Vorchdorferbahn

Die Vorchdorferbahn Lambach – Vorchdorf-Eggenberg

Am 19.6.2014 wartet der Plantriebwagen ET 20.111 auf die Fahrgäste der Traunseebahn aus Gmunden, um dann nach Lambach abzufahren. Daneben wartet das von der LILO gekommene Planfahrzeug 22.136 auf neue Aufgaben

Kennzahlen der Strecke

Die Vorchdorferbahn bzw. Lokalbahn Lambach – Vorchdorf-Eggenberg (LVE) ist eine knapp 16 km lange normalspurige Lokalbahnstrecke (Nebenbahn Klasse C), welche 1903 eröffnet und 1931 mit 750 Volt Gleichstrom elektrifiziert wurde. Die Strecke ist eingleisig und hat eine Baulänge von exakt 15,609 km und aktuell eine Betriebslänge von 15,500 km. Der kleinste Bogenhalbmesser am Streckengleis beträgt 190 m, am Nebengleis 140 m. Die grösste Neigung beträgt 15 Promille. Als Maximalgeschwindigkeit gilt 50 km/h, das maximale Zuggewicht beträgt 700 Tonnen bei einer maximalen Zuglänge von 115 m. Teilweise gibt es eine punktförmige Zugbeeinflussung (PZB), als Zugleitsystem und Funk ist StH im Einsatz.


Geschichte/Eigentümer

Die Vorchdorferbahn ist der realisierte Teil des 1897 von der Baufirma Stern & Hafferl vorgelegten Plans einer Lokalbahn von Lambach über Vorchdorf nach Grünau im Almtal. Da aber Grünau bereits seit 1901 durch eine Verbindung von Wels über Sattledt erschlossen war (Wels-Rohrer-Bahn bzw. Almtalbahn) und auch Pläne einer Verlängerung von Vorchdorf nach Pettenbach nicht umgesetzt wurden, ist Vorchdorf der Endpunkt dieser Lokalbahnstrecke geblieben.

Nostalgietriebwagen ET 24.101, Baujahr 1932, gebaut bei der Grazer Waggonfabrik, am 7.7.2012 im Rahmen der Feiern „90 Jahre Vorchdorferbahn“ im Bf Vorchdorf-Eggenberg

Nachdem von der Lokalbahn Lambach-Vorchdorf-Eggenberg AG anfangs die k.k. Staatsbahnen mit der Betriebsführung beauftragt wurden, erfolgt die Betriebsführung ab 1931 bis heute durch die als sparsam bekannt gewordene Firma Stern & Hafferl. Die Lokalbahn Lambach-Vorchdorf-Eggenberg AG als Eigentümer der Strecke befindet sich zu 72,5 % im Besitz des Bundes, 11 % hält die OÖ Verkehrsholding GmbH, 9,4 % die Marktgemeinde Lambach, 3,3 % die Marktgemeinde Vorchdorf sowie 2,7 % die Stern & Hafferl Verkehrs-GmbH; der Rest ist Streubesitz.

ET 20.109 verlässt am 7.7.2012 im Planverkehr den Bf Stadl-Paura der ÖBB Richtung Lambach

Die Stationen der Vorchdorferbahn

(Streckenkilometer ab Lambach)

  • Lambach, Bf, km 0,0 (> Westbahnstrecke; bis 2009 Haager Lies)
Am Stumpfgleis im Bf Lambach steht ET 20.109 abfahrtsbereit Richtung Vorchdorf-Eggenberg (7.7.2012). Links daneben die normalspurige Verschublok von Stern & Hafferl V20.011
  • Stadl-Paura, Bf, km 3,535 (> Güterverkehr auf der Trauntalbahn der ÖBB über Steyrermühl nach Laakirchen, früher weiter über Engelhof nach Gmunden Seebahnhof; AB BMLV zur Munitionsanstalt)
Aufnahmsgebäude Stadl-Paura, besetzt mit einem Fahrdienstleiter der ÖBB (4.10.2010). Von hier zweigt die Vorchdorferbahn von der ÖBB-Strecke nach Laakirchen ab (Trauntalbahn)
Zum Jubiläum „90 Jahre Vorchdorferbahn“ kam auch ein Gast aus dem Osten der Republik, der Blaue Blitz, auf Besuch. Hier im Bf. Stadl-Paura, um vor dem Besuch in Vorchdorf eine Fahrt nach Laakirchen zu machen
Hier ist noch bewährte analoge Technik im Einsatz
  • Fohlenhof, ehem. Hs 1952 aufgelassen, km 5,3
  • Bad Wimsbach Styria-Siedlung, ehem. Hs aufgelassen 2014, km 6,7
  • Bad Wimsbach-Neydharting, Bf, km 6,914
Aufnahmsgebäude am 7.7.2012
Zugkreuzung im Bf Bad Wimsbach-Neydharting am 27. Oktober 2021 mit ET 20.111. Zwischenzeitlich hat man einen Mittelbahnsteig errichtet, allerdings ohne jegliche Infrastruktur (Sitzgelegenheit, Unterstand). Die Wartekoje im alten Bahnhof ist noch in Funktion, im Haus befindet sich eine körpernahe Dienstleistung
  • Steinfeld, Hs, km 7,340
  • Au, Hs, km 8,990
Blauer Blitz bei der Durchfahrt in der Haltestelle Au (7.7.2012)
  • Mittlere Au, Hs, km 10,000
  • Blankenberg, Hs, km 10,620
Mitten in der Natur befindet sich die Haltestelle Blankenberg, nicht zu verwechseln mit Blankenberge in Belgien (27.10.2021)
Kurz vor der Station Blankenberg führt eine mächtige Eisenkastenbrücke über die Laudach, auf der ET 20.109 am 27.10.2021 übersetzt
  • Waldl , Hs, km 11,280
  • Kößlwang, Hs, 11,800
  • Feldham, Hs, km 12,780
  • Vorchdorf-Gewerbegebiet, Hs seit 2011, km 13,343
  • Vorchdorf Schule, Hs, km 14,034
  • Bahnhof Vorchdorf-Eggenberg, km 14,659 (> Bf Vorchdorf der Traunseetram nach Gmunden)
An einem herrlichen Frühsommertag, dem 19. Juni 2014, sonnt sich der ET 20.111 im Bf Vorchdorf-Eggenberg etwas in der Sonne vor der Rückfahrt nach Lambach
An das historische Aufnahmsgebäude wurde ein moderner Anbau platziert (7.7.2012)
  • (AB Eggenberg Brauerei, km 15,227)
Die außer Nutzung gefallene AB zur Brauerei Eggenberg kurz außerhalb des Bf Vorchdorf-Eggenberg (Foto 27.10.2021)
Bis 2010 war hier noch Eisenbahnbetrieb, der Gartenmöbelhersteller Acamp AG nutzte die Gleise für seine Transporte. Nach dem Konkurs 2011 nutzt jetzt die Firma Lutz die riesigen Hallen als Lager, befördert wird jedoch alles mit dem LKW (27.10.2021)
Ehem. Einfahrt in die Brauerei Eggenberg, welche den Gleisanschluss bis Ende der 1980er Jahre ? nutzte (27.10.2021) 

Die Remise Vorchdorf

Die Remise mit Werkstatt befindet sich in Vorchdorf zwischen den beiden Bahnhöfen der Vorchdorferbahn und der Traunseetram. Diese Hauptwerkstätte wurde zwischen 1943-1947 errichtet und dann 2014/2015 neu errichtet.

Die Remise im Originalzustand (4.10.2010)
Danke dass ich mir die Remise ansehen durfte (Dr. Populorum vor dem ET 20.111)
Neue Remise am 3. Jänner 2020. Links ein Tramlink der Traunseetram, rechts daneben der zwischenzeitlich verkaufte Oldtimer ET 24.103 mit Baujahr 1912.

Anschlüsse/Abzweigungen

Das Teilstück Bahnhof Vorchdorf nach Eggenberg Brauerei diente immer nur dem Güterverkehr und ist seit dem Konkurs der Firma ACAMP AG (Gartenmöbelhersteller) 2011 ohne Verkehr – die jetzt dort ansässige Firma XXL Lutz nutzt den LKW und nicht die Schiene!

In Lambach besteht Anschluss an die Westbahnstrecke (vormals Kaiserin Elisabeth Bahn) Richtung Wels-Linz-Wien bzw. Attnang-Puchheim – Salzburg (-Innsbruck / – München / -Zell am See).

ET 20.111 im Bf Lambach am Stumpfgleis (Gleis 11), 7. August 2020. Links daneben durcheilt ein Güterzug den ÖBB Bf Lambach Richtung Salzburg

Im Bahnhof Vorchdorf-Eggenberg, wo sich auch die 1943-1947 errichtete Hauptwerkstätte von Stern & Hafferl befindet, besteht Anschluss an die schmalspurige (Meterspur) Traunseetram (Lokalbahn Gmunden – Vorchdorf, vormals Traunseebahn).

Sowohl die Vorchdorferbahn als auch die Traunseetram haben in Vorchdorf-Eggenberg jeweils ein eigenes Bahnhofsgebäude – zum Umsteigen muss man die Gleisanlagen im Vorfeld der Werkstätte schienengleich überqueren.

Die Züge der Vorchdorferbahn fuhren bis 1949 vom Bahnhofsvorplatz in Lambach ab, wo es bis zu diesem Datum auch eine Verbindung zur Haager Lies (ehemalige Lokalbahn Lambach – Haag am Hausruck) gab. Seither fahren die Züge seitlich links vom Bahnhofsgebäude ab und in einer langgezogenen Schleife nach rechts wird die Stadt Lambach umfahren und nach Passieren der Eisenbrücke über die Traun (hier setzte auch die Pferdeeisenbahn Budweis – Linz – Gmunden über) wird bei km 3,5 Stadl-Paura (vormals Alt-Lambach) erreicht.

Bis hierher werden die Gleise der Staatsbahn ÖBB peagiert, welche dann als Trauntalbahn / Gmundnerbahn über Roitham, Steyrermühl, Laakirchen und Engelhof (Einmündung Traunseetram) nach Gmunden Seebahnhof führte (ab 1988 kein PV mehr, seit 2015 Streckenende Laakirchen).

Zwischen Lambach und Stadl-Paura gibt es noch AB zu den Firmen Gartner (Spedition) und Felbermayr (Bau, Transport, Kräne).

Ebenfalls in Stadl-Paura zweigen die Schienen zum Heeresmunitionslager ab. Während die ÖBB-Strecke Stadl-Paura in südwestlicher Richtung verlässt, schwenkt die Vorchdorferbahn in einer Linkskurve nach Süden, passiert bei km 4,3 ostwärts verlaufend eine Ladestelle und schwenkt dann wieder Richtung Süden.


Die Fahrzeuge

Während auf der in Vorchdorf anschließenden Traunseetram (Lokalbahn Vorchdorf-Gmunden) seit 2018 brandneue niederflurige Fahrzeuge von Vossloh-Kiepe zum Einsatz kommen, wird der Regelbetrieb auf der Vorchdorferbahn nach wie vor mit Altbaufahrzeugen aus den 1950er Jahren abgewickelt. Was natürlich für Eisenbahnliebhaber auch seinen Charme hat, eher weniger für regelmäßige Nutzer der Bahn, vor allem Ältere und Personen mit Gepäck bzw. Kinderwägen oder gar Rollstuhlfahrer.

Die von der LILO gekommenen ET 22.133 (li) und 22.136 (re) im Bf Vorchdorf-Eggenberg am 3.1.2020
Innenbereich ET 22.136
ET 20.111 abfahrtsbereit nach Lambach, re ET 22.136 am 19.6.2014 im Bf Vorchdorf-Eggenberg
Führerstand ET 20.111
Innenraum ET 20.111
ET 20.109 im Bf Lambach 4. Oktober 2010
Lok 24.010, Bj 1910, gebaut bei Krauss-Maffei für den Güterzugdienst auf der Vorchdorferbahn

Daneben steht für Nostalgiefahrten noch der ET 24.101 (Bj 1932) zur Verfügung, der Nostalgietriebwagen ET 24.103 (Bj 1912) wurde im Jahr 2021 verkauft.

ET 24.101 und im Hintergrund ET 24.103 am 7.7.2012 im Bf Vorchdorf-Eggenberg
Der 1912 bei der Grazer Waggonfabrik gebaute ET 24.103, dahinter eine Verschublok sowie ein Turmwagen (1.12.2010)

Betrieb

Auch auf der Vorchdorferbahn ist man sinnvollerweise in den letzten Jahre Richtung Taktfahrplan unterwegs. Allerdings ein lupenreiner Takt wird nicht angeboten. Während (Mo-Fr) vormittags nur  alle 2 Stunden ein Zug verkehrt hat es nachmittags einen Stundentakt, wobei zweistündlich noch ein Verstärkerzug fährt, also 2 Züge in der Stunde. Samstag und Sonntag gibt es einen durchgängigen 2-Stunden-Takt. Das ist natürlich eine deutliche Minderleistung im Vergleich zur Traunseetram, wo also nur jeder zweite Zug unmittelbaren Anschluss hat.

Bf Lambach am 3. Jänner 2020 – auf Gleis 11 der Plantriebwagen nach Vorchdorf-Eggenberg (ET 22.136) und auf Gleis 12 die Hercules Diesellok 2016 910

In Vorchdorf-Eggenberg besteht im Regelfall unmittelbarer Anschluss an die Traunseebahn Richtung Gmunden Seebahnhof – bei Verspätungen der Vorchdorferbahn werden Fahrgäste Richtung Gmunden per Zugfunk avisiert und der Anschluss wartet.


Fazit/Zukunft

Historisch bedingt aber nicht gerade den Betrieb vereinfachend und auch für die Fahrgäste nicht optimal sind die unterschiedlichen Spurweiten der beiden Lokalbahnen, der Vorchdorferbahn sowie der Traunseetram. Ein 3. Gleis verlegen wäre hier sicher eine Möglichkeit.

Auch über Lambach hinaus bis Wels durchgebundene Kurse wurde schon angedacht, erfordert allerdings 2-System-Fahrzeuge.

Auch moderne barrierefreie, klimatisierte Triebwagen wie auf der Traunseetram seit 2018 im Einsatz wird man sich sicher auch für die Vorchdorferbahn wünschen.

Ein gleicher Takt für die Vorchdorferbahn und die Traunseetram wäre aus Sicht der Fahrgäste wünschenswert.

Eine Reaktivierung der Trauntalbahn, also der (ehem.) ÖBB-Strecke Stadl-Paura – Steyrermühl – Laakirchen und wie einst weiter bis Engelhof für den Personenverkehr hätte sich einiges Potential zu bieten. Eisenbahngleise für eine Ortsumfahrung zu zerstören kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein! Und ich würde mir wünschen, dass das kundenorientierte Familienunternehmen Stern & Hafferl diese Strecke um einen symbolischen Preis übernehmen kann und auch die Betriebsführung für diese Strecke übertragen bekommt. Denn Regionalbahnen sind nicht so ein Fall für die Staatsbahn ÖBB!

Zum 100-Jahr-Jubliäum 2012 kam auch ein LILO-GTW mit Ehrengästen nach Vorchdorf-Eggenberg. Der LILO-GTW 22.164 rechts neben dem Plandienstfahrzeug ET 20.109

Links

Betreiber Stern & Hafferl >>>

DEEF Doku Traunseetram >>>

Festlich geschmückt zum 100-Jahr-Jubiläum steht der schmalspurige ET 23.103 vor der alten Remise in Vorchdorf, um dann Sonderfahrten nach Eisengattern zu machen

Text / Fotos / Videos copyright DEEF / Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum.

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Bericht von: Dr. Michael Alexander Tiberius Populorum, Chefredakteur Railway & Mobility Research Austria / DEEF

Erstmals Online publiziert: 12. Dezember 2010; Relaunch der Seite: 16.10.2021; Letzte Ergänzung: 31.10.2021