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Die alte Brennerbahn - Eine eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen nach Waidbruck:
Ein Reader in 4 Teilen - Teil 2 "Kardaun - Blumau"

Gewidmet meinem Lehrmeister für Geographie an der Universität Salzburg

o.Univ. Prof. Dr. Helmut Heuberger 1923 - 2011

Ein aufrechter Tiroler und wahrer Freund Südtirols

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011Zwischen Kardaun und Blumau verschwindet die Brennerbahn seit 1998 im 3.939 m langen Kardauntunnel. Dadurch wurde eine Verkürzung der Fahrzeit sowie eine erhöhte Sicherheit vor Steinschlägen, Muren etc. durch das schluchtartige Eisacktal erreicht. Zwischen Kardaun und Klausen verengt sich das Eisacktal ja tw. schluchtartig und so nimmt es nicht wunder, daß der ursprüngliche Weg nach Bozen diesem natürlichen Hindernis auswich und von Kollmann (Gemeinde Barbian zw. Waidbruck und Klausen) über den Ritten nach Bozen führte. Allerdings war dieser Weg beschwerlich und länger. Der sogenannten Kuntersweg, errichtet vom Bozner Kaufmann Heinrich Kunter im Jahr 1307, war dann trotz Wegezoll eine willkommene Alternative. Auch die Brennerbahn folgte dann dem Weg durch die auch als Via Mala Südtirols bekannte Eisackschlucht.

Nachdem die neue Eisenbahntrasse im Kardauntunnel verschwunden ist (Foto links "Einfahrt in der Kardauntunnel Südportal von Bozen kommend") verläuft der Radweg einige hundert Meter näher beim Eisack als es die alte Brennerstrecke wohl getan hat - ihre Spuren verlieren sich nach dem "Tohuwahpohu der Strassenkreuzungen" und der neuen Eisenbahntrasse ("Kardauner Verkehrsspinne")  für eine kurze Wegstrecke.

Doch dann geht es auf dem alten Eisenbahntrassee stetig ansteigend gen Norden. Der ehem. Haltepunkt Kardaun liegt auf einer Seehöhe von 283 m, der Bahnhof von Blumau auf 315 m. Relikte auf der Strecke in Form von Signalen oder Kilometerangaben sucht man allerdings vergebens. Hier muß man sich schon fragen, warum man nicht einige Zeugen der Eisenbahngeschichte als "Denkmäler" stehen gelassen hat. Ein Teil der alten Eisenbahntrasse wurde für den Radweg asphaltiert, daneben verläuft einen Großteil der Strecke parallel dazu eingegraben eine Erdgasleitung.

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Altes Wärterhaus ca. 15 Minuten Wanderszeit nördlich der "Kardauner Verkehrsspinne". Es trägt die Nummer 176 auf einer steinernen Platte und scheint als Wochenendhäuschen in Verwendung zu stehen. Auch das Schild "attenti al cane" deutet darauf hin Alte Eisenbahntrasse (Radweg), Bundesstrasse, Autobahn und Eisack auf engstem Raum kurz vor Blumau. Alle Verkehrswege verschwinden in einem Tunnel, der ehem. Eisenbahntunnel mit vorgebauter Steinschlaggalerie wird mit 500 m Länge angeschrieben

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Links der asphaltierte Streifen für den Radweg, daneben begrünte Fläche mit der Gasleitung Die Namen der Tunnel sind nirgends angeschrieben, auch in Onlinepublikationen ist meist "Galeria 1, Galeria 2..) zu lesen. Der Namen dieses längsten Tunnel auf gegenständlicher Strecke konnte eruniert werden - es handelt sich um den "Hochklausnertunnel" und seine Länge wird mit 389 m beziffert (Biendl 1910)

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Alte Brennerbahn. Wanderung von Bozen nach Waidbruck entlang der alten Brennerbahn. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Im Portal der Lawinengalerie ist die Jahreszahl 1984 eingemeisselt

Der Tunnel an sich stammt mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Bauzeit der Brennerbahn (eröffnet 1867)

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Es finden sich im vorbildlich beleuchteten Tunnel noch einige Relikte in Form von Schildern an den Wänden. Zu bedauern ist, daß sämtliche Fluchtnischen unsensiblerweise zubetoniert! wurden - war sicher mit einigen Kosten verbunden und gleichzeitig wurde der historische Tunnel damit entstellt!

Das Nordportal des "Hochklausner Tunnels" - von der Kameraposition auf dem Schotterweg im Rücken des Fotographen sind es ca. 300 m durchs Gestrüpp und man steht direkt vor dem Nordportal des Kardauntunnels im Gleisbereich.

Der neue Weg biegt nach dem Hochklausner-Tunnel etwas nach rechts ab und führt über das Portal des neuen Kardauntunnels hinweg auf die andere Seite der Gleise Richtung Bahnhof Blumau.

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Links: Das letzte Kunstwerk - "Abrakadabra" - des Projekts "Augenreise" beim Übergang ober dem Tunnelportal.

Oben: Ein Regionale bei der Einfahrt in den Kardauntunnel Richtung Bozen/Meran.

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Einfahrt in den Kardauntunnel - rechts deutlich sichtbar die Einmündung der alten Strecke, wo man nach ca. 300 m auf den 389 m langen Hochklausner-Tunnel trifft Strassenansicht des Bahnhofsgebäudes von Blumau, wo seit der Fertigstellung des Schlerntunnels 1994 völlig unverständlicherweise keine Züge mehr halten. Der Bahnhof, vollgestopft mit Elektronik, ist ständig besetzt und dient als Stützpunkt für den Tunnel(rettungs-) Dienst. Die Stationsnamenschilder sind aber nach wie vor appliziert.

Der Bahnhof von Blumau wurde nach der Annektierung Südtirols von den Italofaschisten  in Prato all’ Isarco umbenannt und erhielt nach dem 2. Weltkrieg den heute offiziellen Namen Prato-Tires / Blumau-Tiers.

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Ein Güterzug durcheilt - für ein paar hundert Meter am Tageslicht zwischen den beiden Neubautunneln Schlern und Kardaun den ehem. Bahnhof Blumau Das jetzt mit (elektronischen) Erfordernissen für den Betriebsablauf vollgestopfte Bahnhofsgebäude ist sehr gut erhalten. In der Umgebung wurden aber alle historischen Objekte geschleift und die Bahninfrastruktur sticht unsensibel ins Auge. Foto: Blick vom Bahnhofsgebäude Richtung Südportal des Schlerntunnels

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Das Bahnhofsgebäude von Blumau aus der Zugperspektive, im Hintergrund das Maul des 13.307 m langen 1994 eröffneten Schlerntunnels.

"Das Aufnahmsgebäude entspricht der Klasse II/III der Typologie des Architekten Wilhelm von Flattich. Hier handelte es sich um die gehobene Version dieses Typs mit Giebeln über den Mittelrisaliten sowohl auf der Eingangsseite als auch zum Bahnsteig hin. Das Gebäude ist bis zum Dachstock ganz in Granit gemauert. Die Eckrisaliten, der Sockel und die fingierten Fensterbögen sind grob bossiert, die Fenster- und Türumrahmungen sind glatt scharriert. Die oberen Fensterumrahmungen stützen sich unten auf die umlaufende Lisene, welche die beiden Geschosse trennt. Der Dachaufbau ist ganz in Holz ausgeführt. Die Endgiebel sind jeweils mit zwei Fenstern versehen – die Giebel der Mittelrisalite haben Blindfenster - und das weit vorkragende Dach zeigt nochmals fein detaillierte Holzverkleidungen in den Giebelspitzen.

Der Grundriss war klar gegliedert: neben dem durchgängigen „Vestibule“ waren rechts und links die Warte- bzw. Fahrdiensträume mit Billettverkauf und Gepäckablage angeordnet. Eine Treppe mit eigenem Zugang von außen führte in die große Wohnung im oberen Stockwerk" (Zitat tecneum.eu)

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011

Unmittelbar nach dem Bahnhof Blumau überquert um die Mittagszeit DB ÖBB EC Richtung München einen Bach und taucht unmittelbar dahinter in den Schlerntunnel ein Direkt oberhalb des Schlerntunnel-Portals. Von der Bildmitte nach rechts abzweigend sieht man die alte Streckenführung - hier liegen auch noch die Schienen!

 

Anstelle einer Bahnhofsrestauration im Bahnhofsgebäude wurde analog Klausen und Brixen von der Südbahngesellschaft mit einem Hotelier ein Vertrag über einen Hotelbau für Bewirtung und Unterkunft der Reisenden geschlossen. Das in fußläufiger Entfernung dazu errichtete Hotel Schlosshof im Stile einer großbürgerlichen Ferienvilla altösterreichischer Prägung ist nach wie vor als Restaurant und Hotel geöffnet.

Forderung: Warum der Bahnhof von Blumau für den Personenverkehr stillgelegt wurde, das versteht kein Mensch. Seit jeher war und ist Blumau ein verkehrsgeographisch wichtiger Punkt, der nicht nur für die örtliche Bevölkerung sondern auch für den Fremdenverkehr bedeutungsvoll ist. Es ist ein Unding, Reisende Richtung Bozen wie in Richtung Waidbruck/Brixen statt  in kürzester Zeit auf der modernst ausgebauten Schiene sie in Busse zu verfrachten. Die Fahrt dauert länger und belastet unsinnigerweise die ohnehin stark frequentierten Strassen und somit auch die Umwelt.

 

Es wird daher eindringlich empfohlen, den Bahnhof Blumau für den Personenverkehr wieder zu öffnen!

Teil 3 der Wanderung: Blumau - Atzwang >>>

Diese spannende Eisenbahnhistorische Exkursion als Publikation für Zuhause

    Michael Alexander Populorum, 2012:
Eisenbahnarchäologische Exkursionen südlich des Brenners: Teil 2: Von Bozen nach Waidbruck entlang der alten Brennerstrecke. Gewidmet Prof. Dr. Helmut Heuberger. Schriftenreihe des Dokumentationszentrums für Europäische Eisenbahnforschung (DEEF), Band 4 (2012). Mercurius Verlag Grödig/Salzburg. Print, Farbe, 67 Seiten. Preis Euro 19,50; 1. Auflage 2012; 2. Auflage 2013

3. Auflage 2017 auf DVD  
(pdf 67 Seiten + Bonusmaterial),
ISBN 978-3-903132-09-2 ;  Preis Euro 16,50

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         Eisenbahnarchäologische Wanderung von Bozen über Kardaun, Blumau, Atzwang nach Waidbruck. DEEF / Dr. Michael Populorum 2011     

Schienenrelikte im Bahnhofsbereich Blumau Richtung Norden

Alle Fotos DEEF / Dr. Michael Populorum

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Bericht von: Dr. Michael Populorum, Chefredakteur DEEF;  Erstmals online publiziert: 28. Dezember  2011; Änderungen: 22.10.2016

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Last modified  Sonntag, 23. Oktober 2016 16:47:29 +0200
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