DEFF Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung Dr. Michael Populorum AustriaEisenbahnforschung # Eisenbahn-Archäologie # Eisenbahn-Geographie # Eisenbahn-Geschichte

DEEF Dr. Michael Populorum Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung

>Startseite<

Reif für eine Revitalisierung - die Hauzenbergerbahn ("Granitbahn") von Passau über Erlau nach Hauzenberg

Die Hauzenbergerbahn (Granitbahn) von Passau über Erlau nach Hauzenberg. Eine Reaktivierung ist angedacht und sicher sinnvoll. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011Die von einigen Eisenbahnkennern als eine der fünf schönsten Eisenbahnstrecken Deutschlands bezeichnete Hauzenbergerbahn ist aktuell in einen Dornröschenschlaf gefallen, eigentlich wurde sie in "künstlichen Tiefschlaf versetzt", die Staatsbahn DB sah darin keine unmittelbare Profitmöglichkeit und von längerfristigem Denken und Fördern von vorhandenen Potentialen sind Staatsbahnen meist genauso weit weg wie es unsere heutigen Politiker sind. Kurzfristig und kurzsichtig wird agiert, Hauptsache, man steht selbst im Moment gut da, völlig gleichgültig, was morgen oder übermorgen passiert oder nicht passiert.

Die normalspurige Hauzenbergerbahn wurde am 25. November 1904 auf dem Hauptast Passau - Hauzenberg eröffnet, nachdem das gewaltigste Bauwerk der Strecke, die sogenannte Kräutelsteinbrücke über die Donau, bereits 1903 fertiggestellt worden war. 

Neben diesem längeren Hauptast mit einer Länge von 25,1 km (ab Passau Hbf., ab Passau-Voglau 23,9) zweigt noch im Bahnhof Erlau (Streckenkilometer 13,4) ein an 2 Stellen mit Strub´schen Zahnstangen zu befahrender Seitenast über Obernzell nach Wegscheid ab. Dieser Seitenast weist eine Länge von 20,2 km auf und wurde in 2 Phasen eröffnet: Erlau - Obernzell 15. Mai 1909, Obernzell - Wegscheid erst 3 Jahre später am 1. Dezember 1912.

Zweck der Strecke: Im Bayerischen Wald waren Ende des 19. Jhd. neben reichen Holzvorkommen auch die größten Granitvorkommen Süddeutschlands im Raum Hauzenberg zu finden, daneben noch Graphitvorkommen. Nachdem im Jahr 1860 Passau an das Eisenbahnnetz angeschlossen wurde (Bahnstrecke Straubing - Passau) war es natürlich im Sinne der sogenannten "Granitbarone", ihre schweren Güter schnell und kostengünstig auf den Markt bringen zu können - der Transport mit Fuhrwerken zum Bahnhof Passau war langsam und teuer und gefährdete die Konkurrenzfähigkeit am Markt. Unter 3 Streckenvarianten gelangte schliesslich die beschriebene Route zur Ausführung.

Besonderheiten im Betrieb: Ausgehend vom Passauer Hauptbahnhof wurden die Züge rückwärts über die Kaiserin-Elisabeth-Brücke über den Inn nach Passau-Voglau geschoben (1,2 km), um dann in einer Spitzkehre von der Passauerstrecke nach rechts abbiegend in gewohnter Weise mit der Lok voran die Reise antreten zu können. Dieser Haltepunkt hieß vormals auch "Signalstation Spitzkehre".

Am Streckenast von Erlau über Obernzell nach Wegscheid kamen an 2 Stellen Zahnstangen nach dem System Strub zum Einsatz. Die maximale Neigung im Zahnstangenabschnitt betrug 71 Promille, die maximale Adhäsionsneigung 25 Promille.

Die Hauzenbergerbahn (Granitbahn) von Passau über Erlau nach Hauzenberg. Eine Reaktivierung ist angedacht und sicher sinnvoll. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Die Hauzenbergerbahn (Granitbahn) von Passau über Erlau nach Hauzenberg. Eine Reaktivierung ist angedacht und sicher sinnvoll. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Passau-Voglau - bis zur Spitzkehre wurden die Züge aus dem Hbf. auf der Passauerbahn herausgeschoben, um dann zu stürzen und mit "Lok-Voran" Richtung Innufer abzuzweigen. Rechtes Bild links die Kaiserin-Elisabeth-Brücke der Passauerbahn, rechts Gleis Richtung Innstadt > Hauzenberg

Stationen: Insgesamt 19 Stationen (Bahnhöfe und Haltestellen inkl. der Endpunkte) umfaßt(e) die Hauzenberger Bahn mit ihrem Seitenast, nämlich (Höhenangaben in Metern ü.d.M):

Passau - Erlau - Hauzenberg:

bullet

Passau Hbf (0,0; Seehöhe 295/303 m ü.d.M.)

bullet

Passau-Voglau (vorm. Signalstation Spitzkehre; 1,2)

bullet

Passau-Innstadt (2,6)

bullet

Passau-Rosenau (3,3)

bullet

Grubweg (6,4)

bullet

Löwmühle (7,7)

bullet

Kellberg (8,7)

bullet

Erlau bei Passau (13,4; 297 m ü.A.) > Abzweig nach Obernzell - Wegscheid (siehe nachfolgend)

bullet

Schaibing (17,6)

bullet

Kaindlmühle (19,2; 360 m)

bullet

Oberdiendorf (21,4; 398 m)

bullet

Knödlsöd (23,5)

bullet

Hauzenberg (25,1; 545 m)

 

Seitenast Erlau - Obernzell - Wegscheid:

 

bullet

Erlau bei Passau (0,0; 297 m)

bullet

Obernzell (4,9; 294 m)

bullet

Untergriesbach (9,6; 556 m)

bullet

Oberötzdorf (12,7)

bullet

Wildenranna (14,4)

bullet

Mitterwasser (17,1)

bullet

Wegscheid (Niederbayern) (20,2; 718 m)

Die Hauzenbergerbahn (Granitbahn) von Passau über Erlau nach Hauzenberg. Eine Reaktivierung ist angedacht und sicher sinnvoll. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Die Hauzenbergerbahn (Granitbahn) von Passau über Erlau nach Hauzenberg. Eine Reaktivierung ist angedacht und sicher sinnvoll. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Unmittelbar am Innufer entlang mit Blick auf den Fluß und Stadt, rechts die Häuserzeile des Passauer Ortsteils Innstadt

Metallschwellen mit Walzzeichen MH aus dem Jahr 1886

Die Hauzenbergerbahn (Granitbahn) von Passau über Erlau nach Hauzenberg. Eine Reaktivierung ist angedacht und sicher sinnvoll. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Die Hauzenbergerbahn (Granitbahn) von Passau über Erlau nach Hauzenberg. Eine Reaktivierung ist angedacht und sicher sinnvoll. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Prächtiger Ausblick auf den Inn und die Altstadt von Passau bei der (ehem.) Haltestelle Passau-Innstadt. Auch die Strassenbezeichnung weist auf die Bahnlinie und den Bahnhof hin. Unmittelbar in der Nähe die Innstadt-Brauerei, die von 1904 bis in die 1990er Jahre einen eigenen Gleisanschluß nutzte

Besondere Kunstbauten: Das markanteste Bauwerk ist sicher die Kräutelsteinbrücke (auch Kräutlsteinbrücke) über die Donau (erbaut 1900 bis 1903). Die Eisenkastenbrücke wurde nach Sprengung 1945 wieder aufgebaut. Längenangaben unterschiedlich (300 Meter, 280 Meter, 222 Meter). Die Brücke wird aktuell 2011 einer genauen Prüfung unterzogen, ob und in welchem Ausmaß eine weitere Nutzung als Eisenbahnbrücke aber auch als Fußgänger- und Autobrücke möglich ist.

Es gibt einige Natursteinbrücken aus heimischen Granit, welche von italienischen Arbeitern errichtet wurden. Das Obernzeller Viadukt wurde 1982 gesprengt/abgetragen.

Der Schlossbergtunnel, der einzige Tunnel der Strecke mit 34 Metern bei Streckenkilometer 16,3, präsentiert sich nicht ausgemauert durch einen Felsvorsprung geschlagen

Aktueller Status: Der Niedergang und die Streckenstillegungen erfolgten in mehreren Phasen. Nach der Einstellung des offiziellen Personen- und Güterverkehrs durch die DB, welche Modernisierungs- bzw. Reaktivierungsmaßnahmen ablehnte, erfolgten jahrelang Nostalgiefahrten auf der Strecke nach Hauzenberg durch die Passauer Eisenbahnfreunde. Das Hochwasser von 2002 setzte allerdings einen (vorläufigen) Schlußstrich, die Schäden im Bereich Passau Innstadt sind aber überschaubar und ohne grössere Investitionen zu beseitigen.

2007 pachtet die Bayerische Regionaleisenbahn (Tocherunternehmen der Deutschen Regionaleisenbahn) die Strecke Passau - Hauzenberg sowie das noch nicht den Baggern und der Spitzhacke zum Opfer gefallene Reststück des Seitenastes, nämlich von Erlau nach Obernzell. Im Jahr 2009 wurden - so hat mir auch bei einem Lokalaugenschein ein Anwohner bestätigt - verwachsenene Streckenteile freigeschnitten und für den Betrieb vorbereitet. Da offenbar unsicher ist, inwieweit die Kräutlsteinbrücke für den angedachten schweren Güterverkehr belastbar ist, präsentiert sich die Strecke im Raum Passau Voglau, Innstadt und Rosenau bei einer Streckebegehung Sommer 2011 wieder tw. stark verwachsen.

Die Hauzenbergerbahn (Granitbahn) von Passau über Erlau nach Hauzenberg. Eine Reaktivierung ist angedacht und sicher sinnvoll. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Die Hauzenbergerbahn (Granitbahn) von Passau über Erlau nach Hauzenberg. Eine Reaktivierung ist angedacht und sicher sinnvoll. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Die Hauzenbergerbahn (Granitbahn) von Passau über Erlau nach Hauzenberg. Eine Reaktivierung ist angedacht und sicher sinnvoll. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Der 2. im Ortsgebiet von Passau befindliche Bahnhof der Hauzenbergerbahn, Passau-Rosenau mit umfangreichen Gleisanlagen, die jedoch schon wieder völlig zugewachsen sind. Eigenartig ist die Situierung des ehem.  Bahnhofsgebäudes (heute Wohnhaus, siehe Foto oben) - es liegt schon rechter Hand bei der Einfahrtsweiche aus Richtung Innstadt kommend, bevor sich die Gleise verzweigen, also am Rande und nicht mittig.

Ausblick: Eine Reaktivierung der Hauzenbergerbahn ist nach wie vor geplant. Neben dem Personenverkehr (vorerst touristische Fahrten, später dann event. regulärer Verkehr als Antwort auf verstopfte Strassen und Umweltbelastung) wurde bereits Bedarf im Güterverkehr (Granitwerke, allgemeiner Güterverkehr von anliegenden Firmen) angemeldet.

DEEF würde es sehr begrüssen, wenn nach der Reaktivierung der Ilztalbahn (Bahnstrecke Passau-Freyung) vorerst im touristischen Verkehr im Sommer im Jahr 2011 (Bericht in Planung) auch in Bälde von der gelungenen Reaktivierung der Hauzenberger Bahn berichtet werden kann.

Literatur / Links / Quellen:

Passauer Eisenbahnfreunde >>>

Deutsche Regionaleisenbahn >>>

Foto-Doku einer Streckenbegehung >>>

Wikipedia

Aschauer, Franz, 1964: Oberösterreichs Eisenbahnen. Geschichte des Schienenverkehrs im ältesten Eisenbahnland Österreichs. Schriftenreihe der oö. Landesbaudirektion, Band 18. Wels.

Weitere Beiträge von DEEF über diese Region:

Die Passauerbahn Wels-Passau >>>

Die Innviertelbahn von Neumarkt-Kallham nach Ried im Innkreis >>>

Die Hausruckbahn Nord von Schärding nach Ried im Innkreis >>>

Die "Alte LILO" von Neumarkt-Kallham über Niederspaching nach Waizenkirchen / Peuerbach >>>

Die Aschacherbahn von Haiding nach Aschach an der Donau >>>

Die Hauzenberger Bahn (Granitbahn) von Passau nach Hauzenberg >>>

      Die Hauzenbergerbahn (Granitbahn) von Passau über Erlau nach Hauzenberg. Eine Reaktivierung ist angedacht und sicher sinnvoll. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011           

Das Signal vor der Einmündung in die Passauerbahn bei Voglau ist nach wie vor in Betrieb - noch zeigt es "rot" aber die Eisenbahnfreunde erhoffen sich baldmöglichst "grün"

Sollten Sie Anregungen zu den Projekten haben oder eigene Beiträge oder Fotos präsentieren wollen, so freuen wir uns auf eine Kontaktaufnahme. Haben Sie einen Fehler entdeckt? Bitte um Info >

 redaktion@dokumentationszentrum-eisenbahnforschung.org  

Bericht von: Dr. Michael Populorum, Chefredakteur DEEF;  Erstmals online publiziert: 24. Dezember 2011; Ergänzungen: :

DEFF Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung Dr. Michael Populorum AustriaEisenbahnforschung # Eisenbahn-Archäologie # Eisenbahn-Geographie # Eisenbahn-Geschichte

DEEF Dr. Michael Populorum Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung

Last modified  Samstag, 22. Dezember 2012 21:52:34 +0100
Autor/F.d.I.v.: Konsulent Univ. Lekt. Dr. Michael A. Populorum

DEEF # Dokumentationszentrum für Europäische Eisenbahnforschung 2009-2020  Impressum/Copyright