppe. Nahe dem Hotel zweigt auch der nicht-öffentliche Streckenteil der Kraftwerksbahnen ab.

Die Fahrt mit der Reißeckbahn ist wirklich ein Erlebnis und nicht nur dem Eisenbahnfreund empfohlen. Eine leichte Wanderung zum Grossen Mühlendorfer See mit Führung durch die Staumauer ist ebenso zu empfehlen. Obwohl in Kolbnitz hochsommerliche Temperaturen herrschten, war es an der Bergstation kühl, windig und oftmals verdeckten Wolken die Sonne - daher auch im Hochsommer bei schönem Wetter im Tale warme Kleidung mitnehmen.

Foto Dr. Michael Populorum Reißeckbahn Kärnten DEEF Dokumentationsarchiv für Europäische Eisenbahnforschung

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Links: Blick aus dem Wagen Sektion 1 nach unten mit Unterführung unter die Tauerbahn, rechts erkennbar die Druckrohrleitung; Schütter = Bergstation Sektion 1 = Talstation Sektion 2

 

Foto Dr. Michael Populorum Reißeckbahn Kärnten DEEF Dokumentationsarchiv für Europäische Eisenbahnforschung

Foto Dr. Michael Populorum Reißeckbahn Kärnten DEEF Dokumentationsarchiv für Europäische Eisenbahnforschung

Umsteigen in Schütter in die Sektion 2. Das Kraftwerkshaus für die jeweilige Sektion befindet sich immer über der jeweiligen Bergstation. Der Motor für den Windenbetrieb hat eine Leistung von 420 kW

Die steilste Stelle der Strecke würde man auch mit verbundenen Augen spüren - man muss sich wirklich festhalten!

 

Foto Dr. Michael Populorum Reißeckbahn Kärnten DEEF Dokumentationsarchiv für Europäische Eisenbahnforschung

So reist man heute. Rechtes Foto (Quelle Wikipedia, gemeinfrei) zeigt die Fahrt im alten Standseilbahnwagen 1968. 1 Stück dieser alten Wagen wird noch als offener Materialwagen genutzt (siehe Foto vorhin)

Datei:Standseil.JPG

Foto Dr. Michael Populorum Reißeckbahn Kärnten DEEF Dokumentationsarchiv für Europäische Eisenbahnforschung

Station "Trog" ist erreicht. Das Umsteigen geht flott, da beide Wagen unmittelbar nebeneinander halten. Die Strecke ist eingleisig, allerdings gibt es Weichen in den jeweiligen Halten, wo somit ein Überwechseln des Wagens (bspw. bei Materialtransporten) im Fall der Fälle von einer Sektion in die andere möglich ist

 

Foto Dr. Michael Populorum Reißeckbahn Kärnten DEEF Dokumentationsarchiv für Europäische Eisenbahnforschung

Schönes Alm- und Wandergebiet unterhalb Trog, im Hintergrund das Mölltal

Foto Dr. Michael Populorum Reißeckbahn Kärnten DEEF Dokumentationsarchiv für Europäische Eisenbahnforschung

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Blick nach unten von "Trog" auf Sektion 2

Die Bergstation Sektion 3 "Schoberboden" ist erreicht. Alle Fahrzeuge verkehren übrigens mit Personal

Zusammenfassung technische Daten Reißeck Standseilbahn (Quelle: Betreiber "Tauerntouristik" / Österreichische Draukraftwerkse AG; eigene Ergänzungen)

Reißeck-Standseilbahn

Spurweite

1,00 m

Zugseil Ø

40 mm

Seiltrommeldurchmesser

3,85 m

Wagen-Fassungsraum (Personen)

64 + 1

1. Sektion

Talstation "Zandlach"

719 m

Bergstation "Schütter"

1.270 m

Betriebslänge

1.185 m

Höhendifferenz

551 m

mittlere Neigung

55 %

größte Neigung

82 %

Inbetriebnahme März 1950

2. Sektion

Talstation "Schütter"

1.270 m

Bergstation "Trog"

1.749 m

Betriebslänge

1.290 m

Höhendifferenz

479 m

mittlere Neigung

51 %

größte Neigung

74 %

Inbetriebnahme Juni 1953

3. Sektion

Talstation "Trog"

1.749 m

Bergstation "Schoberboden"

2.236 m

Betriebslänge

1.130 m

Höhendifferenz

487 m

mittlere Neigung

49 %

größte Neigung

76 %

Inbetriebnahme März 1954

Die Gesamtfahrzeit für die 3 Sektionen beträgt ca. 25 Minuten, die Gesamtbetriebslänge 3.605 Meter. Geschwindigkeit bei Personenverkehr 2,4m/sek.

Der öffentliche Besucherverkehr ist seit Juli 1962 möglich, vorher gab es nur Kraftwerksverkehr. Eine Modernisierung erfolgte 1979-1983. Die neuen Wagen wurden von Waagner-Biro, Wien, gebaut.

>> Weiter zu Teil 2 "Die Reißeck Höhenbahn"

                

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Bericht von: Dr. Michael Populorum, Chefredakteur DEEF;  Erstmals online publiziert: 7. November 2010; Ergänzungen: 29. Mai 2014

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Last modified  Sonntag, 24. Mai 2015 22:13:38 +0200
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