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B: Straßenbahn - Untergrundbahn - Geisterbahn - Die Metro von Charleroi

 

metro stadtbahn charleroi wallonien belgien strassenbahn

Der Mann der schneller schießt als sein Schatten - Lucky Luke in der Station Parc

Bedingt durch ihre Geschichte und ihr heutiges Erscheinungsbild kann man die Metro - bleiben wir mal bei diesem Begriff - also die Metro der Stadt Charleroi, Hauptstadt der Provinz Hennegau im Belgischen Wallonien, durchaus mit mehreren Begriffen umschreiben: Straßenbahn, Stadtbahn, Metro, U-Bahn und auch Geisterbahn ob einiger nicht bedienter Tunnel und leerstehender Geisterbahnhöfe.

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Triebwagen 7409 auf der Linie M4 nach Soleimont legt sich vom aufgeständerter Gleisdreieck mächtig in die Kurve, um danach in die Station vor dem Hauptbahnhof Charleroi Sud einzufahren (20.5.2013)

Nachdem ich 2013 einen kurzen Abstecher nach Charleroi machte und ein paar Fotos von der Metro nächst des Bahnhofs schoss, so entschloss ich mich im Sommer 2017, nach einem Workshop in Brüssel 2 Nächte im Ibis von Charleroi direkt gegenüber des Hauptbahnhofs an den Ufern des schiffbaren Flusses Sambre zu buchen.

Charleroi war als Zentrum von Bergbau (Kohle), Stahl- und Glasindustrie in Wallonien lange als dreckige, schwarze Stadt "berühmt", nach dem Niedergang der Industrie verbunden mit einen sehr hohen Anteil an Arbeitslosen ist die Region auf der Suche nach einer neue Identität. Zumindest die Luft, so kann berichtet werden, ist heute sicher nicht schlechter als bspw. in meiner Heimatstadt Salzburg - aber da ist sie ja nicht gerade gut aufgrund einer verfehlten Verkehrspolitik.

Belgien hatte einst ein dichtes Netz an Überlandstraßenbahnen (ca. 5000 km!), so auch die Region rund um Charleroi. Zum Ende der 1960er Jahre war der Großraum Charleroi von zwei verschiedenen Straßenbahn-Betreibern erschlossen. Im Westen des Stadtzentrums durch das Überlandnetz der staatlichen SNCV und im Osten durch die Linien des städtischen Betriebes STIC (Société des transports intercommunaux de Charleroi). Beide Netze waren nicht mehr auf der Höhe der Zeit, das Wagenmaterial veraltet und die Strecken meist ungünstig trassiert in eingleisiger Seitenlage.

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Digitale Abfahrtstafel für Metro und Busse beim Hauptbahnhof Charleroi Sud

So wurde in den 1960er Jahren ein großzügiges Netz einer Metro (Stadtbahn) auf eigenständiger Trasse geplant und auch begonnen, dieses zu bauen. Vorgesehen war ein Innenstadtring sowie von dort ausgehend 8 Linien in die Aussenbezirke. Das komplette Netz mit einer Länge von 52 km und 69 Stationen sollte 1994 fertiggestellt sein.

Heute zeigt sich folgende Situation: Nach der Vereinigung der beiden Straßenbahnbetreibern zur TEC (diese betreibt den kompletten Nahverkehr in Wallonien) wurde ein Teilbereich des Netzes eröffnet, andere Teile wurden fertiggestellt aber es fährt bis dato kein Zug auf diesen Strecken und die Tunnel und Teile der begonnenen Strecken, Bahnhöfe und Tunnel wurden im Rohbau belassen und siechen heute langsam dem Verfall entgegen. Aktuell gibt es sogar einen Anbieter in Charleroi, der geführte Touren zu diesen Geisterstrecken anbietet.

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Ob und in welchem Umfang die einst begonnenen und tw. fertiggestellten Strecken auch richtig bedient werden ist nicht abzusehen. Seit der Linienreform 2012 verkehren 4 Linien:

Linie

Kennfarbe

Strecke

Inbetriebnahme

Bemerkungen

M1

rot

Anderlues → Ouest → Stadtring gegen den Uhrzeigersinn → Beaux-Arts → Anderlues

27. Februar 2012

ersetzt die früheren Linien 88 und 89.

M2

grün

(Anderlues →) Pétria → Beaux-Arts → Stadtring im Uhrzeigersinn → Beaux-Arts → Pétria (→ Anderlues)

27. Februar 2012

Um eine gleichmäßige Bedienung des Innenstadtrings in beiden Richtungen zu erreichen, wurden in einer Übergangszeit (bis zur Eröffnung der Linie M3) alle Fahrten der Linie M2 von Pétria nach Anderlues verlängert. Dafür verkehrte die Linie M1 entsprechend seltener.

M3

gelb

Gosselies → Beaux-Arts → Stadtring im Uhrzeigersinn → Beaux-Arts → Gosselies

22. Juni 2013

von 3. September 2012 bis 21. Juni 2013 Vorlaufbetrieb nur auf dem Stadtring von/bis Beaux-Arts ab Piges als Straßenbahn auf besonderem Bahnkörper

M4

blau

Soleilmont → Waterloo → Stadtring gegen den Uhrzeigersinn → Waterloo → Soleilmont

27. Februar 2012

ersetzt die früheren Linien 54 und 55, verlängert von Gilly nach Soleilmont.

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Abzweigung bei der Haltestelle Piges - durch den Tunnel geht es Richtung Andalues

Einige Kennzahlen:

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Eröffnung der Dampfstraßenbahn: 1881

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Elektrische Straßenbahn: 1904

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Eröffnung Stadtbahn (franz. Métro léger de Charleroi): 1976

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Betreiber: TEC (Transport en Commun)

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Spurweite: Meterspur (1.000mm)

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Stromversorgung: 600 Volt Gleichstrom durch Oberleitung

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Streckenlänge: 33,4 km

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Linienlänge: 25,6 km

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Linien: 4

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Haltestellen: 30

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Tunnelbahnhöfe: 12

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Betriebshöfe: 2

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Fahrzeuge: 44 einsatzfähige Stadtbahn-Gelenk-Wagen vom Typ S.M.-2, hergestellt zwischen 1980-1982 von BN (mechanischer Teil) und ACEC (elektr. Teil), 6-achsig, 2 Motoren mit je 228 kW, Höchstgeschwindigkeit 65 km/h, Leergewicht 35 Tonnen, 2-Richtungs-Betrieb

Noch einige Fotos vom Betriebsgeschehen:

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Die aufgeständerte Trasse nächst der Station Sud (Hbf) ist Teil des Stadtrings. Dort befindet sich auch die Station Vilette, welche der Triebwagen 7404 eben verlassen hat und in Richtung Sud und dann weiter nach als M3 nach Gosslies zu fahren

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Triebwagen 7409 in der Endstation der Linie M4 Soleilmont

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Gemütliches Inneres des Triebwagens

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Von der Station Beaux Arts aus auf das aufgeständerte Gleisdreieck fotographiert, wo sich Triebwagen 7437 von Sud kommend unterwegs auf der Linie M3 der Station nähert

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Ein alter Triebwagen (Nr. 310) samt Beiwagen als Denkmal in der Station Beaux Arts

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TW 7432 als M3 von der Station Piges kommend, wo sich die Linie M1/M2 Richtung Anderlues und die Linie M3 nach Gosselies trennen

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TW 7443 in der Station Beaux Arts

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Die beiden Triebwägen 7429 (links) und 7432 (rechts) in der Endhaltestelle der Linie M3 in Faubourg de Bruxelles im Stadtteil Gosselies

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Das alte Aufnahmsgebäude von Gosselies, heute Betriebsgebäude der TEC

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In der Station Janson

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Der beklebte TW 7404 als M3 Richtung Sud in der Tunnelstation Janson

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Wandmosaiken in der Station Parc

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Station Parc am Innenstadtring - links TW 7437 auf der Linie M3 Richtung Sud, rechts TW 7415 als M4 Richtung Soleilmont

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TW 7438 auf der Linie M4 vor dem Eingang des Hauptbahnhofs Charleroi Sud

Video-Clip DEEF Metro Charleroi auf Youtube: >>>

Link zum Betreiber TEC >>>

Literatur: Christoph Groneck und Dirk Martin Stein: Metros in Belgien. Berlin 2009

     metro stadtbahn charleroi wallonien belgien strassenbahn       

Im Abstellgleis bei der Station Sud (Hauptbahnhof) TW 7413 sowie  9175 noch im alten Farbschema der ehem. SNCV, heute als Arbeits-Triewagen eingesetzt (5.9.2017)

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Bericht von: Dr. Michael Populorum, Chefredakteur Railway Research Austira / DEEF; 

Erstmals Online publiziert: 29. Oktober 2017; Letzte Ergänzung:

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Last modified  Montag, 30. Oktober 2017 08:51:52 +0100
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